New Jersey: Meeting Mascha

Foto 09.07.15 16 58 58Beach voices of the New Jersey shore, summer 2015

Dan: „The hardest thing in my life is to put on a bathing suit in the morning. Sometimes I even forget what day it is.“

Sue: „During the summer, we leave the beach only for weddings and funerals.“

Foto 07.07.15 13 33 06New Yorks Penn Station liegt an der 34. Straße im Herzen Manhattans. Von hier fahren die Züge ins ganze Land. Meinen Rucksack auf dem Rücken stapfe ich durch die wuselnde Masse zum Schalter des New Jersey Transit, ein Zug der mich nach Sueden an die Küste New Jerseys bringen soll, genauer: nach Long Branch, zu Mascha.

7 Tage später. Ich hatte nicht geplant hier eine ganze Woche zu bleiben. Aber der Strand ließ mir praktisch keine Wahl, es war an der Zeit wieder braun zu werden, wieder Shorts und Bikini zu tragen, barfuß auf warmem Asphalt zu laufen. Die Jersey Küste um Long Branch und Sea Bright hat den Charme eines filmreifen amerikanischen Sommerausflugs ans Meer: Eine Strandmeile mit kleinen Geschäften, in denen es Schwimmtiere und maritime Mitbringsel zu kaufen gibt, dazwischen bieten schicke Restaurants mit Cocktailbars entlang des Boardwalks Austern und Champagner an. Strandstühle – beach chairs –  mit Kühlfächern und Sonnenschirme sind die bunten Tupfer des langen Sandstrandes und ein must-have.  Große Parkplätze für viele grosse Autos lassen auf die Beliebtheit des Kuestenstreifens schliessen, dazu verlangt an jedem Strandzugang ein kleines Häuschen 8$ ‚Kurtaxe‘ für das sandige Erlebnis. Vom Strand aus kann man bei gutem Wetter New York sehen, von dort kommen die Besucher am Wochenende in Scharen. ‚Benny‘, so nennen die locals abwertend diese sommerlichen Besucher – damit ist der Spitzname übrigens für mich schon mal ausgeschlossen.

Die Tage hier haben keinen Takt, sie fließen dahin. Vom morgendlichen Bagel – New Jersey Pork Roll! – oder Eggs, Bacon und Wheetgras Shots, direkt an den Strand, ins Meer die Hitze ertränken und den Schweiß abwaschen, Volleyball am Nachmittag oder Abend, dann in die die nächste Bar, oder auch in die German Beer Hall in Asbury, als Finale in der Hot Tub Nachts die Sterne beobachten, nicht ohne frisch gezapftes Bier von der hauseigenen Terrassenbar natuerlich . Eines ist mir jetzt klar: Die Prohibition war die dümmste Idee, die amerikanische Politiker jemals hatten. Hier ist Alkohol im Spiel. Für den ersten Volleyball Abend am Strand von Sea Bright ist das wörtlich gemeint – Liz, die uns mit Getränken beliefert, grinst vom Spielfeldrand aus, als wir den ersten Schluck vom Gatorade nehmen, ein Sportgetränk, das jetzt verdächtig nach Vodka schmeckt. Dabei habe ich den Cocktail im Beachclub schon fast vergessen, den wir vor dem Spiel als Auftakt geschlürft haben. Danach geht es direkt weiter ins DIVE, eine Bar an der Meile von Sea Bright. Nicht unbedingt bekannt für die besten Drinks, wie mir Maschas Freund Dan der Bartender erklärt, aber das Essen ist hervorragend, vor allem die Tacos mit Pulled Pork und die Austern – ein Bier dazu geht natürlich auch hier. Darauf folgt noch eins, dann kommt der Zimtschnaps Fireball und mir klingen die Glocken in den Ohren und draußen rieselt leise der Schnee – schmeckt wie Weihnachten. Alle Bars hier sind jedoch Nichts gegen Donovan’s. Donovan’s! Vor zwei Jahren wurde die beliebte Strandkneipe von Sandy zerstört, der Supersturm hat hier fast die gesamte Küste zusammengeweht. Heute, zwei Jahre später, sind die meisten Schäden behoben. Die Menschen haben ihre Häuser wieder aufgebaut, der Strand ist wieder breiter geworden, weil im Winter Sand durch große Rohre vom Meeresgrund ans Ufer gepumpt wurde. Nur Donovan’s blieb bisher geschlossen. Vor ein paar Wochen machten Gerüchte die Runde, Hey, habt ihr das auch gehört, Donovan’s öffnet seine Tikibar am Strand wieder! Dieses Wochenende war es tatsächlich soweit. Seit Freitag um 10 Uhr gibt es kein anderes Thema mehr, geschäftiges Räumen an der Bar, die ersten Kunden warten gespannt und beobachten jede Regung des Personals. Ungeduld macht sich breit. Mir ist der Alkohol ziemlich schnuppe, irgendwie finde ich das alles hier sogar ziemlich nervig und lächerlich, jedes zweite Wort ist BEER!, booze ist das Hauptthema, immer und ueberall. Aber die Spannung in der Luft macht sogar mir als Touri klar, wie besonders diese Wiedereröffnung sein muss. Dann irgendwann zischt die erste Dose Bier und ab da gibt es kein Halten mehr. Samstag Abend: Wir sitzen im Sand, der Ice Tea hat einen im Tee und wir auch bald, während wir halb ernst halb albern auf Bruce Springsteen warten. Bruce ist hier in New Jersey zu Hause und das letzte Mal ist er wohl tatsächlich im Donovan’s aufgetaucht und hat ein kleines Spontankonzert gegeben, in Latzhose und mit Cap. Heute Abend taucht der Boss nicht auf, aber der DJ mischt in die Chartmusik des Tages langsam die Elektrorythmen der Nacht. Beachgirls in kurzen schwarzen Kleidern schwingen die Hüften, an der Tikibar dauert es 20 Minuten bis ich einen Drink bekomme. Die Hawaiiketten am Bambushäuschen der Tikibar schwingen in der leichten Brise, die Scheinwerfer beleuchten den Strand und den instabilen Bambuszaun, der uns symbolisch vom restlichen Teil des Strandes abtrennt. Hier ist trinken erlaubt, ‚ dort draußen‘ selbstverständlich nicht. Deshalb ist Donovan’s so eine sensation: Ganz offen und das legal am Strand trinken können, ohne die Bierdose im Shirt einzuwickeln oder den Alkohohl in Trinkflaschen umfüllen zu müssen. Kannste ja keinem Europäer verkaufen, dass Trinken am Strand etwas  Außergewöhnliches ist. Aber hier eben schon…Der Sonntag ist dann ein richtiger Sonntag. Auf der Garagenauffahrt steht der dicke Grill, davor parken die dicken Autos. Es gibt BBQ: Ribs. Coleslaw. Mudpie. Sangria Bowle. Und wie sollte man den Tag anders überstehen: Budwiser. Budwiser. Budwiser. Ich lerne Kan Jam und Cornhole – zwei Spiele für den Garten, so normal hier wie Bodgia oder Federball bei uns. Dieser Trip ist wahrhaft eine kulturelle Studie, ich bin mittendrin in der amerikanischen Kultur.

Kommen wir zum Wasser. Da faellt mir ein: Haie. Diese Woche ist „Shark Week“ im Discovery Channel, der laeuft im Dive non-stop. Menschen tauchen in Käfigen zu den grossen Weissen hinab, andere lassen sich in Kettenhemden von den Viechern anknabbern oder versuchen sie auf den Rücken zu drehen und so in Trance zu versetzen. Berichte von Haiangriffen und fehlenden Gliedmaßen, von wissenschaftlicher Forschung und Erkenntnissen. Man soll ja nicht so gegen Haie haten, wieder kommen die Argumente auf  ‚es sterben mehr Menschen durch Hunde, Sektkorken und Kokosnüsse‘, aber ein mulmiges Gefühl bleibt. Besonders, weil es dieses Jahr hier an der Ostküste schon diverse Sichtungen und einige Attacken gegeben hat. Super Vorbereitung: Dan nimmt Mascha und mich mit zum Surfen, ein paar kleine Wellen spuckt die Ostküste für uns aus. Sobald ich auf dem Brett über den ersten Wellenberg hinweg paddle, die Gischt auf den Lippen schmecke und die Paddelbewegung sich wieder wie das Natürlichste der Welt anfühlt,  sind alle Haie laengst vergessen. Endlich wieder surfen! Es ist so heiß, an einen Neoprenanzug ist nicht zu denken. Im Badeanzug gibt es von der Sonne gleich eine Quittung, in Form eines runden Kreises auf dem Rücken und rote Schultern. An meinem letzten Morgen floaten wir im sommerlichen flow einen Fluss hinunter – Dan auf dem Stand up paddle Board, Mascha auf einer komfortablen Luftmatratze mit Rückenlehne und ich auf einem eher weniger komfortablen Reifen, der eigentlich eine snow tube ist. Die Leute auf den Booten winken uns zu und gucken ein bisschen verwirrt. Die Tide ist entscheidend. Jetzt treibt uns die Flut in Richtung Norden, später soll die Ebbe uns zurück bringen. Dafür müssen wir warten, Wo? Natürlich in einer Bar Schrägstrich Restaurant. Ganze vier Stunden Sonne, Drinks, Food und Schwimmen. Dabei beobachten wir den Fluss, sehen wie die Strömung sich verlangsamt, wie kleine Wellen und Wirbel entstehen und wie schließlich, ganz langsam, das Wasser in die andere Richtung zu fließen beginnt…

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Foto 13.07.15 17 29 36Weiter geht es hier: Richtung Virginia Beach, hitching a ride mit Simona und Chris….https://blogmopped.com/2015/07/14/hitching-a-ride/