The Pacific Surfliner

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Einen fantastischeren Namen für einen Zug kann es selbst im Disneyuniversum nicht geben: Pacific Surfliner. Sundown Express würde auch passen, oder Coast Starlight (wait: den gibt es sogar! Von Seattle bis San Francisco). Vielleicht kommt der Zug direkt aus Hollywood und drinnen gibt es Berty Bott’s Bohnen aller Geschmacksrichtungen. Muss ich nach Gleis 9/3 Ausschau halten? Lautet das Ziel auf der Bahnhofsanzeige „Paradies“?

Auf einer Länge von über 500km verbindet der Pacific Surfliner die südkalifornischen Städte San Diego und San Luis Obispo. Ein Großteil der Bahnstrecke führt direkt an der Pazifikküste entlang, keine Straße und kein Wanderweg kommt dem Wasser näher als die Schienen des Zuges. Drei Mal habe ich bisher die Landschaft vor dem Fenster an mir vorbeifliegen sehen, ohne zu merken wie die Stunden vergehen, zu beschäftigt hinauszuschauen und die Magie mit der Kamera einzufangen. Von Santa Barbara nach Ventura, dann zurück von Carpenteria nach Santa Barbara. Der erste Ritt durch das kalifornische Abendlicht. Die beste zeit diesen zug zu erwischen ist zwischen 18 und 20 Uhr. Kein Hollywoodstreifen kann ein besseres abendrot zeichnen, Casper David Friedrichs Sonnenuntergänge live. No need of a filter! Lange, einsame Strände, die Blautöne des Meeres verschwimmen in der Endlosigkeit des Horizontes, in der Ferne im Dunst die Schemen der Bohrinseln. Palmen säumen die Ufer, das Rot wird pink, dazwischen mischt sich Babyblau. Die Hügel des Los Padres national Forest im Hinterland, zur anderen Seite des Fensters, sind die stetige Hintergrundkulisse. Sie schirmen vom Rest der Welt ab, hier gibt es nur raue Küste und sanfte Hügel. We are all at sea. Stop! Ich will hier aussteigen! Da sind ein paar Wohnwägen am meer, darf man hier etwa campen? Ich bin bereit mit meinem Rucksack loszulaufen, nur noch zu zelten.

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Dann die Fahrt von Santa Barbara nach Grover Beach, die letzte Station vor San Luis Obispo. Ein Abschnitt, bei dem der Zug und der Ozean eine Einheit zu formen scheinen. Schon auf der Karte sieht die Strecke spektakulär aus, windet sich mit der Küste gen Norden. Ein Stop heißt einfach „Surf“, ein paradiesisch einsamer Bahnhof, nur der Pazifik, ein Strand (mit Warnung vor Haien, später höre ich von surfern, dass es da draußen ziemlich „sharky“ ist) und weites, kaum bewohntes Hinterland. Wieder die perfekte Zeit, wieder optimales Wetter. Märchenlandexpress. Ein Video und ein paar Bilder, das ist alles was es zur Erklärung braucht. Ich verabschiede mich für zwei Stunden aus der Welt, stöpsle meinen iPod ein und schaue hinaus. Diese Fahrt ist reine Poesie. Wann habe ich das letzte Mal 2 Stunden ohne Unterbrechung aus dem Fenster gesehen?



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