Time for Trails

199B6E40-8075-4A1D-BD0E-C5B86657E35D

Trainingstagebuch

Sonntag, der 20. Januar 2019

Der Hasselbrack, 116m ü.N.N. Was für ein Gipfel. Diese Höhenlage nennt sich höchste Erhebung Hamburgs. Wie soll ich hier trainieren? Für einen Lauf, der einem 1400 Höhenmeter abverlangt. Meine Füße ertasten in rhythmischer Fortbewegung den Waldboden, jede Wurzel, jeder Stein wird registriert. Ich laufe mit meinen Füßen, sie sind in dieser Umgebung mein Zentrum der Wahrnehmung. Das Ligamentum fibulotalare anterius ist zum Zerreißen gespannt, schon dieser norddeutsche Pseudotrail fordert höchste Konzentration. Um mich herum ist der Wald sich selbst genug. Vögel flattern nur vereinzelt, Raureif liegt noch auf den Tannen. In der Nacht hat es gefroren. Meine Oberschenkel sind so hart wie der Boden, jede Sandanhäufung am Boden ist erstarrt wie eine Welle im Eismeer, die Rillen des Waldarbeiterfahrzeugs steinhart gefroren, in den Löchern glitzern kleine Schlittschuhseen. Ich bin tief im Wald, meine komoot App lotst ich den Trail entlang, ich biege ab und bin plötzlich 90m neben der geplanten Route, dann 120m und dann sagt die Stimme gar nichts mehr. Ein Blick auf die virtuelle Karte, der Weg durchs Unterholz und ich erreiche den richtigen Pfad wieder. Besorgt registriere ich den niedrigen Akkustand des Telefons. Aus diesem Labyrinth finde ich nicht so ohne Weiteres wieder heraus. Die Kälte macht ein Stehenbleiben indiskutabel. Dieser Sonntagmorgenlauf wird allmählich zu einem Mikroabenteuer. Nach 10km schließt sich mein Kreis schließlich doch, ich gelange zur Wiese an der Waldkehre, wo nun erste Mountainbiker und Rentnerwandergruppen auftauchen. Dem Wald entronnen, das Außenband noch heil, der Trail im Chiemgau kann kommen. In vier Monaten werden hier keine Berge wachsen, aber die Füße sich auf unwegsamen Pfaden an die Unebene vielleicht herantasten.

Freitag, den 26. Januar 2019

Skifahren ist auch Höhentraining. Ein kurzer Ausflug in die Kitzbüheler Alpen. Ich hatte die Trailschuhe dabei, zu häufig aber die Skistiefel an.

Sonntag, den 17. Februar 2019

Kiel hat Brücken, die als Berge dienen. Zurücklaufen bedeutet durchhalten müssen. Auch, wenn der Untergrund nur wenig trail feeling bietet. Urbaner Trail bedeutet Asphalt zu laufen, dafür arbeite ich an der Grundlagenausdauer. Seit langer Zeit mal wieder 16, fast 17 Kilometer. Von Gettorf über die alte Levensauer Hochbrücke läuft es sich zumindest zeitweilig bergauf und bergab. Ich bezweifle dennoch, dass ich diese Einheit als Höhentraining verbuchen kann.

Mittwoch, den 20. und Dienstag, den 26. Januar 2019

Besser als kein Höhentraining ist zumindest über Bergsport zu sprechen. Eine Woche Banff Mountain Film Festival Tour erhöht sicher auch die Anzahl der roten Blutkörperchen. Es euphorisiert in jedem Fall den SportlerInnen auf der Leinwand zuzuschauen. Und dann bleibt doch noch Zeit einen Abstecher ins lang ersehnte Elbsandsteingebirge zu machen. Die sächsische Schweiz ruft mich aus Dresden zu sich. Früh am Morgen fahre ich die Elbe entlang, ein schmales Tal, rechts und links erheben sich steil die Ufer. Wer lebt hier? Alles wirkt ein bisschen tot, besonders die Farbe der wenigen Häuser. Das Navi führt mich bis Schmilka, von dort geht der Trail hinein in den Wald. Direkt führt er, noch im Ort, steil hinauf und ich denke mir, na bravo, meine Kondition kann sich so niemals bei einem Rennen sehen lassen. Aber ich beiße und quäle mich im Laufschritt den Berg hoch, Gehen nicht akzeptabel. Die aus dem Dorf hinausführende Asphaltstraße wird bald zu einem breiteren sandigen Fostweg und dann zu dem Trail, den ich mir erhofft hatte. 15km mit 500hm, das erste Mal ernstzunehmende Höhenmeter. Durch die Bäume fällt Sonnenlicht, ich frohlocke, genau die richtige Entscheidung. Ein paar Mal biege ich falsch ab, finde aber den Weg immer wieder. Meine Beine sind semi locker, aber die Atmosphäre ist der Knaller. Die Sandsteinformationen türmen sich wulstig abseits des Weges, manchmal führt mich die Route dicht an sie ran. und schlißlich stehe ich vor der ersten Leiter. Es geht hinauf, die platten Gipfel bieten eine fantastische Aussicht. Nicht ganz die Alpen, aber mehr Berg als die Hochbrücke in Kiel oder der Hasselbrack in Harburg. Am Ende des Weges, zurück im Dorf, entdecke ich meine Belohnung: Eine Biobäckerei, die angemessen große Kuchenstücke für 2,5 Stunden Trailrun anbietet. Zweites Frühstück. Bester Start in den noch jungen Tag.

Samstag, den 02. März 2019

Alternativtraining. Rennradtour von Hamburg nach Kiel, 90km Strampeln statt Laufen. Ich bin mir unsicher, ob meine Prioritäten nicht bei langen Läufen liegen sollten. Es sind nur noch … Wochen bis zum Chiemgau Trail Run und ich komme nicht recht in einen läuferischen Trainingsrhythmus. Aber wenn sich die Gelegenheit mal ergibt, dann muss man mit der crew aufs Rennrad steigen.

Freitag, den 08. und Samstag, den 09. März 2019

Andauernd ausdauerndes Alternativtraining. Ich komme weiterhin nicht ins Laufen. In Hirschegg bleiben die Trailschuhe auch in der Tasche stecken. Langlauf bringt mich aus der Puste und anschlißend auch noch die Skitour ins Hinterland. Dieses Alternativprogramm ist nicht gerade unattraktiv und von Faulheit kann auch keine Rede sein, aber ich mache mir allmählich doch sorgen um meine Lauffitness. Dann streckt mich eine Erkältung inklusive brennender Lunge noch die nächsten Tage nieder und an Laufen ist nicht zu denken. Nun gut, ab Ende März dann nochmal eneinhalb Monate so richtig strukturiert trainieren, denke ich mir, und schreibe wieder einen imaginären Trainingsplan für die Zukunft.

Freitag, den 22. März 2019

Sich den Freitag freizunehmen und trotzdem früh aufzustehen, ich dachte das machen alle Münchner fast jeden Freitag. Aber als wir gegen 8:30 Uhr ans Ende des Eng-Tals rollen stehen erst einige wenige Autos schief am Straßenrand halb in den Schneegraben geparkt. Glitzernd bricht sich die Sonne auf dem nicht mehr ganz so frischem Schnee – aber genug ist noch da. Wir entrollen die Felle, schlüpfen in die Skistiefel und testen den Lawinen Pieps. Dann führt uns die Spur der wenigen frühen Vögel auch schon hinein, in den Wald und schließlich in steileres, offenenes Terrain gen Gipfel. Die Beine arbeiten gut, ich bin mir sicher, dass ich diese Tour als lange Wochenendeinheit im Lauftagebuch verbuchen kann. Unterwegs lassen wir eine Hülle nach der anderen fallen bis wir auf dem Gipfel schlussendlich, sonnenhungrig wie in einem Skimovie aus den 80ern, nur noch in SportBH zum Bräunen im Schnee liegen. Rasant geht es dreifach so schnell bergab wie bergauf. Der angetaute Schnee ist so schwer, dass ich mich ab und zu zur Seit plumpsen lassen muss, weil meine Oberschenkel zu bersten drohen. Unten am Auto sind wir seelig. Kurz nach Freitag Mittag und schon glücklich, als ob man eine Woche im Urlaub gewesen wäre.

…noch 51 Tage bis zum Chiemgau Trail Run. Fokus. Auf das Laufen. Jetzt. Los. Auf gehts.

adidas Terrex Mountain Project 2017

Finisher_Wörthsee Tri 2016

Ahoi und Servus liebe Jury,

wir sind Bentje aus Kiel und Karo aus München. Über den Weg gelaufen sind wir uns vor sieben Jahren während des Studiums im beschaulichen Passau. Bentje wollte Marathon laufen und Karo war dabei, eine Sportfreundschaft war geboren. Sieben Jahre später, nach gemeinsamen sportlichen Herausforderungen wie dem Hamburg Marathon, einigen Chiemsee und Wörthsee Triathlons, mehreren Ski- und Hüttentouren am Berg und einem sportlichen Roadtrip von New York nach Florida und zurück, machen wir nun Butter bei die Fische: Wir sind ready für das adidas Terrex Mountain Project!

Bentje ist seit Jahren vom Surffieber gepackt, ob auf dem Wellenreitbrett in Neuseeland, in Frankreich als Surflehrerin oder nach Feierabend kurz mal in Damp an der Ostsee unterwegs. Weil Kiel mit wenig Welle dienen kann, nimmt sie hier das Stand-Up Paddle Board und zum nächsten Fischbrötchen an der Förde wird seither noch geSUPt. Trotz norddeutscher Wurzeln kennt Bentje die Berge von Kindesbeinen an und möchte als erfahrene Läuferin endlich mal einen Fuß ins Trailrunning setzen. Karo sagt, das hätte sie schon längst mal tun sollen. Karo ist nicht zu halten, wenn es um und in die Berge geht. Ihre Leidenschaft für anstrengende Touren führt sie zu allen Jahreszeiten auf die Gipfel dieser Welt – in Trailrunningschuhen, auf Skiern oder in Wanderstiefeln.  Als Spinning Trainerin bringt sie zudem das nötige Sitzfleisch für Radetappen mit. Bentje sagt, Karo muss aber unbedingt ‚meer’ aufs Wasser.

Wir sehen uns durch unsere 1000km Nord-Südgefälle viel zu selten, aber wenn, dann geht es sportlich her. Bentje, die Wasserratte und Karo, die Bergziege – wir bleiben unseren geographischen Heimatgefilden weitergehend sportlich treu, aber sind trotzdem unglaublich neugierig auf die Leidenschaften der Anderen. Das Adidas Terrex Mountain Project soll unsere Sportarten verbinden, daher wollen wir die Strecke vom Starnberger See aus zur Gartlhütte mit einem Mix aus ‚unseren’ Sportarten bewältigen. Das ist der Plan:

Tag 1: Durchquerung des Starnberger Sees (20 km) von Nord nach Süd mit SUPs, danach weiter mit dem Rennradl nach Garmisch.

Tag 2 & 3: Ab aufs Rennrad und Fahrt bis Welschnofen (204 km, 3300 hm)

Tag 4: Trailrun zur Kölner Hütte und über den Santnerpass Klettersteig zur Gartlhütte.

Berichten über die Höhen und – hoffentlich wenige – Tiefen des Projekts werden wir über Facebook und Bentjes Reiseblog ‚the Blogmopped’. Wir freuen uns, wenn ihr Nord und Süd, Fisch und Ziege wieder vereint und wir gemeinsam mit euer Unterstützung im Juli gen Gartlhütte paddeln, radeln, laufen und klettern können.

Und nun: Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel! Berg Heil!

Wir freuen uns von euch zu hören.

Karo & Bentje

Chiemsee Tri 2015

Karo_ MTB Skitour 2017

Bentje_ FördeSUP 2015 | picture copyright: wolf-hansen-photography@web.de

Halbmarathon Kiel 2015

Hamburg Marathon 2013

Chiemsee Tri 2015

Running Trails_ USA Ostküste 2013

Beach Run_USA Ostküste 2013

 

Gingerwood

1708233065-keilhofer-bayern-tourismus-ferbert-MrDaRwUQING

WENN MAN NIEMAND IST….

….KANN MAN JEDER SEIN

Ich habe mir lange Zeit den Kopf darüber zerbrochen, wer ich bin, wer ich sein will und wer ich sein sollte. Heute weiß ich, dass ich niemand bin, dass ich niemand bestimmtes sein will und dass das auch so sein soll. Wieso? Na weil es toll ist, sein zu können, wer immer man will!

 Jeder Mensch, der mehr emotionalen Tiefgang als eine Luftmatratze besitzt, trägt mehr als nur eine Persönlichkeit in sich, hat mehr als nur ein Talent. Jeder kann „mehr“ sein. Sich selbst auf etwas festzulegen, ist für den denkenden Menschen wohl nicht nur langweilig, sondern auch mehr als ermüdend. Wenn man sich darauf einlässt, ist es unglaublich spannend, sich zu entdecken, selbst wenn einem nicht alles gefällt, was man dabei findet.

 Es gibt fast nichts, dass sich gegenseitig ausschließt, auch wenn uns die Gesellschaft immer noch versucht das Gegenteil einzutrichtern. Man muss nur in sich hinein hören und ab und zu einem spontanen Impuls folgen um zu wissen was für einen selbst stimmig ist. Wenn du etwas tun willst, mach es einfach, mache es „um zu wissen wie es ist“. 

Wieso soll man nicht einerseits einem Handwerk nachgehen bei dem der Altersschnitt 50+ beträgt und gleichzeitig Sänger einer Hardcore-Band sein?

 Wieso soll man sich nicht dazu berufen fühlen, als Nachhilfelehrer Menschen Mathematik näher zu bringen und sich (weil man es schön findet) am ganzen Körper tätowieren lassen?

 Wieso nicht die Natur lieben und kein Problem damit haben ganze Wochenenden mit Starcraft II „verschwenden“?

(Franz Josef Keilhofer)

Quelle Text: http://www.gingerwood.de/de/blog/wenn-man-niemand-ist/

Quelle Bild: http://bit.ly/1GsHc18

Mehr Info inkl.Video: http://www.welt.de/reise/deutschland/article141058243/Taetowierter-Hipster-wirbt-fuer-Urlaub-in-Bayern.html