Wir sind froh diesen Morgen zu erleben. Fast ist der festen Überzeugung, dass wir in der Nacht im Auto fast erstickt wären. Wirklich viel Sauerstoff konnten wir aus der Luft nicht mehr herausfiltern, so erklärt sich auch das allgemeine Röcheln. Dementsprechend unentspannt war die Nacht, keine von uns fühlt sich am Morgen sonderlich ausgeruht. Da kann nur ein gutes Frühstück helfen! Wir packen zusammen, heute geht es zurück nach Seattle und so rollen wir an alle Matten und Schlafsäcke zusammen, packen die Rucksäcke und klappen alle Sitze wieder hoch – der Autoverleih wird keine Spur davon finden, dass wir dieses Auto kurzerhand in einen Campervan umgewandelt haben. Der Vormieter unseres Platzes hat mit Krebspanzern den Namen seiner oder seiner Geliebten gelegt, ALEX steht in großen Lettern auf dem Waldboden, daher rührt also der penetrante Fischgeruch. Weg hier! Wir fahren ein paar Meilen den Highway 101 entlang und finden bald ein richtig amerikanisches roadside Restaurant, ‚family diner‘ steht in Leuchtschrift im Fenster. Rein da, wir brauchen Pancakes, Hashbrowns, Bacon und French Toast! Mama macht sich Sorgen um unsere Linie als wir ihr Bilder unseres ausgiebigen Frühstücks schicken, aber auch hier gilt wieder die kulturelle Erfahrung. Immerhin ist es schon 11 Uhr, das gehaltvolle Frühstück ist so auch gleich Mittagessen. Mit uns sitzen ‚typische Amerikaner‘ im Raum, wenn ich mich hier mal wieder in der Vorurteil- und Stereotypenkiste bedienen darf. In Jogger und Latschen, mit krampfadrigen weißen Käulenwaden und Burgern oder Sandwiches auf dem Teller. Statt Salat häuft sich ein Berg Salt and Vinegar Chips als Beilage auf dem Teller. Herrlich. Mein Kaffee geht nie zur Neige, refill bis ich hyperventiliere. Wir kugeln ins Auto. Eineinhalb Stunden brauchen wir danach bis Olympia, einmal schnell in den Trader Joe’s Supermarkt, ein Nobel-Aldi, den ich Franzi zeigen will. Die ist Abgelenkt, weil es freies Wifi gibt, immer diese Internetoasen! Kurz zum Superoutdoorstore REI rein, dann weiter eineinhalb Stunden bis Seattle. Die Sonne begleitet uns auf dem ganzen Weg zurück. Wir laden das Gepäck bei unseren Housesitter Eltern ab, die Mishka und McDuffy bellen und schlecken uns ein großartiges Willkommen. Das ist wie nach Hause kommen. Downtown geben wir das Auto zurück, so schnell wie wir es bekommen haben sind wir es auch schon wieder los, kopfschüttelnd schauen wir uns an: Wir sind doch gerade erst losgefahren. John, Anica und Elizabeth laden uns zum Essen ein, John bestellt wird drauf los und bald biegt sich der Tisch unter italienischen Köstlichkeiten. Wir teilen alles, probieren uns durch diverse Gerichte – Focaccia Brot, meatballs, Salamipizza, zum Abschluss ein krönendes dunkelschokoladiges Eis und cremiges Tiramisu. Wir sind so dankbar, auch dafür, dass die drei uns noch eine weitere Nacht bei ihnen schlafen lassen. Eine entspanntere Zeit hätten wir in Seattle kaum haben können. Alle sind glücklich, alles wunderbar. Franzi und ich führen Mishka und Duffy auf einen letzten nächtlichen Spaziergang aus. Morgen geht es weiter, um 9:30 Uhr werden wir in den Coast starlight Zug nach San Francisco steigen. Dann heißt es Good-bye Seattle und ‚Keep in touch!‘ mit unser Seattle-Family. Thank you, Anica, Elizabeth, John, Mishka and McDuffy.

