No Self [ie] -Respect

Das Selfie Phänomen

Hier auf Bali werden wir vom Selfie Wahn geblitzt. Wenige gehen am Stock, aber alle sind mit langem Stock unterwegs – am Ende die GoPro oder das Smartphone. ICH beim Sonnenuntergang am Meer *ramontisch*, ICH im Pool *paradies*,  WIR vorm Tempel *krass heilig*, WIR auf der Party *und alle so yeahhhh, yolo*, selbst im line-up *fetter swell* *stoked* *surferdude and surfergirl*.  Nicht schnell und unauffällig geknipst sondern ungeniert inmitten von Menschen gesmiled, geknipst und nochmal und nochmal und nochmal anders hingestellt und der Hintergrund nochmal ein anderer und die Wolke abgewartet und und und. Wir sind so schön, wir sind so toll, wir sind überall und alle müssen es wissen.

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Salziger Nachgeschmack


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Im MokaMobil Kaffee und Almond Croissants verkaufen, in Medewi das ‚thirteen anchors café‘ eröffnen, Chicken Crossing Schilder basteln, Mopped MitFahrGelegenheit gründen, Bintang Postkarten in Serie produzieren (gibts hier einfach nicht!) – wir könnten uns hier schon beschäftigen. Und gerade liest Lina aus der Zeitung vor, dass Anfang Oktober das Writers&Readers Festival in Ubud stattfindet. Ich will bleiben!! Was passiert eigentlich, wenn wir um 16:00 Uhr nicht am Gate stehen? Muss man nicht mindestens einmal im Leben einfach den Flug verpassen? Stattdessen ist tatsächlich der letzte Tag angebrochen und diese Realität ist stärker als die andere, die mögliche aber, seien wir ehrlich, unwahrscheinliche Realität. Ein paar Stunden noch, bis es Zeit ist den Kontinent zu wechseln. Ein letzter Sonnenaufgang im line-up von Kuta beach heute morgen, ein finales Eclair im Cafe Moka, eine abschließende Scooterfahrt. Die Boards entwachst, der Backpack steht bereit, Jacke und Mütze im Handgepäck in Erwartung des Winters. Aber die Vorstellung einer langen Hose ist noch unerträglich. Das Braun darf sich nie wieder abreiben, unsere Sommeridentität gefällt uns besser, als die blasse Existenz. „Und wenn jemand sagt ich sei nicht braun geworden, zieh ich mich aus.“, sagt Lina und bezieht sich auf eindeutige Bikiniabdrücke. Dem Ozean so nahe, die Haut konstant so salzig. Vor allem die Brandung wird fehlen.  „All I ever wanted was a home break“, so könnte ein Buch beginnen.

Gestern ein letzter Abend im La Lucciola. Nochmal die Sommerkleider ausgeführt, zu viert eine Million fürs Abendessen auf den Kopf gehauen, bis spät ohne zu frieren auf der Terrasse gesessen und die Schwaden der feuchten salzige Meeresluft vorbeiziehen sehen. In der Nacht haben wir wegen der Hitze kaum geschlafen, stattdessen mit den Mücken getanzt und Kakerlaken gejagt. Verdammt schnell die Viecher. Im Flugzeug wird GinTonic getrunken und damit die Trauer der Trennung ertränkt. Einer auf jedem Flug. Macht drei. Und mal schauen, was sonst noch so angeboten wird. Also dann: Selamat jalan, sampai jumpa lagi, Bali. Terima kasih banyak.

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Frangipani leaving

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Bye bye Nusa Ceningan. Bye Bye Nusa Lembongan. Hello again, Bali. Von der Insel auf die Insel auf die Insel. Wir werden die Abgeschiedenheit vermissen. Die Schlaglochfahrten auf dem Scooter. Den Sea Breeze Warung und das ECO Deli. Die Playground Welle und den Song Lambung Beach. Die Sesam-Honig-Kekse aus dem local store und die Hühner auf der Straße. Die endlosen Zeremonien und Gesänge. Die Golden Gate Bridge und die Klippen von Ceningan. Die Sonnenuntergänge am Secret Point und die Seaweedfarming Szenerie. See you again, some time soon. Und vielleicht wird die Straße gar nicht so viel weiter geteert und vielleicht bleibt die gelbe Brücke so klapprig wie sie ist und vielleicht sind Ameisen im Zimmer gar nicht so schlimm und vielleicht bleibt das Leitungswasser einfach sehr salzig. Das wäre schön. Denn vielleicht ist Ceningan in ein paar Jahren dann noch kein Seminyak oder Legian, sondern immer noch ein bisschen ein secret point. Nur ganz vielleicht.

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Secret Point: Pondering over the Idea of Paradise and Tourism

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„The ocean is in constant flux, and when you spend a lot of time in it you become like a floating bottle with a message inside; you know you’re going somewhere, sense you have a purpose, but you also know youre at the mercy of the winds and currents, that surrendering may be your only good option. Lately I’ve been surfing a lot. And there’s something different about the saltwater life. One becomes floppy, like seaweed, while at the same time agile, like an eel. One becomes, I suppose, more like water itself. The Tao Te Ching says, „Nothing in the world is more flexible and yielding than water. Yet when it attacks the firm and the strong, none can withstand it. They have no way to change it.“

(from the Prologue of Saltwater Buddha by Jaimal Yogis)

Wir sind vom Meer umgeben. And all I ever wanted was a house by the sea and a home break, a wave right in front of my doorstep. Es wären 18 Quadratmeter, terrassenförmiges Ackerland. Sechstausend Euro für ein Plätzchen auf den Klippen von Ceningan. Noch. Ein versteckter Strand, der Cast Away Kulisse sein könnte. Eine Welle im Vorgarten. Und keine Menschenseele. Und doch: Ich bezweifle, dass man dieses Paradies kaufen kann. So pessimistisch es klingt, so unvermeidlich wird es sein: Die Ruhe und Einsamkeit werden verschwinden. In ein paar Jahren werden hier beats aus boxen bummern. Sie werden der Soundtrack dieser Landschaft werden, das Donnern der Brandung an der schroffen Steilküste als Hintergrundmusik ersetzen. Scheinwerfer werden das Meer erleuchten und dem Sonnenuntergang seine Macht über den Tag nehmen. Die getrockneten Kuhfladen verwandeln sich in Zigarettenstummel und Plastikflaschen. Ein Australier hat das Land bereits gekauft, eine Straße durchs scheinbare Nirgendwo ist geteert. Noch führen die meisten Abzweigungen in Palmenbüsche und Gestrüpp. Nur ein paar Häuschen auf Stelzen stehen schon oder sind im Bau. Der Gedanke ist kurz verlockend, ein kleines beach house hier oben…Aber eigentlich sollten wir nicht kaufen. Und sie nicht verkaufen. Die Bauern sollten ihre Kühe weiter auf diesen Klippenalmen grasen lassen. Was in Canggu, Seminyak, Kuta und Legian schon passiert ist bahnt sich seinen Weg in die abgelegenen Gegenden, hierher und auch bald nach Medewi, wo die Balinesen langsam aber sicher ihr Land hergeben. Und sie alle kaufen, die Australier, die Amis, die Europäer. Das Geld kauft neuere Smartphones und schnellere Motorbikes und wer kann es den Balinesen schon verübeln. Das Übel kommt aus den Portemonnaies der Investoren und der Touristen. Vielleicht sollte ich noch nicht einmal drüber schreiben wie schön es hier auf Ceningan ist. Vielleicht hätten wir sogar niemals hier herfahren sollen. Auch wir sind Touristen. Nur gibt es vielleicht, wie das Känguruh schon sagte, “ sonne und solche. Und dann jibts noch janz andere, und dat sind die Schlimmsten.“ Touristen und Reisende, tourists and travellers. Gibt es überhaupt einen Unterschied? Und sind wir, die mit kleinem budget und wenig anspruchsvoll reisen, die ‚besseren‘ Touristen? Weil wir Land und Leute so behalten wollen, wie wir sie erleben, auch in zehn Jahren noch und ohne Starbucks neben dem nächsten Tempel und Luxushotel an jedem Küstenabschnitt? Und trotzdem gehen wir auch in westliche Cafés während der Reise, freuen uns über guten Espresso und zuverlässiges Internet, über warme Duschen und sind manchmal eindeutig weniger kulturell tolerant als wir es sein sollten.  Wir wollen das Paradies, am besten für uns alleine – aber können wir es jemals finden und vor allem bewahren, wenn wir schon als Touristen dort hinreisen können? Machen wir nicht schon alles kaputt indem wir reisen, setzen wir nicht die Saat für die großen Resorts und kleinen Boutiquen? Sind nicht Globalisierung und Tourismus nur moderne und einigermaßen positiv belegte Begriffe für Kolonialisierung, Zerstörung und Ausbeutung? Das ist die große Frage, auf die es viele und keine eindeutige Antwort(en) gibt.

Es wird sich zeigen wie lange der secret point noch secret bleibt. Wir werden wohl kein Land kaufen, das werden andere für uns tun. Außerdem könnte ich momentan kaum die Millionen aufbringen, nicht mal in Rupiah. Heute stehen wir nur am Rande der Klippen und lauschen dem Meer, das dieser Tage noch die richtige Musik spielt. Uns gehört nicht das Land, aber dieser Moment. Und als die Sonne versinkt erhellt uns ein Scheinwerfer von Mond und Sternen den Trampelpfad zurück nach Hause. 

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A Little Spark of Madness

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Logbucheintrag um den 18. September, Koordinaten Süd 8°42’00.56 Ost 115°27’08.07

„Ay, verfluchte Meuterei. Die Black Pearl gestohlen. Mich hat man über die Planke laufen lassen und in fremde Gewässer ausgesetzt. Nun stake ich im Kahn durch Seegrasfelder. Der Rum ist leer, nur warmes Bintang in den Fässern. Affe und Papagei verloren, die Crew in Gefangenschaft. Die Sonne brennt senkrecht vom Himmel und an meinen Stiefeln knabbern schon die Krabben. Die Hoffnung schwindet….doch, da! Land! Land in Sicht! Eine Insel! Barbossa, behalte die Pearl, du Schuft. Behalte den Affen und den Vogel und die Crew, behalte sie alle! Ich lasse mich nieder und mache mich selbstständig. Unter Davy Jones‘ Fuchtel kann ich nicht mehr atmen. Von nun an beherberge ich gestrandete Piraten in meinem Beach Club „Le Pirate“. Hier wird der Rum niemals ausgehen und ein Schiff brauche ich auch nicht mehr. AHOI, das wars, ich bin im Paradies!“

So sieht die Gründungsgeschichte unser ersten Unterkunft auf Ceningan sicher nicht aus, wir haben uns bei der Ankunft allerdings so abgekämpft wie ausgesetzte Piraten gefühlt: salzverkrustet, überhitzt und mit akutem Flüssigkeitsmangel (ob nun Wasser oder Rum). Alles jedoch ohne Weiteres zu ertragen im Austausch gegen das Paradies, das auf uns wartete. Lina steht ein bisschen sprachlos da und sagt ‚Sag mal, das kann doch nicht sein, dass wir immer so ein Glück haben, oder?’In Neuseeland haben wir 2008 schon mehrfach das Paradies gefunden: der endless summer in Raglan, das beach house auf Jackett’s Island, die Van Dykes in Nelson, die Imhoofs im Gibston Valley, Raine’s cliff Villa bei Wellington. Was machen wir nur richtig, dass uns auf Reisen das Glück umgibt wie ein Heiligenschein? Es klebt an uns wie ein Film von sunscreen auf der Haut, oder jetzt gerade eben wie die Schweiß-Salzkruste. Medewi war ein Highlight, wir dachten mehr geht nicht. Und jetzt? Sitzen wir auf Nusa Ceningan auf der Holzterasse vor unser türkis-weißen reetgedeckten Hütte mit Hängematte und sehen die Sonne orangerot im Meer versinken. Aus der Küche strömt ein Durft von Knoblauch und asiatischen Gewürzen, aus der runden Poolbar dringen sanfte chillout Klänge und mit uns teilen nur 6-8 Leute dieses zauberhafte Fleckchen Erde. Man kann sicher einiges tun, sich aber ganz sicher nicht über unser Glück beschweren.

Der Rhythmus ist einfach und gesund: Früh aufstehen, den Sonnenaufgang sehen und die Kühle des Morgens genießen. Früchte und Toast frühstücken, danach die Boards aufs Mopped schnallen und ab nach Lembongan, surfend richtig aufwachen. Dann Strand und kalte Cola. Lesen. Baden. Lesen. Baden. Nasi Goreng oder Mie Goreng zum Lunch. Surfcheck. Je nachdem Surfen oder Baden. Lesen. Baden. Hmm…Bananabreadgelüste..Boards aufs Mopped, weiter zum Bali ECO Deli. Kaffee und Kuchen. Moppetierend zurück nach Ceningan. Chillen. Laufen oder Lesen oder Blog schreiben. Pool. Sonne untergehen sehen. Duschen. Ist schon Dunkel (18:30 Uhr). Essen, wieder Nasi, Mie oder manchmal Club Sandwich. Müde. Spätestens 21 Uhr Licht aus. Um Gottes Willen: 22:15 !!!

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Korupsi, korupsi: Indonesische Fahrerlaubnis

Im Reiseführer steht:

„MOTORRAD: Bali auf einem Motorrad zu erkunden erscheint praktisch und preiswert (5-8 Euro/Tag [Anm. d. Verfassers: Wir zahlen 3,23 Euro, yes! Und Benzin sind teure 35 cent pro Liter.] ist aber nicht unbedingt zu empfehlen [Anm. d. Verfassers: Unsinn!], denn aufgrund der hohen Verkehrsdichte und des Fahrstils der Einheimischen [Anm. d. Verfassers: Kann man sich schnell dran gewöhnen, einfach mithupen.] besteht enorme Unfallgefahr. Verlangt wird ein internationaler Führerschein Klasse eins bzw. A oder eine nur für Bali gültige temporäre Fahrberechtigung, die man vor Ort erwerben kann.“

Ja, wir dachten wir sparen uns die 12 Euro für den internationalen Führerschein. Den wollte 2010 auch keiner sehen. Es fing tatsächlich so entspannt an wie erwartet: Wir mussten beim Leihen der Moppeds überhaupt gar keine Dokumente vorzeigen, nur eine kurze Frage „You have driver license, yes, ok.“ Aber dann, dann kam der verhängnisvolle Trip nach Bukit, auf dem wir unfreiwillig eine gültige temporäre Fahrberechtigung vor Ort erwarben…An der Straße pfeifen eine Handvoll Polizisten die Touristen auf Moppeds und in Mietwägen aus dem Verkehr. Auch uns winkt man nach links an den Straßenrand. Da denke ich schon ’scheiße, was jetzt?‘. Der Polizist in neongelber Warnweste, schweren schwarzen Stiefeln und mit autoritärer Sheriffkappe fragt nach der driver’s license. Wir kramen in unseren Rucksäcken, klauben angespannt den deutschen Führerschein aus dem Bündel der hunderttausenden von Rupiah. „International?“ fragt er und tippt auf eine schlechte Kopie eines internationalen Exemplars eines australischen Führerscheins. Ich probiere es mit „They said we did not need an international one. The national is enough, we were told.“ Keine Chance. Bitte mit in die Polizeistation kommen. Na wunderbar. Der Polizist trillert uns den Weg über die Straße frei und wir betreten hinter ihm die polisi Station, zwei Grüppchen stehen im Raum, zwei englische Mädels mit einem anderen Officer und ein Pärchen alleine, das sich leise aber sichtbar angespannt unterhält. Unser Polizist führt uns durch einen schmalen Gang, biegt rechts ab, vorbei an einer Zelle mit Gitterstäben und bleibt kurz darauf stehen. Wieder kramt er die schlechte Kopie des internationalen Führerscheins raus, senkt seine Stimme und sagt irgendetwas von „internasional“. Dabei tippt er auf Zahlen mit vielen Nullen in einer Tabelle. „You pay here, tree hundred tausend, ok, no problem, ok“. Ich versuche zu fragen was passiert, wenn wir wieder kontrolliert werden. Und ob wir nicht beide 300.000 zusammen zahlen können. Er schüttelt den Kopf, zeigt auf uns beide und wiederholt „tree hundred tausend“. Wir zählen zähneknirschend drei rötliche Scheine ab (ca. 20 Euro, das ist hier wirklich viel) und drücken sie ihm in die Hand, die sofort in seine hintere linke Hosentasche wandern. Na Bravo, viel Spaß damit! Aber wir mucken nicht weiter auf, der Gang vorbei an der Gefängniszelle war sicher ein psychologischer Schachzug…Wenigstens kritzelt er uns irgendwas auf ein blaues Papier, das sollen wir bei der nächsten Kontrolle zeigen. Tzz, der nächste Polizist wird sich sicher nicht durch einen Zettel vom Extraverdienst abbringen lassen. Aber wie gesagt, was sollen wir tun. Wenigstens sind wir nicht die einzigen Touristen, die hier abgezogen werden. Sonst wäre der kurze Besuch auf der Station noch unheimlicher gewesen. Unser Polizist pfeift uns immerhin wieder die Straße frei, als wir wieder auf die andere Seite wechseln, um die Moppeds zu besteigen. Adios, hoffentlich nicht bis bald!

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So sieht also Hilflosigkeit angesichts von offensichtlicher Korruption aus. Hoffentlich kauft er davon etwas Sinnvolles für seine Kinder. Auf der anderen Seite war er natürlich irgendwie auch im Recht: Wir hatten schließlich wirklich keine internationale Fahrerlaubnis…wie auch immer. Auf diese unglückliche Zusammenkunft hin mussten wir, erstens, Geld abheben und, zweitens, einen Kaffee trinken gehen. Ein Glück gibt es Cafe Moka mittlerweile auch auf Bukit. Danach sah der Tag gar nicht mal schlecht aus. Und auch die folgenden Tage und Daytrips von Kuta aus verlaufen ohne weitere Zwischenfälle, nur das normale balinesische Chaos: Hupender Verkehr, ein paar Affen rasen durch den Wald, Katzen koten Kaffeebohnen aus und Shoppingwahn bricht aus. Wir bewegen uns im ständigen Echo von „transport transport, yes“, „massage massage“, „sarong, nooo pipty tausend, I go bankruut“ und „watches watches, you want watches“, dahinter das Knattern von Motoren und Gamelanklänge. Original Balisoundtrack. Tanah Lot, Ubud, Canggu, nice ricefields, Outlets, Cafe Moka (täglich!). Wir moppetieren fröhlich weiter. Die Fahrerlaubnis für eine Woche haben wir ja in der Tasche.

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Am Ende des Tages: Die Wäsche gewaschen und gebügelt, Kante auf Kante gelegt und praktikabel eingeschweißt. Bei der Wäscherei gegenüber umgerechnet für 2 Euro erledigt. Der kleine Luxus des Indourlaubers. Man steht am Anfang zwar etwas beschämt daneben, weil jede dreckige Unterhose vor den eigenen Augen vom Wäschefachmann gezählt wird, damit auch nix verloren geht, aber das gehört eben dazu. Wir überlegen, ob wir nicht bleiben und Karriere machen könnten. Als Surfguides sind wir wohl zu schlecht, aber folgende Jobs stehen zur Auswahl: Professionelle Büglerin, professionelle Fegerin oder vielleicht könnten wir noch lernen Opfergabenkörbchen zu flechten und die dann in Zwanzigerpacks verkaufen. So eine Art ‚Instant-Opfergabe‘ für die beschäftigte balinesische Hausfrau…

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Surfing Medewi

Wir hatten eine unbeschreibliche (deswegen tue ich mich seitdem unglaublich schwer etwas darüber auf Blogmopped zu bringen) erste Woche im Westen von Bali – kleine und große Wellen, auf jeden Fall ganz viel Wasserkontakt. Uns hat es ordentlich durch die Salzwasserwaschmaschine genudelt, trotzdem konnten wir die ein oder andere Welle mit unserem Ritt krönen. Nach Raglan, NZ, haben wir in Medewi unser zweites Endless Summer Paradies gefunden. Surfsessions fotografisch festzuhalten ist allerdings immer so eine Sache. Die beste Welle fährt man, wenn niemand zuschaut, niemand die Linse draufhält. Unsere Big Waves hat demnach natürlich niemand eingefangen, da waren auch die Fotografen im Wasser oder noch im Bett. Und ansonsten haben wir selbstverständlich immer den Guides die besten Wellen gelassen, wir wollten ja auch nicht so angeberisch posen bzw. den Zorn der Locals auf uns ziehen….;) Trotzdem, um einen kleinen Eindruck vom surferischen Alltag zu bekommen, voilà ein paar Mitschnitte von Arschplatschern, beinahe-Kollisionen und ganz großartigen Turns Bali-Style. ‚This was fucking awesome‘ (Insider Camp Slang) !

 

The Holy Trip

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Sonntags lassen wir die Bretter Bretter sein (eine early bird session war natürlich drin!) und setzen auf Räder. Heute: Kulturausflug. Drei Deutsche, ein brasilianischer Thai und ein Balinese gemeinsam on tour. Ein Tag, 350km, mainstream Pop/R n B/ HipHop auf den Ohren und den Lippen, auf kurvigen Bergstraßen, durch Dschungel und Reisfelder. Heilige Bäume, heilige Tempel, heilige Quellen – Holy shit, a holy trip! Alle Tassen hatte danach niemand mehr im Schrank – und all cups in the cupboard erst recht nicht.

Es begann alles mit dem drive-thru tree und der Frage „Can we order a coke pressing the ‚bark-button‘?“. Nein, aber Weihwasser wäre vielleicht drin gewesen.

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Das Wasser der Holy Springs ist so grün wie heilig und die Bikinis danach auch – wir nicht erleuchtet aber erfrischt. Nur irgendwie stinkig vom Schwefel. Gegrillter Fisch und Meeresbrise sind die neuen Düfte zum Mittag. Lunch with a view.

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There lives a western lady in the jungle, beginnt Agung, und deutet auf die bewaldeten (bepalmten?!) Hügel zur linken. Wir lauschen gespannt, in Erwartung einer wahren Geschichte. Ich assoziiere eine Aussteigerin, die sich um verwaiste Affen kümmert, wie damals im Zoo in Singapur, Her name is Jane. Kurzes Schweigen, warte…Jane? Dann Gelächter. Na klar, Agung, alles klar! Und gleich schwingt Tarzan an der Liane vor der Windschutzscheibe vorbei…Nächster Halt: ein buddhistischer Tempel. Davor eine seltene Pflanze, the ‚eggplant’…Viel spannender aber sind die verschiedensten Früchte, die hier von den Bäumen hängen: Cashews, Sternfrucht, Mango, Durian,….es muss das Paradies sein. Frau Schween, die Fotos sind für deine Kinder. Damit die Kleinen lernen woher die salzigen Nüsse aus den Dosen bei Aldi kommen. 

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Wave after wave, wave after wave, I’m slowly drifting…“, Agungs Hang zu den aktuellen Charts verursacht schmerzliche Ohrwürmer. Es wellt und windet und stürmt tatsächlich – aber nur dort, wo der 40m hohe GitGit Wasserfall auf das Gestein aufschlägt. Unglaubliche Wasserkraft. Kühn wagen wir uns ins Auge des Sturms. Eine Frau posiert auffällig und freizügig vor dem Wasserfall. Ich und der Wasserfall, ich auf dem Stein, ich knöcheltief im Wasser…

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Das Wort ‚Knallpot‘ auf einem Schild entdeckt, deja-vu, das indonesische Lieblingsword der Deutschen. Heißt Auspuff und ich werde irgendwann mein Café oder mein Buch, oder beides, „Thirteen anchors and one Knallpot“ nennen. Hiermit melde ich Copyright an.

Auf dem strawberry market gibt es nicht nur Erdbeeren – auch seltsame Bananen, die eigentlich Maiskolben sind.There is something wrong with this banana, stellt Nando fest. Findet Lina auch. Wir kaufen lieber eine Mango und probieren uns durch die exotischen Früchte. Tangerine, Guave, Passionsfrucht („This is so passion, this is so fruit“ (Agung)).

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Es wird dunkel und wir kurven zurück, heulen dabei den vollen Mond an und imitieren Ziegen.Mähhhh. Uns fällt die Szene von JurassicPark ein, die Ziege am Kran ins Sauriergehege. Random fact, aber wir lachen eine Weile darüber und erinnern uns an alte Filme. Agung erzählt uns wieder einen vom Tarzan. Und wir singen uns performen noch ein bisschen. Und irgendwann, irgendwann kommen wir endlich endlich wieder in Medewi an. Ein langer Tag. Am Ende ist gar nichts mehr zu retten und uns nicht mehr zu helfen. Die Ohrwürmer stecken tief, we keep on rockin’…

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Europe/Brazil vs. Bali

Es geht immer um Fußball. Und Fußball geht immer. Besonders für die Völkerverständigung. Wir haben große Töne gespuckt, Brasilien Fußballnation und Deutschland Weltmeister, aber im Grunde war klar, dass die Balinesen uns in Grund und Boden spielen würden. Auf Sand und Stein und barfuß ganz klar im Heimvorteil. Trotzdem: Challenge accepted. Gäste also gegen den Brown Sugar Staff.

Das Eu/Bra Team (so genannt, da der Kader aus einem gebürtigen Brasilianer und sonst aus Österreichern/Schweizern/Deutschen bestand…gliedern wir die Schweiz zu diesem zwecke mal in die EU ein) fand sich selbstverständlich als erstes und pünktlich am Strand ein. Es wurden gerade Linien für ein Spielfeld gezogen und die Steine am Boden in mühsamer Kleinarbeit aus dem Feld entfernt. Von den verspätet und erst nach und nach eintreffenden Balinesen („Bali time, slowly slowly, relääääx.“ Jam karet. Gummizeit.) wurde das prompt für lächerlich erklärt und die westliche Geradlinigkeit nach Local Recht sofort wieder verbogen – Feldbegrenzungen: zur einen Seite das Meer, zur anderen Seite der tiefe dunkle Vulkansand. Zwei Tore mit Ästen gesteckt und die Steine ignoriert. Fußball Bali Style. Anpfiff.

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Die Füße bohren sich in den Sand, Zeh stößt auf Stein auf Ball auf andere Gliedmaßen. Sand klebt auf Schweiß, läuft und tropft. Schon nach den ersten Sprints muss ich kurz stehenbleiben. Stütze keuchend meine Hände auf die Knie, japse mit verzerrtem Gesicht nach der feuchtwarmen Luft und folge dem Ball nur noch mit den Augen. Während Agus mit dem Ball davontänzelt, um das nächste Tor für das balinesische Wet Dream Team zu erzielen. Alle Erwartungen bestätigt, trotz kreativer Mädchen-Tshirt-hoch und Festhaltemethoden, scheitern wir gnadenlos. Verlieren das Spiel, aber niemals das Lächeln. Denn hinter uns geht die Sonne unter, die Palmwedel schwingen in leichtem Abendwind und vom Landesinneren her zieht ein Duft von Räucherstäbchen herüber. Abgekämpft und glücklich klatschen wir uns ab und wandern langsam durch den noch warmen Sand die paar Meter zurück ins Camp. Nur ein Fischer, der sein Netz vom Strand ausgeworfen hat, beobachtet uns. Es gibt gerade ganz sicher keinen schöneren Ort auf der Welt. Und keine passendere Zusammenkunft von Menschen als die unsere.

Knapp 900.000 ist unsere Niederlage schließlich wert. Glücklicherweise Rupiah. Unsere Verlust ist allerdings auch unser Gewinn, denn in Spirituosen wird bezahlt. Und mittrinken ist natürlich genauso wertvoll im Sinne der interkulturellen Kommunikation und Verständigung. Whiskey und Gin werden aufgetischt. Aber erst am kommenden Abend. Denn nach dem Spiel humpeln selbst die Balinesen ein bisschen, es zwickt den ein oder anderen in der Wade und im Rücken und die Zehen sind reichlich überdehnt. Alt wird an diesem Abend im Camp niemand mehr und so ergeben wir uns der Erschöpfung und um kurz nach neun herrscht in den Bungalows friedliche Stille. Nur die Brandung donnert noch dumpf auf den Strand und der Mond scheint voll über dem Meer, den Feldern und den Hütten von Medewi.

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Thanks to our Brazilian friend Nando for providing the pictures!!