Eastcoast Roadtrip mit Karo – Tag 4

1

Mittwoch, den 03.04.2013

Es wird nicht langweilig, auch wenn es morgens  bisher immer ähnlich aussieht. Die Sonne scheint wieder als wir aufwachen. Kurze Morgenwäsche im Starbucks und runter zum Strand. St. Augustine Beach, Florida. Wir kurven ein bisschen ratlos herum. Hier ist alles zugepflastert mit Hotels. Rasen wie mit der Nagelschere geschnitten, Rasensprenger verrichten monoton ihr Werk. Die Gebäudekomplexe sind gar nicht mal so schön. Wir sind uns einig: Die Gegend um Charleston hatte definitiv mehr Charme. Trotzdem können wir nicht meckern: Wir finden doch noch einen Parkplatz dicht am Strand, hüpfen barfuss auf den sommerwarmen Asphalt. Es ist 8 Uhr und schon ziemlich warm, schwüler als bisher. Es sind Gewitter angesagt, aber noch ist der Himmel blau. Der Strand ist unendlich breit und noch unendlich viel länger. Oystercatcher und kleine weiße Vögel tummeln sich an der Wasserkante. Wir laufen, mit etwas steifen Knochen von der vergangenen Nacht. Die Beine sind noch nicht ganz wach. Dann findet Karo endlich ihren Aligator. Beweis:

2

Uns tropft der Schweiß aus allen Poren, ich laufe das erste Mal nur im Bikinioberteil. Immer wieder der kritisch prüfende Blick zur Seite, auf den Oberarm. Ist da schon ein Abdruck zu sehen? Ein bisschen Bräune wollen wir schon mitnehmen. Damit das auch wirklich was wird mit dem Teint, gammeln wir nach dem Lauf noch eine halbe Stunde faul am Strand herum. Aber hilft ja alles nix: Wir stinken und müssen nach Wasser suchen. Unsere heutige Waschgelegenheit ist wieder eine öffentliche Dusche hinter den Dünen, umziehen können wir uns im Badhaus daneben. Klappt doch alles. Und voila, wir sind wieder frisch. Und das für lau. Frühstück wird heute gleich zum Mittagessen. Und weil wir am Meer sind gibt es Fisch und Salat (wir hätten auch Aligatoren Schwanz bestellen können, schließlich sind wir jetzt im „Gator Country“). Als die Teller vor uns stehen, sind wir uns sofort einig, dass wir solche „mediterrane“ Kost doch wirklich lieber mögen als das ganze junk food. Wir Europäer. Glücklich kauen wir auf unseren Salatblättern (Kanickelfutter, wie Oma sagen würde), dazu gibt es geröstete Pecannüsse, Cranberries, Rosinen, Gorgonzola und Mangodressing. Und auf diesem grünen Bett thront bei mir ein weißes Telapia Fischfilet, bei Karo rosafarbene Shrimps. Dazu streift uns eine seichte Meeresbrise um die Nase. Hach…On the road again. Keith Urban und Joe Nichols tönen aus dem Radio und bringen uns wieder in Roadtrip Stimmung. Mir fällt auf, dass ein ziemlich hoher Prozentanteil meiner iPod Musik von Leuten bekommen habe, die anscheinend von amerikanischen Radiosendern inspiriert wurden. Danke Annie, Julius, Josh. Dank euch kann ich lauthals mitsingen. Zur Verdauung des Fisches brauchen wir Kaffee und machen eine neue Erfahrung mit dem Starbucks drive-through. Genial: Geht schneller und man muss keine Namen angeben. Wieder ein Hamburg Süd Truck. Ich will kurzzeitig aufspringen, aber dann kommt mir in den Sinn, dass ich wahrscheinlich eher als das entsprechende Schiff wieder in HH sein werden. Lieber noch ein bisschen amerikanischen Lifestyle leben bis es wieder nordisch wird. Weiter gehts, diesmal in eine andere Himmelsrichtung. Erst ein Stück zurück nach Norden, dann machen wir die Biege nach Westen: Auf nach Tallahassee. Auf Wiedersehen Küste, hallo Country. Ich trage wieder meinen Hut, wir fühlen uns nach Cowboystiefeln und halten Ausschau nach Flea Markets am Straßenrand. Dann zerplatzen die ersten Regentropfen auf unserer Scheibe. Dunkle Wolken hängen über dem Highway. Das Grau des Himmels und die immer grüner werdende Vegetation. Farbenspiel. Durch die Lüftung strömt Sommerregenluft, nasses Gras und warmer Asphalt.  Wir drehen das Radio auf. Glück prasselt mit dem Regen. Karo trommelt auf dem Lenkrad, meine Zehen wippen auf dem Amaturenbrett, Dolly Parton singt Jolene,  „your voice is soft like summer rain“. Dann kann diese Stimme gar nicht mehr so zart sein. Ich dachte als Hamburger sei man ne Menge Schietwetter gewöhnt, aber Regen in Florida ist eine Nummer größer. Platzregen wortwörtlich, halleluja! Wir sehen kaum noch etwas, der Scheibenwischer überschlägt sich fast, wir können ihn keuchen hören.Um 16.30 Uhr kommen wir in Tallahassee an, heute Nacht dürfen wir uns bei Jeff’s Eltern einquartieren. Uns erwartet der pure Luxus. Bestes Essen (selbstgefangener Fisch, gartenfrischer Salat, frisch gebackener Pecannuss Kuchen), warme Duschen und weiche Betten. Womit haben wir so viel Gastfreundschaft verdient? Sue zeigt uns das Haus, Joe führt uns in seine Werkstatt, wo er Möbel anfertigt. Das halbe Haus haben sie selbst gestaltet. Wir sind fasziniert, so viel DIY ist großartig. Später holt Adam uns ab, wir lernen noch ein paar andere Leute kennen. Können noch immer nicht glauben, wie warm wir aufgenommen werden. In einer Bar sitzen wir und lernen vor allem eine Menge über College Sport Teams. Gegen ein Uhr nachts fallen wir totmüde, aber überglücklich auf echte Matratzen und kriechen unter richtige warme Decken und schlafen wirklich wirklich gut. Thank you so much!!

6 7 4 5 9 3 8 14 11 12 10 18 13 15 16 17

2 Kommentare zu „Eastcoast Roadtrip mit Karo – Tag 4“

Hinterlasse eine Antwort zu soapre Antwort abbrechen