WALDEN, das Magazin

Foto 11.05.15 07 55 14

Donnerstag, 7. Mai 2015. Kurz nach neun und der Medientreff bei Gruner&Jahr platzt aus allen Wänden. An das Kaffee und Franzbrötchen Buffet kommen nur noch die, die direkt davor stehen. Ich bin ein bisschen neidisch, ich sitze auf der anderen Seite. Immerhin mit Kaffee. Angeregtes Gebrabbel durchzieht den Raum, eine positive Spannung liegt in der kaum noch vorhandenen Luft. Um 9:15 Uhr pocht jemand zum Test ans Mikrofon, ein Räuspern und die Menge wird ruhiger. Jetzt ist es an der Zeit WALDEN kennenzulernen.

IMG_9240

Bei Gruner und Jahr ist das Magazin der erste große Launch dieses Jahres, WALDEN ist ein „Herzensprojekt aller Beteiligten“ sagt der Redner, dessen dunkler Bart sehr männlich und nach Wald aussieht. Der Anzug ist allerdings ein Stilbruch. Aber die „wilde Idee“ hatte ohnehin nicht er, sondern die stammt von Herrn Willenbrock und Herrn Wolff, die daneben stehen und gleich anfangen werden, ihr Baby zu erklären. Sie waren naiv genug auf ein romantisches Paradigma zu vertrauen: wenn etwas gut ist, dann wird es auch erfolgreich. Sie probieren es zumindest aus. Und „zurück zur Natur“ wollen heutzutage eh alle, zumindest ein bisschen. WALDEN. Womit haben wir es also zu tun?

WALDEN, das ist kaum überlesbar (s. Bilder), ist für Männer. Für Männer um die 30. Für Männer um die 30, die nach der Arbeit oder am Wochenende gerne mal wieder raus möchten. Die in die Natur gehen, Feuer machen und Tiere beobachten – vielleicht sogar erlegen – wollen. Obwohl das vielleicht schon zu viel wäre. WALDEN ist nicht für die härtesten der harten Kerle. Das sagen auch die Macher. Eher für den „modernen, unaufgeregten Abenteurer“. WALDEN sollen die lesen wollen, die ein bisschen härter werden möchten. Vielleicht weil die Stadt und Medienjobs und die saubere Wäsche mit Weichspüler gewaschen sie weichgespült haben. WALDEN ist für die, deren Bürostuhl wippt aber nicht schwingt wie die Hängematte im Kiefernwald. Für die, die es sich auf Federkernmatratzen in IKEAbetten gemütlich gemacht haben, die aber manchmal doch die Isomatte im Zelt vermissen. Für Stadtkinder, die den Alltag geduscht mit Schal und Latte bestreiten und alleine kein Kanu bauen oder eine Axt schwingen können, sich aber in ihrem tiefsten Inneren danach sehnen ab und zu ein bisschen wilder, ein bisschen mehr outdoor, ein bisschen handwerklich geschickter zu sein. Man kennt das ja. Man hat irgendwie Gefallen gefunden am gemütlichen Dasein, ist irgendwie auch ein bisschen älter geworden und hat sich nach mehr oder weniger Rebellion dem Zwang der Gesellschaft ergeben und sich eingeordnet ins urbane Alltagsleben. Und doch: da ist diese Unruhe. Man muss raus, weg, into the wild, oder zumindest in den Stadtwald. Im Gelände die Lunge im Grünen atmen lassen und die Augen auf den nächsten Baum fixieren, statt auf den Bildschirm. Für diese Bedürfnisse hat man jetzt WALDEN an seiner Seite. WALDEN ist übrigens auch „ein Freund von GEO“, dessen Chefredakteur Christoph Kucklick bei der Präsentation sagt, dass WALDEN und GEO ihre Liebe zur Natur ja teilen würden. Wenn sie eh beide gerne rausgehen, dann können sie das auch gemeinsam machen. Und so greift der große GEO dem kleinen WALDEN beim Waldspaziergang unter die Arme.

Die erste Ausgabe erzählt warum WALDENs Heimat bei uns vor der Tür liegt. Man muss nicht in die Ferne schweifen, um schöne Natur zu finden, ist eine Grundüberzeugung des Heftes. Auch nicht um Abenteuer zu erleben. Die Rubrik Mikroabenteuer – wie NEONs „Feierabenteuer“ von neulich – soll ein Standard werden. Mit dem Neoprenanzug lässt es sich auch mal vor der Tür in den Teich hüpfen. Apropos Hüpfen, eine Doppelseite erklärt Alternativen zur Arschbombe und eine Anleitung zum Flitschen gibts auch, angeblich kann der Stein mit der richtigen Technik bis zu 88 Mal über die Wasseroberfläche springen. Die letzten einsamen Zeltplätze Deutschlands werden vorgestellt, man lernt wie die ‚BIG 5‘ der BRD heißen, inklusive Feldhase, und natürlich wo man das beste Taschenmesser kauft und wie man in 6 (naja fast) Stunden ein Kanu baut.

Man stößt, ICH stoße,  natürlich ein bisschen am gender-Problem an. Ein Magazin für Männer. Und dann Äxte, Taschenmesser und Wildnis. Schmeckt ein bisschen zu streng nach traditionellem Testosteron. Durch so ein Magazin sind die ganzen Bemühungen die eingefleischten Geschlechterstereotypen aufzulösen wieder dahin. Es wird schön wie immer weiterkonstruiert und festgelegt was typisch männlich und somit  nicht typisch weiblich ist.

 Wie auch immer, ich könnte mir vorstellen, dass das Magazin einen Nerv trifft. Ich kenne ein paar Jungs, die in letzter Zeit davon träumen eine Axt zu kaufen und einen Baum zu fällen. Vielleicht ist das Erscheinen des Magazins auch irgendwie eine Reaktion auf den häufig beklagten Wandel der männlichen Rolle im 21. Jahrhundert. Sind Männer ZU weich geworden? Müssen sie wieder ETWAS härter werden? Männer sind zwar die primäre Zielgruppe, es steht ja fett vorne drauf, aber Frauen würden wohl eher etwas kaufen auf dem „für Männer“ steht, als Männer etwas kaufen wo „für Frauen“ drauf steht. Ganz sicher. Und da auf WALDEN keine Trekker und Maschinen abgebildet sind – um selbst bei den Stereotypen zu bleiben – sondern ein stolzer Hirsch und das Heft ganz nebenbei auch noch einfach schön layoutet und auf schmeichelhaftem Papier gedruckt ist, wird sicher auch die ein oder andere Frauenhand danach greifen. Vielleicht sogar nicht nur, um es dem Kerl mit nach Hause zu nehmen, sondern um sich selbst auf den Balkon, in den Park oder auf die nächste Hütte abzusetzen und in wilde Gedanken abzuschweifen.

Ob das 140 Seiten starke Magazin wirklich gut ankommt wird sich zeigen. 100.000 Exemplare wurden gedruckt, 7,50 Euro muss man für seine Freiheit investieren. Erst mal wird vorsichtig begonnen, mit zwei Ausgaben im Jahr. Titus von der Süddeutschen Zeitung war skeptisch. „Männer um die 30 und dann noch intellektuell, wie viele sollen das denn kaufen?“ Aber nachdem man Thoreau nicht mal kennen muss, um WALDENs Botschaft zu verstehen und sogar der Name deutsch wie der Wald ausgesprochen werden darf, steht dem Abenteuer ja nichts mehr im Weg.

Eine zweite Ausgabe, die im September 2015 erscheint, ist bereits geplant. Es wird um Hüttenbau und Holz gehen. Um Äxte, Fällen und Hacken, um die wichtigen Dinge eben!

Foto 12.05.15 18 52 57

Foto 12.05.15 18 55 48

Foto 12.05.15 18 55 28

Foto 12.05.15 18 56 16

Foto 12.05.15 18 57 09

Foto 12.05.15 18 56 33

IMG_9240

IMG_9241

 

 

International Ocean Film Tour Volume 2

Am 21. März 2015 fand in Hamburg die Premiere der zweiten International Ocean Film Tour statt.

 

Morning Gloryville

Foto 25.03.15 09 50 12

„Guten Morgen Berlin, du kannst so hässlich sein“ (Peter Fox)

…und so früh auf den Beinen. Eher aufstehen statt später schlafen, green smoothie und Kaffee statt Alkohol und Drogen, Tanzen statt Schlafwandeln – und trotzdem träumen. In der Neuen Heimat besteht das Frühstück aus Tanz und Tollerei. In Traumwelten wirbelnd erhebt sich aus dem Glitzernebel die Morning Gloryville mit ihrer tanzenden Bevölkerung. Jesus ist auch da, ganz in weiß mit langem Rüschenrock und Bluse. So nimmt er das Podest am Ende der Tanzfläche ein. Der Olymp der tanzenden Träumer. Und schwingt und groovt und segnet und weiht und es zuckt durch die Körper, die Masse pulsiert zum Beat und wir sind alle Sünder und Erlöste zugleich in diesem Raum der möglichen Unmöglichkeiten. Wir gehen tanzen, wir gehen feiern, wir haben Glitzer im Gesicht: An einem Mittwoch Morgen um 6:30 Uhr. Und niemand hinterfragt was wir hier tun. Diese Stadt erlaubt uns unser Dasein. Wir sind in Berlin und deshalb tanzen wir!

Diejenigen, die ihre Körper nicht auf der Tanzfläche biegen, tun dies beim Yoga. Oder lassen biegen  – im Massagebereich, wo alternativ gekleidete junge Männer in Stoffhosen und Filzpullovern meditative Streicheleinheiten anbieten. Ein edler Jüngling mit Federhut streift durch das Gewoge, der fein herausgeputzte Opa in Weste und Stiefeln, Mädchen mit hüpfenden Pferdeschwänzen in engen glänzenden Leggings wirbeln Hulahoop Reifen, Männer in engen Leggings präsentieren stolz Maurerdekoltees und definierten Yogaoberkörper. Sie aalen sich in der Menge und werden getragen von Musik und tanzenden Händen. Schillernde Farben machen Menschen fröhlich und fröhliche Menschen schillern farbenfroh. Es ist ein Geben und Nehmen. Eine harmonische Unbesorgtheit, eine wunderbare Ganzheit. Und über all dem liegt eine Aura der träumerischen Abwesenheit und präsenter Achtsamkeit. Abdriften und Bewusstsein. Dort und Hier sein. Der Traum ist der Moment. Eineinhalb Stunden dieses neuen Morgenrituals, dann tanzen wir kurzärmelig in den sonnigen Berliner Morgen hinein und kehren langsam zurück in die Welt, in den Strom der alltäglich Geschäftigen. Mit einem tanzenden und einem lachenden Auge.

Die Frau hinterm Crobag Tresen am Hauptbahnhof starrt mich an. Ich muss den Cappuccino zweimal bestellen bis sie mich hört. „Schuldige, das glitzert so“ murmelt sie verwirrt und fragt dann etwas vorwurfsvoll verwundert „Wo warst du denn?“ Sie fragt noch zweimal ob ich den Cafe mitnehmen möchte und ob ich Kakaopulver obendrauf haben will. Und dann vergisst sie den Kakao doch. Ich dachte ein bisschen Glitzer im Gesicht sei in Berlin kein Grund zur Aufregung.

Im ICE nach Hamburg ist nicht viel los. Alle Pendler sind schon in ihren Büros, Touristen mitte der Woche eine Rarität. Es rieselt Glitzer auf mein T-Shirt als ich mir gedankenverloren durch die Augenbraue streife.  Feenstaub aus der Morning Gloryville. Und während die Landschaft draußen vorbeizieht schweifen die Gedanken noch durch eine entgrenzte Welt aus Farben und Beats.

Foto 25.03.15 09 16 34

Foto 25.03.15 09 15 53

Foto 25.03.15 09 16 21

Foto 25.03.15 09 28 23

Foto 25.03.15 09 45 25

Foto 25.03.15 10 15 59

Fördeläufer

image2

„Das nächste Mal trainiere ich im Norden“, sagt Karo und grummelt noch hinterher „so ne Scheißstrecke!“. Im Süden läuft man über Berge, im Norden gegen den Wind. Nicht, dass ich nicht mit Gegenwind gerechnet hätte. Die steife Brise hat uns einiges abverlangt. 21km Halbmarathon, 10km gegen den Wind. Hin Förde rechts, zurück Förde links. Vom Ostseekai vorbei am Seehundbecken, dem KYC, der Seebar und hoch zur Marinebasis, Wende, und alles wieder zurück, noch ein Stückchen weiter, volle Winddröhnung von vorne am Wendepunkt, und wieder zurück, Marinebasis, Wende, und nochmal den Rückweg antreten.

KM10. Ich verfluche die Welt. Jetzt schon. Die verdammte Sonne ist zu warm, meine Beine sind zu schwer, die anderen Läufer zu schnell und zu weit vor mir – ich kann zu wenig Windschatten laufen, und überhaupt habe ich zu wenig trainiert. In meinem Kopf tobt ein erbitterter Kampf, positive und negative Gedanken ringen um die Oberhand des Bewusstseins. „It is a curious thing: Consciousness trying to deny consciousness“ sagt Murakami über den Versuch in großer Erschöpfung sich selbst und den Schmerz, sein eigenes Bewusstsein mit Hilfe des Bewusstsein zu leugnen. Einfach laufen.

KM 13. Nostalgischer Schmerz. Das Bewusstsein der Vergänglichkeit. Alles furchtbar. Früher bin ich bei dieser Distanz noch wie ein junges Reh herumgesprungen. Ich warte vergeblich auf das Runner’s High nach 1:15, das mir früher so zuverlässig hier die Hand schüttelte. Es versetzt mich. Mit jedem Schritt sinke ich tiefer in den Asphalt. Meine Oberschenkel sind harte, knorrige, alte Holzstücke.

KM 16. Ich bin eine Maschine. Schritt für Schritt. Ich bin eine Maschine. Schalte den Kopf aus! Du bist eine Maschine!

KM 19. Wie schön wäre es zu gehen. Jetzt den Schritt zu verlangsamen und stehenzubleiben. Eine unglaubliche Vorstellung, paradiesisch. Einfach stehenbleiben. Aber es geht nicht. Ich bin gekommen um zu laufen. Nur einmal noch durchhalten, den Schmerz 10 finale Minuten ertragen. Ich halluziniere von einem Bett auf dem Asphalt.

Erst 300m vorm Ziel packt mich die Erleichterung und ich bin mir zum ersten Mal sicher, dass ich es schaffen werde. Ich trinke 6 Becher Energy Drink. Salzkruste verziert mein Gesicht, Karo hat auch einen wunderbar weißen Schnurrbart. Es ist geschafft, tatsächlich vorbei.

Später fahre ich mit dem Rad durch Kiel. Es ist kurz nach fünf und die Sonne steht tief, vorbei am Schrevenpark über das Kopfsteinpflaster, vorbei an den schönen Altbauten, es sind kaum Menschen unterwegs. Ein Hauch Frühling liegt in der Luft. Mein Körper ist erschöpft, aber es ist eine angenehme Müdigkeit, die mich umgibt. Eine wohlige Schwere wie nach einem tiefen Mittagsschlaf. Ich treibe dahin, ohne Hast. Der Lauf, so qualvoll im Moment des Rennens, hat mich befreit. Mir Ruhe geschenkt. Mich mir wieder näher und Karo nach Kiel gebracht.

Karo hat Recht, kein Rundkurs ist kein Spaß und Wind beim Laufen ist ätzend. Kiel Halbmarathon einmal gemacht, ausprobiert, abgehakt – nicht unbedingt nochmal. Und trotzdem, kein Zweifel daran: Es war großartig.

image9

image7

image8

image4

image5

image6

image3

image1

 

Rooftop Philosophy

image3

Die neunte Stunde in der Denkfabrik bricht an und ich kann nicht mehr stillsitzen, wandere durch die Korridore, um mir die Füße und den Kopf zu vertreten – an den Tischen in Schreibtischlampenlichtkegeln: Studenten vor Graphen und Formeln, Konstrukte die die Welt verändern – is it these people who think inside the constructs? – während wir, die brotlosen Künstler der Wissenschaft des Geistes, versuchen ihnen zu entkommen, sie zu de-konstruieren – aber wie sehr kommen wir wirklich raus aus unserer Realität? Existieren die META Ebenen nach denen wir suchen? Oder rennen wir auf dem Holzweg in unsere eigenen Konstrukte? Does being aware of construction mean living outside of it? Niemals – aber wenn wir auf dem Weg wenigstens stolpern, zögern, ab und zu die Richtung ändern? – How do we get rid of our binary structures: Schwarz und Weiß, Mann und Frau, Gut und Schlecht, Reich und Arm, Sonne und Mond, Mond und Sterne, Hübsch und Hässlich. So many more. Alles Richtig, alles Falsch .. .. .. .. .

Die glasklarklirrende Winterluft.

Ich steige auf das Dach der Denkenden.

Wo es aus den Schornsteinen und den Köpfen in den angehenden Nachthimmel raucht,

Und ich meinen Kopf in der philosophisch anmutenden Abendsonne kühle.

image2

image4

image5

image1

StILLe

Ich mache mir über die Stille Gedanken.

Frage mich,

Ob sich das Abenteuer mit dem Alter an der Hand, allmählich aus dem Leben schleicht.

Oder ob es einfach irgendwann geht,

Wenn man der heuchlerischen Vernunft lang‘ genug den Vortritt lässt.

Ob die Träume sterben,

Wenn man sie unendlich aussichtslos vertröstet.

Ob das Ich fremd wird,

Wenn die Umrisse im Spiegel verschwimmen.

Und man vor selbst steht,

Ohne sich zu erkennen.

Ich frage mich gerade deshalb,

Ob die immer wieder aufkeimende Hoffnung

Schlicht naiv, ein Teufelskreis,

Oder doch die eigentlich Rettung ist.

No Self [ie] -Respect

Das Selfie Phänomen

Hier auf Bali werden wir vom Selfie Wahn geblitzt. Wenige gehen am Stock, aber alle sind mit langem Stock unterwegs – am Ende die GoPro oder das Smartphone. ICH beim Sonnenuntergang am Meer *ramontisch*, ICH im Pool *paradies*,  WIR vorm Tempel *krass heilig*, WIR auf der Party *und alle so yeahhhh, yolo*, selbst im line-up *fetter swell* *stoked* *surferdude and surfergirl*.  Nicht schnell und unauffällig geknipst sondern ungeniert inmitten von Menschen gesmiled, geknipst und nochmal und nochmal und nochmal anders hingestellt und der Hintergrund nochmal ein anderer und die Wolke abgewartet und und und. Wir sind so schön, wir sind so toll, wir sind überall und alle müssen es wissen.

P1080047

Salziger Nachgeschmack


IMG_0062

Im MokaMobil Kaffee und Almond Croissants verkaufen, in Medewi das ‚thirteen anchors café‘ eröffnen, Chicken Crossing Schilder basteln, Mopped MitFahrGelegenheit gründen, Bintang Postkarten in Serie produzieren (gibts hier einfach nicht!) – wir könnten uns hier schon beschäftigen. Und gerade liest Lina aus der Zeitung vor, dass Anfang Oktober das Writers&Readers Festival in Ubud stattfindet. Ich will bleiben!! Was passiert eigentlich, wenn wir um 16:00 Uhr nicht am Gate stehen? Muss man nicht mindestens einmal im Leben einfach den Flug verpassen? Stattdessen ist tatsächlich der letzte Tag angebrochen und diese Realität ist stärker als die andere, die mögliche aber, seien wir ehrlich, unwahrscheinliche Realität. Ein paar Stunden noch, bis es Zeit ist den Kontinent zu wechseln. Ein letzter Sonnenaufgang im line-up von Kuta beach heute morgen, ein finales Eclair im Cafe Moka, eine abschließende Scooterfahrt. Die Boards entwachst, der Backpack steht bereit, Jacke und Mütze im Handgepäck in Erwartung des Winters. Aber die Vorstellung einer langen Hose ist noch unerträglich. Das Braun darf sich nie wieder abreiben, unsere Sommeridentität gefällt uns besser, als die blasse Existenz. „Und wenn jemand sagt ich sei nicht braun geworden, zieh ich mich aus.“, sagt Lina und bezieht sich auf eindeutige Bikiniabdrücke. Dem Ozean so nahe, die Haut konstant so salzig. Vor allem die Brandung wird fehlen.  „All I ever wanted was a home break“, so könnte ein Buch beginnen.

Gestern ein letzter Abend im La Lucciola. Nochmal die Sommerkleider ausgeführt, zu viert eine Million fürs Abendessen auf den Kopf gehauen, bis spät ohne zu frieren auf der Terrasse gesessen und die Schwaden der feuchten salzige Meeresluft vorbeiziehen sehen. In der Nacht haben wir wegen der Hitze kaum geschlafen, stattdessen mit den Mücken getanzt und Kakerlaken gejagt. Verdammt schnell die Viecher. Im Flugzeug wird GinTonic getrunken und damit die Trauer der Trennung ertränkt. Einer auf jedem Flug. Macht drei. Und mal schauen, was sonst noch so angeboten wird. Also dann: Selamat jalan, sampai jumpa lagi, Bali. Terima kasih banyak.

IMG_0138

 

 

 

Frangipani leaving

IMG_0146

Bye bye Nusa Ceningan. Bye Bye Nusa Lembongan. Hello again, Bali. Von der Insel auf die Insel auf die Insel. Wir werden die Abgeschiedenheit vermissen. Die Schlaglochfahrten auf dem Scooter. Den Sea Breeze Warung und das ECO Deli. Die Playground Welle und den Song Lambung Beach. Die Sesam-Honig-Kekse aus dem local store und die Hühner auf der Straße. Die endlosen Zeremonien und Gesänge. Die Golden Gate Bridge und die Klippen von Ceningan. Die Sonnenuntergänge am Secret Point und die Seaweedfarming Szenerie. See you again, some time soon. Und vielleicht wird die Straße gar nicht so viel weiter geteert und vielleicht bleibt die gelbe Brücke so klapprig wie sie ist und vielleicht sind Ameisen im Zimmer gar nicht so schlimm und vielleicht bleibt das Leitungswasser einfach sehr salzig. Das wäre schön. Denn vielleicht ist Ceningan in ein paar Jahren dann noch kein Seminyak oder Legian, sondern immer noch ein bisschen ein secret point. Nur ganz vielleicht.

IMG_0209 IMG_0195 IMG_0198 IMG_0216 IMG_0213

Secret Point: Pondering over the Idea of Paradise and Tourism

IMG_1526

„The ocean is in constant flux, and when you spend a lot of time in it you become like a floating bottle with a message inside; you know you’re going somewhere, sense you have a purpose, but you also know youre at the mercy of the winds and currents, that surrendering may be your only good option. Lately I’ve been surfing a lot. And there’s something different about the saltwater life. One becomes floppy, like seaweed, while at the same time agile, like an eel. One becomes, I suppose, more like water itself. The Tao Te Ching says, „Nothing in the world is more flexible and yielding than water. Yet when it attacks the firm and the strong, none can withstand it. They have no way to change it.“

(from the Prologue of Saltwater Buddha by Jaimal Yogis)

Wir sind vom Meer umgeben. And all I ever wanted was a house by the sea and a home break, a wave right in front of my doorstep. Es wären 18 Quadratmeter, terrassenförmiges Ackerland. Sechstausend Euro für ein Plätzchen auf den Klippen von Ceningan. Noch. Ein versteckter Strand, der Cast Away Kulisse sein könnte. Eine Welle im Vorgarten. Und keine Menschenseele. Und doch: Ich bezweifle, dass man dieses Paradies kaufen kann. So pessimistisch es klingt, so unvermeidlich wird es sein: Die Ruhe und Einsamkeit werden verschwinden. In ein paar Jahren werden hier beats aus boxen bummern. Sie werden der Soundtrack dieser Landschaft werden, das Donnern der Brandung an der schroffen Steilküste als Hintergrundmusik ersetzen. Scheinwerfer werden das Meer erleuchten und dem Sonnenuntergang seine Macht über den Tag nehmen. Die getrockneten Kuhfladen verwandeln sich in Zigarettenstummel und Plastikflaschen. Ein Australier hat das Land bereits gekauft, eine Straße durchs scheinbare Nirgendwo ist geteert. Noch führen die meisten Abzweigungen in Palmenbüsche und Gestrüpp. Nur ein paar Häuschen auf Stelzen stehen schon oder sind im Bau. Der Gedanke ist kurz verlockend, ein kleines beach house hier oben…Aber eigentlich sollten wir nicht kaufen. Und sie nicht verkaufen. Die Bauern sollten ihre Kühe weiter auf diesen Klippenalmen grasen lassen. Was in Canggu, Seminyak, Kuta und Legian schon passiert ist bahnt sich seinen Weg in die abgelegenen Gegenden, hierher und auch bald nach Medewi, wo die Balinesen langsam aber sicher ihr Land hergeben. Und sie alle kaufen, die Australier, die Amis, die Europäer. Das Geld kauft neuere Smartphones und schnellere Motorbikes und wer kann es den Balinesen schon verübeln. Das Übel kommt aus den Portemonnaies der Investoren und der Touristen. Vielleicht sollte ich noch nicht einmal drüber schreiben wie schön es hier auf Ceningan ist. Vielleicht hätten wir sogar niemals hier herfahren sollen. Auch wir sind Touristen. Nur gibt es vielleicht, wie das Känguruh schon sagte, “ sonne und solche. Und dann jibts noch janz andere, und dat sind die Schlimmsten.“ Touristen und Reisende, tourists and travellers. Gibt es überhaupt einen Unterschied? Und sind wir, die mit kleinem budget und wenig anspruchsvoll reisen, die ‚besseren‘ Touristen? Weil wir Land und Leute so behalten wollen, wie wir sie erleben, auch in zehn Jahren noch und ohne Starbucks neben dem nächsten Tempel und Luxushotel an jedem Küstenabschnitt? Und trotzdem gehen wir auch in westliche Cafés während der Reise, freuen uns über guten Espresso und zuverlässiges Internet, über warme Duschen und sind manchmal eindeutig weniger kulturell tolerant als wir es sein sollten.  Wir wollen das Paradies, am besten für uns alleine – aber können wir es jemals finden und vor allem bewahren, wenn wir schon als Touristen dort hinreisen können? Machen wir nicht schon alles kaputt indem wir reisen, setzen wir nicht die Saat für die großen Resorts und kleinen Boutiquen? Sind nicht Globalisierung und Tourismus nur moderne und einigermaßen positiv belegte Begriffe für Kolonialisierung, Zerstörung und Ausbeutung? Das ist die große Frage, auf die es viele und keine eindeutige Antwort(en) gibt.

Es wird sich zeigen wie lange der secret point noch secret bleibt. Wir werden wohl kein Land kaufen, das werden andere für uns tun. Außerdem könnte ich momentan kaum die Millionen aufbringen, nicht mal in Rupiah. Heute stehen wir nur am Rande der Klippen und lauschen dem Meer, das dieser Tage noch die richtige Musik spielt. Uns gehört nicht das Land, aber dieser Moment. Und als die Sonne versinkt erhellt uns ein Scheinwerfer von Mond und Sternen den Trampelpfad zurück nach Hause. 

IMG_1461

IMG_1547

IMG_1520

IMG_0018

IMG_1489

IMG_1498

IMG_1502

IMG_0006

IMG_1531

IMG_1536

IMG_1522

IMG_1518

IMG_0038

IMG_0041

 

IMG_0048

IMG_0051

IMG_0064

IMG_0065

IMG_0078

IMG_0081

IMG_0088

IMG_0092

IMG_0091

IMG_0100

IMG_0124

IMG_0132

IMG_0114

IMG_0139

A Little Spark of Madness

IMG_1145

Logbucheintrag um den 18. September, Koordinaten Süd 8°42’00.56 Ost 115°27’08.07

„Ay, verfluchte Meuterei. Die Black Pearl gestohlen. Mich hat man über die Planke laufen lassen und in fremde Gewässer ausgesetzt. Nun stake ich im Kahn durch Seegrasfelder. Der Rum ist leer, nur warmes Bintang in den Fässern. Affe und Papagei verloren, die Crew in Gefangenschaft. Die Sonne brennt senkrecht vom Himmel und an meinen Stiefeln knabbern schon die Krabben. Die Hoffnung schwindet….doch, da! Land! Land in Sicht! Eine Insel! Barbossa, behalte die Pearl, du Schuft. Behalte den Affen und den Vogel und die Crew, behalte sie alle! Ich lasse mich nieder und mache mich selbstständig. Unter Davy Jones‘ Fuchtel kann ich nicht mehr atmen. Von nun an beherberge ich gestrandete Piraten in meinem Beach Club „Le Pirate“. Hier wird der Rum niemals ausgehen und ein Schiff brauche ich auch nicht mehr. AHOI, das wars, ich bin im Paradies!“

So sieht die Gründungsgeschichte unser ersten Unterkunft auf Ceningan sicher nicht aus, wir haben uns bei der Ankunft allerdings so abgekämpft wie ausgesetzte Piraten gefühlt: salzverkrustet, überhitzt und mit akutem Flüssigkeitsmangel (ob nun Wasser oder Rum). Alles jedoch ohne Weiteres zu ertragen im Austausch gegen das Paradies, das auf uns wartete. Lina steht ein bisschen sprachlos da und sagt ‚Sag mal, das kann doch nicht sein, dass wir immer so ein Glück haben, oder?’In Neuseeland haben wir 2008 schon mehrfach das Paradies gefunden: der endless summer in Raglan, das beach house auf Jackett’s Island, die Van Dykes in Nelson, die Imhoofs im Gibston Valley, Raine’s cliff Villa bei Wellington. Was machen wir nur richtig, dass uns auf Reisen das Glück umgibt wie ein Heiligenschein? Es klebt an uns wie ein Film von sunscreen auf der Haut, oder jetzt gerade eben wie die Schweiß-Salzkruste. Medewi war ein Highlight, wir dachten mehr geht nicht. Und jetzt? Sitzen wir auf Nusa Ceningan auf der Holzterasse vor unser türkis-weißen reetgedeckten Hütte mit Hängematte und sehen die Sonne orangerot im Meer versinken. Aus der Küche strömt ein Durft von Knoblauch und asiatischen Gewürzen, aus der runden Poolbar dringen sanfte chillout Klänge und mit uns teilen nur 6-8 Leute dieses zauberhafte Fleckchen Erde. Man kann sicher einiges tun, sich aber ganz sicher nicht über unser Glück beschweren.

Der Rhythmus ist einfach und gesund: Früh aufstehen, den Sonnenaufgang sehen und die Kühle des Morgens genießen. Früchte und Toast frühstücken, danach die Boards aufs Mopped schnallen und ab nach Lembongan, surfend richtig aufwachen. Dann Strand und kalte Cola. Lesen. Baden. Lesen. Baden. Nasi Goreng oder Mie Goreng zum Lunch. Surfcheck. Je nachdem Surfen oder Baden. Lesen. Baden. Hmm…Bananabreadgelüste..Boards aufs Mopped, weiter zum Bali ECO Deli. Kaffee und Kuchen. Moppetierend zurück nach Ceningan. Chillen. Laufen oder Lesen oder Blog schreiben. Pool. Sonne untergehen sehen. Duschen. Ist schon Dunkel (18:30 Uhr). Essen, wieder Nasi, Mie oder manchmal Club Sandwich. Müde. Spätestens 21 Uhr Licht aus. Um Gottes Willen: 22:15 !!!

IMG_1074

IMG_1095

IMG_1213

IMG_1122

IMG_1128

IMG_1130

IMG_1134

IMG_1139

IMG_1144

IMG_1148

IMG_1157

IMG_1176

IMG_1186

IMG_1194

IMG_1456

IMG_1259

IMG_1261

IMG_1267

IMG_1271

IMG_1276

IMG_1306

IMG_1351

IMG_1354

IMG_1387

IMG_1390

IMG_1447

Korupsi, korupsi: Indonesische Fahrerlaubnis

Im Reiseführer steht:

„MOTORRAD: Bali auf einem Motorrad zu erkunden erscheint praktisch und preiswert (5-8 Euro/Tag [Anm. d. Verfassers: Wir zahlen 3,23 Euro, yes! Und Benzin sind teure 35 cent pro Liter.] ist aber nicht unbedingt zu empfehlen [Anm. d. Verfassers: Unsinn!], denn aufgrund der hohen Verkehrsdichte und des Fahrstils der Einheimischen [Anm. d. Verfassers: Kann man sich schnell dran gewöhnen, einfach mithupen.] besteht enorme Unfallgefahr. Verlangt wird ein internationaler Führerschein Klasse eins bzw. A oder eine nur für Bali gültige temporäre Fahrberechtigung, die man vor Ort erwerben kann.“

Ja, wir dachten wir sparen uns die 12 Euro für den internationalen Führerschein. Den wollte 2010 auch keiner sehen. Es fing tatsächlich so entspannt an wie erwartet: Wir mussten beim Leihen der Moppeds überhaupt gar keine Dokumente vorzeigen, nur eine kurze Frage „You have driver license, yes, ok.“ Aber dann, dann kam der verhängnisvolle Trip nach Bukit, auf dem wir unfreiwillig eine gültige temporäre Fahrberechtigung vor Ort erwarben…An der Straße pfeifen eine Handvoll Polizisten die Touristen auf Moppeds und in Mietwägen aus dem Verkehr. Auch uns winkt man nach links an den Straßenrand. Da denke ich schon ’scheiße, was jetzt?‘. Der Polizist in neongelber Warnweste, schweren schwarzen Stiefeln und mit autoritärer Sheriffkappe fragt nach der driver’s license. Wir kramen in unseren Rucksäcken, klauben angespannt den deutschen Führerschein aus dem Bündel der hunderttausenden von Rupiah. „International?“ fragt er und tippt auf eine schlechte Kopie eines internationalen Exemplars eines australischen Führerscheins. Ich probiere es mit „They said we did not need an international one. The national is enough, we were told.“ Keine Chance. Bitte mit in die Polizeistation kommen. Na wunderbar. Der Polizist trillert uns den Weg über die Straße frei und wir betreten hinter ihm die polisi Station, zwei Grüppchen stehen im Raum, zwei englische Mädels mit einem anderen Officer und ein Pärchen alleine, das sich leise aber sichtbar angespannt unterhält. Unser Polizist führt uns durch einen schmalen Gang, biegt rechts ab, vorbei an einer Zelle mit Gitterstäben und bleibt kurz darauf stehen. Wieder kramt er die schlechte Kopie des internationalen Führerscheins raus, senkt seine Stimme und sagt irgendetwas von „internasional“. Dabei tippt er auf Zahlen mit vielen Nullen in einer Tabelle. „You pay here, tree hundred tausend, ok, no problem, ok“. Ich versuche zu fragen was passiert, wenn wir wieder kontrolliert werden. Und ob wir nicht beide 300.000 zusammen zahlen können. Er schüttelt den Kopf, zeigt auf uns beide und wiederholt „tree hundred tausend“. Wir zählen zähneknirschend drei rötliche Scheine ab (ca. 20 Euro, das ist hier wirklich viel) und drücken sie ihm in die Hand, die sofort in seine hintere linke Hosentasche wandern. Na Bravo, viel Spaß damit! Aber wir mucken nicht weiter auf, der Gang vorbei an der Gefängniszelle war sicher ein psychologischer Schachzug…Wenigstens kritzelt er uns irgendwas auf ein blaues Papier, das sollen wir bei der nächsten Kontrolle zeigen. Tzz, der nächste Polizist wird sich sicher nicht durch einen Zettel vom Extraverdienst abbringen lassen. Aber wie gesagt, was sollen wir tun. Wenigstens sind wir nicht die einzigen Touristen, die hier abgezogen werden. Sonst wäre der kurze Besuch auf der Station noch unheimlicher gewesen. Unser Polizist pfeift uns immerhin wieder die Straße frei, als wir wieder auf die andere Seite wechseln, um die Moppeds zu besteigen. Adios, hoffentlich nicht bis bald!

P1080187

So sieht also Hilflosigkeit angesichts von offensichtlicher Korruption aus. Hoffentlich kauft er davon etwas Sinnvolles für seine Kinder. Auf der anderen Seite war er natürlich irgendwie auch im Recht: Wir hatten schließlich wirklich keine internationale Fahrerlaubnis…wie auch immer. Auf diese unglückliche Zusammenkunft hin mussten wir, erstens, Geld abheben und, zweitens, einen Kaffee trinken gehen. Ein Glück gibt es Cafe Moka mittlerweile auch auf Bukit. Danach sah der Tag gar nicht mal schlecht aus. Und auch die folgenden Tage und Daytrips von Kuta aus verlaufen ohne weitere Zwischenfälle, nur das normale balinesische Chaos: Hupender Verkehr, ein paar Affen rasen durch den Wald, Katzen koten Kaffeebohnen aus und Shoppingwahn bricht aus. Wir bewegen uns im ständigen Echo von „transport transport, yes“, „massage massage“, „sarong, nooo pipty tausend, I go bankruut“ und „watches watches, you want watches“, dahinter das Knattern von Motoren und Gamelanklänge. Original Balisoundtrack. Tanah Lot, Ubud, Canggu, nice ricefields, Outlets, Cafe Moka (täglich!). Wir moppetieren fröhlich weiter. Die Fahrerlaubnis für eine Woche haben wir ja in der Tasche.

P1080013 P1080017 P1080096 P1080042 IMG_0849 IMG_0869 P1080052 P1080060 P1080064 P1080069 P1080074 P1080128
P1080184 P1080148 IMG_0828 P1080109 P1080113

IMG_1044 IMG_0990 IMG_0999 IMG_1023 IMG_1037

Am Ende des Tages: Die Wäsche gewaschen und gebügelt, Kante auf Kante gelegt und praktikabel eingeschweißt. Bei der Wäscherei gegenüber umgerechnet für 2 Euro erledigt. Der kleine Luxus des Indourlaubers. Man steht am Anfang zwar etwas beschämt daneben, weil jede dreckige Unterhose vor den eigenen Augen vom Wäschefachmann gezählt wird, damit auch nix verloren geht, aber das gehört eben dazu. Wir überlegen, ob wir nicht bleiben und Karriere machen könnten. Als Surfguides sind wir wohl zu schlecht, aber folgende Jobs stehen zur Auswahl: Professionelle Büglerin, professionelle Fegerin oder vielleicht könnten wir noch lernen Opfergabenkörbchen zu flechten und die dann in Zwanzigerpacks verkaufen. So eine Art ‚Instant-Opfergabe‘ für die beschäftigte balinesische Hausfrau…

P1080118

 

Surfing Medewi

Wir hatten eine unbeschreibliche (deswegen tue ich mich seitdem unglaublich schwer etwas darüber auf Blogmopped zu bringen) erste Woche im Westen von Bali – kleine und große Wellen, auf jeden Fall ganz viel Wasserkontakt. Uns hat es ordentlich durch die Salzwasserwaschmaschine genudelt, trotzdem konnten wir die ein oder andere Welle mit unserem Ritt krönen. Nach Raglan, NZ, haben wir in Medewi unser zweites Endless Summer Paradies gefunden. Surfsessions fotografisch festzuhalten ist allerdings immer so eine Sache. Die beste Welle fährt man, wenn niemand zuschaut, niemand die Linse draufhält. Unsere Big Waves hat demnach natürlich niemand eingefangen, da waren auch die Fotografen im Wasser oder noch im Bett. Und ansonsten haben wir selbstverständlich immer den Guides die besten Wellen gelassen, wir wollten ja auch nicht so angeberisch posen bzw. den Zorn der Locals auf uns ziehen….;) Trotzdem, um einen kleinen Eindruck vom surferischen Alltag zu bekommen, voilà ein paar Mitschnitte von Arschplatschern, beinahe-Kollisionen und ganz großartigen Turns Bali-Style. ‚This was fucking awesome‘ (Insider Camp Slang) !

 

Chancy Territory

„So Cochran left, his mother stayed and married his father, and that was how he came to be born – because his mother hadn’t run off with Steve Cochran. That is the idea he is toying with, Renzo says, to write an essay about the things that don’t happen, the lives not lived, the wars not fought, the shadow worlds that run parallel to the world we take to be the real world, the not-said and the not-done, the not-remembered. Chancy territory, perhaps, it could be worth exploring.“ (153)

P1080176

The Holy Trip

DCIM101GOPRO

Sonntags lassen wir die Bretter Bretter sein (eine early bird session war natürlich drin!) und setzen auf Räder. Heute: Kulturausflug. Drei Deutsche, ein brasilianischer Thai und ein Balinese gemeinsam on tour. Ein Tag, 350km, mainstream Pop/R n B/ HipHop auf den Ohren und den Lippen, auf kurvigen Bergstraßen, durch Dschungel und Reisfelder. Heilige Bäume, heilige Tempel, heilige Quellen – Holy shit, a holy trip! Alle Tassen hatte danach niemand mehr im Schrank – und all cups in the cupboard erst recht nicht.

Es begann alles mit dem drive-thru tree und der Frage „Can we order a coke pressing the ‚bark-button‘?“. Nein, aber Weihwasser wäre vielleicht drin gewesen.

P1070873

P1070889

P1070881

Das Wasser der Holy Springs ist so grün wie heilig und die Bikinis danach auch – wir nicht erleuchtet aber erfrischt. Nur irgendwie stinkig vom Schwefel. Gegrillter Fisch und Meeresbrise sind die neuen Düfte zum Mittag. Lunch with a view.

P1070906

P1070911

P1070967

IMG_0662

IMG_0673

There lives a western lady in the jungle, beginnt Agung, und deutet auf die bewaldeten (bepalmten?!) Hügel zur linken. Wir lauschen gespannt, in Erwartung einer wahren Geschichte. Ich assoziiere eine Aussteigerin, die sich um verwaiste Affen kümmert, wie damals im Zoo in Singapur, Her name is Jane. Kurzes Schweigen, warte…Jane? Dann Gelächter. Na klar, Agung, alles klar! Und gleich schwingt Tarzan an der Liane vor der Windschutzscheibe vorbei…Nächster Halt: ein buddhistischer Tempel. Davor eine seltene Pflanze, the ‚eggplant’…Viel spannender aber sind die verschiedensten Früchte, die hier von den Bäumen hängen: Cashews, Sternfrucht, Mango, Durian,….es muss das Paradies sein. Frau Schween, die Fotos sind für deine Kinder. Damit die Kleinen lernen woher die salzigen Nüsse aus den Dosen bei Aldi kommen. 

P1070922

P1070950

P1070960

P1070940

P1070935

P1070949

Wave after wave, wave after wave, I’m slowly drifting…“, Agungs Hang zu den aktuellen Charts verursacht schmerzliche Ohrwürmer. Es wellt und windet und stürmt tatsächlich – aber nur dort, wo der 40m hohe GitGit Wasserfall auf das Gestein aufschlägt. Unglaubliche Wasserkraft. Kühn wagen wir uns ins Auge des Sturms. Eine Frau posiert auffällig und freizügig vor dem Wasserfall. Ich und der Wasserfall, ich auf dem Stein, ich knöcheltief im Wasser…

DSC_3075

IMG_0691

Das Wort ‚Knallpot‘ auf einem Schild entdeckt, deja-vu, das indonesische Lieblingsword der Deutschen. Heißt Auspuff und ich werde irgendwann mein Café oder mein Buch, oder beides, „Thirteen anchors and one Knallpot“ nennen. Hiermit melde ich Copyright an.

Auf dem strawberry market gibt es nicht nur Erdbeeren – auch seltsame Bananen, die eigentlich Maiskolben sind.There is something wrong with this banana, stellt Nando fest. Findet Lina auch. Wir kaufen lieber eine Mango und probieren uns durch die exotischen Früchte. Tangerine, Guave, Passionsfrucht („This is so passion, this is so fruit“ (Agung)).

P1070982

P1070985

P1070980

Es wird dunkel und wir kurven zurück, heulen dabei den vollen Mond an und imitieren Ziegen.Mähhhh. Uns fällt die Szene von JurassicPark ein, die Ziege am Kran ins Sauriergehege. Random fact, aber wir lachen eine Weile darüber und erinnern uns an alte Filme. Agung erzählt uns wieder einen vom Tarzan. Und wir singen uns performen noch ein bisschen. Und irgendwann, irgendwann kommen wir endlich endlich wieder in Medewi an. Ein langer Tag. Am Ende ist gar nichts mehr zu retten und uns nicht mehr zu helfen. Die Ohrwürmer stecken tief, we keep on rockin’…

P1080008

Europe/Brazil vs. Bali

Es geht immer um Fußball. Und Fußball geht immer. Besonders für die Völkerverständigung. Wir haben große Töne gespuckt, Brasilien Fußballnation und Deutschland Weltmeister, aber im Grunde war klar, dass die Balinesen uns in Grund und Boden spielen würden. Auf Sand und Stein und barfuß ganz klar im Heimvorteil. Trotzdem: Challenge accepted. Gäste also gegen den Brown Sugar Staff.

Das Eu/Bra Team (so genannt, da der Kader aus einem gebürtigen Brasilianer und sonst aus Österreichern/Schweizern/Deutschen bestand…gliedern wir die Schweiz zu diesem zwecke mal in die EU ein) fand sich selbstverständlich als erstes und pünktlich am Strand ein. Es wurden gerade Linien für ein Spielfeld gezogen und die Steine am Boden in mühsamer Kleinarbeit aus dem Feld entfernt. Von den verspätet und erst nach und nach eintreffenden Balinesen („Bali time, slowly slowly, relääääx.“ Jam karet. Gummizeit.) wurde das prompt für lächerlich erklärt und die westliche Geradlinigkeit nach Local Recht sofort wieder verbogen – Feldbegrenzungen: zur einen Seite das Meer, zur anderen Seite der tiefe dunkle Vulkansand. Zwei Tore mit Ästen gesteckt und die Steine ignoriert. Fußball Bali Style. Anpfiff.

2×20 Minuten

Die Füße bohren sich in den Sand, Zeh stößt auf Stein auf Ball auf andere Gliedmaßen. Sand klebt auf Schweiß, läuft und tropft. Schon nach den ersten Sprints muss ich kurz stehenbleiben. Stütze keuchend meine Hände auf die Knie, japse mit verzerrtem Gesicht nach der feuchtwarmen Luft und folge dem Ball nur noch mit den Augen. Während Agus mit dem Ball davontänzelt, um das nächste Tor für das balinesische Wet Dream Team zu erzielen. Alle Erwartungen bestätigt, trotz kreativer Mädchen-Tshirt-hoch und Festhaltemethoden, scheitern wir gnadenlos. Verlieren das Spiel, aber niemals das Lächeln. Denn hinter uns geht die Sonne unter, die Palmwedel schwingen in leichtem Abendwind und vom Landesinneren her zieht ein Duft von Räucherstäbchen herüber. Abgekämpft und glücklich klatschen wir uns ab und wandern langsam durch den noch warmen Sand die paar Meter zurück ins Camp. Nur ein Fischer, der sein Netz vom Strand ausgeworfen hat, beobachtet uns. Es gibt gerade ganz sicher keinen schöneren Ort auf der Welt. Und keine passendere Zusammenkunft von Menschen als die unsere.

Knapp 900.000 ist unsere Niederlage schließlich wert. Glücklicherweise Rupiah. Unsere Verlust ist allerdings auch unser Gewinn, denn in Spirituosen wird bezahlt. Und mittrinken ist natürlich genauso wertvoll im Sinne der interkulturellen Kommunikation und Verständigung. Whiskey und Gin werden aufgetischt. Aber erst am kommenden Abend. Denn nach dem Spiel humpeln selbst die Balinesen ein bisschen, es zwickt den ein oder anderen in der Wade und im Rücken und die Zehen sind reichlich überdehnt. Alt wird an diesem Abend im Camp niemand mehr und so ergeben wir uns der Erschöpfung und um kurz nach neun herrscht in den Bungalows friedliche Stille. Nur die Brandung donnert noch dumpf auf den Strand und der Mond scheint voll über dem Meer, den Feldern und den Hütten von Medewi.

DSC_0116 DSC_0121

DSC_0180 DSC_0269
DSC_0312 DSC_0318 DSC_0334
DSC_0234 DSC_0212 DSC_0231
DSC_0258 DSC_0305 DSC_0419 DSC_0442

Thanks to our Brazilian friend Nando for providing the pictures!!

Selfie in Abu Dhabi

Kamelidentität

MOIN MOIN aus Abu Dhabi. Wir verstecken uns heute mal hinter unserer Kamelidentität, denn nach 36 Stunden Wachzustand und Reisestrapazen wollen wir niemandem ein richtiges Selfie zumuten.

Wir haben es also bis Abu Dhabi geschafft, der erste Teil der Reise liegt hinter uns. Was bisher geschah: Nachdem wir den Lokführerstreik in Norddeutschland ausgesessen hatten, ging es dann irgendwann doch noch Richtung Düsseldorf Airport. Sogar mit upgrade in die erste Klasse, weil unser Wagen zum Stinkewagon degradiert wurde und der Schaffner uns nicht in dem Mief sitzen lassen wollte. Trockene Heizungsluft benebelt die Sinne, die roten Plüschsessel kuscheln, die Fahrt ruckelt uns in den Schlaf. Um drei Uhr nachts erreichen wir den Flughafen. Ohne Zeitdruck im Nacken ist das Leben unglaublich entspannt. Gut, dass wir so viel Zeit bis zum Abflug  haben. Wir suchen uns einen Platz im Terminal.  Die Facility Managerin wischt in kreativ mäandernden Kurven durch die Eingangshalle, dem Typ da ist die Hose eingelaufen, ein anderer dreht Runden, um die Zeit totzuschlagen und kommt zum vierten Mal vorbei. Laut Airport Bevölkerungsstatistik ist Düsseldorf ist eigentlich ein Teil der Türkei. Pinke Koffer liegen im Trend. Fernseher, Woks und Kühlboxen lassen sich auch im Flieger transportieren. Aber uns starrt man wegen der Surfboards zuweilen an wie Außerirdische. Der Typ am Sperrgepäck fragt, ob wir unsere Bügelbretter dabei hätten? Und dann noch am check in Düsseldorf: Ein deutscher Rucksacktourist schlappt zum counter, blickt suchend umher bis sein Blick auf das „check in“ Display fällt und sagt zu seiner Begleiterin: „Ja, hier kann man einchecken“….ach nee, sowas, wir dachten hier kann man Currywurst kaufen…

Der Flug mit ETIHAD Airways vergeht zwar nicht wie im Fluge, haha, verläuft aber einwandfrei. Die Inneneinrichtung ist wüstensandgelb bis arabischgold, die Stewardessen sind wirklich noch hübsch, von ihren Hütchen fällt ein hauchdünner Schleier, und das Entertainmentprogramm stimmt auch (‚The Fault in our Stars‘, so ein traurig schöner Film!!). Nach 6,5 Stunden schlägt uns die nächtliche Hitze von Abu Dhabi entgegen. 20 Uhr, 32 Grad. Am Flughafen richten wir uns auf den fünfstündigen Aufenthalt ein. Wieder Zeit zu beobachten. Das Handynetz heisst ‚Etisalat‘,  der Chinese gegenüber serviert Spaghetti auf Plastiktellern und verteilt an seine Reisegruppe, über uns Mosaikfliesen an der Decke. Überall multikulturelles Gewusel. Ein Einheimischer in langem weißen scheichartigen Gewand, darüber eine neonfarbene Polizeiweste. Kann der hinter einem Verbrecher herrennen? Naja, ein deutscher Polizist mit Bierplautze könnte das auch nicht. Achso, und auf einem der vielen zeitvertreibenden und beinevertretenden Spaziergänge durch die Halle stoßen wir auf kulturell geprägtes Spielzeug….

Kulturelles Spielzeug

Dann ist endlich Zeit für Boarding. Auf nach Kuala Lumpur. Beim Blick aufs Ticket für den anschließenden Flug stellen wir fest, dass für den letzten Abschnitt nach Bali nicht ETIHAD, sondern Malaysia Airlines uns fliegen wird….oha, wünscht uns Glück!!

Aus gegebenem Anlass

„Journeys are the midwives of thought. Few places are more conductive to internal conversations than a moving plane, ship or train. There is an almost quaint correlation between what is in front of our eyes and the thoughts we are able to have in our heads: large thoughts require large views, new thoughts new places.“ (The Art of Travel, A. de Botton)

Es ist wieder Zeit. Auf Reisen zu gehen. Den Kontinent zu wechseln. Wieder Palmen sehen und Räucherstäbchen riechen, Wellen reiten und Salak essen. Selamat jalan. Selamat jalan.

P1020387

Freedom from Distraction

Thomas Swick on the merits of traveling alone

“Of course, writers of any kind are never the norm; those of us who write about travel are different from the start, since we usually head out alone. The reason cited most often is freedom from distraction; when you’re by yourself, you’re more attuned to your surroundings. Less discussed, but just as important, is the fact that, alone, you’re also more sensitive. You not only notice your surroundings more clearly, you respond to them more deeply. Smiles and small kindnesses mean more to the unattached traveler than they do to a happy couple. A merchant in Fethiye adds a few extra sweets to my purchase and I’m extremely touched, in part because no one has paid any attention to me in days. If I’d been there chatting with my wife, I wouldn’t have been so moved; I may not have even been aware. And the merchant quite possibly would not have been inspired like he was by my lonely presence.”

                                                     Thomas Swick, A Moving ExperienceThe Morning News, 12/03/2013

P1070659

Source: http://www.vagablogging.net/rp/vagabonding-life/travel-quote-of-the-day#sthash.a94NdRAO.dpuf

Sommerliche Schneeverwehungen

P1010200

In den Bergen ist man als halbwegs erfahrener Wanderer eigentlich ständig auf Schnee eingestellt, egal wo die Jahresuhr gerade steht. Trotzdem ist es immer wieder faszinierend, wenn einem dann wirklich die Flocken ins Gesicht wehen. Im August, verrückt. Wir kletterten in zackigen Serpentinen den Hang hoch, die Temperatur sackt in den Keller. Von Regen zu Sonne zu Regen zu Graupel und Nebel. So sah unser Aufstieg in den ersten 2,5 Stunden aus. Und jetzt Schnee für die finale Stunde in der uns u.a. noch ein Grat bis zur Hütte erwartet. Holla, der Bergtroll. Und ich habe auch noch meine wasserfeste Jacke auf der letzten Hütte liegengelassen. Aber wir arbeiten klamottentechnisch nach dem Schichtprinzip, das hält eine Weile trocken. Nur nicht anhalten, nicht auskühlen. Auf dem Grat zur Kaunergrathütte schaltet das Wetter noch das Gebläse ein – jetzt sind es Schneeverwehungen und auch die Funktionsjacken der Mädels halten nicht mehr so richtig warm. Wir schlottern und rutschen der Hütte entgegen, die in der Ferne erscheint. Der Wirt begrüßt uns schneefegend auf der Terasse, „Mei, die Madeln, kommts h’nein!!“. Urig, absolut gemütlich hier. Ein Abend mit Akkordeon und Volksliedern, Schnaps und Tee und Fritattensuppe wärmt uns auf. Und schickt uns im gemütlichen Lager in tiefe Träume auf 2800m. Während draußen weiter der Schnee fällt.

Am nächsten Tag latschen wir uns die Füße ganz schön platt, 8 Stunden über Stock und Stein. Es hat aufgehört zu schneien, ist aber ziemlich matschig. Es ist unmöglich zwischen Kuhkacke und richtigem Dreck zu unterscheiden, elegant zerfließen die Fladen und schleusen sich ins Netzwerk der Rinnsale auf den Trampelpfaden ein. Gut, dass unsere Schuhe so hoch sind. Wir latschen einfach durch und machen uns schmutzig, herrlich. Nebel ziehen, Sonne scheint, Regen tropft, Schnee grieselt. Sowas nennt man wohl wechselhaftes Wetter. Brotzeit mir selbstgemachten Müsliriegeln von Karo, Kaspressknödel und Käse. Dann gehts weiter. Die zweite Hütte ist zu groß, zu voll, zu kommerziell. Wir spielen den frust mit Monopoly Deal weg und probieren mitgebrachten Kaffee aus der Papptüte mit Filter (growerscup.com) – großartig!

Morgens wecken uns die Sonnenstrahlen erst so richtig auf als wir schon unterwegs sind. Dringen hinter den Gipfeln hervor, fluten langsam die Täler mit Licht, erinnern uns an die Erhabenheit der Berge, ein unglaubliches Panorama. Meine Füße sind allerdings platt. Nach Monaten der Flipflops machen mir die Wanderstiefel zu schaffen. Ich mache mich an den vierstündigen Abstieg, die Mädels machen noch einen Gipfel. Auf meinem Weg ins Tal begegnet mir ein Russisches-Zupfkuchen-Schaf und ich werde für eine Weile von einer blökenden Herde verfolgt. Komme aber schließlich heil unten an und kaufe erstmal 2kg Käse aus der Sennerei vor Ort. Später kommen auch die Mädels ins Tal gesprungen. Es ist mittlerweile wirklich wieder August – kaum auszuhalten in der Sonne. Gegen fünf steigen wir in den VW Bus und düsen wieder gen Deutschland. Immer schön so ein Kurztrip in höhere Gefilde.

P1010160 P1070537

Wandererblitzer?

P1010172 P1070543 P1070546 P1070531 P1010181 P1010185 P1010182 P1010184 P1010196 P1010187 P1010190 P1010199 P1070554 P1070547 P1070558 P1070567 P1070572 P1070581 P1070587 P1070595P1070598 P1070607 P1010230

P1070609

 Das Pitztalsche‘ Zupfkuchenschaf

P1070634 P1070635 P1070660

 

Die Nebel vom Winnebachsee

Vor dem Bahnhof sitzen zwei wenig geschmackvoll geschminkte Mädchen, sie sind vielleicht vierzehn oder fünfzehn. Beide tragen Leggins und Kopfhörer, neben ihnen stehen Einkaufstüten von Primark. Wahrscheinlich shoppen in Innsbruck gewesen. Sie tippen den Kopf gesenkt auf ihren Smartphones herum, das der Blonden steckt in einer pink-rosa Hülle mit Strasssteinchen. Die Braunhaarige kaut intensiv schmatzend Kaugummi, beäugt sich immer wieder kritisch in der Fensterscheibe des Bahnhofcafés und spitzt dabei den Mund, nein, manchmal öffnet sie ihn auch lasziv. Ab und zu zeigen sie sich Bilder oder Nachrichten und kiechern hysterisch und sagt irgendwas in starkem Österreichischem Dialekt. Ich öffne mir ein Bergbier, eine Dose Almdudler und versuche runterzukommen. Anzukommen. Um mich herum hängen die Berggipgfel im Nebel, die ganze Szenerie ein dunkles feuchtes Grüngrau. Kein sonnenfarbiger Heidisommer, aber immerhin riecht es nach Wiese und Kuh.

Zwanzig Minuten später sitze ich im Bus, mir gegenüber die zwei Mädels vom Bahnhof – schmatzend und kiechernd wie eh und je. Ich bin eigentlich entspannt, weil sich das im Urlaub mit Backpack, Wanderstiefeln und Buch statt iPhone einfach anbietet. Aber meine Ohropax sind irgendwo ganz unten im Rucksack und deshalb wünsche ich mir, dass die zwei in einem der nächsten Dörfer bitte einfach aussteigen mögen. Sonst sind noch ein paar Wanderer im Bus, zu erkennen an ihren funktionalen Funktionsklamotten. Die wirken auch leicht genervt von den kaum eloquenten Äußerungen der jungen Damen. Kann nicht jemand volkstümlich jodeln?

Wir kommen drei Haltestellen weit, dann ruckt der Bus und steht still. Vor uns zieht sich eine lange Autoschlange die Serpentinen hoch. Nichts bewegt sich, kein Ende in Sicht und keine Ahnung was los ist. Wir stehen. Die Temperatur steigt. Der Fluss? Ah, Brücken gesperrt also. Die Ötztaler Ache hat sich, um es in den Worten von Kyle Dempster (der Kirgistantyp aus der letzten EOFT) auszudrücken, in einen „great chocolate milk river“ verwandelt. Ein brackig brauner reißender Fluss, der an den Brücken nagt. An uns vorbei ziehen Handwerkerautos und Feuerwehrwägen. Wir bleiben wo wir sind. Nach einer Stunde schnallt der Mann hinter mir sein Fahrrad vom Hänger und begibt sich auf zwei Rädern weiter ins Tal. Die Mädchen diskutieren über einen Typen aus der Klasse und schießen Selfies. Nach eineinhalb Stunden kommt die Durchsage, dass in einer halben Stunde entschieden wird ob in einer Stunde die Strecke freigegeben wird, oder so. Die Blonde ruft ihre Mutter an. Sie können beim Hans schlafen wenn es heute nicht mehr weitergeht. Der Bus erwacht zum Leben, der Motor heult auf, wir fahren zehn Meter nach vorne und stehen wieder. Die Maschine blubbert und stirbt. Ruhe und Hitze. Die Mutter ruft wieder an. Ja, in den Nachrichten haben sie gerade etwas gebracht. Schon 15 km Stau im Ötztal. Jetzt packen sie die Klamotten aus und probieren an, schießen mehr Fotos. Ich lehne mich gegen meinen Rucksack und schließe die Augen. Schon kurz vor sechs. Ich muss doch noch mindestens 2 Stunden aufsteigen heute. Seit 5:15 Uhr bin ich unterwegs, Hamburg – München – Kufstein – Innsbruck – Ötztal mit der Bahn.

Irgendwann geht es tatsächlich weiter, wir werden umgeleitet durch ein Industriegebiet, weil die Straße überflutet ist. Dreißig Minuten später komme ich an der Kreuzung Längenfeld/Gries an. Ich linse skeptisch zum Himmel, immer noch dicke Wolken. Den Rucksack auf dem Rücken beginne ich auf der Straße nach Gries Höhenmeter zu machen. Längenfeld liegt auf 1173m, Gries auf 1600m und die Hütte auf ca. 2400m. Ich halte den Daumen raus, zumindest den Aufstieg bis Gries kann ich mir sparen. Elfriede und ihre Tochter nehmen mich mit. Michel und Nina auf der Hütte kennen sie natürlich. Sie fährt mich bis zum Einstieg des Wanderweges nach Winnebach hoch, ein sehr gelegener Service zu dieser späten Wnaderstunde. Ich soll anrufen, wenn ich oben bin. Michel und Nina haben ihre Nummer. Ich bedanke mich und bin gerührt, hier kann wirklich keiner verloren gehen.

„Wacker Innsbruck greift über links an, Lukas Riml mit TORRES Trikot stürmt auf das Tor zu. Doch was ist das, da grätscht Red Bull Salzburg dazwischen, Judith Riml vereitelt den Angriff. Richtungswechsel. Dann kommt Luttermann dazwischen, dribbelt geschickt mit der neuen Crocs-Hüttenschuh-Taktik an Riml und Riml vorbei und TOR TOR TOR, Deutschland ist Fußballbergmeister!“

Die Nebel weichen zwei Tage lang nicht von unserer Seite. Ich umrunde den See und muss aufpassen, dass ich auf den bemoosten nassen Felsbrocken nicht ausrutsche. Die Kühe höre ich von der Hütte, sehe sie aber erst ein paar Meter vor mir aus dem Nebel auftauchen. Gollum müsste jetzt auftauchen, ich wäre nicht überrascht. Ein kurzer Besuch beim Steinhaufen vor der Rimlspitz, den Wasserfall kriege ich heute nur zu Gehör. Viel Wasser, so viel Wasser. Jetzt auch von oben und so verziehe ich mich wieder nach drinnen, in die Jogginghose und hinter die Seiten des Buches.

Hüttentage. Riechen nach Holz. Und Fußschweiß. Und Kaspressknödeln.

P1070520 P1070516 P1070479 P1070511 P1070513

Im Fell eines Anderen

Es war schweißtreibend, einige Kinder liefen schreiend weg und manche hielten mich für männlich (O-Ton FackjuGöte-Jugendlicher: „ey bist du n Typ? Kla, fühl ma anner Schulta ey, isch schwör, du bist n Typ!“) – no matter what: I crossed something off my bucket list this weekend:

  • Work for a promotion company and wear a mascot costume, CHECK √

Einmal im Leben ein Muskel-Kater sein, eher ein muskulöser Kater und bei näherer Betrachtung doch eher dickbäuchig und aufgeschwemmt mit Schuhen der Dimension eines Waldbrandaustreters. Aber egal, denn aller Hitze und den seltsamsten Reaktionen zum Trotz gab es hauptsächlich Folgendes zu beobachten: Leuchtende Kinderaugen und sanfte Streicheleinheiten, kräftigen Händedruck und High Five’s, gekreischte Begeisterung, schwungvolle Umarmungen (Asiaten ganz vorne!), die lächelnde Wiederbelebung abgekämpfter Radfahrer und vor allem jede Menge Fotos!

IMG_6098 IMG_6099 IMG_6100 IMG_6104 IMG_6106

 

Literarische Brieffreunde

Ich dachte die Sommerlektüre für 2014 gefunden zu haben. Aber Bernhard Schlink muss sich unerwartet den Liegestuhl mit Paul Auster und John M. Coetzee teilen. Mir scheint, dass wenn man sich wieder Zeit nimmt zu lesen, die guten Geschichten einen nicht mehr in Ruhe lassen. Wie der Freizeitstress, oder Sozialstress, kann ich mich kaum entscheiden – sie stehen in Schlange, auf meinem Nachttisch, im Regal, stapeln sich auf dem Schreibtisch, auf dem Sofa. Und noch als Ideen lungern sie auf Listen, in Bibliothekskatalogen und Amazon Warenkörben. Intertextualität, Fluch und Segen. Sie empfehlen sich gegenseitig, verweisen direkt und indirekt aufeinander. Wenn Paul Auster von Kafka spricht, dann werde ich schmerzlich daran erinnert, dass Kafka schon lange auf meiner „To Read“ Liste steht. Amazons „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch…“ ist ein geschickter kapitalorientierter Schachzug, aber ich falle gerne drauf rein. Und um die Amazon Sündenkäufe wieder auszugleichen bin ich Stammkunde bei stories! in Hamburg, der besten Buchhandlung der Welt.

Bringen wir Auster und Coetzee zu Ende, dabei sind die Briefe so gedankenreich, dass ich wünschte die beiden weisen Herren des Literaturzirkus hätten sich länger als 4 Jahre geschrieben. In Rücksichtnahme auf ihr Alter verzeiht man ihnen gerne den ein oder anderen abwertenden Kommentar zu Poetry Slam und das Beklagen des Fehlens großer Ideen und großer Schriftsteller in den vergangenen Jahrzehnten. Die Vergangenheit verherrlicht sich so problemlos, lassen wir ihnen den Spaß. Dafür können sie eine Menge berichten, von Verlegern und Literaturagenten, von literarischen Werken und linguistischen Feinheiten, sie versuchen sich an Wirtschaftskritik und scheitern selbstironisch [„Eine andere Lösung, die mir neulich einfiel, könnte so aussehen, dass die Regierungen ungeheure Mengen Geld drucken und jedem einzelnen Menschen auf der Erde etliche zehntausend Dollar in die Hand geben. Da steckt sicher ein Fehler drin (übersehe ich die Möglichkeit einer galoppierenden Inflation?), aber wenn ich nicht irre, werden die Rettungsaktionen doch genau auf diese Weise finanziert: indem man mehr Geld druckt.“ (Paul Auster) ]. Sie, der langjährige Schriftsteller Auster und der Literaturprofessor und Autor Coetzee, erregen sich über Politik und analysieren philosophisch, und werden noch philosophischer aber auch beispielhaft konkret bei den Themen Freundschaft, Sex und Sport. Sie halten ihr Versprechen, das Auster vorschlug, „In einen offenen Dialog [zu] treten […], der jedes Thema berühren dürfte“. Und sie können ohne Zweifel „aneinander, so Gott will, ein paar Funken schlagen“.

IMG_5872

Scheinfreiheit

Scheinfreiheit

Benzin ist das Parfüm des Sommers,

das Eau de Toilette der Straße.

Denn,

wo Geschwindigkeit und Zeit unter Rädern

einen Roadmovie drehen,

dreht sich die Welt in gefilterten Farben

zu sonnenbrauner Haut,

tanzen beachblonde Strähnen im Wind der

Fahrt.

Um in Fahrt zu bleiben

 werfe ich Scheine in den Tank,

aber es gab nie eine bessere Gelegenheit

Geld zu verbrennen.

Ich verdiene Kilometergeld,

 need money ‚cause I got wheels.

Freiheit ist kein Schein,

der Schein aber ist Freiheit

denn Freiheit, hat ihren Preis

und manchmal

kann man Freiheit kaufen.

 66824_617382304968398_2068292170_n(Bild: http://www.visualstatements.net/)

Sommerlügen

Nachsaison. Die Nacht in Baden-Baden. Das Haus im Wald. Der Fremde in der Nacht. Der letzte Sommer. Johann Sebastian Bach auf Rügen. Die Reise nach Süden.

Meine Sommerlektüre: Kurzgeschichten von B. Schlink.

Sommerlügen

„Kennen Sie die Küste nördlich von San Francisco? Manchmal felsig und rauh, dann wieder sandig und sanft, der Pazifik abweisender und unerbittlicher als jedes andere Meer, die zum Meer abfallenden Berge morgens nebelverhangen und dann, in der Mittags- und Abendsonne, mit ihrem trockenen braunen Gras golden leuchtend – es ist, als würde die Welt in ihrer Schönheit jeden Tag neu erschaffen. Mein Haus lag am Hang, so weit unterhalb der Straße, dass ich den Verkehr nicht hörte, und so nahe am Meer, dass mich sein Rauschen vom Morgen bis zum Abend begleitete, nicht laut und bedrohlich, sondern leise und versöhnlich. Ah, und die Sonnenuntergänge! Besonders mochte ich die in Rot und Rosa, Gemälde von verschwenderischer Farbenpracht. Aber berührt haben mich ebenso die verhaltenen, bei denen die Sonne blass in den Dunst über dem meer eintaucht und spurlos verschwindet.“ Er lachte leise, ein bisschen ironisch, ein bisschen verlegen. „Ich bin ins Schwärmen gekommen? Ja, das bin ich wohl. Ich könnte noch viel mehr schwärmen: von der kräftigen, salzigen Luft und den Gewittern und den Regenbogen über dem Meer und dem Wein.“

(Der Fremde in der Nacht, S. 151)

 

Wandschatten

Wenn es dunkel wird in der Feldstraße und kein Licht im Wohnzimmer Schatten wirft, dann kommt es von draußen herein. Wirft eigene Schatten an der weißen Wand gegenüber vom Fenster. Rostbraunes Licht und schwarzbraune Schatten. Im Straßenlaterneneschein ein windiges Blättertanzen wie in Gedichten. Radschatten durch Speichen leuchten die Reflektoren flackern. Sofapublikum beobachtet fasziniert die Szenerie. Ganz still dem Stummfilm lauschend. Der Welt entrückt. Die Dachbodenmaus sieht Wolkenrennen, in einem alten Fernsehapparat.

scherbenglücklich

Für 1,50 Euro gibt es nur ein Kleines, recht  Billiges. Von IKEA vielleicht. Mit 2 Euro schafft man es schon eine Etage höher. Aber ab 3 Euro wird es spannender. Da wird nicht nur tiefer Fall geboten, sondern auch besondere Form. Ganz oben die Topkandidaten, kostspielige 4 Euro. Elegant splitternde Prachtexemplare. Warum Schokoriegel aus Automaten ziehen, wenn man auch Gläser zerdeppern und dabei zusehen kann. Absurd. Aber Scherben bringen wenigstens Glück, vielleicht mehr als Schokolade.

(NordArt 2014, Büdelsdorf)

IMG_5186 IMG_5187

Not California

Vieruhrdreissig: Wecker. Board im Auto. Thermoskannenkaffee. Über Landstraßen kurven, Musik ganz laut gegen die Müdigkeit. Es wird nicht heller. Vom Klanxbüll Parkplatz in die NordOstsee Bahn. Hindenburgdamm queren. Auflaufend Wasser. Weiterhin stählerndes Grau ohne Inselabrisskante. Durch die menschenleere Fuzo Westerlands marschiert. Strand. Wo sollte sie sein, die Welle? Zugig. Tröpfelt nass. Grauer als grau. Ein Stündchen Schlaf im Strandkorb, abgewandt vom Wind. Ich spüre meine Füße in den Chucks trotzdem beim Aufwachen nicht mehr. Blick um die Ecke: Ich habe keine Wellen erträumt. Windkackbrandung, sonst nix. Mir ist kalt. Hilft ja alles nichts. Rückzug ins Cafe und wieder abgedampft. Sylt ist nicht Kalifornien. Muss auch nicht, wär aber schön gewesen.

P1070438 P1070440 P1070450 P1070446 P1070448

uzguzgug

Manche leuchten

IMG_4868

MANCHE LEUCHTEN

Steht in großen gelben Lettern über dem Eingang.

Und wieder bin ich. Abkommen vom gelehrten Lernpfad. Aus Vorlesungsskripten entschlüpft und Seminaraufzeichnungen vergessen. Auf Weltenwanderung, über Einbandstraßen und Seitenwege, den Wortgewalten ausgesetzt zwischen den Regalen campen und Textverweise als Landkarten nutzen, um sich in neues Terrain vorzuwagen. Schwimme über Grenzen und lasse mich treiben. Von Germanistiklanden nach Anglo-Amerika, ein Abstecher in den Orient und weiter in philosophische Gefilde: Gerade Goethe bei G getroffen, den alten Klassiker – hatte zu viel Wein gesoffen, auf italienischer Reise. Neben Reisebildern aus Italien gibt es bei Dickens Notes from America zu lesen. Haruki Murakamis Eismann schmilzt nicht unter japanischer Sonne – er sonnt sich im westlichem Glanz des Erfolgs. Foucault diskursiert, Derrida dekonstruiert, Lacan schaut in den Spiegel und Butler nimmt gender auseinander. Poststrukturalistische Heiterkeit. Himmel, man kann sie gar nicht alle lesen, aber ihre Ideen – sie sind so schön. Ich kann mich in Bibliotheken nicht besser auf das Lernen konzentrieren. Ich bin unermüdlich bemüht abgelenkt zu sein. Auf Streifzug zwischen den Regalen. Kann mich dem Leuchten nicht entziehen. Um die Ecke zieht sich die Schrift weiter.

MANCHE LEUCHTEN – WENN MAN SIE LIEST. (A. Gide)

IMG_4825 IMG_4870

T-R-I-gonometrie

IMG_5417

Man muss auch mal Dinge auf sich zukommen lassen. Komfortzone und sicheren Hafen verlassen und so. Fakt: Man kann ohne (viel und strukturiertes) Training einen Triathlon überleben. Wenn man in Kauf nimmt, dass die Zeit nicht rekordverdächtig und die Beine auf dem Weg wackelig werden – waren gerade beschrittene Wege denn je interessant? Weil sich das vermutlich viele Amateure denken, kommt Schwimmen am Anfang – damit nicht so viele Möchtegernathleten vom Seegrund geborgen werden müssen. Im Rahmen des Radfahrens über dem Rahmen zusammenbrechen oder beim Laufen der Erschöpfung freien Lauf geben ist aus Rettersicht halb so schlimm, weil der Mensch doch allgemein eher Land- als Wasserratte ist.

Die Ruhe nach und vor dem Sturm. Der Chiemsee hat sich beruhigt, hat seine Wellen gezügelt und das Gewitter ist an andere Front abgezogen. Grau, aber ruhig, so steht das Gewässer vor dem Bergpanorama als stehendes Gewässer und wartet. Auf uns. Neun Uhr fünfundzwanzig. Ich sehe 400 Pinguine ins Wasser staksen, ich einer davon, und überlege mir im Delirium des Vorstartszustandes (Warum warum warum tun wir uns das an?), wie irrsinnig seltsam der Mensch doch ist. Versucht, sich mit imitierter Fettschicht elegant im Wasser fortzubewegen. Hüfthoch watend warten wir, hektisches Brillengeputze. Der Mensch muss sehen, aber auch ohne Beschlag sieht man wie durch Milchglas in diesem Naturschwimmbad. Manch einer wünscht sich wohl den hellblauen Chlorbadgrund zurück. PENG. Eine Artillerie von bayerischen Wettkampfrichtern schießt uns aus dem Gedankenstrom ins wahre Wasser. Plötzlich schwarzes Neoprengewusel und weißer Wasserschaum. Alle Pinguine bäuchlings abgelegt. Da platschen Arme übereinander, schnaufen seitlich Münder und Nasen nach Luft, trainierte Schwimmbadlinien weichen zickzackkursiger Desorientierung, Boje Boje Boje? Ui, toter Fisch mit Bauch nach oben – hoffentlich schwimmt hier kein homo triathlonus gleich so – und einen großen Schluck Chiemsee genommen, jawoll! Was für ein Start. Atmen, atmen. Endlich, nach zwei Bojen schlägt kein anderer Arm mich mehr, sondern nur mein Rhythmus Wellen. Das Feld hat sich zerschwommen. Ich pflüge meine eigene Trasse durchs Nass und komme mir gar nicht nass vor, sondern so, als wäre schon alles in trockenen Tüchern. Läuft doch, denke ich – und denke zur Ablenkung darüber nach, ob ich etwas über die Uni nachdenken soll. Cogito ergo sum. Quasi beim Schwimmen die Zeit nutzen und gedanklich Foucaults Diskurstheorie durchexerzieren. Dann schlucke ich nochmal Wasser und muss mich wieder aufs Geradeschwimmen konzentrieren. War einen Versuch wert.

Nun werde ich das Rad nicht neu erfinden. Zugegeben. Muss es aber auch nicht groß suchen, 412 ist meine Hausnummer. Vom Pinguin zum Hamster. Ausziehen, ausziehen, ausziehen! Neopren hängt an Ferse, verdammt. Alles nass. Jetzt auch von oben. Drunter sowieso. Aber egal. Kurz blank ziehen. Polsterpavianarsch: sitzt. Kompressionsstrümpfe: hochgerollt. Helm: verschlossen. Stöckelschuhe mit Absatz vorne klackern über Asphalt und rasten in Klickpedale ein. Der erste Tritt, es rollt und der Stress der Wechselzone verflüchtigt sich auf die Straße, in die Landschaft. Dahin rollen wir, mein rotes Ross mit neongrünem Reiter. 40 km. Nasse Kurven, Anstieg und Gefälle, Tacho und Trinkflasche, Wind und Regen. So grob zusammengefasst.

Oha, Bentje an Beine! Bentje an Beine! Tschuldigen Sie, haben Sie meine Oberschenkel gesehen? Ich muss die in der Wechselzone verloren haben. Hallo! Hallo! Hat jemand Lust auf Wadentausch? Erbarmungslos strecken sich die zehn Kilometer lang dahin, schlängeln sich durch die hügelige Landschaft. Jede Steigung fährt durch die Muskeln wie ein Stromstoß, sensibel und schmerzhaft. Aber wo Schmerz ist, ist auch Leben! Flüstert der kleine Masochist in der Sportlerseele und treibt an, unter keinen Bedingungen wird angehalten. Niemals. Der Weg ist doch nicht das Ziel, sondern das Ziel sich selbst genug. Irgendwie haben wir den Weg dahin bestritten. Schon wieder Vergangenheit. Jetzt gibt es Lacher und Umarmungen. Dazu Banane und Radler. Und euphoriegeschwängert den festen Vorsatz: Das machen wir wieder!

Zum Abschluss ein paar Triathlonanekdoten von „Ironjürgen“ – denn das wollen wir ja werden, kleine Ironmänner und -frauen, oder nicht?  http://www.ironjuergen.de/sprueche.htm


IMG_5385 IMG_5371 IMG_5372 IMG_5455 IMG_5391 IMG_5407 IMG_5399 IMG_5412 IMG_5420 IMG_5454 IMG_5434 IMG_5480 IMG_5428 IMG_5466

 

Beuteltier im Mittelmeer

 

IMG_4963

„Einmal den Boden verlieren! Schweben! Irren! Toll sein! – Das gehörte zum Paradies und zur Schwelgerei früherer Zeiten: während unsere Glückseligkeit der des Schiffbrüchigen gleicht, der ans Land gestiegen ist und mit beiden Füßen sich auf die alte feste Erde stellt – staunend, dass sie nicht schwankt. (…) Es gibt noch eine andere Welt zu entdecken – und mehr als eine!

Auf die Schiffe, ihr Philosophen!“ (Nietzsche)

IMG_4967 IMG_5006

 

Beuteltier im Mittelmeer

„Was die Plastikflasche kann, das kannst du auch“

Herausforderung angenommen – ich werde Kurs halten!

Sonst Bordpoet sein,

Reiseleitung und Küchenhilfe.

Volle Kraft voraus !

Dachte ich mir so…

Seekrankheit reduziert mich auf ein Häuflein Elend,

Holt mich auf den Boden der Tatsachen zurück – den hätte ich mir gewünscht.

Mit Atemnot durch die erste Nacht,

Seitenwelle wackelt wankelmütig,

Ich wanke walk the plank like nach oben,

Schicksal nimmt seinen Lauf, Nudeln gehen schwimmen.

Den Samstag Vormittag an Deck vegetiert,

Wollte sterben.

Erst Cola von „Gott“ haucht mir wieder Leben ein,

Wie neu geboren.

Zuvor:

Im Labyrinth seglerischer Fachtermini,

‚Segeler speak‘ ist mein Mast und Schotbruch.

Raus aus den Gewässern der Komfortzone!

Das Schiff eine Heterotopie,

Ein „Ort, der nach eigenen Regeln funktioniert“, eine „realisierte Utopie“.

 „Neuland“ betreten trifft es nur im übertragenen Sinn,

Ins warme Wasser geschmissen schon eher wörtlich.

Stehe etwas auf dem Schlauch,

Kann aber mit dem wenigstens das Boot mit Süßwasser abspritzen.

Geduld Matrose, Geduld.

Abgelegt in den Sonnenuntergang,

Südlich sanfter spanischer Sommerwind schmeichelt seicht

Der Haut und den Gedanken,

Die hinaussegeln, obwohl wir motoren.

Die Hafenmauer hinter uns gelassen,

Backbords fällt die Steilküste glühend ins Meer,

Ein Leuchtturm leuchtet Sonnenuntergangsgolden am Kliff.

Mein Gott, diese Fahrt ist Poesie!

Adiós Espana, bientot Bonjour la France.

Nachts verwehrt der Mond uns Dunkelheit,

Feuchtigkeit kriecht über das Deck,

bis die Morgensonne es Stück für Stück trocken tupft.

Tagsüber brennt die Hitze unsere Füße ins Teakholz,

Zu Fluch der Karibik auf Kurs, Helene ist Tabu.

Schweigen und Reden, Stille und Musik, Steuern und Sonnen und Schlafen.

Mediterrane Küche an Bord,

Kleine grüne pimientos de padrón schmoren salzig in der Pfanne,

In den beweglichen Scharnieren schwingt der Herd im Auf und Ab des Bootes,

Entfacht eine Unterdecksauna, die der Sonne an Deck Konkurrenz macht.

Mondfische winken

Den Schulen von Delphinen, die mit unserem Bug um die Wette

durch Wellenberge und Täler gleiten,

Wild life.

Die Stimme des Kängurus hüpft über die spiegelglatte Oberfläche des Mittelmeeres,

Oder doch Bodensee?

Mir soll es recht sein, tatsächlich mal ohne Welle glücklich.

Der silberne Teppich in gleißendem Sonnenlicht,

Wir pflügen durch eine Armee portugiesischer Galeeren,

Die keine Meuterei planen unser Schiff zu entern,

Sondern botellas azules sind, Blue Bottle Quallen,

Ihre bläulich schimmernde Gasblase als Segel der Sonne und dem Wind entgegengebläht.

Unangenehme Gefährten im Wasser,

Von oben betrachtet fast schön.

Tierisch bewegt spinnt sich Geschichte um Geschichte,

Christobal, die Dieselameise

Jorge, der Benzinkäfer

Tequila, die tote Kraftstoffkakerlake

Und Jesús, die Ölschabe –

Die kleine Absurdität in den Dingen,

Suchen und finden.

Appropos Absurdität: St Tropez.

Es gibt zu viele Leute mit zu viel Geld.

Was das Känguru wohl dazu sagen würde.

Meine Augen verblitzen sich an den Superyachten der Schönen und Reichen,

Meine Lunge erstickt am Smok der Motorboote,

Meine Ohren taub von prätentiöser Jetskiprahlerei, Prollgehabe!

Nur halb so schlimm, eher kurios, wenn man Beobachter spielt.

„Vielleicht sehen wir ja die Geissens“.

Der Golf von St Tropez bietet uns eine Boje an,

Die  über Nacht unser Hafen wird.

Kein Pool an Bord, aber dafür ringsherum.

Sonne geht

Unter Deck backt Pizza, das Känguru rezitiert sein Manifest.

An Deck Bier und Rosé aus St Tropez –

Sind auch ein Abendessen.

Dritte Nacht auf flüssigem Boden,

Aber unbestreitbar in Ufernähe:

Ohropax lässt Moskitosummen verstummen. 47 Stiche.

Es ist Zeit das Element zu wechseln,

Wasser zu Erde zu Luft,

Vom Boot ins Taxi in den Flieger.

Nicht ohne sich zuvor

Den französischen Pflichten ‚Café au lait‘ und ‚Pain au chocolat‘ unterzogen zu haben.

Wer will schon gehen, Uni ist gerade so angenehm weit weg.

Wir sind Meister der Verdrängung.

Und trotzdem:

Au revoir, merci – c’était un temps magnifique!


IMG_5014 IMG_5023 IMG_4973 IMG_5008 IMG_5035 IMG_5036 IMG_6140 IMG_5053 IMG_5065 IMG_5073 IMG_5075 IMG_5077 IMG_5081 IMG_5092 IMG_5094 IMG_5095 IMG_5096 IMG_5097 IMG_5121 IMG_5123 IMG_5127

Life Attracts Life

100_3308

Alte Tagebücher gelesen, weil „Diary Slam“ inspiriert (http://www.diaryslam.de/). Einen Text gefunden, nicht von mir, aus dem Reiseblog eines Backpackergefährten aus Neuseeland 2009. So wahr, so ehrlich, so lebensfreudigreisemotiviert. Thank you Josh!

„Life Attracts Life“

So in the aftermath of making the decision to leave the States for a while, I seemed to encounter one question above all others– Why?  Well, without further ado, I’m going to attempt (and I mean attempt, because there are some things that just don’t translate into words) to give some sort of rationale for my decision.

First off, why not? Seriously though, if you had the opportunity to leave life behind for a while, take off with some hard-earned cash (thanks Charlie’s) in an internationally secure bank account, with no real obligations at home, and a year’s worth of stuff crammed in an absurdly heavy pack, wouldn’t you?  Well maybe not.  We can’t all be as free-spirited and fortunate as I am, but if you know me at all, and I’d imagine most everyone reading this blog does, you get it. It’s the opportunity of a lifetime and I intend to make the most of it.

In all honesty, I have no definite plans ahead of me, which tends to startle some people, and leads others to think me crazy; but, I’ve got enough know-how, experience, money, confidence, and determination to succeed in almost anything, including this.

Am I hesitant or scared?  Absolutely.  However, I’ve had the advantage of a great education and the wisdom of my family, and friends, not to mention hundreds of authors I’ve read, telling me to do what makes me happy, take risks, and experience everything you can in life while you can. So with that in mind I find myself more resolved than ever before to do just that. There’s always going to be a fear of loneliness, failure, bankruptcy, etc…but that’s anywhere. Fear can be a terrible thing sometimes and I refuse to let it impact my life.

So I decided, I’ll take the chance, the worst thing that can happen is I find myself miserable and I come back, but the myriad of possible other outcomes is too numerous to ignore. I owe it to myself to go, the future can put itself on hold for a while, I’ve got a life to live and I intend to live it to the fullest.

That’s it. That jumbled monochromatic mass of words it my rationality. Like I said, there’s a large part of it I can’t seem to express, but it’s clear in my mind and in my heart and when those two things lead in the same direction it seems foolish not to follow them.

“It is good to have an end to journey towards; but it is the journey that matters, in the end.”
~ Ursula K. LeGuin

from: http://joshkoshar.wordpress.com/2008/09/18/life-attracts-life/

 

54° 20′ N , 10° 8′ O

IMG_4590„Wasser ist das Kieler Element. Mit der Förde ist das Meer direkt in der Stadt. Kreischende Möwen und die Typhone der Kreuzfahrtschiffe sind weithin zu hören. Das maritime Flair bietet ganz Besonderes: Sie können mit einem Fischbrötchen in der Hand an der Kiellinie sitzen, Strandspaziergänge unternehmen, auf der Förde segeln, in der Ostsee schwimmen, den Schiffen im Nord-Ostsee-Kanal zum Abschied winken und noch viel, viel mehr.“

…Grußworte der Stadt Kiel zum Studienstart

Zweieinhalb Wochen. Bei IKEA Randgebiete des Wahnsinns erkundet, NORDBY und BORGSJÖ gefunden. Nass bis auf die Knochen geworden und Gewitter getrotzt – beim ersten Urban Workout, Treppen erklommen, Koordinationsleitern bezwungen, Mauern liegegestützt, Wände getreten und Brücken gesprintet. Atemlos durchgeatmet bei Sommergrasgeruch im Unterarmstütz. Kieler Luxus sind Strandtrips wie Kurzurlaube. Einfach mal kurz Meer sehen. Stand in Gummistiefeln in der müde schwappenden Uferwelle von Strande. Ein Optikurs vor Schilksee, Wenden und Halsen und ich versuchte mich an September zu erinnern. Im kleinen Supermarkt an der Strandpromenade zwei alte Herren im Gespräch, lachend: „Mensch, Fiete, wen hast du denn gestern Abend erschossen, das knallte so!“ Am Leuchtturm Bülk vorbei auf Steilküste blicken und in Schilksee Fischbrötchen bei Schiffstaufen genießen. Uni überfordert noch. Der hektische Dozent aus Detroit formt mit Daumen und Zeigefinger einen Ring, hält das selbstgebastelte Sprachrohr vor den Mund und spricht über alte Traditionen aus Schleswig-Holstein. Die Professorin für Literaturtheorie „therrorisiert“ mein Verständnis und meine sprachästhetische Wahrnehmung des Englischen. Sie hats ja drauf, inhaltlich; sprachlich vor allem aber den deutschen Akzent. Und sonst so? Hirnverschlingende Linguistiksprache gibt sich mit idiomatic and figurative language, mit schemes and tropes die Klinke in die Hand. Kein Problem, ganz nebenbei noch vier mal zwanzig Seiten lesen! Und verstehen!! Die Fremdwortschlacht ist eröffnet, Hermeneutik mit Heuristik, Humanistik ist auch am Start, während Modernism und Post-Modernism sich schon die Köpfe einschlagen und Derrida, Foucault, Freud und de Saussure im Nebenzimmer weiter fachsimpeln. Hirn hoffnungslos hin – Alliteration! Lieber Hirn durchpusten. Ostwind am Falkensteiner Strand, macht SUP noch kibbeliger als wackelig, aber auch osterfroh eierfrei. Vom Eise befreit aber noch frisch, die Ostsee. Nadelstiche im Gesicht, aufwärmender Cappuccino und Lachsbagel beim Elefant am Strand. Mit Matti Steine schleppen, größer als seine Hand. Und Strandkorb-Ritterburgen verteidigen. Das Geschrei der Möwen dringt, wie durch das Schiffsdeck in die Kajüte, durch das Dachfenster der Bibliothek. Regen tröpfelt zart und Wind saust um die Gebäude der Leibnizstraße. Große graue Wolkentürme grollen, schieben und rollen sich durch den aprilgelaunten Himmel. Wieder Gummistiefelwetter. Aber Nespresso wärmt von innen. Und da ist sie auch schon wieder, die Sonne. Rennradeln wir ihr entgegen, wieder mal kurz Meer sehen.

IMG_4381

IMG_4439 IMG_4470

IMG_4516 IMG_4545 IMG_4548 IMG_4554 IMG_4564 IMG_4579 IMG_4585 IMG_4562

IMG_4610

„Wir stammen doch nicht vom Baum ab!“

Slam Text „Der Puma“ von Sebastian23 – mehr Wortkunst geht nicht. Unglaublich gut.

Zu kaufen bei iTunes:

Poetry Tapes – Der Slam Sampler. Sebastian23 und viele andere großartige Texte von deutschen Slam Poeten

Ansonsten gibt es auch die Soloprogramme von Sebastian23:

Dem Schicksal ein Schnittchen schmieren.

Gute Laune hier!

https://soundcloud.com/feez-unterhaltung/01-sebastian-23-der-puma

 

Poetische Wasseraffen

Wir werden mehr und mehr zu Wasseraffen,

Lassen die Landratte hinter uns.

Und bleiben doch lieber trocken,

wenn El Cotillo mal wieder close out bricht:

Wasser auf Wasser, Sand auf Sand.

Vulkankegel im ersten Licht des Tages erklimmen,

während das letzte Licht der Nacht noch glänzt,

den North Shore in seiner rauen Weite erfassen,

die Dünen vor Corralejo überblicken,

Los Lobos im Meer baden sehen

und ganz Lanzarote blinzelt und blinkt herüber.

Gartenpoesie geschrieben,

Gitarrenklänge –

schüchtern gezupft, vorsichtig angeschlagen,

dringen durch die Villa,

sanfte Ruhe

stimmungsvoll entspannt.

 

IMG_3705

IMG_3708

IMG_3710

IMG_3722

IMG_3726

IMG_3732

IMG_3737

IMG_3745

IMG_3746

IMG_3747

IMG_3748

Sturmtage

IMG_3570

Auf dem Asphalt von Lajares,

Ausgestreckt auf Bauch und Rücken

Die Wärme aufnehmen,

Im Boden versinken ohne Scham.

Die Perspektive ändern und in den Himmel schauen,

Die Dinge mal von unten betrachten.

Cappuccino von der Französischen Bäckerei,

Törtchenpause in Lajares,

Aufgereiht glücklich auf dem Bürgersteig

Sitzend in Sonnenfarben,

Wie in einem instagram Moment,

Das sommerblonde Haar salzgeblichen im Wind verweht.

Glück in Treibholzfarben,

Blättert weiße Farbe vom alten Holztisch.

Die Echse zwischen Lavageröll,

Springt und rennt federleicht,

Wo ich mir die Füße aufschneide,

Sonnt sich in der Hitze,

Wir halten die Nase in den Wind,

Am North Shore,

an der 27.

Die Schlechtwetterfront aussitzen.

Am Meer im Sturm liegen,

Gehalten von den Böen,

Peitschen Regen und Sand um die Wette.

In die Palmenwedel,

deren Wipfel im Wind wackeln wie wuschelige Surfermatten.

Weißwasser schäumt,

Gischt zerstreut sich an Vulkangestein.

Wir zerstreuen uns in Gedanken.

Und Mittagsschlafträumen.

Vor einem Jahr auch dem Winter entflohen,

New York – San Francisco

statt

Hamburg – Fuerte

Nur kurz abgewandert, kurz zurückgedacht

und dann wieder hier,

Ohne Zeitgefühl,

Nur Ebbe und Flut,

Tag und Nacht.

IMG_3665

IMG_3653

IMG_3658

IMG_3669

 

IMG_3674

IMG_3676

IMG_3686

IMG_3689

IMG_3694

IMG_3629

IMG_3639

Palmenrauschen

„Es bedeutet zwar eine Erleichterung, das Leben zu entdecken, das man am liebsten leben will, aber man bekommt auch Angst, wenn man die Bedürfnisse der Seele erkennt – wie soll man sie dann noch verleugnen können?“

(D. Duane, SURF)

IMG_3555

Cluesokonzert und Barfußbeat

Geben den Takt an,

In einem Orchester aus Sonnenstrahlen und Palmwedeln,

Steinwüste und Küstenlinie.

Erste warme Brise,

Die der winterbleichen Blässe schmeichelt

Und sie erröten lässt,

Bis ein dunkler Teint sich

Wie Sommersprossen auf die Nase legt.

Der Duft von Neopren und Sonnencreme

Vermischt sich zu einer Symphonie,

Einer Ahnung von Sommer,

Vom guten Leben.

Und Surfwachs zieht bald tropfend

Eine Spur der Sehnsucht durch den Sand,

Wieder Wellen rauschen sehen,

Dünen wandern hören.

Rocky Point und Janis,

El Burro oder Glassbeach,

Flagbeach, eher selten.

North Shore sowieso,

Über die Dirt Road rattern, klappern, scheppern

Nach Majanicho, Maryland, zur 27.

Hierro, La Derecha, Bubbles –

lieber nur gucken.

Und dann das Kliff von Cotillo,

An der Steilküste kracht die Brandung,

Gegen den ausgespülten Fels.

Die Szenerie menschenleer,

Wie Cornwall und Bretagne,

Dunst über der Weite,

Tiefblaues Meer.

IMG_3501

IMG_3490

IMG_3504

IMG_3506

IMG_3507

IMG_3524

IMG_3528

IMG_3529

IMG_3541

IMG_3544

IMG_3542

IMG_3545

IMG_3561

IMG_3571

IMG_3596

IMG_3590

IMG_3604

IMG_3609

IMG_3620

Mit Ina auf 180 in drei Städten

IMG_3425

Ich bin auf 180. Stundenkilometer. Mit Ina Müller über die Autobahn. Endlich ist das Leben mal wie im Film, stimmungsvoll vertont. Musik und Geschwindigkeit feiern eine Party mit meinen Endorphinen. Ina und ich. Wir singen lauthals – über das Alter, die Liebe, Schuhe und Kindheitserinnerungen. „Ich weiß doch jetzt schon wie es weitergeht, Du bist mein nächstes Déjà vu.“ Ein Nordlicht in Perfektion, ohne den Anspruch daran. „Ich kann und will nicht perfekt sein“. Ich sehe sie mit ihrer Authentizität tanzen, reise mit der rauen Stimme so voll von Sympathie gen Horizont. Ich würde sie überall hinfahren, wenn sie nur nicht aufhört, die Welt noch schöner zu singen. Die Texte wie ein Zucken mit der Schulter, wie ein „so what“, ein „oh well“, seufzend lächelnd dem Schicksal auf die Schulter geklopft, kommt halt alles wie es kommt. Von Hamburg nach Bielefeld nach Stralsund nach Kiel. Drei Tage spread the word für die International Ocean Film Tour – Straßen, Geschäfte, Vereine, Unis, Museen undsoweiter. Die innere Landkarte wieder ein bisschen bunter gemalt, viel gesehen, viel gehört und viel gesprochen.

 Und Kiel, ach Kiel.

Würde ich heulen vor Vorfreude,

könnten meine Tränen direkt in die Brandung der Hafenmauer tropfen.

Ein Meer aus Glück,

Bald gleich vor der Haustür.

Schwappt Welle über Schwelle,

Quasi.

Kann Seetang riechen,

Leinen schlagen hören im Wind,

Die Stenaline Riesen im Vorgarten,

Ihr Tuten wie ein Aufruf zu großen Abenteuern.

Und die Möwen, immer wieder die Möwen.

Wann hat sich mein Süden (wieder) in den Norden verwandelt?

Die Liebe zur Küste gefunden,

Auch wenn noch immer zwei Seelen in meiner Brust herumlungern,

Es lohnt sich immer auf den Berg zu gehen,

Aber ich hoffe der Norden geht mir nie mehr aus dem Kopf.

Dem Herz.

IMG_3354 IMG_3390 IMG_3391 IMG_3393 IMG_3457 IMG_3428

TED: Life in the Digital Now

Choice is freedom, but not when it’s constantly for its own sake.

By archiving everything, we think that we can store it, but time is not data. It cannot be stored.

Not just is the digital now far from the present, but it’s in direct competition with it, and this is because not just am I absent from it, but so are you. Not just are we absent from it, but so is everyone else. And therein lies its greatest convenience and horror. I can order foreign language books in the middle of the night, shop for Parisian macarons, and leave video messages that get picked up later. At all times, I can operate at a different rhythm and pace from you, while I sustain the illusion that I’m tapped into you in real time.

The digital world cannibalizes time, and in doing so, I want to suggest that what it threatens is the completeness of ourselves. It threatens the flow of love. But we don’t need to let it. We can choose otherwise. We’ve seen again and again just how creative technology can be, and in our lives and in our actions, we can choose those solutions and those innovations and those moments that restore the flow of time instead of fragmenting it. We can slow down and we can tune in to the ebb and flow of time. We can choose to take time back.

Do not date a girl who travels

Do Not Date A Girl Who Travels

„She’s the one with the messy unkempt hair colored by the sun. Her skin is now far from fair like it once was. Not even sun kissed. It’s burnt with multiple tan lines, wounds and bites here and there. But for every flaw on her skin, she has an interesting story to tell.

Don’t date a girl who travels. She is hard to please. The usual dinner-movie date at the mall will suck the life out of her. Her soul craves for new experiences and adventures. She will be unimpressed with your new car and your expensive watch. She would rather climb a rock or jump out of an airplane than hear you brag about it.

Don’t date a girl who travels because she will bug you to book a flight every time there’s an airline seat sale. She wont party at Republiq. And she will never pay over $100 for Avicii because she knows that one weekend of clubbing is equivalent to one week somewhere far more exciting.

Chances are, she can’t hold a steady job. Or she’s probably daydreaming about quitting. She doesn’t want to keep working her ass off for someone else’s dream. She has her own and is working towards it. She is a freelancer. She makes money from designing, writing, photography or something that requires creativity and imagination. Don’t waste her time complaining about your boring job.

Don’t date a girl who travels. She might have wasted her college degree and switched careers entirely. She is now a dive instructor or a yoga teacher. She’s not sure when the next paycheck is coming. But she doesn’t work like a robot all day, she goes out and takes what life has to offer and challenges you to do the same.

Don’t date a girl who travels for she has chosen a life of uncertainty. She doesn’t have a plan or a permanent address. She goes with the flow and follows her heart. She dances to the beat of her own drum. She doesn’t wear a watch. Her days are ruled by the sun and the moon. When the waves are calling, life stops and she will be oblivious to everything else for a moment. But she has learned that the most important thing in life isn’t surfing.

Don’t date a girl who travels as she tends to speak her mind. She will never try to impress your parents or friends. She knows respect, but isn’t afraid to hold a debate about global issues or social responsibility.

She will never need you. She knows how to pitch a tent and screw her own fins without your help. She cooks well and doesn’t need you to pay for her meals. She is too independent and wont care whether you travel with her or not. She will forget to check in with you when she arrives at her destination. She’s busy living in the present. She talks to strangers. She will meet many interesting, like-minded people from around the world who share her passion and dreams. She will be bored with you.

So never date a girl who travels unless you can keep up with her. And if you unintentionally fall in love with one, don’t you dare keep her. Let her go.“

gesehen bei https://medium.com/better-humans/802c49b9141c

Eine Antwort auf den Text…..

Date a girl who travels

„Here is one counter-argument (or self defense?) for the article „Don’t date a girl who travels“ (https://medium.com/better-humans/802c49b9141c) and I have to write some notes to save people who believe in this article (well, as I understood her points, but I just do not agree with it, man!

Her bare legs might have gotten bunch of mosquito bites (or bite from something even nastier), but she normally have effective mosquito repellent everywhere, but she is kind to let people use it when sun is going down slowly.  And it has probably nice smell of lemongrass and effective.  She probably does not put „proper“ make-up, or even she did in the morning, she does not bother herself going back and forth many times to ladies to keep „perfect her“ – because make-up does not cover much, and she does not completely change (or improve) by makeup.  She keep her natural big smiles with some lines and spots, and she is OK with it.  it’s her.  She just want to laugh when some thing is funny, she does not have to locate in best position to assure best angle to make her looking beautiful.  She already know the value of beauty.  Yes, she has lots of stories to tell, and more over, she knows how to enjoy life with people around her.

 Date a girl who travels. She is not as hard to please as you had imagined.  It’s not all girls who want to go to fancy dine and expensive gift when it comes to date.  When you take her Nandos, she does not blame you to be stingy, she probably tell you some funny stories she had when she was in Portugal.  For her, going to walk in the park can be a bit fun, and for you, you have a great company who knows how to enjoy the moment without spending too much money.  Yes, she will not be impressed or interested with/in your new car and expensive watch, but she will be all ears to your good ideas and jokes.  Which do you think difficult to get? An expensive car or interesting story/funny jokes?  If you have already expensive car and have no other interesting stories, then stick to barbie girls.  It’s really not a matter what kind of car you have, or you don’t have but you just to have your own ideas which thrilled yourself, then she will be an excellent buddy.

 Date a girl who travels because she will open new door to the world you have never expected.  Not all girls want to go to shopping in Paris or fine dining in NY, she may ask you to go to place you have never heard of, or dreamed of going.  But just check the place in google, and you may find something funky coming up.  Why not.  She is not asking you to be going there alone, you have her who want to share the excitement with, and you are not asked to take whole lead of this big summer date.  You can make plan together.  She suggest, you agree, and you guys plan (you can suggest too!).  Don’t you think it is exciting?  You don’t have to do everything to please your girl.  She knows how enjoyable to do it with someone who have good heart to jump in the adventure.  She will not go for expensive clubbing, and who knows, you may find somewhere in middle of nowhere might give you far fulfilling excitement than a Friday clubbing with bling bling people.

 Date a girl who travels.  She may daydream a lot, or she may not have (at this moment) a steady job, but she does not complain what she is doing now, and she is just creating exciting life stage.  Having girl who have steady job and depressed, and a girl with no job but full of dreams – what’s your choice?  And girls who travel who eventually finds value of the world and oneself tend to get very interesting work, which may not always be super highly paid, but she will love what she is doing, and she will be in good mood. If she is a freelancer, that is even better, she can make herself available if you tell her something cool.  It’s even OK for you to complain about your boring job. For her who knows how to be creative in lives, she may be able to give you eye opening tips.  She is not in the same situation as you do, but she has good imagination and bouncy spirit, and especially if you are a nice guy, she will help you.

 Date a girl who travels. She is very likely educated, she studied and worked hard too, and after all those experiences, she found what she really wanted to do in her life.  You may think she might have wasted her college degree and doing completely different, but she does not have to be teacher after she graduated from teachers‘ college.   She might get another interesting job to inspire people, maybe yoga instructor or dive instructor, but it still makes people happy.  She might not become lawyer, but she present good idea to inspire people, or support community.  We all do what we wanted to do, cut off something we used to enjoy, and someone get what we really wanted in the end, some don’t.  Well, some people just gave up half way because of age, social pressure, or „that’s the way it is supposed to be“ – it’s still OK, she is just different, and she is happy.  She  does not work like a robot, but I tell ya, she can if she is doing something that she is committed.  A girl who travel a lot has very good physical and spiritual strength, and vision.

 Date a girl who travels.  She has chosen a life of uncertainty.  Wait a min, no life has certainty.  Even if you have job in government, or bank or highly paid trading company.  Even if you have two daughters and healthy body, who said your life is assured? We all know what we have might not last forever.  Life has no certainty.  You are just trying to make it certain.  If you are the one who loves scheduled life and want to make your today exactly like yesterday, yes, you do not have to change anything, but what she is trying to do is not complete opposite of life you have.  She is admitting she is still halfway between, she does not give up something right now and she just continue traveling but it means she has big potential to get a different life.  She doesn’t have a plan or a permanent address. She goes with the flow and follows her heart.  It does not mean she will be lonely, poor and depressed.  Instead she opened her wings and spirit and whole world is becoming her playground.  She does not wear watch but she will know the value of time.  She is true to sun and moon and all these seasonal changes.  Her sensitivity and appreciation brings her very stable happiness in some point of her travel.

 Date a girl who travels as she tends to speak her mind. She will never try to impress your parents or friends, but she will impress your parents or friends without even trying.  She does not have to prepare or pretend to impress people as she has been talking to many people around the world, with different back ground, opinions and have intensive time.  She can get along with many people without closing her spirit.  She knows respect, AND isn’t afraid to hold a debate about global issues or social responsibility.  Your mom and friends will like her.

 Date a girl who travel as you enjoy your time more.  She know how to pitch a tent and screw her own fins without your help, so you just prepare fire for BBQ, and prepare your fins.  When you are ready, she is ready. She cooks well and you can prepare Mojito while she is cooking.  She is independent and care whom she is traveling with.  If she asked you to join her, which means you are selected.  Not because she expect you to cover her cost or do something for her, but because she will enjoy your company and you will enjoy her company.  She probably check the place in advance or have good friends there, so you don’t have to worry about much to escort her.  She enjoys living in the present, you are lucky to be there too. She talks to strangers. She will meet many interesting, like-minded people from around the world who share her passion and dreams. You will not be bored with her.  You may want to ask her some private „me and you“ time tomorrow, and of course she can agree your idea if you are the guy who enjoy her and her friends‘ company today.

 So date a girl who travels unless what you really want is just a pretty barbie girl who do not want to travel because she wants to keep her fair skin and wears high heels, and ask you to take her to nice restaurant and give her a GUCCI bag.  A girl who travels knows the value of the people, time, moment and world, and she will carefully choose what she wants in her life.  If you have a chance to date with her, do it.  You will enjoy it and your life is getting much more intriguing.  It’s not just a matter of travel, but whole attitude toward life.  Good luck!

gesehen bei

https://www.facebook.com/notes/mio-nozoe/date-a-girl-who-travels/10151867844581487

Pass Thurn 01/2014

Die Harmonie von Bergdörfern. Auch wenn der Massentourismus lange Einzug gehalten hat. Sie kriegt mich jedes Mal. Wenn 40000 Besucher den Zielraum der Streif – des weltberühmten Hahnenkammrennens – bevölkern, die Straßen verstopfen und den Verkehr der Kitzregion lahmlegen, dann ist Ausnahmezustand. Auch wenn das Urteil oft schnippisch ausfällt, „alles nur high society und überteuert“ – in Kitzbühel vielleicht. Am Pass Thurn um die Ecke, um den Berg, ist alles noch etwas ruhiger. Die alte Frau Egger, die ihre Knödel in der Küche formt und das Muhen aus dem Kuhstall nebenan, eins mit dem Bauernhofgeruch der Kindheit. Das Zimmer älplerisch hell-holzvertäfelt, rot-weiß gemusterte Gardinen, die weiße Bettwäsche bis unter die Nase hochgezogen, eingekuschelt. Die klare Nachtluft, die durchs gekippte Fenster zieht, riecht nach Schnee. Mal wieder 10 Stunden schlafen und trotzdem die erste Gondel um 8.30 Uhr nehmen. Von der Streif kriegen wir kaum etwas mit, nur die mittägliche ORF Übertragung zum Kaiserschmarrn. Und die Pisten sind vielleicht sogar leerer als gewöhnlich am Wochenende. Wir fahren lieber selbst. Rückblick.

Mittwoch: 4:53 Uhr Hamburg Hbf in den Zug, aus dem Zug in Kitzbühel, Mitfahrgelegenheit im nächsten BMW xdrive Model mit Bert aus Köln, am Resterhöhesessel sofort aufs Board. Zwei Stunden Resttag mitnehmen. Sonnenuntergang und Nebelmeer über dem Tal. Gleich ins Märchen versunken.

Donnerstag: Nur Sonne und Blick und traumhaftes Panorama. Ausflippen nach jeder Piste vor Glück, betrunken an frischer Luft und tanzender Lebensgeist. Von früh bis spät Oberschenkel zum Brennen bringen und immer noch nicht genug haben. Vor dem Abendessen kurzer Berglauf mit Stirnlampe, Dunkelheit macht Steigung weniger schlimm. Danach tut alles doppelt so weh, aber das Leben wirkt dreimal so intensiv, viermal so schön und unendlich lebenswert. Right here, right place, right now.

Freitag: Schnee Schnee Schnee, endlich mehr Schnee. Frischer Puder über Nacht. Kaum Sicht, dafür eine wattewolkensiebterhimmel Neuschneeauflage auf präparierter Piste. Mindestens 20 cm, wenn nicht 30. Wir fliegen über die unberührte Piste, wie Abseitsfahren und manchmal auch das, gleiten butterweich, ziehen lautlose Lines und juchzen lauthals begeistert. Kein Schliddern, kein Rutschen heute. Nur sanfte rythmische Schwünge. Ab und zu mal den Schneemann miemen, aber wir fallen weich wie Schneeengel.

Samstag: Das Winterwunderland hält an. Die Sicht ist besser geworden, die Temperaturen sind gefallen. Heute mal wieder zwei Bretter statt einem. Da muss man den Rythmus erstmal wieder suchen.  Sieben Jahre Skiabstinenz ist nicht mal eben so wegzustecken. Alles flattert unkontrolliert, ein paar mal öfter Schneemann spielen. Aber nach ein, zwei Stunden findet sich das Gefühl, werden die Schwünge geschmeidiger. Hat auch was, meine Neugier für vier Kanten ist zurück. Aber das Board werden die Ski erstmal nicht mehr ersetzen können.

Es gibt sie noch, die Einheimischen. Die Bodenständigen. Der alte Mann aus Mittersill mit seinen Langlaufskien, der unprätentiösen markenlose Kleidung, in einer Skifabrik hat er gearbeitet. Obwohl er nie Ski gefahren ist, außer Langlauf eben. Wir warten und frieren gemeinsam, weil der Skibus nicht kommt. „Deppertes Skirennen“ murmelt er immer wieder. Nie wieder wird er am Hahnenkammwochenende Langlaufen gehen. Als ich erzähle, dass ich abends noch nach München muss, grummelt er zunehmens lauter. „Geht sich Ihnen das noch aus?“ fragt er besorgt, als der gelbe Postbus mit 40 min Verspätung vor uns schneeschlammspritzend zum Stehen kommt. Inzwischen schneit es nicht mehr ganz so heftig, die Sonne blitzt vor ihrem Untergang nochmal durch die dicken grauen Winterwolken. Ich bin die Ruhe selbst, weil ich doch alles andere als hier weg will.

Dann doch Abfahrt. Der Abstieg beginnt im Skibus gen Kitzbühel Bahnhof. Alle besoffen wegen des Rennens. Am Bahnhof noch schlimmer. Späte Ankunft in München. Sofort erschöpfter Schlaf. Früh weiter, ICE nach Bonn. Krasser Bruch – gefühlt eben noch durch hügelige Schneelandschaft, gestern Abend mit dem Zug durch die Nacht, goldenes Licht vereinzelt aus Hütten und Häusern an den Hängen. Heute nichts als Industrie, wie in einen bösen Traum erwacht, mich zwischen den Frankfurter Glastürmen und Raffinerie Fabrikgebäuden wiedergefunden. Ein einziger Gedanke: Ich will zurück.

IMG_3252 IMG_3255 IMG_3259 IMG_3262 IMG_3264 IMG_3267 IMG_3271 IMG_3272 IMG_3273 IMG_3276 IMG_3280 IMG_3284 IMG_3287 IMG_3289 IMG_3294 IMG_3301