A weekly note

Eine Woche. So grob. Ich versuche demnächst mal kleinere Häppchen zu servieren. Derweil: Enjoy!

1. Running

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Eintrag Lauftagebuch 07-01-2013:

„Montag morgen. Dritter Arbeitstag. Gott, 05:50 Uhr, ist das dein Ernst? Draußen ist es noch stockdunkel, praktisch Nacht. Im Zimmer ist es eiskalt. Mein Mitbewohner Ron schnarcht durchdringend auf dem Sofa. Alles spricht dagegen jetzt aufzustehen und sich in die Laufsachen zu zwängen. Aber ich spüre, dass der Tag nicht gut werden wird, wenn ich mich in diesem Moment von meinem schlaftrunkenden Selbst überreden lasse nicht zu gehen. Ne Stunde länger schlafen…in ner Stunde bin ich auch nicht wacher. Lieber heute Abend laufen….als ob ich nach der Arbeit motivierter wäre. Scheiße. Also los. Es ist 6:20 Uhr als ich auf Zehenspitzen an der Couch vorbei schleiche. Ich schnüre meine Laufschuhe, vermumme mich mit Schal und Stirnband und trabe los in die Dämmerung, gen Central Park. Zum Glück ist schon etwas los, Und wie. Die Läufer und Hundebesitzer sind die Schlaflosen der Stadt. Heller wird es erst gegen 6:45 Uhr. Über Asphalt, gelegentlich Stock und Stein. Mein Laufguru, Haruki Murakami säuselt mir ins Ohr und alles ist gut. Die Beine sind locker, alles zieht vorbei und der Himmel färbt sich kitschig rosa-blau…“lila Wolken“ klingt auf dem shuffle Modus des iPods an – ohne scheiß, ganz zufällig! Es wird immer voller. Ich laufe 40 min. und biege ab in die 96. Straße. Irgendjemand hat mal gesagt, dass Laufen am Morgen den Tag verlängert. Als ich ins Büro fahre habe ich das Gefühl ich bin schon ewig wach. Und frisch und munter. Wie ein Fisch und geh nicht unter (höhöhö).“

Nach diesem Muster spielen sich einige frühe Stunden ab. Vom Widerwillen zur Beschwingtheit. Warum das alles? Das Training hat begonnen. Das Ziel heißt Hamburg 21.04.2013. Eine fixe Idee, die Karo und ich im Bruchteil einer euphorischen Neujahrssekunde via facebook fällten. Und wo könnte man sich besser auf einen Marathon vorbereiten, als in der Traumstadt vieler 42, 195-Fanatiker…zumindest theoretisch. Ich laufe eigentlich lieber etwas abgeschieden, für mich im Einklang mit der Natur oder sowas kitschiges. Davon bin ich im Central Park allerdings meilenweit (im wahrsten Sinne des Wortes und ich tue mich noch schwer mit der Meilen-KM Umrechnung) entfernt. An Sonntagen könnte man direkt klaustrophobische Anfälle bekommen, weil die New Yorker an Wochenenden die grüne Oase Manhattans regelrecht stürmen. In neonfarbenen Funktionsoutfits ziehen schmächtige size zero Damen stromlinienförmig an mir vorbei, riesige Pulks von Laufgruppen kommen mir rythmisch trabend wie eine undurchdringbare Wand entgegen. Ich springe über die seitliche Absperrung der Asphaltlaufbahn und …weiche einem Hund (Ratte?!) und seinem Frauchen aus, die gerade das Geschäft ihres Lieblings aufsammelt. Selten habe ich so viele Hunde im „Augenblick des Geschehens“ beobachtet. An jeder Ecke, überall, ständig wird einem hier vor die Füße geschi…ich übergebe das Wort an Max Frisch:

„SANITATION:

immer noch erwache ich viel zu früh. Bevor der Alltag losgeht, führen sie ihre Hunde und Hünchen durch die Straßen, halten sich an der Leine, während die Tiere pinkeln oder scheißen. Eine Hundestunde morgens, eine Hundestunde abends. Man muss eben aufpassen, wo man hintritt.“

(Max Frisch, aus „Amerika!“)

Central Park kenne ich also nun schon fast wie die berühmte Westentasche. Vor allem geht es hinauf und hinunter, was die Beine ein wenig strapaziert. Einmal herum auf diesem sogenannten „outer drive“, der Asphaltstraße, sind es ca. 9,7km. Besonders der nördliche Teil, das Harlem Meer, ist ein Traum. Ein großer See von Hügeln gesäumt, die einen ein wenig aus der Flut der Läufer entkommen lassen und das Gefühl von Natur entstehen lassen. Ein Plateau mit Kiefern erinnert mich an Frankreich, an die Seekieferwälder an der Atlantikküste. Eine Alternative zum Park sind die Ufer des Hudson Rivers im Westen. Dort lässt es sich kilometerweit laufen. Nur im Dunkeln ist es dort unheimlich. Deshalb wird das wohl eher das Laufterrain für Wochenenden, denn in der Woche geht ohne Dunkelheit leider gar nix. Winterschicksal. Oh, was mir zum Zentralen Park noch einfällt. Herr Frisch, bitte:

„CENTRAL PARK:

A reliable source has taught me that the famous squirrels are not in fact squirrels, but tree rats. Once there were squirrels here. The tree rats are not reddish like squirrels, but are no less decorative. One can watch them from quite close for minutes at a time, so tame are these tree rats. The main thing that distinguishes them from squirrels is that they destroy squirrels.“

Man lernt nicht aus. Neben Baumratten: Celebrities habe ich übrigens noch nicht getroffen, außer eventuell neulich früh Justin Timberlake. Der kam mir vielleicht entgegengejoggt. Aber es war ja noch ziemlich dunkel. Wer weiß. Eigentlich auch ziemlich egal.

 

2. Working

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Hmm, I skip this section. Ich mache diese kommende Woche mal ein paar mehr Bilder im Büro. Dann erzähle ich was von der Arbeit. Ist ja auch erst eine Woche gewesen, was soll man da erzählen. Aber soweit ist alles gut, die Leute sind nett, ich habe was zu tun, tralala. Demnächst mehr.

3. Reading

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Im Goetheinstitut NY, in dem auch unser Büro ansässig ist, gibt es diese Bibliothek. Fataler Weise. Demnach bin ich Freitag mit einem Stapel Bücher nach Hause gestolpert. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Max Frisch habt ihr bereits zu hören bekommen. Unsympathischer Typ, was das Äußere angeht, aber er hat ne Menge über Amerika geschrieben. Für ne ganze Weile hier gelebt. Und  hat demnach wirklich interessante Dinge über Land und Leute geschrieben. Vor Ort sowas zu lesen ist viel spannender, weil man einiges direkt beobachten kann. Ich sage nur siehe oben, die „scheißenden Hunde“. Und von solchen Wahrheiten schreibt er einiges. Außerdem hat er „Montauk“ geschrieben, was mich auf Long Island und den selbigen Ort gebracht hat. Karo, da fahren wir im April hin. Das äußerste Ende von Long Island.

Tragischer Weise musste ich diese Woche ein Buch beenden, das mir so sehr am Herzen lag wie lange keins. „Beck’s letzter Sommer“ von Benedict Wells klingt noch nach. Macht eins richtig und sucht den nächsten Buchladen. Es ist großartig. Und ich bin traurig, dass es mich nicht mehr in die Bahn und die Cafés, an die Waterfront und ins Bett begleitet. Am liebsten würde ich es weiter mit mir herumtragen. Es ist ein deutsches Buch, ja, aber es hat die erste Zeit hier in New York sehr geprägt.

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4. Chill (mal dein Leben)

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Nach fünf Tagen im Büro und mit reichlich Lesestoff konnte und sollte dieses Wochenende einfach nur lazy werden. Wunderbar gammelig. Ich habe mit meinen Mitbewohnern um die Wette gechillt.

Samstag: ausschlafen, laufen, in den Straßen wandern, lesen, stricken (jaha, ich stricke!! semi-professionell, aber ich stricke!) bisschen Praktikumsbericht, essen, schlafen.

Sonntag: ausschlafen, laufen, food shopping* und Uptown-Rundfahrt im Auto mit Anna und Ron (Harlem, Columbia University, Morningside Heights) essen, schlafen, lesen, essen, schreiben, schlafen.

*aha, kultureller Unterschied: Während die Deutschen sich samstags in den Geschäften drängen und sonntags Familienzeit oder sonstigen, eher weniger materialistisch geprägten Tätigkeiten nachgehen, ist das in New York andersherum. Weil hier auch am Sonntag alles geöffnet hat, nimmt man eher den Samstag für die Familie, Freunde etc und geht sonntags mit viel Begeisterung dem (food) shopping nach. Was es hier für Essen gibt. Und was man dafür ausgeben kann (und es gelegentlich leider tut, überwältigt von ausladenden Käsetheken und gigantischen Kuchenregalen und Obstpyramiden, auf die jeder Pharao neidisch wäre). Himmlisch. So ganz ohne Fastfood.

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Achso, ja, ich habe mir eigenen Café gekauft. Das hilft, schränkt den Starbuckskonsum ein. Es ist nicht leicht, aber das ist Entzug wohl nie. Und Instantcafé mit stümperhaft aufgeschäumter Milch (ich vermisse meinen Aufschäumer!) ist zwar kein vergleichbares Geschmackserlebnis, hilft aber zur Ablenkung.

Und mir ist übrigens bisher nichts passiert, trotz Häuserbrand einen Block vom office entfernt, Grippeausbruch in den USA (man plädiert im Büro dafür sich impfen zu lassen, aber ich glaube ich vertraue auf mein Immunsystem…Panikmache hier!) und Fähren-Crash am Pier 11 (jemand aus dem Büro saß drauf und wurde gleich mal von der ard interviewt – vielleicht hat der ein oder andere es ja im deutschen fernsehen mitbekommen) während der letzten Woche. Gefährliches New York!!

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5. Sleeping


 Ron schnarcht schon wieder auf der Couch. Ein Zeichen, mich auch in die Federn zu betten. Morgen ist schon wieder Montag. Aber das ist okay. Kurioser Weise vergeht die Zeit hier wirklich mal langsam. Warum weiß ich nicht, aber es ist gut so.

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2 Kommentare zu „A weekly note“

  1. Hallo Bentje, wir sind schon gespannt auf Deinen nächsten Bericht! Es ist ein großer Genuss Deinen Blog zu lesen!!!!!Weiter so!
    Herzliche Grüße aus Munich von Susanne und Peter

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