Wie es begonnen hat, so endet es. Die letzten zwei Tage Kurs sind ähnlich grau wie alles andere zuvor. Das Dünengras biegt sich nach Osten, weg vom Meer. Als könne es nicht ertragen, diese windgewogte Sturmsee noch länger zu sehen. Es heult der on-shore Wind. Auch wir stehen auf der Düne und blicken ernüchtert auf das schaumige Chaos vor uns. Gegen den Wind gestemmt, der in die Regenjacken fährt und uns aufbläst wie Michelinmännchen. Versuchen daraus Wingsuits zu machen, zu fliegen und stolpern doch wieder rückwärts die Düne hinunter. Erstmal also ganz viel Theorie. Alles über die ASP, Surf contests, judging – wir nehmen die ASP website auseinander, schauen Heats und staunen über das ein oder andere radikale Manöver. Shoppen in Hossegor ist auch nicht verkehrt, kleiner Ausflug raus aus dem Camp! Wenn man schon nicht surfen kann, dann wenigstens Neos kaufen. Vorsorgen für bessere Tage. Und die Brandung in Hossegor bestaunen, fette Wellen ist gar kein Ausdruck.
Welle, Welle,
auf die Schnelle,
bring mich in die große Welle –
ein bisschen Schaum, den nehm‘ ich auch,
rutsch ich eben auf dem Bauch.
Ein paar Kursis wollen dann also doch raus am Donnerstag. Schaumwalzen wälzen und Strömungen trotzen heißt das Motto des Tages. Das Team mimt den Zweckoptimisten und wandert in bester Laune, dick eingepackt – Wollsocken unter Neoprensocken, und kann man ne lange Unterhose unterm Neo tragen? – mit ein paar wagemutigen Kursis an den Strand. Dort, neben Schaumwalzengerutsche, Quallenschlachten, Bojenbaseball (mit Ding-Garantie…), Musical Performances an der Wasserkante und so weiter und so fort. Nur warm und lustig bleiben. Das wars dann also, der Mai verabschiedet sich und ich mich auch. Das Zelt gefegt, das Board aufs Autodach geschnallt, dem Team adieu gesagt. Die Bilanz halten wir kurz: Hätte besser sein können. Aber wahrscheinlich auch noch viel schlimmer. Als wir die Grenze überqueren zeigt sich auch Deutschland nebelig und regnerisch. Was soll man machen. Wir sitzen das aus und blättern in Stormrider Guides. Surfer sind Reisende. Und wenn es hier regnet, dann sucht man schon mal nach dem nächsten Spot.
Ich revidiere. Teilweise. Ganz so grau kann man das hier nicht stehenlassen. Lichtblicke. Es gab sie, ganze zwei. Sonntag und Montag waren die Wellen und das Wetter uns gnädig, liefen quasi zu Höchstformen auf.
Um 6.15 Uhr wird es hell, es riecht nach Terpentin im Camp: leichter off-shore! Zeltreißverschlüsse schneiden durch die morgendliche Stille, ritsch-ratsch, VW Bus Türen gleiten geräuschvoll zur Seite, ein Huschen nackter Füße auf Kiefernmulch, flüsternde Stimmen und dazwischen das rythmische Kreisen von Wachs auf Bretteroberflächen. Einzelne Gestalten ziehen los, durch den Wald, wo sich langsam die Sonne hinter den Kiefern hervor schiebt. Zum Radkappenüberweg, auch Shadow Point genannt. Ganze 30 Minuten Fußmarsch. Aber der Blick über die Düne entschädigt alles: Feine Linien rollen an den Strand, die Wasseroberfläche ist glatt und geschmeidig wie Glas. Morning glass-off ! Endlich wird gesurft, bis das Gefühl in Füßen und Händen nur noch Taubheit ist. Aber die lächelnden Gesichter am Frühstückstisch sind goldwert, den Rest kriegt man mit Tee und Wollsocken wieder hin. Den ganzen Tag über wird natürlich weitergesurft – mit dem Kurs. Und der Montag zeigt sich ähnlich genial, fast zu klein und sanft. Aber wir spielen auch mit kleinen Wellen und surfen uns mit der Gummisau die Arme zu Pudding. Bevor am Mittwoch wieder die 4m Brecher auf die Sandbank knallen. Diese extremen Stimmungsschwankungen, liebes Meer, daran solltest du arbeiten. Wie gut dennoch, dass es diese beiden Lichtblicke gab, sonst hätte ich wohl den Glauben an die französische Atlantikküste für immer verloren.


















