Sommerliche Schneeverwehungen

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In den Bergen ist man als halbwegs erfahrener Wanderer eigentlich ständig auf Schnee eingestellt, egal wo die Jahresuhr gerade steht. Trotzdem ist es immer wieder faszinierend, wenn einem dann wirklich die Flocken ins Gesicht wehen. Im August, verrückt. Wir kletterten in zackigen Serpentinen den Hang hoch, die Temperatur sackt in den Keller. Von Regen zu Sonne zu Regen zu Graupel und Nebel. So sah unser Aufstieg in den ersten 2,5 Stunden aus. Und jetzt Schnee für die finale Stunde in der uns u.a. noch ein Grat bis zur Hütte erwartet. Holla, der Bergtroll. Und ich habe auch noch meine wasserfeste Jacke auf der letzten Hütte liegengelassen. Aber wir arbeiten klamottentechnisch nach dem Schichtprinzip, das hält eine Weile trocken. Nur nicht anhalten, nicht auskühlen. Auf dem Grat zur Kaunergrathütte schaltet das Wetter noch das Gebläse ein – jetzt sind es Schneeverwehungen und auch die Funktionsjacken der Mädels halten nicht mehr so richtig warm. Wir schlottern und rutschen der Hütte entgegen, die in der Ferne erscheint. Der Wirt begrüßt uns schneefegend auf der Terasse, „Mei, die Madeln, kommts h’nein!!“. Urig, absolut gemütlich hier. Ein Abend mit Akkordeon und Volksliedern, Schnaps und Tee und Fritattensuppe wärmt uns auf. Und schickt uns im gemütlichen Lager in tiefe Träume auf 2800m. Während draußen weiter der Schnee fällt.

Am nächsten Tag latschen wir uns die Füße ganz schön platt, 8 Stunden über Stock und Stein. Es hat aufgehört zu schneien, ist aber ziemlich matschig. Es ist unmöglich zwischen Kuhkacke und richtigem Dreck zu unterscheiden, elegant zerfließen die Fladen und schleusen sich ins Netzwerk der Rinnsale auf den Trampelpfaden ein. Gut, dass unsere Schuhe so hoch sind. Wir latschen einfach durch und machen uns schmutzig, herrlich. Nebel ziehen, Sonne scheint, Regen tropft, Schnee grieselt. Sowas nennt man wohl wechselhaftes Wetter. Brotzeit mir selbstgemachten Müsliriegeln von Karo, Kaspressknödel und Käse. Dann gehts weiter. Die zweite Hütte ist zu groß, zu voll, zu kommerziell. Wir spielen den frust mit Monopoly Deal weg und probieren mitgebrachten Kaffee aus der Papptüte mit Filter (growerscup.com) – großartig!

Morgens wecken uns die Sonnenstrahlen erst so richtig auf als wir schon unterwegs sind. Dringen hinter den Gipfeln hervor, fluten langsam die Täler mit Licht, erinnern uns an die Erhabenheit der Berge, ein unglaubliches Panorama. Meine Füße sind allerdings platt. Nach Monaten der Flipflops machen mir die Wanderstiefel zu schaffen. Ich mache mich an den vierstündigen Abstieg, die Mädels machen noch einen Gipfel. Auf meinem Weg ins Tal begegnet mir ein Russisches-Zupfkuchen-Schaf und ich werde für eine Weile von einer blökenden Herde verfolgt. Komme aber schließlich heil unten an und kaufe erstmal 2kg Käse aus der Sennerei vor Ort. Später kommen auch die Mädels ins Tal gesprungen. Es ist mittlerweile wirklich wieder August – kaum auszuhalten in der Sonne. Gegen fünf steigen wir in den VW Bus und düsen wieder gen Deutschland. Immer schön so ein Kurztrip in höhere Gefilde.

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Wandererblitzer?

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 Das Pitztalsche‘ Zupfkuchenschaf

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