




Drei schwarz-weiße Kühe drängen sich in eine blätterüberdachte Ecke ihrer Weide, ich denke nicht, dass sie falsch liegen in ihrer Einschätzung des Wetters. Da braut sich etwas zusammen. Sich türmende Wolke, dunkelgrau erbost und ein Wind, der den Ärmel meiner ultradünnen shakedry Jacke von mir wegpustet als ich versuche galant hineinzuschlüpfen. Da plattert es auch schon vom Himmel, aber ich bin gut eingepackt und fühle mich frei und wild und wunderbar im Rausch durch den Regen.
200km auf dem Rad, von Kiel in ein kleines Dorf in Mecklenburg-Vorpommern. Eine Gelegenheit. Wind von hinten, ein Ziel vor Augen – ein vielversprechendens Mikroabenteuer in dieser faden Coronarealität. Ein Egoboost, vielleicht auch das. Und sicher ein Gegenstatement – gegen das innerliche Gehetze. Stunde um Stunde kurbeln, aushalten, durchhalten, laufen lassen. Bikepacking. Ankommen, wo man nicht losgefahren ist. Es ist mir schmackhafter als Kreise zu ziehen oder die Analogie von Hin- und Rückweg – auch wenn die Welt auf den selben Wegen, aber rückwärts, im Allgemeinen ein wenig anders aussieht. Herausforderung angenommen, ‚gut Tritt‘ also, so sprechen die Experten im Jargon der rennradfahrenden Gemeinschaft. Female fearless cyclist.
Von West nach Ost. Ich rolle durch den Kreis Plön, durch das malerische Eutin, an die Lübecker Bucht. Die Coronastille in diesen touristischen Gemeinden verblüfft mich. Keine Menschen, kein Wind – der Ostsee macht seinem Namen wieder alle Ehre. Dann Travemünde und eine Fährfahrt über den Fluss. Jetzt weiß ich auch was der Priwall ist. Dann Wechsel. Transition. Mecklenburg-Vorpommern. Ein kurzes Versorgungstreffen mit meinem Begleitfahrzeug nach 100km. Pipi und Pausenbrot und ein kleines Pläuschchen. Ich komme langsamer voran als gedacht, obwohl mein Schnitt bei, für diese Tour akzeptablen, 26,1km/h hält. Städte, Navigation, you name it.
150km und ich sage mir: Komm, läppische 50km, eine kurze Sonntagsausfahrt. Aber so viel Lust habe ich nicht mehr. Ich verspreche mir den letzten schokoladenummantelten Mandelriegel für die letzten 30km. Die Landschaft zieht vorbei, unbekannte Ortsnamen. Nochmal ein Schauer. Und zwei Mini-Shetlandponies in einem Mini-Vorgarten. Bei Kilometer 170 habe ich die Strecke von Paris- Roubaix erreicht. Vor mir erstreckt sich eine Pflasterlandschaft grober Unebenheiten. Heiliger Bimbam. Kack Navi. Grober Unfug, wer braucht sowas? Erschütterungen bis ins Mark, mein armes Fahrrad. Und den Platten sehe ich bereits vor mir. Nach einem knappen Kilometer ist der Spaß vorbei. Nie habe ich eine glatt asphaltierte Straße mehr zu schätzen gewusst. Den Riegel habe ich verdient. Kurze Pause.
Es sind gar nicht die Oberschenkel, die haben noch Kraft. Es ist eine Allianz aus Po, Rücken und Schultern, die gemeinsam protestiert. Auf den letzten 30 strecke ich mich alle zwei Minuten aus dem Sattel, ungemütliches finish. Erst bei 10 beginnt die Euphorie. Und dann der Dämpfer: 5km vor dem Ziel checke ich nochmal die Karte. Ja, ich weiß, dass es meinen Zielort zweimal gibt – in Schleswig-Holstein und in Meck-Pomm. Aber, dass es ihn noch ein drittes Mal gibt, nochmal in MeckPomm, um die 20 km entfernt von seinem bundeslandselben Namensvetter – wow! Da stehe ich nun, 202km auf der Uhr, und noch 20km weg vom Ziel, das mir so nah schien. Einrollen wollte ich, mit Fahnen und Trompeten. Unter die Dusche und an den Esstisch plumpsen. Pustekuchen! Aber ich habe das beste Begleitfahrzeug der Welt und werde abgeholt, die 20 extra bleiben mir erspart. Es dämmert auch schon. Wenig später plumpse ich erstmal dankbar in den Sitz des VW Busses und mit ein bisschen Verspätung folgt auch die Dusche und der Grillabend. Eastbound200 (202 !), die ersten 200 am Stück, geschafft!




Trainingstagebuch
Sonntag, der 20. Januar 2019
Der Hasselbrack, 116m ü.N.N. Was für ein Gipfel. Diese Höhenlage nennt sich höchste Erhebung Hamburgs. Wie soll ich hier trainieren? Für einen Lauf, der einem 1400 Höhenmeter abverlangt. Meine Füße ertasten in rhythmischer Fortbewegung den Waldboden, jede Wurzel, jeder Stein wird registriert. Ich laufe mit meinen Füßen, sie sind in dieser Umgebung mein Zentrum der Wahrnehmung. Das Ligamentum fibulotalare anterius ist zum Zerreißen gespannt, schon dieser norddeutsche Pseudotrail fordert höchste Konzentration. Um mich herum ist der Wald sich selbst genug. Vögel flattern nur vereinzelt, Raureif liegt noch auf den Tannen. In der Nacht hat es gefroren. Meine Oberschenkel sind so hart wie der Boden, jede Sandanhäufung am Boden ist erstarrt wie eine Welle im Eismeer, die Rillen des Waldarbeiterfahrzeugs steinhart gefroren, in den Löchern glitzern kleine Schlittschuhseen. Ich bin tief im Wald, meine komoot App lotst ich den Trail entlang, ich biege ab und bin plötzlich 90m neben der geplanten Route, dann 120m und dann sagt die Stimme gar nichts mehr. Ein Blick auf die virtuelle Karte, der Weg durchs Unterholz und ich erreiche den richtigen Pfad wieder. Besorgt registriere ich den niedrigen Akkustand des Telefons. Aus diesem Labyrinth finde ich nicht so ohne Weiteres wieder heraus. Die Kälte macht ein Stehenbleiben indiskutabel. Dieser Sonntagmorgenlauf wird allmählich zu einem Mikroabenteuer. Nach 10km schließt sich mein Kreis schließlich doch, ich gelange zur Wiese an der Waldkehre, wo nun erste Mountainbiker und Rentnerwandergruppen auftauchen. Dem Wald entronnen, das Außenband noch heil, der Trail im Chiemgau kann kommen. In vier Monaten werden hier keine Berge wachsen, aber die Füße sich auf unwegsamen Pfaden an die Unebene vielleicht herantasten.





Freitag, den 26. Januar 2019
Skifahren ist auch Höhentraining. Ein kurzer Ausflug in die Kitzbüheler Alpen. Ich hatte die Trailschuhe dabei, zu häufig aber die Skistiefel an.


Sonntag, den 17. Februar 2019
Kiel hat Brücken, die als Berge dienen. Zurücklaufen bedeutet durchhalten müssen. Auch, wenn der Untergrund nur wenig trail feeling bietet. Urbaner Trail bedeutet Asphalt zu laufen, dafür arbeite ich an der Grundlagenausdauer. Seit langer Zeit mal wieder 16, fast 17 Kilometer. Von Gettorf über die alte Levensauer Hochbrücke läuft es sich zumindest zeitweilig bergauf und bergab. Ich bezweifle dennoch, dass ich diese Einheit als Höhentraining verbuchen kann.




Mittwoch, den 20. und Dienstag, den 26. Januar 2019
Besser als kein Höhentraining ist zumindest über Bergsport zu sprechen. Eine Woche Banff Mountain Film Festival Tour erhöht sicher auch die Anzahl der roten Blutkörperchen. Es euphorisiert in jedem Fall den SportlerInnen auf der Leinwand zuzuschauen. Und dann bleibt doch noch Zeit einen Abstecher ins lang ersehnte Elbsandsteingebirge zu machen. Die sächsische Schweiz ruft mich aus Dresden zu sich. Früh am Morgen fahre ich die Elbe entlang, ein schmales Tal, rechts und links erheben sich steil die Ufer. Wer lebt hier? Alles wirkt ein bisschen tot, besonders die Farbe der wenigen Häuser. Das Navi führt mich bis Schmilka, von dort geht der Trail hinein in den Wald. Direkt führt er, noch im Ort, steil hinauf und ich denke mir, na bravo, meine Kondition kann sich so niemals bei einem Rennen sehen lassen. Aber ich beiße und quäle mich im Laufschritt den Berg hoch, Gehen nicht akzeptabel. Die aus dem Dorf hinausführende Asphaltstraße wird bald zu einem breiteren sandigen Fostweg und dann zu dem Trail, den ich mir erhofft hatte. 15km mit 500hm, das erste Mal ernstzunehmende Höhenmeter. Durch die Bäume fällt Sonnenlicht, ich frohlocke, genau die richtige Entscheidung. Ein paar Mal biege ich falsch ab, finde aber den Weg immer wieder. Meine Beine sind semi locker, aber die Atmosphäre ist der Knaller. Die Sandsteinformationen türmen sich wulstig abseits des Weges, manchmal führt mich die Route dicht an sie ran. und schlißlich stehe ich vor der ersten Leiter. Es geht hinauf, die platten Gipfel bieten eine fantastische Aussicht. Nicht ganz die Alpen, aber mehr Berg als die Hochbrücke in Kiel oder der Hasselbrack in Harburg. Am Ende des Weges, zurück im Dorf, entdecke ich meine Belohnung: Eine Biobäckerei, die angemessen große Kuchenstücke für 2,5 Stunden Trailrun anbietet. Zweites Frühstück. Bester Start in den noch jungen Tag.







Samstag, den 02. März 2019
Alternativtraining. Rennradtour von Hamburg nach Kiel, 90km Strampeln statt Laufen. Ich bin mir unsicher, ob meine Prioritäten nicht bei langen Läufen liegen sollten. Es sind nur noch … Wochen bis zum Chiemgau Trail Run und ich komme nicht recht in einen läuferischen Trainingsrhythmus. Aber wenn sich die Gelegenheit mal ergibt, dann muss man mit der crew aufs Rennrad steigen.

Freitag, den 08. und Samstag, den 09. März 2019
Andauernd ausdauerndes Alternativtraining. Ich komme weiterhin nicht ins Laufen. In Hirschegg bleiben die Trailschuhe auch in der Tasche stecken. Langlauf bringt mich aus der Puste und anschlißend auch noch die Skitour ins Hinterland. Dieses Alternativprogramm ist nicht gerade unattraktiv und von Faulheit kann auch keine Rede sein, aber ich mache mir allmählich doch sorgen um meine Lauffitness. Dann streckt mich eine Erkältung inklusive brennender Lunge noch die nächsten Tage nieder und an Laufen ist nicht zu denken. Nun gut, ab Ende März dann nochmal eneinhalb Monate so richtig strukturiert trainieren, denke ich mir, und schreibe wieder einen imaginären Trainingsplan für die Zukunft.


Freitag, den 22. März 2019
Sich den Freitag freizunehmen und trotzdem früh aufzustehen, ich dachte das machen alle Münchner fast jeden Freitag. Aber als wir gegen 8:30 Uhr ans Ende des Eng-Tals rollen stehen erst einige wenige Autos schief am Straßenrand halb in den Schneegraben geparkt. Glitzernd bricht sich die Sonne auf dem nicht mehr ganz so frischem Schnee – aber genug ist noch da. Wir entrollen die Felle, schlüpfen in die Skistiefel und testen den Lawinen Pieps. Dann führt uns die Spur der wenigen frühen Vögel auch schon hinein, in den Wald und schließlich in steileres, offenenes Terrain gen Gipfel. Die Beine arbeiten gut, ich bin mir sicher, dass ich diese Tour als lange Wochenendeinheit im Lauftagebuch verbuchen kann. Unterwegs lassen wir eine Hülle nach der anderen fallen bis wir auf dem Gipfel schlussendlich, sonnenhungrig wie in einem Skimovie aus den 80ern, nur noch in SportBH zum Bräunen im Schnee liegen. Rasant geht es dreifach so schnell bergab wie bergauf. Der angetaute Schnee ist so schwer, dass ich mich ab und zu zur Seit plumpsen lassen muss, weil meine Oberschenkel zu bersten drohen. Unten am Auto sind wir seelig. Kurz nach Freitag Mittag und schon glücklich, als ob man eine Woche im Urlaub gewesen wäre.






…noch 51 Tage bis zum Chiemgau Trail Run. Fokus. Auf das Laufen. Jetzt. Los. Auf gehts.
Bülk Nights (2014)
Wenn wärmende Strandtage zu feuernächtlichen Beach BBQs werden / Weil die Ostsee kein Bagger’see ist / sind wir ganz einfach in die Szenerie verliebt / die Romantik ölfarbend unsere Badesachen tränkt / Jazz sich mit der Sonne verbindet und tanzend hinter der Steilküste versinkt / Doch noch und das Licht nicht nimmt / lila glimmt / bis wir mit Lagerfeuer dem Leuchtfeuer ein Schnippchen schlagen.
Natur hat nur einen Gedanken / dass man nicht viel zum Leben braucht / und wir denken alle im Chor / „I’m gonna tell ma‘ momma, that I’m a traveller, I’m gonna follow the sun.“
Vorwort
Manchmal denke ich ich könnte gut Kolumnen schreiben. Es passieren jede Woche wundersame Dinge über die es sich lohnt nachzudenken und zu berichten. Fast jeden Tag beobachte ich Menschen, werde Zeuge von Verwunderlichkeiten und Sonderbarem – hier direkt vor unseren Nasen im sogenannten schnöden Alltag. Direct snapshots of life is what makes a writer, hat einer aufgeschrieben, ich habe kein Talent dafür mir Autoren zu merken. Triviales erhebt sich aus der alltäglichen Beschränktheit, für kurze philosophische Momente mal anders sehen, das Kleine mit dem Großen verbinden, nachdenken, hinterfragen – und dann wieder zurück in den Status Quo gekuschelt, mit all seiner Trivialität d’accord, weil man weiß, dass es so ist, aber nicht sein müsste. Schlicht: sich kurz mal Gedanken machen tut gut, dann ist alles schon gar nicht mehr so staubig im Geschmack. Und sowieso weniger dramatisch. Philosophiert im Alltag! Raus aus Hamsterrädern! Ahoy ahoy!
Ich musste gestern mein Rennrad in seine Einzelteile zerlegen, um es in einem Transportkoffer unterbringen. Ich schlich seit Tagen um die monströse Box herum und drückte mich erfolgreich davor mein Fahrrad auseinanderzunehmen – aus Angst, es nicht wieder zusammenbauen zu können oder bei 30km/h auf dem Asphalt zu zerschelle, weil das Laufrad aus der Verankerung gleitet. Die Absurdität dieser Prokrastination ist mir nun, da das Fahrrad im Koffer längst auf Reisen gegangen ist und heute Nacht wohl friedlich in einem Paketzentrum schlummert, völlig bewusst. Die Furcht vor dem Zusammenschrauben und möglichen Sturz wird wohl bleiben bis ich, hoffentlich, eines Besseren belehrt werde.
Die Entstehung des Dilemmas? Unser jährlicher Triathlon steht an. Dieses Jahr sind Karo und ich am Wörthsee in Bayern im Einsatz. Ich muss also durch die gesamte bundesrepublik reisen, um 1500m zu schwimmen, 40km Rad zu fahren und 10km zu laufen. Vor zwei Monaten habe ich ein sensationell günstiges Bahnticket geschossen, 14 Euro, allerdings nicht bedacht, dass man im ICE keine Räder mitnehmen kann, nicht mal ein schlankes Rennrad. Überhaupt kein überdimensioniertes Gepäck wie Fahrradboxen. Also blieb mir nichts anderes übrig als das Rad zu schicken. Mit der DB, eigentlich albern, aber gut. Mein Rad reist mir nun also drei Tage voraus. Der Service ist komfortabel, von Haustür zu Haustür, geholt und gebracht. Trotzdem mehr als doppelt so teuer wie ich, 35 Euro, und dafür musste ich auch noch den nervenaufreibenden Preis des Auseinandernehmens zahlen…
…ich höre dabei alte Harry Potter Kassetten, die helfen mir daran zu glauben, dass alles gut wird. Die Stimme Rufus Becks ist beruhigend, sie verlangsamt mein panisches Gedankenchaos. Lord Voldemort wird besiegt und ich kriege alles abgeschraubt, ja ja. Die Kassetten, ihr surren und klicken im Rekorder, das braun flirrende Band, das sich manchmal aufrippelt und das man dann mit dem Finger wieder auffwickeln muss, selbst das Umdrehen der Kassette – sorglose Kindheit. Eine Kindheit, in der alle Bedürfnisse rund ums Fahrrad nur bei Papa anzumelden waren und schwups war alles gerichtet.
Ich würge mit dem Inbusschlüssel (wohlgemerkt: es heißt iNbus, nicht iMbus Schlüssel, das habe ich bis gestern nicht gewusst. Ist nämlich ein Akronym, INnensechskantschraube Bauer Und Schaurte → INBUS. Ich möchte an dieser Stelle zur Erweiterung des technischen Fachwissens aller ‚Unwissenden‘ beitragen.) an den Pedalen herum, eine bekomme ich abgeschraubt, die andere rührt sich nicht. Drei youtube Videos später gehe ich mit roher Gewalt ans Werk, ein youtube Reparateur sagt die fressen sich gerne fest. Achtung mit der Kette, da gibt es schnell fiese Schürfwunden wenn man abrutscht. Ich stelle mir vor wie ich mit dem Unterarm im Kettenblatt hänge und Blut sich mit Kettenöl vermischt. Ich laufe ein bisschen hilflos durch die Wohnung, räume hier und da etwas weg, habe eigentlich keine Lust mehr. Aber ich muss die Pedale abkriegen, verdammt. Ein kurzes angestrengtes Ächzen das klingt wie das Stöhnen der Tennisspieler beim Schlag, ein kräftiger Ruck am Inbusschlüssel und ein Gegentritt in die Pedale, und auch die zweite Pedale lockert sich. Endlich. Tzz, war ja leicht.
Man kann kein Rad auseinanderschrauben ohne dass einem gender Gedanken durch den Kopf sausen. Warum habe ich nie gelernt an Rädern rumzuschrauben? Warum habe ich Angst mir wehzutun? Warum steht mir diese eigentlich einfache Aufgabe so sehr bevor? Wäre Basti hier oder Papa, dann könnten die das ganz leicht machen. Überhaupt fallen mir eine Hand voll Männer ein, die sich damit sicher schon beschäftigt haben und die Benutzung des richtigen Werkzeuges aus dem Ärmel schütteln und nebenbei mit den Fachbegriffen der Fahrradteile joglieren. Wen dagegen könnte ich von meinen Mädels fragen? Da wird das Eis dünn, Leerlauf. Wir haben immer Männer gefragt. Wenn ich ehrlich bin hätte ich die Chance oft genug gehabt, Papa wollte mir im Fahrradkeller zu Hause in HH häufig zeigen wie man Räder repariert. Ich hatte ehrlich gesagt einfach keinen Bock. Ich wusste ja, dass er es doch macht. Dass er mir das durchgehen ließ erklärt auch einiges. Was, wenn ich ein Junge gewesen wäre? Mädchen werden nicht ‚gezwungen‘ zu lernen wie man Dinge repariert. Ihnen wird nicht vermittelt, dass man reparieren, auseinanderschrauben und ‚basteln‘ selber können ‚muss‘. Diese Dinge sind klar als männliche aufgabe definiert. Jungs wird vermittelt, dass sie diese Dinge lernen müssen. Irgendein männlicher Weggefährte nimmt sie zur Seite und sagt ‚ich zeig‘ dir jetzt mal was‘. Mädchen wird vermittelt: Wenn etwas kaputt ist was zur Reparatur handwerkliches geschick benötigt, etwas was gröbere Arbeit ist oder potentiell gefährlich sein kann – frag da lieber einen Mann. Der Großvater oder Vater, der Freund, ein Freund. Klare gender divide hier, die keinen umbringt, aber die Frau wieder in eine passive Rolle verweist. Das alte Spiel, in eine Position der Abhängigkeit verschiebt.
Das Rad ist verstaut, das Werkzeug zur Re-Montage ebenfalls. Räder, Pedalen, Sattel, Lenker – alles abmontiert. Ich bin ein bisschen sehr stolz als ich vor dem großen Hartschalenkoffer stehe, der nun meinen Renner in Einzelteilen enthält. Dabei will ich gar nicht stolz sein. Das soll gefälligst normal sein, gar kein großer Akt, mal eben schnell verpackt. Mich ärgert es, dass diese Radtransportgeschichte mich tagelang gedanklich beschäftigt hat. Im Endeffekt muss man nur machen, drangehen und ausprobieren. Geduld haben, Videos schauen und nachmachen. Trotzdem bin ich stolz. Und froh, dass es youtube gibt. Natürlich nur männliche Anleitung – beim Zusammenbauen werde ich ein Amateurvideo drehen und hochladen. Und dann ganz viel Ruhm und Geld mit einem Female Bike Repair Channel machen tataaa…bang, und dann waren alle gender Überlegungen wieder für die Katz, weil das ‚wir machen das jetzt für Frauen‘-Gehabe die Unterschiede doch nur wieder verstärkt. Warum muss es alles ‚für Frauen‘ und ‚von Frauen‘ geben was sonst in die männliche Domäne geschoben wird, ITkurse, Sportkurse, Technik- und Reparaturanleitungen – das bestärkt Schubladendenken. Das was Männerdomäne ist wird so nie weniger männlich werden. Es muss Fahrradreparaturvideos geben in denen Frauen und Männer agieren, ohne dass es extra betont wird. Erklärt ein Mann wie man ein Fahrrad verpackt wird sein Geschlecht ja auch nicht erwähnt. Genau die gleiche Geschichte wie mit den FußballkommentatorInnen. Selbst mir kommt es komisch vor wenn eine Frau ein Spiel kommentiert. Aber diese Irritation sollte uns aufschrecken lassen. Wie festgelegt wir sind! Wie unsere kulturelle Erziehung uns im Griff hat und unser Empfinden von Wahrheit und Richtigkeit dirigiert. Die erschaffene Natürlichkeit des Männlichen in unserer Gesellschaft ist das wirkungsvollste Instrument der Hegemonie – Dinge als ’normal‘ auszugeben und zu behandeln bedeutet (a) nicht zu hinterfragen und (b) alles Abweichende als unnormal, nicht standardmäßig, und so meistens als weniger wertvoll darzustellen.
Karo und ich wir werden uns am Sonntag bemühen aller Passivität eine gehörige Aktivität im Namen des Schwimmens, Radelns und Laufens entgegenzusetzen. Am Wörthsee. Startbeutelausgabe ist ab 6:30 Uhr. Na hoffentlich kriegen wir das mit dem Müsli und der Verdauung hin (waaas, Frauen haben Stuhlgang?). Es ist spät geworden. Die Harry Potter Kassetten beseitigen psychisches Chaos, ordnen aber nicht das physische Durcheinander in dieser Wohnung. Es klackt. Ich drehe die Kassette um. Weiter geht es. Harry geht wahrsagen, ich staubsaugen.
Wir setzen keine Segel, wenn der Wind aus Ost in die See mit selbem Namen schwatzt. Keine Drachen steigen aus unseren Händen gen Himmel. Und doch ziehen wir uns das Seehundfell über die Ohren, ein Brett, eine Leash – puristisch. Feierabenteuerisch berauscht den Kopf ins salzige Nass getaucht, Windwellen kreuzen quer und rollen. Und inmitten dieses Chaos gluckernde Glückskinder, die Haarsträhnen aus Gesichtern streifen und der nächsten Woge nacheifern. Mittendrin hinausgerissen, im Meer ist nie Alltag – und doch so nah, nur ein kurzer Ausflug aus dem Montag Nachmittag.
Neulich ließ mir jemand einen Zeitungsartikel zukommen. Dieser Jemand aus der nahen Verwandtschaft wollte sich entweder lustig machen oder war neidisch, oder vielleicht beides. Laut des Artikels jedenfalls ist die Küche das neue Statussymbol der Deutschen. Vor allem der gerade erwachsengewordenen Generation, oder noch im Werden begriffen, jedenfalls die so um die Dreißig. Abendeinladungen seien, so die Überschrift, keine „ausgelassenen Feste“ mehr, die jungen Leute heute treffen sich „in stylischen Wohnküchen und kochen bis zum Umfallen“. Ich fühlte mich ertappt, als hätte jemand die vergangenen Wochen während des Umzugs in unsere Küche geluschert und Stück für Stück die Edelstücke einziehen sehen – die Miele Waschmaschine und Geschirrspülmaschine, die La Pavoni Espressomaschine und ein empire-rotes Dreigestirn aus Artisan Küchenmaschine, Artisan Standmixer und Multifunktionstoaster, natürlich, von Kitchen Aid. Mir sind ausgedehnte Kochsessions mit Edelprodukten durchaus nicht unbekannt, die „Kochtöpfe von Le Creuset“ (dabei sind die von Staub doch viel schöner, wegen der zarteren Griffe) kein lifestyle Märchen. Gerade vorgestern wurde das „selbstgemachte Bio-Pesto im teuren Standmixer zubereitet“. Manchmal ein bisschen ‚drüber‘, mag sein. Die ausrangierten Kochtöpfe von Oma hätten es sicher auch noch getan, ein stumpfes Messer macht zwar keinen Spaß, aber immerhin stirbt auch keiner daran. Und einen Rührdiener brauche ich eigentlich auch nicht. Zumal ich mir als Studentin sehr schlecht vorkomme so ‚unstudentisch‘ edel zu residieren. Ich kümmere mich immerhin um den Kräutergarten! Trotzdem, was soll man lügen – es ist einfach schön, schmeckt und tut der Seele gut. Die Living at Home würde sich bei uns im Küchenstudio mit hellem Pitch Pine Holzboden wie zu Hause fühlen. So eine Kücheninsel, das wäre es ja noch, die ist immerhin laut Artikel „der Porsche in der Welt der Küchen“. Wir arbeiten dran. Bis dahin: hashtag foodporn, hashtag Markensau, hashtag richtig geil, hashtag Lääkaa!
PS: Den Artikel gibt es leider nicht online und mir wurde noch keine „Quelle“ mitgeteilt.
Ich parke das Auto auf dem Schotterparkplatz am Leuchtturm. Für gewöhnlich ist der Platz dicht mit VW Bussen und Wohnmobilen, denn im Sommer sucht man als KielerIn hier Auszeit vom Alltag. So nah und doch so fern sein, für einen Grillend, eine Campingnacht, einen ’skinny dip‘ in der Ostsee am nächsten Morgen – den Kopf freimachen, abkühlen bevor es wieder an die Uni oder in den Job geht. ‚Strandistan‘ statt Balkonien. In zwei, drei Monaten wird es wieder soweit sein. Aber heute stehe ich fast alleine hier, der Kies knirscht unter den Rädern und als der Motor verstummt dringen nur Möwengeschrei und Windesrauschen durch die Scheiben. Die Parkuhr verlangt noch kein Geld: März bis Oktober. Nebensaison. Es ist erst 9:30 Uhr, an einem Dienstag. Eines der Privilegien im Studium ist die flexible Zeiteinteilung, eine Kondition die, ganz nebenbei, Alltag sein muss für Poeten und Naturliebhaber. Ich konnte heute morgen keinen Fuß unter dem Schreibtisch still halten, der erste Sonnenstrahl, der auf meine Hausarbeitsunterlagen fiel ließ mich diese wieder zuklappen.
Nach Wochen des Regens beginnt ein Tag wieder ohne Wolken. Es hat gefroren in der Nacht und die Landschaft liegt noch in Winterstarre. Meine Laufschuhe klingen auf dem harten Boden tap tap im Rhythmus. Pferdehufe haben sich im Waldboden abgedrückt. Eine leichte Dünung schlägt an der Strand, mein tap tap und das Rauschen von Wind und Welle begleiten meinen wolkigen gleichmäßigen Atem. Obwohl noch kein Baum ein Blatt trägt unterhalten sich die Vögel schon lautstark über den Frühling. Der Protagonist in einem meiner Uniromane kletterte gestern Abend in das Gemälde eines englischen Landschaftsmalers, heute bin ich bei C.D. Friedrich eingestiegen. Ein Gemälde betreten, so fühlt sich dieser Morgen an. Der Weg verläuft parallel zum Strand, etwas erhoben, dann führt sandiger Boden auf die Höhe des Strandes, rechts sanfte Dünen, links tut sich ein weites Feld auf. In der Ferne liegt eine kleine Siedlung von drei Gebäuden, Scheunen und ein Landhaus. Das Feld grenzt an die Steilküste und ich erklimme den Feldweg, der am Rand der Küste entlangführt. Hier hat die Sonne den Boden schon aufgeweicht. Ich glitsche auf dem Matsch hin und her, verfalle schließlich in ein Spaziertempo. Ganz entfernt ein Reiter am Strand, mit Hund. Ich war lange nicht hier draußen, zu lange dafür, dass ich merke wie sehr dieser Ort Kiel für mich lebenswert macht. Hier ist das Wasser, an dem ich immer leben wollte.
Auf dem Rückweg begegne ich ein paar mehr Menschen, ältere Paare die wie ich an einem Dienstag vormittag an keine Pflicht gebunden sind. Wir begrüßen uns mit einem Zunicken, einem leisen ‚moin‘ und ziehen weiter unseres Weges. Wir sind verbündet in der Schönheit dieses Morgens, Februarspazierende im Sonnenschein. Ein Fischer steht in langen Hosen an der Ecke des Leuchtturmes im Wasser und kurbelt an seiner Angel, zwei Männer tragen vom Parkplatz ein kleines Boot ins Wasser. Die Sonne wärmt inzwischen durch meine schwarze Laufhose. Ich freue mich auf den Sommer. aber eigentlich komme ich am liebsten hierher, wenn der Strand noch still ist. Wenn der Parkautomat noch keine Münzen schluckt. Winterherrliche Nebensaison.
Nächste Kieler Flucht: Das Sportzentrum der CAU (2)
„Das nächste Mal trainiere ich im Norden“, sagt Karo und grummelt noch hinterher „so ne Scheißstrecke!“. Im Süden läuft man über Berge, im Norden gegen den Wind. Nicht, dass ich nicht mit Gegenwind gerechnet hätte. Die steife Brise hat uns einiges abverlangt. 21km Halbmarathon, 10km gegen den Wind. Hin Förde rechts, zurück Förde links. Vom Ostseekai vorbei am Seehundbecken, dem KYC, der Seebar und hoch zur Marinebasis, Wende, und alles wieder zurück, noch ein Stückchen weiter, volle Winddröhnung von vorne am Wendepunkt, und wieder zurück, Marinebasis, Wende, und nochmal den Rückweg antreten.
KM10. Ich verfluche die Welt. Jetzt schon. Die verdammte Sonne ist zu warm, meine Beine sind zu schwer, die anderen Läufer zu schnell und zu weit vor mir – ich kann zu wenig Windschatten laufen, und überhaupt habe ich zu wenig trainiert. In meinem Kopf tobt ein erbitterter Kampf, positive und negative Gedanken ringen um die Oberhand des Bewusstseins. „It is a curious thing: Consciousness trying to deny consciousness“ sagt Murakami über den Versuch in großer Erschöpfung sich selbst und den Schmerz, sein eigenes Bewusstsein mit Hilfe des Bewusstsein zu leugnen. Einfach laufen.
KM 13. Nostalgischer Schmerz. Das Bewusstsein der Vergänglichkeit. Alles furchtbar. Früher bin ich bei dieser Distanz noch wie ein junges Reh herumgesprungen. Ich warte vergeblich auf das Runner’s High nach 1:15, das mir früher so zuverlässig hier die Hand schüttelte. Es versetzt mich. Mit jedem Schritt sinke ich tiefer in den Asphalt. Meine Oberschenkel sind harte, knorrige, alte Holzstücke.
KM 16. Ich bin eine Maschine. Schritt für Schritt. Ich bin eine Maschine. Schalte den Kopf aus! Du bist eine Maschine!
KM 19. Wie schön wäre es zu gehen. Jetzt den Schritt zu verlangsamen und stehenzubleiben. Eine unglaubliche Vorstellung, paradiesisch. Einfach stehenbleiben. Aber es geht nicht. Ich bin gekommen um zu laufen. Nur einmal noch durchhalten, den Schmerz 10 finale Minuten ertragen. Ich halluziniere von einem Bett auf dem Asphalt.
Erst 300m vorm Ziel packt mich die Erleichterung und ich bin mir zum ersten Mal sicher, dass ich es schaffen werde. Ich trinke 6 Becher Energy Drink. Salzkruste verziert mein Gesicht, Karo hat auch einen wunderbar weißen Schnurrbart. Es ist geschafft, tatsächlich vorbei.
Später fahre ich mit dem Rad durch Kiel. Es ist kurz nach fünf und die Sonne steht tief, vorbei am Schrevenpark über das Kopfsteinpflaster, vorbei an den schönen Altbauten, es sind kaum Menschen unterwegs. Ein Hauch Frühling liegt in der Luft. Mein Körper ist erschöpft, aber es ist eine angenehme Müdigkeit, die mich umgibt. Eine wohlige Schwere wie nach einem tiefen Mittagsschlaf. Ich treibe dahin, ohne Hast. Der Lauf, so qualvoll im Moment des Rennens, hat mich befreit. Mir Ruhe geschenkt. Mich mir wieder näher und Karo nach Kiel gebracht.
Karo hat Recht, kein Rundkurs ist kein Spaß und Wind beim Laufen ist ätzend. Kiel Halbmarathon einmal gemacht, ausprobiert, abgehakt – nicht unbedingt nochmal. Und trotzdem, kein Zweifel daran: Es war großartig.
Die neunte Stunde in der Denkfabrik bricht an und ich kann nicht mehr stillsitzen, wandere durch die Korridore, um mir die Füße und den Kopf zu vertreten – an den Tischen in Schreibtischlampenlichtkegeln: Studenten vor Graphen und Formeln, Konstrukte die die Welt verändern – is it these people who think inside the constructs? – während wir, die brotlosen Künstler der Wissenschaft des Geistes, versuchen ihnen zu entkommen, sie zu de-konstruieren – aber wie sehr kommen wir wirklich raus aus unserer Realität? Existieren die META Ebenen nach denen wir suchen? Oder rennen wir auf dem Holzweg in unsere eigenen Konstrukte? Does being aware of construction mean living outside of it? Niemals – aber wenn wir auf dem Weg wenigstens stolpern, zögern, ab und zu die Richtung ändern? – How do we get rid of our binary structures: Schwarz und Weiß, Mann und Frau, Gut und Schlecht, Reich und Arm, Sonne und Mond, Mond und Sterne, Hübsch und Hässlich. So many more. Alles Richtig, alles Falsch .. .. .. .. .
Die glasklarklirrende Winterluft.
Ich steige auf das Dach der Denkenden.
Wo es aus den Schornsteinen und den Köpfen in den angehenden Nachthimmel raucht,
Und ich meinen Kopf in der philosophisch anmutenden Abendsonne kühle.
Nachsaison. Die Nacht in Baden-Baden. Das Haus im Wald. Der Fremde in der Nacht. Der letzte Sommer. Johann Sebastian Bach auf Rügen. Die Reise nach Süden.
Meine Sommerlektüre: Kurzgeschichten von B. Schlink.
„Kennen Sie die Küste nördlich von San Francisco? Manchmal felsig und rauh, dann wieder sandig und sanft, der Pazifik abweisender und unerbittlicher als jedes andere Meer, die zum Meer abfallenden Berge morgens nebelverhangen und dann, in der Mittags- und Abendsonne, mit ihrem trockenen braunen Gras golden leuchtend – es ist, als würde die Welt in ihrer Schönheit jeden Tag neu erschaffen. Mein Haus lag am Hang, so weit unterhalb der Straße, dass ich den Verkehr nicht hörte, und so nahe am Meer, dass mich sein Rauschen vom Morgen bis zum Abend begleitete, nicht laut und bedrohlich, sondern leise und versöhnlich. Ah, und die Sonnenuntergänge! Besonders mochte ich die in Rot und Rosa, Gemälde von verschwenderischer Farbenpracht. Aber berührt haben mich ebenso die verhaltenen, bei denen die Sonne blass in den Dunst über dem meer eintaucht und spurlos verschwindet.“ Er lachte leise, ein bisschen ironisch, ein bisschen verlegen. „Ich bin ins Schwärmen gekommen? Ja, das bin ich wohl. Ich könnte noch viel mehr schwärmen: von der kräftigen, salzigen Luft und den Gewittern und den Regenbogen über dem Meer und dem Wein.“
(Der Fremde in der Nacht, S. 151)
Wenn es dunkel wird in der Feldstraße und kein Licht im Wohnzimmer Schatten wirft, dann kommt es von draußen herein. Wirft eigene Schatten an der weißen Wand gegenüber vom Fenster. Rostbraunes Licht und schwarzbraune Schatten. Im Straßenlaterneneschein ein windiges Blättertanzen wie in Gedichten. Radschatten durch Speichen leuchten die Reflektoren flackern. Sofapublikum beobachtet fasziniert die Szenerie. Ganz still dem Stummfilm lauschend. Der Welt entrückt. Die Dachbodenmaus sieht Wolkenrennen, in einem alten Fernsehapparat.
Für 1,50 Euro gibt es nur ein Kleines, recht Billiges. Von IKEA vielleicht. Mit 2 Euro schafft man es schon eine Etage höher. Aber ab 3 Euro wird es spannender. Da wird nicht nur tiefer Fall geboten, sondern auch besondere Form. Ganz oben die Topkandidaten, kostspielige 4 Euro. Elegant splitternde Prachtexemplare. Warum Schokoriegel aus Automaten ziehen, wenn man auch Gläser zerdeppern und dabei zusehen kann. Absurd. Aber Scherben bringen wenigstens Glück, vielleicht mehr als Schokolade.
(NordArt 2014, Büdelsdorf)