
Dienstag, den 02.04.2013
„Ey, der Typ macht sich über meine Unterhose lustig“ ruft Karo mit einem Café in der Hand und deutet durch die Fensterscheibe der kleinen Bäckerei spielerisch empört auf einen Mann, der gerade grinsend unser Auto passiert. Unsere Sachen hängen zum trocknen, in die Fensterscheibe eingeklemmt, an der Autotür. Während wir in einem schnuckeligen Café sitzen und, surprise, Kaffee, Bagel und irgendwie auch WiFi, also fb Nachrichten, frühstücken. Es ist halb elf und wir sind großartiger Laune. Und schon seit 3,5 Stunden auf den Beinen.
Wofür braucht man eigentlich Hotelbetten? Morgens im Auto aufzuwachen bringt einen dazu, ziemlich effektiv im Aufstehen zu werden. Man erwacht mit dem ersten Licht, zieht die obersten Klamotten aus dem Rucksack, zieht sich an, dann wird noch alles umgeklappt und los gehts. Demnach fanden wir uns heute morgen um 7 Uhr schon auf dem Weg zum Folly Beach, einem Strand kurz hinter Charleston, South Carolina. Was uns da erwartete, das könnt ihr euch auf den Fotos anschauen. Schon wieder so ein absolut lebenswertes Fleckchen Erde. Während unseres Strandlaufs begegnet uns kaum eine Menschenseele. Kurzer sehnsüchtiger Surfcheck: Es brandet zu schwach, aber die Wellen brechen perfekt. Absolut definiert und sie laufen und laufen, für einen Beachbreak ziemlich gut. Noch steht kein Wind auf dem Wasser. Magische Morgenstunden. Nach dem Lauf spielen wir Yogis, verbiegen und dehnen uns am Strand. Alles glänzt und wir strahlen mit dem Morgenlicht im Einklang, OM! Die Strandduschen am öffentlichen Parkplatz sind saukalt, aber die einzige Möglichkeit für zwei Autoreisende mal wieder gut zu riechen. Und danach fühlen wir uns so frisch, so frei und so so wach.
Weiter gehts Richtung Savannah. Ich habe mich darauf verlegt, die Blogeinträge auf dem Beifahrersitz zu schreiben. Gleichzeitig ist der Laptop via Kabel ins autoradio eingestöpselt und wir haben die ganze Palette der 3567 Songs zur Auswahl. Das ist jetzt ein richtiger Roadtrip. Obwohl wir zwischendurch immer mal wieder auf das Radio ausweichen, weil es hier so unglaublich gute radio stations gibt. Aber erstmal versetzt uns good old Jack Johnson in Sommerlaune. Die Landschaft erinnert mich inzwischen an die Landstraße im Hinterland der französischen Atlantikküste im Spätsommer. Lange zweispurige Straßen, rechts und links Pinien oder Seekiefern, zumindest nadelige Vegetation. Braun und grün als dominate Farben, die Sonne lässt alles trocken, aber wunderbar nach Sommer aussehen. Und duften. Die Wärme schmeckt nach kurzen Klamotten und Barfußlaufen. My feet on the dashboard. Aus gegebenem Anlass hören wir Passenger Seat, Death Cab for Cutie. „With my feet on the dash, the world doesn’t matter“. Auf der Straße haben wir schon zwei Hamburg Süd Container gespottet. Und Karo entdeckt ihre biologische Ader auf diesem Trip. Seit die Landschaft südlicher wird und rechts und links immer mehr Flussarme und Seen auftauchen, ist sie auf der Suche nach Krokodilen. Und dann kommen auch so Kommentare wie „Hm, meinst du im Turtle Creek gibt es Schildkröten?“ Wunderbar! Savannah nennt sich selbst „Schönste Stadt der USA“. Wir nehmen uns 1,5 Stunden um diese selbsternannte Perle im Bundesstaat Georgia zu erkunden. Nett und warm ist es, aber naja, wir wollen es nicht übertreiben mit dem Lob. Passt schon. Während wir Stunde um Stunde mit unseren durschschnittlich 60 mph dahin cruisen, arbeiten wir Karo eine thematisch passende Spinningstunde mit dem Titel „Durch den Osten der USA“ aus. Mit den passenden Liedern, die uns auf der Fahrt durch die Ohren und ans Herz gehen. Klopfen die Rythmen auf die Beine, treten im Geiste die Pedalen des im Stehen rasenden Rades. Geht das? Wo ist der Beat? Genial, das geht total ab! Die Meilen fliegen dahin, wir kratzen an der 1000 Meilen Marke. Und haben erst zweimal tanken müssen, $85 insgesamt bisher. Nice! Kurzes Abendessen in einer legendären Restaurantkette der Südstaaten, „Sonny’s BBQ Restaurant“. Unser Fleischbedarf für eine Woche ist gedeckt, riesige Portionen. Gut, dass wir schon gelernt haben zu teilen (vielleicht ist das die Moral von der Geschichte der riesigen Portionen in Amerika: Wir sollen teilen. Nur diesen Wink bisher keiner so richtig verstanden.) Whatever, das Essen war lecker! Wir überqueren die Grenze des Sunshine State um 18.30. Florida, check! Durchqueren die erste Stadt, Jacksonville, an der Ostküste, die wir meiden können, so der Insidertipp. Apropos: Zu unserer Staaten Liste fügen wir hiermit Georgia und Florida hinzu. Das macht insgesamt 9 bisher (für mich sogar 10, ich war ja schon in California). Unsere geographische Kompetenz hat sich, was die USA angeht, schon eindeutig verbessert, da sind wir uns einig! Ein geplatzter Reifen geht übrigens NICHT auf unsere Konto, jedoch auf das eines Lasters genau vor uns. Glück gehabt, dass niemand links neben uns fuhr. Sonst wäre das mit dem Ausweichen schwierig geworden. Kurzer Adrenalinstoß im unschuldig anmutenden, Abendlicht. Und weiter zu unserem heutigen Zielort: St. Augustine Beach, Florida, an der Atlantikküste. Morgen gibts es dann hoffentlich wieder Strand zu sehen. Jetzt müssen wir inmitten der ganzen Hotels in diesem Ferienort erstmal ein Abgeschiedenes Plätzchen finden, um unser Autozelt aufzuschlagen. Gute Nacht vom Parkplatz vorm Starbucks.
