Reich an Koffein

„Die beste Methode, das Leben angenehm zu verbringen, ist, guten Kaffee zu trinken. Wenn man keinen haben kann, so soll man versuchen, so heiter und gelassen zu sein, als hätte man guten Kaffee getrunken.
(Jonathan Swift)

Streifzüge durch den Kiez Prenzlauer Berg sind vor allem eins: koffeinhaltig.

Ich falle aus meiner neuen Wohnung, die übrigens ganz berlinerisch in einem wunderbaren, von außen kaum zu erahnenden Innenhof liegt, und tauche ein in eine andere Welt. Eine Welt voller Cafés. Große und kleine, kitschige und geschmackvolle, günstige und relativ günstige, kreativ gestaltete und total freakige. CAFÉS. KAFFEE. Soweit das Auge reicht. Kein Land in Sicht, manchmal, aber immer ein Café. Die Grenze zur Überforderung ist längst überschritten. Unglaubliche Auswahl versus Entscheidungsschwierigkeiten. Lassen wir sie gemeinsamen Weges gehen. Seit einer Woche stecke ich in diesem Labyrinth aus Cappuccino, Café Latte, Espresso, gelegentlich auch Grünem Tee, Muffins, Kuchen und co. Und: ICH LIEBE ES ! Sich im Prenzlauer Berg ‚durchzubeißen‘ heißt genau das. Ausprobieren. Den Weg aus dem Irrgarten zu finden bedeutet sich ins nächste Vergnügen zu stürzen. En garde!

Ein ganz besonderes Kleinod liegt in der Sredzkistraße, die zwar unglaublich schwer auszusprechen, dafür aber ganz schnell per pedes zu erreichen ist. Das Café ‚elbspeicher‘ ist ein kleines Stück Hamburg in Berlin. Durch und durch nordisch, mit Möbeln aus splittrigem alten, Holz, blau-weißen Polstern, Kaffeebohnen aus der Elbgold Kaffeerösterei in der Hamburger Speicherstadt und vor allem gibt es Franzbrötchen. Klitschig und butterweich. Ein Gedicht. Das will was heißen, denn die Franzbrötchenqualität ist in der Regel eine kritische Sache. Das war Liebe auf den ersten Blick. Und den ersten Geschmack. Die ewigen Currywurstrivalen Hamburg und Berlin können anscheinend doch ganz gut harmonieren.

Der Kiez lässt sich der Fülle von Cafés entsprechend auch ziemlich gut „abfrühstücken“. Samstag um zehn. Bei Anna Blume bogen sich die Tische unter der Last von reichhaltig beladenen Frühstücks-Etageren, dampfenden Tassen und diversen Ellenbogen. So wechselten wir die Straßenseite und fanden, oh Wunder, ein CAFÉ. Ein, zwei, drei, vier, fünf. Mal Café, fünfmal Frühstück. Und dabei diskutierten wir. Wie die Erwachsenen, so ganz groß. Aber nicht arrogant (4 Kuwis am Tisch, keine BWLer). Über Finanzhaie, Goldman Sachs, Kapitalismus in der Krise und überhaupt suchten wir nach der Moral. Beschlossen verantwortungsvoll und glücklich im eigenen Mikrokosmos zu leben. Und wollten doch irgendwie noch die Welt retten. Und wir. Hier. In 30 Jahren. Wie? Und wir schweiften ab zu literarischen Klappstühlen und abgelehnten Nobelpreisen. Schlidderten in Gefilde der sexuellen Verklemmtheit und erfuhren, dass man in Dänemark oder so ‚Sexologie‘ studieren kann. Und Jesus ist auch nie über Wasser gegangen, immer schon über Bier. Es war dreizehn Uhr als wir vom Frühstück aufstanden. Belebt und doch. Uns wieder trennen mussten. An einer Kreuzung in Berlin. Solche Tage sollte es öfter geben. Und neben dem Zusammensein war natürlich auch der Café gut. Im Café ‚Sowohlalsauch‘. Lecker Café!

 

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