Virginia Beach

Foto 15.07.15 11 19 09Im Java Surf Cafe schüttelt mir Dwayne die Hand, fragt ob ich hier zu Besuch bin und nachdem ich nicke sagt er „this is gonna be your favorite Spot in Virginia Beach“. Damit könnte er recht haben. Hier hängen Bilder von Hawaiiblumen und Kolibis an den Wänden, Acryl auf Leinwand in tropischen Farben, Quallen und Seepferdchen und Landschaftsmalerien langer Küstenstreifen. Ich bin in Virginia Beach. Ich dachte nicht, dass nach New Jersey noch mehr beach life möglich ist. Hier aber mag ich das Flair noch viel lieber, das Wasser ist sauberer und es fliesst deutlich weniger Alkohol.  Ausserdem kommen Delfine hinzu, mehr Wellen, freundliche Hunde und ganz viel Gastfreundschaft. Am Boardwalk zeugen Beach Cruiser Bikes mit den hohen Lenkern von einem wirklichen Strandleben, Pinien riechen und Grillenzirpen – fast Frankreich Flair, irgendwie mediterran. Weiterhin gibt es nur das barfuessige Dasein. Ricky traegt ihnehin nie Schuhe. Ich kenne Ricky und ihren Sohn Billy von Fuerteventura, den Februar ueber haben wir 2014 dort zusammen gewohnt und gesurft. Hier lerne ich ihr amerikanisches Leben und den Rest der McGarry Familie kennen. Wieder unter locals! Gleich am ersten Tag werde ich zum Segelbootreparaturgehilfen von Billy’s Vater Jim. Danach hole ich gleich sein Auto von der Werkstatt ab, cruise anschliessend mit Ricky’s Chevy Truck die Atlantic Avenue entlang, auf dem Weg halten wir an zwei surfshops und besuchen dann Billy bei seinem summer job in einem Fast food Restaurant. Der steht in Uniform am Grill und hackt bacon in Stücke. Nach ein paar stunden in Virginia Beach bin ich schon so angekommen und integriert, dass ich mich wie zu Hause fühle.

Jemand hat idealer Weise die Wellenmaschine angeworfen, in ein paar Stunden geht es gegen low tide, dann ist es Zeit für eine surf session. Vom Haus sind es zwei Minuten runter zum Strand, Boards stehen genug im Garten. Besser geht es fast nicht. Am Abend bin ich platt von 4 Stunden water work-out, ein bisschen brauner und sehr sehr hungrig. Meine Haare filzen sich zu Dreadlocks, ein gutes Zeichen! Am folgenden Morgen stürmt Ricky um 6 Uhr in mein Zimmer und knipst recht brutal das grelle Deckenlicht an: Aufstehen! Surfen! Keinem Befehl folge ich lieber, wenn auch noch etwas verpennt. Wir fahren in die 1st street, Greg und ich surfen dort eine Stunde. Dann werden die Wellen zu lasch und wir fahren zu einem Spot weiter südlich, weitere drei stunden paddeln, surfen, warten, paddeln, surfen. Ich bin froh um den Kaffee und Donut, den wir vor der ersten Session hatten. Frühstück ist spaeter ein mehr als verdienter Pancake mit Bacon und Ahornsirup, im Belvedere, einem amerikanischen Diner im Stil der 60er jahre. Später im Surfshop kann ich kaum meine Arme heben, um durch die Tshirts zu schauen. Die Tage hier beginnen idealer Weise um halb sechs. Ricky ist so frueh schon mit den Hunden draussen, sie verpasst selten einen Sonnenaufgang. Der Morgen ist so friedlich hier, die Luft noch kuehl. Ich paddle um halb sieben mit dem Longboardhinaus, der Atlantik liegt still da, nicht mehr als eine Uferwelle rollt an den Strand. Nicht weit von mir gleiten Delfine durch einen Fischschwarm, Pelikane fischen aus der Luft, segeln dicht ueber der Oberflaeche – sie sind fuer den Sommer aus Florida hier hinaufgekommen. Ich weiss nicht, ob ich jemals zuvor so elegante Voegel gesehen habe.  Zwischendurch fällt kurz warmer Sommerregen, der die 35 Grad nicht herunterkühlt, sondern die Luft noch schwüler macht. Das leben ist langsam, aber gut. Man braucht kaum zu essen bei dieser hitze.

Ein Ausflug nach Monticello ist kein Kurztrip nach Italien, viel mehr ein Ausflug in die Amerikanische geschichte.  Gen Westen fahre ich mit Jim und Rickys Nichten zu Thomas Jeffersons Plantage Monticello. Jefferson, 3. Präsident der USA, hat sich dort ein hübsches Anwesen auf einem kleinen Hügel – „monti cello“, altitalienisch für „kleiner Berg“ – aufgebaut. Oder eher seine 600 Sklaven, die er während seiner Lebenszeit besaß. Eigentlich war er ja gegen Sklaverei. Naja, ist halt nicht so ganz logisch…Die Präsidenten kann ich immer noch nicht alle aufzählen, aber Jefferson werde ich wohl jetzt nicht mehr vergessen.

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Hitching A Ride

Foto 14.07.15 14 26 07These Germans! Immer und überall sind sie unterwegs….Simona habe ich 2008 schon in Übersee, genauer in Neuseeland, getroffen – als sie mit ihrer Familie im Wohnmobil unterwegs und ich mit Lina work and traveln war. Dieses Jahr reisen Simona und ihr Freund Chris durch die USA. Wie das Schicksal es so will kreuzen sich unsere Wege wieder, fast rein zufällig, es braucht nur ein paar facebook Nachrichten. Die beiden sind auf dem Weg nach New York, die Ostküste hinauf, in ihrem in Iowa gekauften Auto. Mit Campingausrüstung von Stühlen bis Feuerholz und jede Menge Verpflegung im Pappkarton im Kofferraum – ein richtiges Roadtrip vehicle, ich bin begeistert. An diesem Morgen fahren sie um 10 Uhr, pünktlich deutsch, in der Robin Road vor als ich, pünktlich deutsch, gerade reisefertig mit Backpack und Gypsy Hut aus dem Haus trete. Mascha und Dan rasch im Halbschlaf good bye umarmt geht es für mich heute weiter. Chris und Simona fahren mich hoch nach New York, damit ich dort meinen Bus nach Virginia Beach erreiche. Was die geografische Logistik angeht etwas bescheuert, erst 2 Stunden nach Norden, dann wieder 7 Stunden nach Süden, aber so what, dafür bin ich schließlich hier: Unterwegssein. Außerdem kriege ich die beiden ein paar Stunden zu sehen. Sie erzählen von ihrem bisherigen Roadtrip, von dem Autokauf und Simonas Gastfamilie, die sie besucht haben, von Campingplätzen und der amerikanischen Gastfreundschaft, auch von gerade noch fertiggestellten Bachelor- und Masterarbeiten  bevor die Reise losging und unnötig eingepackten Winterpullis. Reisende im Gespräch, ich fühle mich hier auf der Rückbank genau am richtigen Ort.  Um das Verkehrschaos in Manhattan zu umgehen parken wir auf Staten Island und nehmen die Fähre hinüber. Die Skyline versinkt an diesem Nachmittag in Grautönen, die farblos gläsernden Wolkenkratzer lösen sich im Nebel auf. Schauer ziehen über die Bucht und lassen Lady Liberty im Regen stehen. Ohne den Fahrtwind auf der Fähre ist es ekelhaft schwül als wir den Broadway entlanglaufen, mein Rücken nass vom Backpack und die Schultern verkrampft.  Ich muss unbedingt wieder hier raus, keine Stadt mehr, ich will zurueck an den Strand. Nach einem  Abschiedscafe bei, natürlich, Starbucks mache ich mich auf den Weg den Bus nach Virginia Beach zu finden. Die Haltestelle ist nicht mehr als ein unscheinbares Schild in einer Straße, die vom Broadway abgeht. Zu meinem Glück sitzen an der Hauswand bereits einige Leute auf oder neben ihrem Gepäck. Es muss wohl richtig sein. Virginia beach, 7 stunden bus ride, here we go!

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