Hund, Kater, Haus: Housesitting in Reston, VA

„In order to keep a true perspective of one’s importance, everyone should have a dog that will worship him and a cat that will ignore him.“

(Dereke Bruce)

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Samson hat mich weder zu sehr ignoriert, noch hat Clay mich über alle Maßen verehrt…obwohl, bei Punkt zwei bin ich mir nicht ganz so sicher. Clays tappende Pfoten auf dem Parkettboden waren gefühlt mein ständiger Begleiter, und dazu dieser Blick! Ihm ging es dabei wohl nicht wirklich um mich, das muss ich mir eingestehen, sondern um eine andere, für seine Welt alles entscheidende Sache: Futter!

Mal wieder hat es das Reiseschicksal gut mit mir gemeint. In den USA hat man ein Herz für junge, finanzschwache Backpacker. New York, New Jersey, Virginia Beach – überall habe ich bisher nichts als Großzügigkeit genossen. Hier in Reston bei Washington D.C. übernehmen Liz und Gil die Rolle der liebevollen Gastfreunde. Dafür tue ich allerdings diesmal auch etwas: Ich spiele House- und Petsitter. Das heißt so viel wie ich passe für ein paar Tage auf das Haus, eigentlich aber eher auf ihre beiden ‚Jungs‘ auf: Samson, der Kater und Clay, der Hund (ein Rat Toy Terrier, eigentlich also eher Ratte als Hund, aber so süß!).

Das Haus ist ein Traum. Direkt am See gelegen führt der Garten hinunter an einen kleinen Steg mit Terrasse auf dem Wasser. Wilde Schildkröten strecken ihre Köpfe aus dem Wasser, Boote schippern gemächlich hin und her und gleich am ersten Abend sitze ich mit Gil und Liz bei Weißwein und Sonnenuntergang auf dem Balkon. Die warme Nachtluft schmeichelt der Haut, fast ein bisschen Balifeeling. Ich fühle mich hier sofort willkommen. Weniger willkommen sind die Gänse des Sees, das lerne ich schnell als Gil, die Arme über dem Kopf wild gestikulierend und laut schimpfend, auf den Steg zu rennt, um die ungebetenen Gäste von der schwimmenden Terrasse zu verscheuchen. ‚Kaka‘ nennt Gil die Exkremente die sie zurücklassen, das klingt fast niedlich. Gänse sind hier also die Maulwürfe, die Oma in Deutschland im Garten in den Wahnsinn treiben. Gill hat ein anti-geese-spray gekauft, das verteilt er auf dem Holz des Steges – zehn Minuten später sind sie wieder da und machen ‚Kaka‘ auf das Holz. Was solls…Als wir abends auf dem Sofa sitzen und einen Klassiker, „Ghostbusters“, schauen, ist uns ganz schnell klar: Liz und Gill brauchen die „Goosebusters“ !!

Dann sind wir alleine, Samson, Clay und ich – und wir machen es uns richtig gemütlich. Vier Tage sturmfrei. Ich habe gar keine Lust nach Washington zu fahren (nur einmal kurz hat es mich ins Museumsviertel verschlagen) oder das City Center von Reston zu erkunden  – dieses Fleckchen Erde reicht mir gerade völlig. Außerdem bin ich beschäftigt: Nie hätte ich gedacht, dass Tiere einem so sehr den Tag strukturieren. Aber mit Gassi gehen, füttern und Medizin verabreichen und das alles mehrmals am Tag ist man ganz gut beschäftigt. Vor allem immer zu bestimmten Uhrzeiten. Aber es macht mir Spaß und es ist schön zu sehen, wie sehr die beiden Jungs an ihre Routine gewöhnt sind. Clay rennt morgens und nachmittags immer wie verrückt um die freistehende Arbeitsplatte in der Küche – ist schon Essenszeit?, fragen seine großen, wimpernlosen Augen. Die freien Zeitfenster neben Gassi und Fresschen nutze ich um zu lesen, meinen Trip zu planen, ein bisschen um den See zu laufen und zu schlafen. Da es für Samson und Clay sowieso nicht viel anderes als schlafen und fressen gibt stecken sie mich mit ihrem fast konstanten Chillmodus an, hier ein Vormittagsschläfchen, da ein Nachmittagsnap. Clay gibt übrigens keine Ruhe, bis er zu mir aufs Bett und dort mit mir einschlafen darf. Aiaiaiai, aber ich denke das ist okay. Wie früher eben, wenn die Eltern mal nicht da waren – dann darf man immer mehr.

Ich selbst will glaube ich immer noch keinen Hund oder eine Katze. obwohl das strukturgebende Element vielleicht gar nicht so schlecht wäre, besonders in Zeiten des Hausarbeitschreibens. Aber an die Haare auf dem Boden, auf der Hose und dem Sofa, an die Abhängigkeit und an ‚Kaka‘ in schwarzen Plastikbeutelchen mag ich mich glaube ich auf Dauer nicht gewöhnen. Wenn, dann bin ich, zu meiner eigenen Überraschung, doch eher eine ‚cat person‘. Samson machte wenigstens auch mal sein eigenes Ding.

Was noch? Ich habe gelernt, dass Herrchen und Frauchen auf Englisch schlicht ‚Dad and Mom‘ heißt. Gewöhnungsbedürftig. Auf einem Gassigang begegne ich einer Frau aus der Nachbarschaft, die sagt sie kenne „Clay’s mom“…Nachdem Samsons morgens immer eine ration Thunfisch bekommt, da er sonst seine Medizin nicht frisst, kaufe ich mir am dritten Tag auch mal Thunfisch. Bedenklich? Und: der neueste Schrei in den USA ist eine Dame namens ALEXA. Alexa ist eher ein Robotter als eine Dame, eine Robotterdame. Und eigentlich heißt sie Amazon Echo. Eine säulenförmige Lautsprecherbox von Amazon mit der man reden kann. „Alexa, play Country Music.“ – Alexa spielt Country Musik. „Alexa, what time is it?“ – alexa sagt einem die Uhrzeit, „Alexa, put coffee on the shopping list“ – Alexa schreibt einem die Einkaufsliste und schickt es direkt aufs iPhone. Verrückt! Gibt es in Deutschland übrigens noch nicht. Alle Technikfreaks, die schon ein Amazon Echo wollen: Bestellungen an mich!

Dann sind sie wieder da. Ein weiterer Abend mit Lachsbrot und Wein auf der Terrasse, mit Gesprächen über Reisen und Lebenserfahrungen (da höre ich dann eher zu). Ich bedanke mich für die schöne Zeit mit einem selbstgebackenen Bananabread, alles was ich gerade geben kann. Gil sagt, dass er die Gastfreundschaft zeigen möchte, die ihm früher während seiner backpack und hitchhiking Touren in Europa entgegengebracht wurde. Das hat er geschafft: Liz und Gil sind unter den liebenswürdigsten und interessantesten Menschen, die ich seit langem getroffen habe. Wir hätten noch so viel mehr zu bequatschen gehabt. Hier muss ich auf jeden Fall wieder vorbeischauen. Und zum Glück bin ich auch herzlich eingeladen.

Wer Lust hat Tier und Häuser zu sitten: http://www.trustedhousesitters.com kann ich empfehlen. Eine Mitgliedschaft kostet ca. $80 im Jahr, ihr erstellt euch ein Profil und dann könnt ihr euch auf die weltweite Suche nach Häusern machen. Da gibt es alles, von Ranch bis Chateau, mit Pferd und Geflügel, oder eben auch so ganz ’normale‘ Häuser mit Hund und Katze, wie das von Liz und Gil.

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Cat On A Map

Last night, a cat set out for an adventure. Samson, an eager armchair traveler and domesticated cat, made his way across the country. He did not quite make it all the way to the west though – I guess he got tired since it was late. Instead, he found a comfortable spot in the countryside, somewhere between the east coast and the mid-west. The grass was as soft as a comfortable bed, a light breeze blew through his fur and it felt like the wind of a fan on the ceiling. As Samson fell asleep he dreamt of mountains and valleys, of coastlines and vast lands, of mice and men…

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