Tag 2: Vampire und Werwölfe

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Stephenie Meyer wird in Forks verehrt wie eine Heilige. Mit den Twilight Büchern machte sie den regnerischsten Ort der USA, ein trostloses düsteres Städtchen namens Forks, weltweit bekannt. Weil sich hier selten die Sonne zeigt fühlen sich Vampire hier besonders wohl, in ihrer Geschichte zumindest. Als wir die Ortsgrenze überqueren ist jedoch kein Wölkchen in Sicht. Ich hatte keine Ahnung was es mit Forks auf sich hat, aber Franzi wird ganz hibbelig je näher wir der Stadtgrenze kommen. Ich lasse mir im Auto kurz nochmal die Geschichte von Twilight zusammenfassen. Edward, Bella, Jacob. Vampire gegen Werwölfe, dazwischen die Menschen. Ein bisschen Romeo und Julia Liebesgeschichte: sie wollen sich, sie dürfen nicht. Alles klar, auf gehts. Wir sind vom South Beach Campground aufgebrochen, haben an der nächsten Tankstelle Kaffee getankt und auf der Heckklappe des Autos bagels mit Cream Cheese gefrühstückt. Es hat die ganze Nacht heftig geregnet. Wir sind mehr als froh das Auto zu haben. Die erste Nacht in unserem improvisierten Campervan haben wir erfolgreich überstanden, leichte Rückenschmerzen singen wir zum Aufwachen mit „atemlos durch die Nacht, weil die uftmatratze flacht“ weg…Nach dem Frühstück geht es also nach Forks. Hier bombardiert uns das Visitor Center mit der ersten Ladung Twilight: Der alte Truck von Bella steht vor dem Gebäude, Pappfiguren von Robert „Er ist soooo hot“ Pattinson alias Edward „Er ist soooo kalt (und blass, aber hot)“ Cullen und all den anderen. Es werden Vampirtouren für $60 aufwärts angeboten, Tshirts mit Biss und Bildbände mit Fotos der Drehorte. Mitte September feiert Folks „one decade of twilight“, wie blöd, dass wir da schon in San Francisco sind. NOT. Kurzes shopping im Supermarkt, ein bisschen Knoblauch kaufen (…), dann schwingen wir uns wieder in die Karre und auf geht es zum Twilight Hotspot Nummer 2: La Push. Klingt unglaublich dumm, heißt aber so. Ein Strand an der Küste, etwa 12 Meilen von Forks nach Westen. Bei der Anfahrt die Küstenstraße hinunter spotte ich Surfer! Viel cooler als Vampire, ihre Körpertemperatur kühlt der Pazifik aber mindestens so stark runter wie bei den Blutsaugern. Nur die Neos, Kappen und Booties verhindern die Blässe. Wir wandern ein bisschen am Strand herum, Franzi findet die Bucht, eingerahmt von steilen, pinienbewachsenen Felsen sehr akkurat beschrieben. Sie kann sich Bella und Edward hier vorstellen. Die Sonne scheint, aber warm ist es nicht gerade. Lange Hose und Windjacke sind Programm.

Es ist 15 Uhr und unsere Mägen knurren wie wütende Werwölfe. Ein kurzer Klobesuch in La Push bringt uns einen Restauranttipp ein. Weil mein Schloss klemmt und ich nicht mehr aus der Toilette rauskomme rettet mich der Hausmeister der Ferienanlage. Während Franzi die restrooms benutzt komme ich mit, nennen wir ihn James, also mit James, ins Gespräch. Er fragt, ob wir aus Deutschland kommen, er hat uns reden gehört. Er fragt in einem fast perfekten Deutsch! Ich bin kurz sprachlos, warum, wieso? Er ist beim Militär, war drei Jahre in Bamberg stationiert, hat einen siebenmonatigen Deutschkurs belegt. Wir quatschen ein Viertelstündchen, er erzählt uns noch einen Witz über Katholiken („Im Dorfteich planschen nackt ein katholischer Junge und ein protestantisches Mädchen. Beim Abtrocknen sagt der Junge: „Da sieht man mal, was euch Protestanten so alles fehlt…“) und empfiehlt und dann das „Three Rivers“ Restaurant an einer Weggabelung in Richtung Forks. Bingo, da gibt es gleich mal den Werwolf-Burger. Und Onion Rings! Und Oreo Michshake! „Jetzt bin ich in Amerika angekommen“, strahlt Franzi, „kannst du das Fett brutzeln hören?“. Wir sitzen hier eine Weile, Telefonempfang gibt es hier nicht, aber Wifi. Und das Twilight Hörbuch muss eh noch laden. Selbstlos helfe ich Franzi den Oreo Shake zu bewältigen. Dann brechen wir auf, ein bisschen müssen wir noch fahren. Vorbei an Neah Bay an der Nordküste, dann schwenkt der Highway wieder nach Westen, zurück an die Westküste! Franzi hat auf dem Weg einen streunenden Hund auf der Straße gesehen und ist ein bisschen durcheinander, sowas kann sie nicht ab, sie möchte gerne alle Hunde retten. Schließlich finden wir den Hobuck Campground, wie South Beach wunderschön gelegen, direkt am Strand. Auch hier beobachten wir Surfer bis das letzte Licht des Tages hinter den Pinien verschwindet. Und ein Hundi läuft am Strand herum, kommt zu uns und Franzi ist glücklich, dass sie ein bisschen Fell streicheln kann. 9 pm, höchste Zeit, wieder in unsere Autohöhle zu kriechen. Autocamper sind früh im Bett und früh wach, gute Nacht!

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