Crumbs of the Big Apple Crumble

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Die Kästen der Airconditions schwitzen auf den Gehweg und hinterlassen nasse Flecken. Daneben platscht Taubenkacke dampfend auf den Asphalt. Von den schwarzen Müllsäcken am Straßenrand steigt übel riechende Luft auf, daneben rinnt braune Brühe die Gosse hinab, dem Zebrastreifen entgegen, und mündet in einem Müllstrudel aus plastic bottles und gelblichem Schaum. Die Stadt ist mir nicht fremd, aber ich habe sie noch nie in ihrem Sommerkleid gesehen, geschweige denn gerochen. Vor zwei Jahren trug sie Pelzmantel und Ohrenschützer, Stiefel und Strumpfhosen. Da waren die Bäume des Central Parks blattarm und eissteif, jetzt grünt und blüht es hier und Vögel hüpfen und zwitschern, als wollten sie der Stadt eine ländliche Idylle überstülpen. Segelboote bevölkern den Hudson River, daneben paddeln Kayakfahrer im Strom und Sonnenanbeter biegen sich in Yogaformation auf den Grünflächen am Fluss. Modisch zeigt sich der Sommer in allen Formen und Farben, von Hotpants bis Blümchenkleid. Bauchfrei scheint wieder in zu sein.

Ich schnüre die Laufschuhe um 5:52 Uhr, der Jetlag hat mich noch fest im Griff. Die 30 Grad des gestrigen Tages liegen noch in der Luft. Es ist schwül als ich aus den Jefferson Towers trete, immerhin kühler als tagsüber. Eine leichte Brise weht durch die Straßenschluchten. Ich trabe los, die 95. Straße nach Westen quere ich die Amsterdam Avenue und den Broadway. Am Hudson ist um diese Uhrzeit schon Betrieb, den neonfarbenen Läufern und Radfahrern gehören die lanes des Riverside Park. Ich reihe mich ein in den frühsportlichen Wahnsinn. Ein Stand up Paddler arbeitet sich nahe des Ufers stromaufwärts nach Norden, einige Minuten gleiten wir nebeneinander her, vorbei an den Booten, deren Masten und Rümpfe rötlich gefärbt sind von der aufgehenden Sonne.

Später am Tag rast das NYPD unter hektischer Sirene durch den Central Park, in dem die New Yorker – und ich – auf Wiesen und Felsen in der Mittagspause entspannen. Überall Sirenen. Und Parks! Die Stadt ist süchtig nach grün, der Asphaltdschungel braucht richtigen Dschungel zum Ausgleich, die gläsernen Fassaden wollen grün spiegeln. Im Prospect Park in Brooklyn steigt ein Drache auf und Grillgeruch in die Nase, kleine bunte Grüppchen tollen mit Bällen und Hunden auf der großen Wiese hinter der Grand Army Plaza. New York ist ein beispielloser meting Pot. Hautfarben, Gesichtszüge, Körpermaße – alles schmilzt hier in der Hitze zu einer Einheit und bleibt gleichzeitig in seiner Vielfalt erhalten. „Happy 4th“ klingt an meine Ohren. Independence Day. Ob ich mir den Zeitpunkt meiner Ankunft bewusst ausgesucht habe,für einen richtig amerikanischen Einstieg? Not really…aber hier macht sich ohnehin jeder ein bisschen über übertriebenen Nationalstolz lustig. Beim Feuerwerk später versperren die Wolkenkratzer mir so sehr die Sicht, dass ich das Spektakel eigentlich nur akustisch verfolgen kann. Es hallt in den Hochhauscanyons. Nun ja, optisch ist zumindest die Reflektionen in den Fassaden drin.

Governor’s Island liegt nicht weit vom Festland, südlich der Spitze von Manhattan. Wir brettern mit der Fähre über den Buttermilk Channel hinüber und finden wieder ein Park. Die Insel ist ein ehemaliges Militärgelände auf dem heute Foodtrucks ihre Burgerpatties grillen, Touristen die Aussicht auf die Skyline und Lady Liberty genießen und auf der weitläufigen hügeligen Wiese rund um das Hauptgebäude die Picknickdecken ausbreiten. Trotz der Besucherscharen, die hier jede Stunde mit dem Boot einfallen, verteilen sich die Massen schnell. Keine Spur von der Hektik Manhattans. So klingt der Tag aus, wir nehmen die Fähre zurück aufs Festland und streifen mit der untergehenden Sonne durch den dicht bevölkerten Brooklyn Bridge Park der Subway entgegen. New York, New York – es war schön dich wiederzusehen, aber ich glaube das reicht mir jetzt mit Stadt. Es ist Zeit aufzubrechen…

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Bestes Bild, purer Zufall: Minion und Banana vereint. Bananaaaaaa…
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Team Fridolin

„Hier ist der Start, dort  ist das Ziel. Dazwischen musst du laufen.“ (Emil Zatopek)

Bevor einer fragt: Fridolin ist die Katze eines ehemaligen Mitarbeiters. Warum die in die Geschichte eingegangen ist und ihr Name jetzt auf Team-Tshirts gedruckt wird, don’t ask me. Jedenfalls habe ich den kompletten Freitag Nachmittag damit verbracht, den Balkon mit Sprühfarbe zu verwüsten. Damit ich am Samstag wie Grace, Thomas und Hannah auch im Team Tshirt auflaufen kann. Ein Shirt professionell zu bedrucken, das lassen sich die New Yorker mit $45 aufwärts nämlich teuer bezahlen. Dann doch lieber DIY. Die letzten Tage hat sich der New Yorker Himmel nicht gerade farbenprächtig gezeigt und das gipfelte dann am Freitag in einem grandios ekelhaften Mix aus Schnee und Regen. Demnach war die kreative Bastelsession in Gammelklamotten ganz passend angesiedelt. Als das Mistwetter allerdings abends immer noch anhielt kamen mir leichte Zweifel an der makellosen Wettervorhersage für Samstag, die blauen Himmel und Sonnenschein versprach.

Aber tatsächlich, um 6:15 Uhr heute morgen fiel kein Schnee, es ging die Sonne. Auf! Und ich lief los. Auf der Brooklyn Bridge kitschiger Weise der Sonne entgegen. So ganz ohne Touristenströme zu dieser frühen Stunde. Die Flatbush Avenue hinunter, durch Brooklyn bis zum Prospect Park. Startschuss für den Lauf war um neun, ein 5k‘ race einmal rund um den Park. Mit dem Team Fridolin und Jeff. Vorbei an verschneiten Wiesen, im Einklang mit weißen Atemwolken von der Morgenfrische. Später dann eher Dampfwolken, weil die Sonne höher und der Kurs (an)gestiegen war. Nach einer guten halben Stunde war schon wieder alles passé und wir waren bereit für Frühstück, self-made bei Grace. Zünftig amerikanisch mit to-go Kaffee, Omlette, bacon und doughnuts. Inklusive Musik vom Plattenspieler und in der Gesellschaft von Katze Cleopatra und Hund Scarlett. Ein nicht ganz gewöhnlicher Morgen in Brooklyn, eine ungewöhnlich schöne Art den Tag zu beginnen. Um den Kreis zu schließen setzten Thomas und Hannah mich vor einer Brücke auch wieder ab, diesmal die Manhattan Bridge. Die bietet auch am Tag, wenn die Brooklyn Bridge schon lange von sonnenhungrigen Touristenströmen eingenommen ist, noch jede Menge Platz zum Laufen. Downtown Manhattan queren, durch Menschenmengen in Chinatown, hinüber an den Hudson. Und dann hoch, gen Norden, zurück in die Upper West Side. Und dann erstmal duschen.

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