Schicksal nahm seinen Lauf

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Ich war immer schon der Überzeugung, dass es sowas wie eine Vorausbestimmung gibt. Das ist um Gottes (…) Willen, um hier gleich mal einen disclaimer anzubringen, keine religiöse Ansicht. Aber der Gedanke, dass alles im Leben aus einem bestimmten Grund geschieht, da scheint manchmal wirklich etwas dran zu sein. Wie Kierkegaard sagte „Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben muss man es aber vorwärts“. Da ziehen sich die Schicksalsfäden durch unsere Stunden und Tage und manchmal Jahre, immer unsichtbar und scheinbar willkürlich gewoben. Bis du dich irgendwann umdrehst und ein perfektes Netz sehen kannst und alle Kreuzungen und Abzweigungen und (Un)Geschehnisse plötzlich Sinn machen. In meinem Fall stehe ich nicht vor einem Netz, sondern in unserem Wohnzimmer. Ich starre ungläubig in die Augen der Freiheitsstatue, die seelenruhig an der Wand neben dem Fenster hängt. Mit Fackel und grünem Umhang und im Hintergrund erstreckt sich New York.

Ich fasse es nicht: Wie lange hängt die denn da schon? „So zehn Jahre vielleicht“ kriege ich als Antwort. Verrückt. Natürlich kenne ich das Bild, es ist nicht so, als hätte ich sie noch nie da hängen sehen. Aber mir war dennoch nicht BEWUSST, dass wir eine Freiheitsstatue im Wohnzimmer hängen haben. Die Luttis sowieso, als irgendwie unamerikanischste Familie überhaupt. Und jetzt, da New York, Manhattan , Brooklyn, der Hudson, Lady Liberty nicht mehr bloß nichtssagende Namen für mich sind und ich dieses Bild tatsächlich wahrnehme, frage ich mich, ob da mehr dahinter steckt. Ein jahrelanger Wink mit dem Schicksal oder so. Ja, vielleicht hat mir das Bild über die Jahre des unschuldigen Betrachtens hinweg insgeheim zugeflüstert „2013 wirst du einige Zeit in New York verbringen und die Staaten werden sich so schnell nicht wieder loslassen“. Das klingt schon ein bisschen psycho, das gebe ich zu. Alles was ich sagen will ist, dass das Leben manchmal ganz schön unheimlich sein kann. Wenn es in der Retrospektive plötzlich alles völlig klar zu sein scheint. Und dann schaut man wieder ganz anders auf die Dinge, die so um einen passieren. Ich in meinem Fall schaue misstrauisch auf diese Frau in unserem Wohnzimmer. Und gerade habe ich entdeckt, dass auch in meinem Zimmer noch ein kleiner Dämon ihrer selbst haust (s.u.).Verschwörung! Also jetzt ist alles klar, hier ist alles vorausbestimmt. New York war wahrscheinlich seit Jahren klar wie Kloßbrühe und ich hab nix davon gewusst.

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Keine Gnade für die Wade

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…Und auch für sonst kein Körperteil. Dieser Marathon war brutal. Schmerzhaft. Haruki Murakamis Mantra stand wieder auf meiner Startnummer, ein Ritual seit 2011. „Pain is inevitable. Suffering is optional.“ Wenn das so ist, dann habe ich in diesem Jahr das Leiden gewählt. Es zumindest nicht, meditativ oder sonst wie, ausblenden können. Bis zur Halbmarathondistanz lief es sich dabei noch ganz gut, fast unerwartet locker. Aber dann.

Enthusiasmus am Start, die Sonne strahlt an diesem Morgen vom Hamburger Himmel und lässt die bunten Scharen an Läufern in ihren neonfarbenen Funktionsklamotten noch mehr leuchten. Wir tauchten ein, in den Pulk des Startblocks. Saugen Vorfreude und ein bisschen Angstschweiß auf, freudig-nervöses Kribbeln in der dynamischen Menge. Ernste und lachende Gesichter, Konversation und Konzentration. Hier und da Clowns und Könige, Hamburger Wasserträger und andere Kostümläufer, wie jedes Jahr. Und auch die ein oder andere laufende Colgate Zahnpasta oder ein Sebamed Duschgel – Werbung läuft immer und überall. Neun Uhr, Startschuss. Wir brauchen 13 Minuten, um die Startlinie zu passieren. Alles läuft, alles ist im Fluss. Bald am Fluss. Ich sehe seit fast vier Monaten endlich die Kräne und die Elbe wieder. Auf der Elbchaussee läuft vor mir einer mit roten Kompressionssocken, die bis zur Kniekehle hinaufreichen. Auf beiden Waden prankt ein schwarzer Anker, darüber HH für Hamburg und darunter steht „No regrets!“. Die will ich auch!

Nach 25km geht dann nur noch wenig. Die Kilometerschilder scheinen unendlich weit auseinander zu stehen, vielleicht haben die sich vertan und Meilen statt km gemessen. Ich lutsche an einem Stück Banane, Beschäftigungstherapie. Schwere Beine und inneres Aufbegehren – absolut keine Lust mehr. Ich führe Diskussionen, leiste Überzeugungsarbeit, schenke jedem aufschreienden Körperteil meine Aufmerksamkeit – und versucht es dann wieder zu ignorieren. 15km vor dem Ziel stirbt mein iPod. Ich denke kurz darüber nach, ob das jetzt ein Zeichen ist und ich auch, vielleicht nicht gleich sterben, aber aufgeben soll. Jenseits der 30km sind meine Muskeln so verhärtet, dass mir mein Laufen ohnehin wie Schritttempo vorkommt. Ich nehme jede Getränkestation mit. Die Sonne brennt, weiße Salzkruste im Gesicht. Wasser! Am Ende auch Cola. Das Zeug schmeckt in diesen Sekunden wie…Cola eben, aber ganz besonders gut und unglaublich intensiv. Geschmacksnerven sind so viel sensibler bei extremer Anstrengung. Da kann auch ich mal langsam essen und trinken.

Die letzten 8km sind reine Tortur. Ich habe ja nie erwartet, dass der Lauf entspannt wird. Aber in der Vorstellung können Dinge immer nur begrenzt schlimm werden. Und in diesem Moment pisst es mich an, von mir selbst dieses buddhistisch gelassene Gequatsche zu hören, dass es doch nur noch 8 km sind und dass das doch klar war und dass ich es einfach so sehen soll, dass ich jetzt eh keine andere Möglichkeit habe als es durchzuziehen und dass ich doch einfach laufen soll, ohne so viel nachzudenken. Ah!

Ich denke weiter nach, aber über etwas anderes. Lenke mich ab. Was macht die Atmosphäre des Marathons so einmalig? Das Besondere ist, glaube ich, der kollektive Frohmut der Masse, welcher Fremde zu – wenn nicht unbedingt gleich Freunden, wenigstens zu – Gleichgesinnten werden lässt. Keine Aggression (außer gelegentlich bei den Läufern…), keine Konkurrenz. Und wenn die Deutschen die Distanz verlieren, wenn Fremde einem zujubeln, die Hand schütteln, auf den Rücken klopfen oder einfach nur Augenkontakt aufnehmen, halten und dabei ganz ehrlich lächeln. Nicht, dass die (Nord)Deutschen sonst arm an Emotionen wären, aber Gefühle zu haben und sie auszudrücken sind zwei sehr unterschiedliche Geschichten. Beim Marathon jedenfalls lässt man auch bei den Fischköppen endlich mal Luft ab und der Freude und Begeisterung, dem Mitgefühl und der Ehrfurcht freien Lauf. Hier und da entstehen Konversationen zwischen Unbekannten, die sich heute ganz aufgeschlossen gegenüberstehen.

Soviel zum positiven Kontrastprogramm zu meiner läuferischen Verfassung: Denn ich bin aggressiv. Geladen. 3km vor dem Ziel, am Ufer der Außenalster. Eigentlich eine wunderschöne neue Streckenführung, wir umgehen den fiesen Anstieg der Rothenbaumchaussee. Aber ich habe endgültig genug und Krämpfe in den Beinen. Ich werde jetzt gehen und fauche mein Gewissen an um Himmels Willen die Klappe zu halten. Die Zeit ist mir auch absolut schnuppe, dann eben über 4 Stunden. Ich bleibe stehen und beginne vorsichtig meine Wade zu dehnen. Da tippt mir einer von hinten auf die Schulter. „Nee, also du kannst jetzt echt nicht stehen bleiben. Du warst jetzt 15km immer vor mir und hast mich gezogen. Jetzt bring ich dich wenn es sein muss ins Ziel.“ Ich bin ein bisschen überrumpelt, ein bisschen gerührt und eigentlich will ich nicht, aber ich fange wieder an zu laufen. Keiner von uns beiden hat die Lust und Kraft zu reden, aber wir laufen stumm verbunden nebeneinander her. Vereint im Schmerz und dem Unwillen der letzten Kilometer und doch im Wissen, dass wir uns gerade deshalb gegenseitig retten: Hier bleibt keiner stehen, wenn der andere weiterläuft. Und irgendwie erreiche ich dann schließlich die Zielgerade auf der Karolinenstraße, mit dem roten Teppich und dem großen weißen aufgeblasenen Siegertor. Ich spüre nur ein einziges Gefühl: Erleichterung! Dass es vorbei ist und ich nicht aussteigen musste. Der Blick auf meine Uhr verrät, dass ich doch noch knapp unter vier Stunden geblieben bin. Ich grinse und gestehe mir ein, dass ich bei 4 schon ein bisschen enttäuscht gewesen wäre. Umso besser. Karo treffe ich später an der Startbeutelausgabe. Wir haben es beide geschafft. Sind beide unglaublich fertig, aber unglaublich glücklich. Und nach einem Bier und einer Dusche treffen wir draußen unsere Eltern, die treuesten Fans vom Straßenrand. Hamburg Marathon 2013, check!

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Blaue Linien

 

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Die Reeperbahn ist Teil der Strecke, wie immer. Durchs Rotlichtviertel bei Tageslicht. Aber wir gehen nicht auf den Strich, wir laufen. Entlang der blauen Streifen, die sich seit Dienstag wieder durch Hamburg ziehen wie Indizien einer Schnitzeljagt wirken. 15.000 Schatzsucher werden Sonntag beim Hamburg Marathon ihre Beine strapazieren, Knie und Rücken und Bänder aller Art riskieren. Um das Adrenalin, den Kick zu spüren. Mit Glückshormonen um sich zu schmeißen – in Erwartung des runner’s high. Möglichst lange locker dahin traben, die Gedanken beschäftigen und die Aussicht an der Elbchaussee und der Außenalster genießen, bis spätestens in Ohlsdorf der Mann mit dem Hammer sich zu Wort meldet und irgendwo hinter dem nächsten Getränkestand auftaucht. Wir werden sehen. Bis dahin gilt es dem Körper Ruhe zu geben (zum Beispiel Erkältungen loswerden, so unnütz aber auch!), mit Dehnung Wunder bewirken und Kohlehydrate futtern. Damit am Ende niemand zu einem sagt (wortwörtliches Zitat – vorhin bei der Startnummernausgabe in der Karolinenstraße, Zieleinlauf, aufgeschnappt –  eines kleinen Jungens auf dem Rad, hinter seinem Vater fahrend): „Ah, ich weiß was die hier machen. Die bauen das Ende auf. Das kenn ich hier. Das ist doch da wo es dir letztes Mal so schlecht ging, wo du so ganz weiß um den Mund warst.“ Also dann, lasst uns laufen!

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Moin moin Hamburg

Man identifiziert sich mit Heimat ja vor allem auch kulinarisch. Mit Papa gleich nach der Ankunft in Hamburg ein Franzbrötchen bei Luise gegessen. Hallo Fuhlsbüttel, wieder hast du dich so gar nicht verändert. Alle grünt und blüht und ist endlich warm. Gut, dass ich nicht eher gekommen bin. Dann gibts auch gleich noch eine nachträgliche Geburtstagstorte auf der Terrasse. Erste Euphorie, erste Bilder zeigen, erste Freunde wiedersehen. Jetzt sitze ich allerdings hier im Wohnzimmer und versuche mit dem Krabbensalatbrötchen auch meine Verwirrung hinunterzuschlucken. Ich bin irgendwie wieder hier. Oder auch noch nicht ganz. So gar nicht eigentlich. Trotz des Boston Dramas ist die Reise problemlos verlaufen. Langwierige Sicherheitskontrollen am Airport, aber die sind ja auch sonst nichts Neues. In Hamburg rollt kein einziges Gepäckband, Stille in den Flughafengebäuden. Was für ein Provinzflughafen. Mein Rucksack hat den Umstieg London-Hamburg nicht geschafft. Hat sich noch bis zum Mittag in England rumgetrieben, wurde dann aber persönlich von BA zu uns nach Hause eskortiert. Ansonsten ist hier schon wieder viel zu viel los und ich bin noch etwas zu müde und etwas zu erkältet. Die to do liste wächst, über den Kopf, und der muss daneben vor allem erstmal mit sich klarkommen. Gedanken drehen hier östlich des Atlantiks wieder schneller und Fragen bitten um Antworten.

Gebloggt wird weiter, stay tuned. Ist ja nicht so, dass das Leben vorbei wäre. Meine Tastatur ist gerade erst warmgetippt. Sonntag steht der Hamburg Marathon an, bald geht es nach Frankreich ins Camp, vielleicht gibt es im Juni amerikanischen Besuch und Berlinabenteuer und im Juli steht Hüttenarbeit in Österreich auf dem Programm. Riecht nach einem reichhaltigen Blogsommer. Ich spiele dann auch mal ab jetzt ein bisschen mit meinem iphone (yey!) herum. Endlich kann ich auch „coole“ Instagram Bilder posten.

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Bye Bye New York

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Als ich die letzten paar Socken in meinen Rucksack stopfe kriege ich zum dritten Mal heute einen kleinen Wutanfall. Dieses ganze Zeug, warum schleppt man so viel mit sich herum? Und das jedes Mal, auf jeder Reise, bei jedem Aufbruch. Immer die selben Gedanken. Dann fallen mir die Laufschuhe ein, die noch vorne neben der Tür stehen. Und auf der schwarzen IKEA Kommode thront noch meine Kulturtasche. Ich kapituliere, höre auf am zum zerreißen gespannten Reißverschluss meines Backpacks zu zerren und lasse mich rückwärts auf die weiße Bettdecke fallen. Da liegen wir, mein Rucksack und ich und  starren an die Decke. Alles ist unwirklich, weil dreieinhalb Monate niemals hier und jetzt und heute vorbei sein können. Es gibt nichts Absurderes als die Vorstellung, dass ich in viereinhalb Stunden im Flieger sitze. Die Zeit, die Zeit…sie sitzt in der Ecke, neben meinen aussortierten Klamotten und Büchern, und lacht sich ins Fäustchen. Ich wünsche mir meine zeigerlose Wanduhr, damit ihr das Lachen und gleichzeitig das Rennen vergeht. Weder vorwärts noch rückwärts drehende Zeiger soll sie haben, weil sie sich doch immer mit Vergangenheit und Zukunft verbündet. Dabei war ich in den letzten Wochen so gut darin im Moment zu leben. Aber unsere modernen Uhren – iPhones und Handys und Laptops – haben ja doch nur noch digitale Ziffern im Display. Wie könnte man da einfach die Zeiger abnehmen? Irgendwie kriege ich doch alles in den Rucksack, der sicherlich massives Übergewicht hat. Nicht so schlimm allerdings wie mein kleiner Handgepäckskoffer, der an die 15 Bücher in sich birgt. Wenn den jemand wiegt, dann gute Nacht.

Weder als wir das Haus verlassen und durch die Classon Ave, Gates und Franklin Ave laufen, noch als wir am Bahnsteig auf den A train Richtung Howard Beach/JFK warten, als wir in den Airtrain zum Terminal 7 steigen und schließlich am check in meinen (zum Glück nur 21 kg schweren) Backpack abgeben – es fühlt sich nicht wie ein Abschied an. Als würde ich nur mal eben wieder auf einen kurzen, diesmal Air- statt Roadtrip, aufbrechen. Was ich hier gelernt habe? Vor allem Gastfreundschaft und einen Umgang miteinander, der herzlicher und respektvoller kaum sein könnte. Eine Unkompliziertheit, die ich selten vorher erfahren habe. Und wie wichtig und wunderbar Freundschaften sind, die neuen und die alten. Wie man in dieser riesigen Stadt so viele tolle, kreative, aufgeschlossene, hilfsbereite und glückliche Menschen kennenlernen kann, ich muss einen sehr wohlwollenden Schicksalsengel auf meiner Schulter sitzen gehabt haben. Abschied buchstabiert sich hier genauso schwierig wie goodbye. Aber wir haben uns auf ein Ende geeinigt, das „for now“ im Kleingedruckten stehen hat. Jedem Ende wohnt ein Anfang inne. Damit nehme ich meinen Gürtel ab, ziehe meine Schuhe aus und hieve mein Handgepäck,  für dessen Gewicht sich dann doch niemand interessiert, auf das Band des security scans. Goodbye New York City, for now!

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Kulturelle Prägung

Das letzte Wochenende in NYC war von zwei kulturellen Erfahrungen geprägt. Baseball und Skulpturen.

YANKEE STADIUM, Bronx

Freitag Abend stand ein Yankee’s Spiel auf dem Plan. Vor allem Linda, Matti und ich waren ultra gespannt und irgendwie war auch alles wie im Fernsehen als wir da oben auf der höchsten Tribüne standen und über das Stadion blickten. Nur: Das Wetter war nicht ganz so filmreif. Und machte uns dann im Endeffekt auch ein bisschen einen Strich durch die Rechnung. Trotz heißer Schokolade, warmen Chicken Fingers und großen Plastiktüten als Regen- und Windschutz war die Kälte und Nässe dann doch irgendwann übermächtig und wir machten uns knapp vor der Hälfte aus dem Staub. Brrrrr, so kalt!

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STORM KING

Und obwohl sich meine Zeit in NYC mit raschen Schritten dem Ende näherte, mussten wir diesen Sonntag der Stadt nochmal den Rücken kehren. Um der Verschmelzung von Kunst und Natur zu fröhnen, uns dem Kulturellen hingeben. Eine Stunde nördlich von NYC besteht seit den 70ern ein Kunstzentrum, dass  sich auf einem weit ausgedehnten Waldgebiet erstreckt. Skulpturen von groß bis klein in freier Wildbahn. Und wir durften quasi lustwandeln und staunen und frei assoziieren, was uns zum Beispiel ein oranges Metallgestell in Tamponform  sagen möchte. Fast vier Stunden erwanderten wir Wald und Wiese, mit kleinen Abstechern zum Fluss und Ruhepausen auf der Picknickdecke und im Parkcafé. Sehr entspannend und dabei auch noch kulturell wertvoll.

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„The Storm King Art Center in Mountainville, New York is an open air museum which has extended the concept of a „sculpture garden“ to become a „sculpture landscape.“ Founded in 1960 by Ralph E. Ogden as a museum for Hudson Valley painters, it soon expanded into a major sculpture venue with the acquisition of works from the estate of sculptor David Smith.The site is approximately 500 acres (2.0 km2) of meadow and woodland located about an hour north of Manhattan.“ (Wikipedia), http://www.stormking.org/

Auf Roadtrip folgt Boattrip

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So nutzt man connections aus, die man in San Francisco geknüpft hat. Da kündigt sich der heißeste Tag des Jahres an und schon flattert die Möglichkeit zu einem kleinen Harbour Cruise ins Haus, so haben wir das gerne. Matti, den ich aus dem Goethe Institut kenne, war sofort Feuer und Flamme und demnach saßen wir um 17.45 bei Björn von NY Media Boat auf einem alten Militärschlauchboot und schipperten (manchmal auch ein bisschen schneller!) hinaus, Richtung East River und dann zur Freiheitsstatue. Die neidvollen Blicke der Touris auf den großen Booten waren gewiss. Wir VIPs! Bei Chips und Popcorn warten auf den Sonnenuntergang, bis die Silhouette Manhattans in Gold getaucht vor uns lag. Ein (touristisches) Träumchen zum nahenden Ende dieses New York Abenteuers. Perfekt.

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http://nymediaboat.com/

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Bentschie’s Birthday BBQ in a Brooklyn Backyard – so sah es aus am 7.4.2013. Gebührend gefeiert und doch wunderbar unspektakulär, mit reichhaltigem BBQ, kleinem Feuer, Frühlingstemperaturen und ein bisschen Bandmusik. Und vor allem mit so so lieben Leuten. Merci beaucoup, besser hätte der Geburtstag gar nicht werden können.

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Eastcoast Roadtrip mit Karo – Tag 7

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Eigentlich gibt es gar keinen Tag 7 mehr. Wir sind nachts schon nach NY zurückgekommen. Haben beschlossen, dass es sich nicht lohnt nochmal unsere Betten zu bauen. Und dann im übelsten Stau zu stehen, wenn wir am Tag durch Manhattan durch müssen. Demnach haben wir es mit Hilfe von viel Cafe und jeder Menge Snacks noch in der Nacht von Freitag auf Samstag nach NY zurück geschafft. Um half fünf konnten wir in richtige Betten sinken. War anstrengend, hat sich aber gelohnt.

Besser hätte diese Woche gar nicht verlaufen können. Wir sind verzaubert, wie großartig alles gelaufen ist. Nur der car drop off am Samstag rief leichte Aggressivität in Karo und mir hervor, wir waren uns sicher NYC in diesem Moment zu hassen. Ätzender Verkehr. Wir sind eindeutig wieder in städtischen Gefilden. Eine Ewigkeit im Stau gestanden, bei schönstem Wetter. Und dabei ganz dringend mal auf die Toilette müssen. Keine gute Kombi. Aber wir haben uns um Gleichmut bemüht und ihn schließlich wiedergefunden. Denn keiner hatte bei der Mietstation etwas zu meckern. Ratzfatz Auto weg und wir konnten entspannt, erleichtert mit der Bahn zurückfahren. ENDE GUT, ALLES GUT. Nur die Natur geht uns etwas ab. Da aber in NY gerade der Sommer ausbricht – Dienstag erwarten uns 26°C – werden wir u s gleich mal in die zahlreichen Parks begeben und alles grün einsaugen, das sich schon blicken lässt.

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Noch eine kurze Zusammenfassung der Reise. Der Roadtrip in Zahlen sozusagen:

Gesamtdistanz: 2567 Meilen (4131 km)

Benzinkosten: $ 265 (Can you believe it?!)

Autokosten (Miete, Navi, Versicherung): knapp 430 Euro (quasi gleichzeitig Übernachtungskosten)

Staaten durchquert: 11 (New York, New Jersey, Delaware, Maryland, Virginia, North Carolina, South Carolina, Georgia, Florida, West Virginia, Pennsylvania)

Eastcoast Roadtrip mit Karo – Tag 6

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Freitag, den 05.04.2013

Wir erwachen an diesem Freitagmorgen und sind überraschender Weise nicht erfroren. So kalt wie erwartet war die Nacht nicht. Der erste Blick nach draußen lässt uns mit gemischten Gefühlen in den Tag starten, es ist ziemlich grau am Horizont. WIr bemerken, dass wir unsere Laufschuhe im Kofferraum vergessen haben – die sind noch nass vom Strandlauf vorgestern. Verdammt. Jetzt wissen wir auch was die (wahre) Quelle des Fischgeruchs war…Im luxuriösen Toilettenhäuschen der Raststätte trocknen wir also unsere besten Freunde unter dem Handtrockner, damit sie uns später in den Bergen trockene Dienste leisten können. Dann brechen wir auf nach Asheville, eine kleine Stadt in den Appalachian Mountains, die ohnehin nur noch 20 Minuten entfernt liegt. Dort kaufen wir ein bisschen Vorrat ein – die ultimative ALDI experience, da mussten wir natürlich hin – wir wissen ja nicht wie viel Zivilisation uns in den nächsten Stunden über den Weg läuft. Wir fahren weiter Richtung Blue Ridge Parkway, einer scenic route, die man uns empfohlen hat. Das Wetter wird leider eher schlechter als besser. Dichte Nebelsuppe umgibt uns, als wir eine ziemlich eng gewundene Serpentinenstraße hoch und wieder hinunter kriechen. Wir fahren ein Weile, lassen die Aussichtspunkte links (rechts) liegen, man sieht eh nix. Landen schließlich irgendwie auf einer gravel road, die sich 15 Meilen durch Wald und noch mehr Wald schlängelt. Wir fragen uns, wie robust unsere Reifen eigentlich sind und wo zum Teufel wir hier rauskommen… Aber dann: Wenn Engel reisen freut sich das Wetter, hat unsere Grundschullehrerin schon immer gesagt. Die Sonne bricht gen Mittag durch die Wolken und plötzlich ist kein Weiß mehr am Himmel zu sehen. Der Himmel ist blau, so blau. Wir erreichen unsere erste Wanderroute: Der Weg zu den Linville Falls. Springen freudig aus dem Auto und verschaffen unseren Beinen die Bewegung, die sie schmerzlich herbeigesehnt haben. DIe ganze Natur hier erinnert mich an die canadischen Rockies. Eine kleine Stadt namens Blowing Rock, in die wir später kommen, erinnert mich an Jasper und Banff. Wie passend, dass wir uns in den Blue Ridge Mountains bewegen und auf das Shenandoah Valley zufahren. Sang doch John Denver schon in einem sehr bekannten Song von diesen Plätzen. Wir fühlen uns am richtigen Ort und ein bisschen wie im Märchen. Wir rollen weiter, fahren in den idyllischen Abend hinein. Assoziationen reißen nicht ab. Auf canadische Wildniss folgt Bayerisches Voralpenland, diese malerische Abendsonne, die grünen weiten Wiesen.Später parken wir vor McDoof und trotzen dem Drive In mit einem (Aldi) Dinner deluxe  im Auto. Wir haben noch einige km vor uns. Mal sehen, wie weit wir es heute Abend noch schaffen. Morgen um 15 Uhr muss das Auto wieder in NY sein.

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Zu diesem Bild: Karo kommentiert unsere tägliche Suche nach WiFi „Man ey, wir sind ganz schön internetabhängig“. Tja, wat soll man machen, ist halt heutzutage so.

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Eastcoast Roadtrip mit Karo – Tag 5

Donnerstag, den 04.04.2013

Wenn ein Ort mit einer Farbe assoziiert werden würde, dann wäre Tallahassee in unseren Köpfen nun für immer grün. Lush green. Tropisch, warm, geradezu schwül durch die hohe  Luftfeuchtigkeit, präsentiert sich die Stadt im Westen Floridas. Spanisches Moos hängt von den Bäumen, Palmen überall, Tarzan könnte jederzeit an einer Liane vorbei schwingen. Wir fahren an weitläufigen Grundstücken vorbei, tollende Squirrels springen in den Bäumen und auf der Straße herum (wir könnten eventuell eins überrollt haben, wozu man uns vor Ort gratulierte – die sind wohl eine ziemliche Plage hier, bunte Vögel singen, Grillen zirpen. Hier fangen wir uns auch unsere ersten Mückenstiche des Jahres ein, hurra! Bei Joe und Sue kriegen wir ein leckeres Frühstück, dann wird die Karte rausgeholt und wir überlegen auf welchem Highway wir später gen Norden fahren, Richtung Apalachian Mountains.  Dann nimmt Adam uns mit auf eine Tour durch Tallahassee, später packen wir zusammen, sagen goodbye und können uns eigentlich kaum trennen. Bevor wir Tallahassee verlassen machen wir einen „kurzen“ Shoppingausflug in einen sportladen – Karo wollte eigentlich nur Chucks kaufen (hier sind die nämlich wirklich billiger, nicht wie in NYC). Naja, jetzt sind wir um ein paar Sportklamotten reicher. Dann noch schnell in den Supermarkt, key lime pie müssen wir noch mitnehmen, eine Spezialität Floridas. Picknick auf dem Parkplatz in der Sonne, warmer Asphalt verbreitet noch mehr Sommerstimmung. Hochsommer. Die Luft ist ziemlich drückend. Riecht fast nach Gewitter. Mal sehen, vielleicht kriegen wir doch noch einen für diese Gegend eigentlich obligatorischen thunder storm mit.  Vom weiteren Tag gibt es nicht viel zu berichten. Wir müssen ein paar hundert km abreißen, damit wir es bis abends nach Asheville, North Carolina schaffen. Je weiter wir nach Norden kommen, desto schlechter wird das Wetter und desto schneller fällt das Thermometer, bis wir irgendwann nur noch bei ca. 3°Celsius haben. Wir fahren und fahren. 8 Stunden. Dann finden wir eine rest area ca 12 Meilen von Asheville entfernt. Es ist wirklich scheiße kalt geworden. Und wir immer noch in Flipflops. Heute bauen wir unsere Betten besonders schnell, ziehen in Erwartung einer sehr kalten Nacht mehrere Schichten und Socken an. Na dann, „gute“ Nacht.

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Eastcoast Roadtrip mit Karo – Tag 4

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Mittwoch, den 03.04.2013

Es wird nicht langweilig, auch wenn es morgens  bisher immer ähnlich aussieht. Die Sonne scheint wieder als wir aufwachen. Kurze Morgenwäsche im Starbucks und runter zum Strand. St. Augustine Beach, Florida. Wir kurven ein bisschen ratlos herum. Hier ist alles zugepflastert mit Hotels. Rasen wie mit der Nagelschere geschnitten, Rasensprenger verrichten monoton ihr Werk. Die Gebäudekomplexe sind gar nicht mal so schön. Wir sind uns einig: Die Gegend um Charleston hatte definitiv mehr Charme. Trotzdem können wir nicht meckern: Wir finden doch noch einen Parkplatz dicht am Strand, hüpfen barfuss auf den sommerwarmen Asphalt. Es ist 8 Uhr und schon ziemlich warm, schwüler als bisher. Es sind Gewitter angesagt, aber noch ist der Himmel blau. Der Strand ist unendlich breit und noch unendlich viel länger. Oystercatcher und kleine weiße Vögel tummeln sich an der Wasserkante. Wir laufen, mit etwas steifen Knochen von der vergangenen Nacht. Die Beine sind noch nicht ganz wach. Dann findet Karo endlich ihren Aligator. Beweis:

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Uns tropft der Schweiß aus allen Poren, ich laufe das erste Mal nur im Bikinioberteil. Immer wieder der kritisch prüfende Blick zur Seite, auf den Oberarm. Ist da schon ein Abdruck zu sehen? Ein bisschen Bräune wollen wir schon mitnehmen. Damit das auch wirklich was wird mit dem Teint, gammeln wir nach dem Lauf noch eine halbe Stunde faul am Strand herum. Aber hilft ja alles nix: Wir stinken und müssen nach Wasser suchen. Unsere heutige Waschgelegenheit ist wieder eine öffentliche Dusche hinter den Dünen, umziehen können wir uns im Badhaus daneben. Klappt doch alles. Und voila, wir sind wieder frisch. Und das für lau. Frühstück wird heute gleich zum Mittagessen. Und weil wir am Meer sind gibt es Fisch und Salat (wir hätten auch Aligatoren Schwanz bestellen können, schließlich sind wir jetzt im „Gator Country“). Als die Teller vor uns stehen, sind wir uns sofort einig, dass wir solche „mediterrane“ Kost doch wirklich lieber mögen als das ganze junk food. Wir Europäer. Glücklich kauen wir auf unseren Salatblättern (Kanickelfutter, wie Oma sagen würde), dazu gibt es geröstete Pecannüsse, Cranberries, Rosinen, Gorgonzola und Mangodressing. Und auf diesem grünen Bett thront bei mir ein weißes Telapia Fischfilet, bei Karo rosafarbene Shrimps. Dazu streift uns eine seichte Meeresbrise um die Nase. Hach…On the road again. Keith Urban und Joe Nichols tönen aus dem Radio und bringen uns wieder in Roadtrip Stimmung. Mir fällt auf, dass ein ziemlich hoher Prozentanteil meiner iPod Musik von Leuten bekommen habe, die anscheinend von amerikanischen Radiosendern inspiriert wurden. Danke Annie, Julius, Josh. Dank euch kann ich lauthals mitsingen. Zur Verdauung des Fisches brauchen wir Kaffee und machen eine neue Erfahrung mit dem Starbucks drive-through. Genial: Geht schneller und man muss keine Namen angeben. Wieder ein Hamburg Süd Truck. Ich will kurzzeitig aufspringen, aber dann kommt mir in den Sinn, dass ich wahrscheinlich eher als das entsprechende Schiff wieder in HH sein werden. Lieber noch ein bisschen amerikanischen Lifestyle leben bis es wieder nordisch wird. Weiter gehts, diesmal in eine andere Himmelsrichtung. Erst ein Stück zurück nach Norden, dann machen wir die Biege nach Westen: Auf nach Tallahassee. Auf Wiedersehen Küste, hallo Country. Ich trage wieder meinen Hut, wir fühlen uns nach Cowboystiefeln und halten Ausschau nach Flea Markets am Straßenrand. Dann zerplatzen die ersten Regentropfen auf unserer Scheibe. Dunkle Wolken hängen über dem Highway. Das Grau des Himmels und die immer grüner werdende Vegetation. Farbenspiel. Durch die Lüftung strömt Sommerregenluft, nasses Gras und warmer Asphalt.  Wir drehen das Radio auf. Glück prasselt mit dem Regen. Karo trommelt auf dem Lenkrad, meine Zehen wippen auf dem Amaturenbrett, Dolly Parton singt Jolene,  „your voice is soft like summer rain“. Dann kann diese Stimme gar nicht mehr so zart sein. Ich dachte als Hamburger sei man ne Menge Schietwetter gewöhnt, aber Regen in Florida ist eine Nummer größer. Platzregen wortwörtlich, halleluja! Wir sehen kaum noch etwas, der Scheibenwischer überschlägt sich fast, wir können ihn keuchen hören.Um 16.30 Uhr kommen wir in Tallahassee an, heute Nacht dürfen wir uns bei Jeff’s Eltern einquartieren. Uns erwartet der pure Luxus. Bestes Essen (selbstgefangener Fisch, gartenfrischer Salat, frisch gebackener Pecannuss Kuchen), warme Duschen und weiche Betten. Womit haben wir so viel Gastfreundschaft verdient? Sue zeigt uns das Haus, Joe führt uns in seine Werkstatt, wo er Möbel anfertigt. Das halbe Haus haben sie selbst gestaltet. Wir sind fasziniert, so viel DIY ist großartig. Später holt Adam uns ab, wir lernen noch ein paar andere Leute kennen. Können noch immer nicht glauben, wie warm wir aufgenommen werden. In einer Bar sitzen wir und lernen vor allem eine Menge über College Sport Teams. Gegen ein Uhr nachts fallen wir totmüde, aber überglücklich auf echte Matratzen und kriechen unter richtige warme Decken und schlafen wirklich wirklich gut. Thank you so much!!

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Eastcoast Roadtrip mit Karo – Tag 3

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Dienstag, den 02.04.2013

„Ey, der Typ macht sich über meine Unterhose lustig“ ruft Karo mit einem Café in der Hand und deutet durch die Fensterscheibe der kleinen Bäckerei spielerisch empört auf einen Mann, der gerade grinsend unser Auto passiert. Unsere Sachen hängen zum trocknen, in die Fensterscheibe eingeklemmt, an der Autotür. Während wir in einem schnuckeligen Café sitzen und, surprise,  Kaffee, Bagel und irgendwie auch WiFi, also fb Nachrichten, frühstücken. Es ist halb elf und wir sind großartiger Laune. Und schon seit 3,5 Stunden auf den Beinen.

Wofür braucht man eigentlich Hotelbetten? Morgens im Auto aufzuwachen bringt einen dazu, ziemlich effektiv im Aufstehen zu werden. Man erwacht mit dem ersten Licht, zieht die obersten Klamotten aus dem Rucksack, zieht sich an,  dann wird noch alles umgeklappt und los gehts. Demnach fanden wir uns heute morgen um 7 Uhr schon auf dem Weg zum Folly Beach, einem Strand kurz hinter Charleston, South Carolina. Was uns da erwartete, das könnt ihr euch auf den Fotos anschauen. Schon wieder so ein absolut lebenswertes Fleckchen Erde. Während unseres Strandlaufs begegnet uns kaum eine Menschenseele. Kurzer sehnsüchtiger Surfcheck: Es brandet zu schwach, aber die Wellen brechen perfekt. Absolut definiert und sie laufen und laufen, für einen Beachbreak ziemlich gut. Noch steht kein Wind auf dem Wasser. Magische Morgenstunden. Nach dem Lauf spielen wir Yogis, verbiegen und dehnen uns am Strand. Alles glänzt und wir strahlen mit dem Morgenlicht im Einklang, OM! Die Strandduschen am öffentlichen Parkplatz sind saukalt, aber die einzige Möglichkeit für zwei Autoreisende mal wieder gut zu riechen.  Und danach fühlen wir uns so frisch, so frei und so so wach.

Weiter gehts Richtung Savannah. Ich habe mich  darauf verlegt, die Blogeinträge auf dem Beifahrersitz zu schreiben. Gleichzeitig ist der Laptop via Kabel ins autoradio eingestöpselt und wir haben die ganze Palette der 3567 Songs zur Auswahl. Das ist jetzt ein richtiger Roadtrip. Obwohl wir zwischendurch immer mal wieder auf das Radio ausweichen, weil es hier so unglaublich gute radio stations gibt. Aber erstmal versetzt uns good old Jack Johnson in Sommerlaune. Die Landschaft erinnert mich inzwischen an die Landstraße im Hinterland der französischen Atlantikküste im Spätsommer. Lange zweispurige Straßen, rechts und links Pinien oder Seekiefern, zumindest nadelige Vegetation. Braun und grün als dominate Farben, die Sonne lässt alles trocken, aber wunderbar nach Sommer aussehen. Und duften. Die Wärme schmeckt nach kurzen Klamotten und Barfußlaufen. My feet on the dashboard. Aus gegebenem Anlass hören wir Passenger Seat, Death Cab for Cutie.  „With my feet on the dash, the world doesn’t matter“. Auf der Straße haben wir schon zwei Hamburg Süd Container gespottet. Und Karo entdeckt ihre biologische Ader auf diesem Trip. Seit die Landschaft südlicher wird und rechts und links immer mehr Flussarme und Seen auftauchen, ist sie auf der Suche nach Krokodilen. Und dann kommen auch so Kommentare wie „Hm, meinst du im Turtle Creek gibt es Schildkröten?“ Wunderbar! Savannah nennt sich selbst „Schönste Stadt der USA“. Wir nehmen uns 1,5 Stunden um diese selbsternannte Perle im Bundesstaat Georgia zu erkunden.  Nett und warm ist es, aber naja, wir wollen es nicht übertreiben mit dem Lob.  Passt schon. Während wir Stunde um Stunde mit unseren durschschnittlich 60 mph dahin cruisen, arbeiten wir Karo eine thematisch passende Spinningstunde  mit dem Titel „Durch den Osten der USA“ aus. Mit den passenden  Liedern, die uns auf der Fahrt durch die Ohren und ans Herz gehen. Klopfen die Rythmen auf die Beine, treten im Geiste die Pedalen des im Stehen rasenden Rades. Geht das?  Wo ist der Beat? Genial, das geht total ab!  Die Meilen fliegen dahin, wir kratzen an der 1000 Meilen Marke. Und haben erst zweimal tanken müssen, $85 insgesamt bisher. Nice! Kurzes Abendessen in einer legendären Restaurantkette der Südstaaten, „Sonny’s BBQ Restaurant“. Unser Fleischbedarf für eine Woche ist gedeckt, riesige Portionen. Gut, dass wir schon gelernt haben zu teilen (vielleicht ist das die Moral von der Geschichte der riesigen Portionen in Amerika: Wir sollen teilen. Nur diesen Wink bisher keiner so richtig verstanden.) Whatever, das Essen war lecker! Wir überqueren die Grenze des Sunshine State um 18.30. Florida, check! Durchqueren  die erste Stadt, Jacksonville, an der Ostküste, die wir meiden können, so der Insidertipp. Apropos: Zu unserer Staaten Liste fügen wir hiermit Georgia und Florida hinzu. Das macht insgesamt 9 bisher (für mich sogar 10, ich war ja schon in California). Unsere geographische Kompetenz hat sich, was die USA angeht, schon eindeutig verbessert, da sind wir uns einig! Ein geplatzter Reifen geht übrigens NICHT auf unsere Konto, jedoch auf das eines Lasters genau vor uns. Glück gehabt, dass niemand links neben uns fuhr. Sonst wäre das mit dem Ausweichen schwierig geworden. Kurzer Adrenalinstoß im unschuldig anmutenden, Abendlicht.  Und weiter zu unserem heutigen Zielort: St. Augustine Beach, Florida, an der Atlantikküste. Morgen gibts es dann hoffentlich wieder Strand zu sehen. Jetzt müssen wir inmitten der ganzen Hotels in diesem Ferienort erstmal ein Abgeschiedenes Plätzchen finden, um unser Autozelt aufzuschlagen. Gute Nacht vom Parkplatz vorm Starbucks.

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Eastcoast Roadtrip mit Karo – Tag 2

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Montag, 01.04.2013

Die Sonne scheint als wir erwachen.  Ein golden-lila Morgen, noch frisch, crisp air. But beautiful! Die Scheiben unseres Chryslers sind nicht nur beschlagen, eher tropfnass. Wir schreiben den 1. April in das Kondenswasser. Es riecht nach Frühling als wir fröstelnd, aber bestens gelaunt zum Klohäuschen der rest area dackeln. Die erste Nacht im Auto war gar nicht mal so unbequem. Nur kalt. Aber wahrscheinlich werden wir von Tag zu Tag, Nacht zu Nacht besser. Gegen 7.30 Uhr rollen wir weiter auf dem Highway gen Süden, nächstes Ziel Charleston, ca. 600km weiter südlich an der Ostküste. Das Thermometer im Auto liegt schon bei 50°Fahrenheit. So sicher sind wir uns mit der Umrechnung in Celsius auch nicht, aber alles jenseits der 50 hört sich vielversprechend an. Die Straße entspricht nun mehr und mehr unseren Vorstellungen von einem amerikanischen Highway: Ziemlich viel Nichts. Bäume und Asphalt und der blaue Himmel. Genau das, was wir nach den Tagen in der Stadt und dem Manhattanstau gestern brauchen. Schilder am Straßenrand kündigen alle paar Meilen Essgelegenheiten an. Eine reichhaltige Auswahl: McDonals, Wendy’s, Burgerking, ‚Chick-fil-A‘ etc. Wir entscheiden uns frühstückstechnisch für das ‚Waffle House‘. Good choice!  Karo stellt fest: Die Anzahl von Menschen in rosa Plüschanzüge nimmt zu und generell werden die Gestalten massiger. Mein Gott, wir müssen wirklich in Amerika sein. Ein Roadtrip durch die (Oststaaten der) USA, das müssen wir uns immer wieder ins Gedächtnis rufen. Die Sonne strahlt weiter, wir sind mittlerweile bei 73°F angelangt und tauschen lange gegen kurze Ärmel. Musik versüßt die Highway experience (Annie, ich habe Rascal Flatts aus vollem Herzen und voller Kehle mitgesungen!) und mein Magen kribbelt jedes Mal, wenn in den Countrysongs der 94.7 radio station die Ortsnamen und Staaten auftauchen, auf dessen Grund und Boden unsere Räder gerade rollen. By the way, wir durchqueren einen Staat nach dem anderen. Bisher haben wir auf unserem Konto: New York, New Jersey, Delaware, Maryland, Virginia, North Carolina und South Carolina. In einem kleinen Ort namens Wilmington finden wir einen Fleamarket, Trödelmarkt, und gehen im Paradies stöbern. Diese Möbel sind der Wahnsinn. Wenn wir nur etwas mit nach Hause nehmen könnte. Alte Schränke, schönste Kommoden und antike Teesets, dazwischen Spiegel in rustikalen Rahmen und jede Menge Krimskrams, der das Herz erfreut. Unsere Ausbeute: Ein Cowboyhut, eine alte Schallplatte, drei Garderobenhaken und für den guten Zweck – und einen glücklichen Magen – eine Packung Girlsscouts Peanutbutter-Chocolate Cookies. Mit Randy Travis geht es weiter on the road. Karo lehrt mich den Tempomat zu nutzen und die ganze Fahrerei wird noch ne Runde chilliger. Es geht weiter, vorbei an hölzernen Dorfkirchen (es gibt vor jeder Kirche ein Straßenschild, dass auf die ‚Church‘ hinweist…), die eifrig die Osterbotschaft „He is risen“ auf  großen Plakaten verkünden. Stars und Stripes in fast jedem Vorgarten sind keine Besonderheit, hier und da rollen gelbe Schulbusse und Monstertrucks an uns vorbei. Ja, ja, wir müssen wirklich in Amerika sein. Verrückt. Die Straße führt uns schließlich an die Küste, das Örtchen Garden City Beach überrascht uns mit seiner Wärme und einem langen Strand. Da der kurze Hosen Kauf unerfolgreich bleibt, müssen wir eben gleich alle Hüllen fallen lassen: Ab in den Bikini und noch ein Stündchen die Zehen im Sand vergraben. Und ein paar Yogaübungen am Strand zu machen, oh ja! Wir sind gerade mal wieder richtig frei. Und die Abendsonne taucht die Szenerie dazu in ein wunderbar kitschig-güldenes Licht. Ommmmm. Als es dunkelt fahren wir weiter Richtung Charleston. Noch immer ungläubig, dass wir gestern noch Schals und Winterjacken trugen und heute schon am Strand lümmeln. Wunderbar. Jetzt liege ich im Auto, irgendwo kurz hinter Charleston. Wir haben auf einem Mallparkplatz geparkt und hoffen, dass uns hier niemand verscheucht. Aber bisher ist alles ruhig. Genialer Weise hat der Laden gegenüber WiFi herumschwirren und da habe ich mich ganz frech mal eingeladen, das Internet zu benutzen. Sehr praktisch. Also gut, ich begebe mich auf meine Thermarestmatte, in den Schlafsack und krieche halb in den Kofferraum. Eine richtige Höhle, unser Chevrolet. Gute Nacht.

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Eastcoast Roadtrip mit Karo – Tag 1

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Sonntag, 31.03.2013

Eine Weile nicht am Steuer gesessen zu haben macht einen ja doch etwas nervös, wenns dann wieder mal so weit ist. Autofahren. Und das in Amiland, wo man von rechts und links überholt… Meine Stimmung schwankt  zwischen Aufregung, Nervosität und Vorfreude, als Karo und ich uns an diesem Ostersonntag zum JFK Car rental aufmachten. Unseren Mietwagen abholen, der uns sechs Tage lang durch den Osten der USA kutschieren soll. Das wird der ungeplanteste Trip aller Zeiten Wir hatten null Muße irgendetwas zu organisieren. Gedanke über die Route haben wir uns kurz heute Vormittag beim Frühstück via google maps und ungefähren Distanzeinschätzungen gemacht. Kein Plan von nix, aber viel Lust auf Roadtrip-Abenteuer. Wir werden sehen, ob das gut geht. Oder vielleicht sogar besser wird. Keine Erwartungen und so. Immerhin haben wir jetzt eine ungefähre Route im Kopf: Von New York Richtung Süden, vorbei an Washington DC, nach Charleston, dann Savannah und schließlich Florida, St. Augustine Beach als südlichsten Punkt. Je nachdem wie viel Zeit uns danach bleibt werden wir uns gen Westen nach Tallahassee aufmachen und von dort den Rückweg Richtung Norden durch die Appalachian Mountains antreten. Die Abholung läuft wie geschmiert, wir adoptieren einen weißen Chevrolet. Ziemlich neu das Ding. Aber wir haben die Selbstbeteiligung im Schadensfall auf 0 reduziert – ein bisschen deutsche Sicherheit sitzt uns halt doch noch in den Knochen, trotz der amerikanischen Roadtrip-Freiheits-Träume. Aus Brooklyn raus schaffen wir es ganz gut. Dann macht aber das Navi komische Sachen, oder vielleicht haben wir auch zu vertieft dem Country Song im Radio gelauscht, jedenfalls verpassen wir eine Abzweigung und finden uns, du Schande, auf der Manhattan Bridge wieder. Dabei war das erste Ziel: Manhattan mit dem Auto meiden. Jetzt sind wir drin. Mitten drin. Und zwar so richtig. Im fettesten Stau. In den chaotischsten Straßen. Wir brauchen 2 Stunden bis wir den Stadtteil von Ost nach West durchquert haben, so langsam geht es voran – wenn überhaupt. Wir schnecken durch mein Büroviertel in Soho, niemals hätte ich mir träumen lassen, dass ich hier mal im Auto vorbeifahre. Whatever, das hat lange gedauert, aber jetzt können wir wenigstens behaupten uns im Manhattenverkehrswahnsinn behauptet zu haben. Check! Durch den Holland Tunnel entkommen wir den Massen.  Grau in grau verabschiedet uns NYC, neblig und regnerisch empfängt uns New Jersey. Bald fahren wir im Dunkeln.  Hat ja jetzt etwas länger gedauert… aber wir sind guten Mutes. Wir haben zwar eine Navi-Else, kaufen aber noch eine Papierkarte an der ersten  Tankstelle. Das macht mehr Spaß und man kriegt einen besseren Überblick. Für diesen Abend ist Washington DC Anfahrtspunkt. Beziehungsweise irgendein Rastplatz vor, hinter, bei Washington. Die letzten Meilen sind ein kleiner Kampf, wir sind echt müde. Irgendwann gegen kurz nach zwölf finden wir eine rest area am Highway, die recht belebt aussieht. Hier werden wir unser Nachtlager aufschlagen. Ein paar Umbaumaßnahmen im Auto und schon haben wir eine eigentlich ganz passabel aussehende Liegefläche geschaffen. Na dann mal ab in die Federn, Schlafsäcke. Und hoffen, dass keine Polizei an die Scheibe klopft – oder sonst wer.

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Wer hat an der Uhr gedreht?

D.R.E.I. Drei Monate. So lange habe ich es in letzter Zeit selten irgendwo ausgehalten. Ich fange gar nicht erst an, mich über die Zeit zu wundern. Sie verstreicht, natürlich! Und ich habe, naiv wie ich war, zu Anfang geglaubt sie würde hier in New York endlich kriechen statt rennen. Pustekuchen. PusteBLUME. Eis schmilzt, Frühling kommt. Ist Anfang, ist Ende und wieder Anfang und so weiter. Unglaublich aber wahr: Last day at work. 72 Spring Street ist ab heute keine tägliche Anlaufstelle mehr. Time to say goodbye. Thank you guys, I will terribly miss you!!!

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Visitors

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Welcome to New York. KARO und ELLI sind hier. Verrückt. Hier prallen gerade zwei Welten aufeinander. Sehr seltsam. Wunderbar seltsam. „Surreal but nice“, wie Elli treffend aus Notting Hill zitiert. Und dann treffen wir auch noch zufällig zwei Kuwistudentinnen aus Passau auf der Staten Island Ferry. Die sind auch überall… Nach ersten Shoppinganfällen am Broadway gab es für Karo und Elli den perfekten Einstand im Big Apple: Einen wunderbar kitschigen Sonnenuntergang, den wir mit einem spontanen Sprung auf die Staten Island Ferry besiegelten. Sonnenuntergang hin, Mondaufgang und erleuchtete Skyline her, sprich return trip. Der Besuch der beiden und der ferryride liessen mich spontan Parallelen ziehen. Mich daran denken, dass Passau und Manhattan sich in der Tat ein bisschen gleichen. Die (Orts)Spitze, die zwei Flüsse (und die somit inhärente Verwirrung vieler Touristen, an welchem der beiden Ufer man sich denn nun befände). Statt Donau und Inn, Hudson River und East River. Weird. Whatever. Eigentlich kann man den Vergleich auch lassen. War nur so ein Gedanke.

Am Abend mit schweren Beinen zurück nach Brooklyn: Unser Wohnzimmer wird zum Bettenlager, die Heizung ballert auf Hochtouren. Sauna, aber sehr gemütlich. Es gibt Chips, fruchtiges Bier und später noch Peanutbutter-Jam Sandwich. „So American!“. Während wir die Beine hochlegen und unser Bier süffeln, veranstalten Theresa und Jeff eine kleine Bandprobe. Es gibt nichts besseres als Gitarrenklänen und Teresas Stimme vom Sofa aus zu lauschen. Morgen ist Konzert angesagt. Morgen ist außerdem mein letzter Arbeitstag, da muss noch ein Brownie gebacken werden. Nach Singen, Backen und Bier ist uns so warm, dass wir uns nach frischer Nachtluft sehnen. Und es ist Vollmond. Wir schnüren die Laufschuhe und traben über den Asphalt, durch nächtlich leere Straßen. Spingen über Müllsäcke auf Gehwegen und heulen den Mond an. Bis wir Fort Greene erreichen, einen schlossähnlichen Park auf einem kleinen Hügel in Brooklyn. In dessen Mitte eine majestätische weiße Säule vom Mondlicht angestrahlt wird. Ahwooooooo! Ein Hund tollt herum, wir rennen, Stufen hinauf und hinunter, Handstand am Stadtrand.

Der weitere Plan? Morgen Abend also The Choir Diary Konzert in Greenpoint, Brooklyn. Freitag und Samstag Shopping, Sightseeing und co. Und Ostersonntag muss Elli schon wieder in der Flieger, während Karo und ich ein Auto gemietet haben und uns auf einen sechstägigen Roadtrip in Richtung Süden aufmachen. Wohin uns der WInd trägt oder der Highway? Unser Motto heisst bisher noch Spontanität. In wärmere Gefilde hoffentlich, vielleicht sogar die 1000 Meilen bis nach Florida. Mal sehen wie sehr wir unser Sitzfleisch strapazieren können und was uns auf der Strecke noch so über den Weg läuft. Vielleicht landen wir auch in Nashville bei den Country Singers, lassen uns in Virginia Beach an der Küste nieder oder bleiben schon gleich in Washington D.C. hängen. Wer weiß, mal wieder alles offen. Und gerade ist das sehr sehr gut so.

Und ich, ich habe danach dann auch noch ein bisschen mehr Zeit als erwartet. Zehn Tage habe ich drangehängt. Keine Ewigkeit, aber immerhin. Ich kann jetzt einfach noch nicht gehen – dieses Fleckchen Erde ist gerade zu perfekt!

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Wortlos

Meine Kommunikation: Eine Katastrophe, I know! Aber es gibt immer Gründe. Gute Gründe, seid beruhigt. Da schreiben stagniert, greifen wir auf Bilder zurück. For now. Das ist keine Lösung, überbrückt aber das Warten. Auf Worte. Die kommen wollen, da sind. Nur durch Finger und Gedanken gebunden, die keine Zeit finden und abschweifen. Das Mopped wird überholt, aber es wird wieder fahren. I promise.

gesehen bei VISUAL STATEMENTS(gesehen bei VISUAL STATEMENTS)

 

Upstate New York

Bei dem Video waren wir schon fast am Ende des Wochenendes angelangt und die Herren fast um ihren Verstand gekommen. Das müssen die dichten Wälder des Nordens verursacht haben, der Schock des Verlustes der Zivilisation. Was war geschehen:

Wir nehmen den Highway gen Norden, durch Queens, die Bronx. Zu fünft in Teresas Van, Matti, Ben, Katie, Jeff und ich. Auf dem Weg nach Upstate New York, nach Red Hook, um Alex zu besuchen. Ein kurzer Wochenendtrip. In unseren Köpfen spukt der Gedanke an frühlingshafte Wanderungen in romantischen Wäldern, an knisternde Kaminfeuer und beschauliche Ruhe in ländlicher Umgebung. Fast eine Stunde dauert es bis uns der Großstadtdschungel aus seinen Klauen entlässt, bis die Landschaft sich zu verändern beginnt. Sich das Land hügelig und dicht bewaldet neben der Straße erstreckte  und wir geradewegs in die Natur hinein zu rollen scheinen. Auf dem Highway den gelb leuchtenden Mittelstreifen entlang gleiten, der sich wie in einem Instagram bearbeiteten Foto irgendwie nostalgisch harmonisch schön mit dem blauen Himmel, den weißen Wolken und dem Grau des Asphalts mischt.  Klick, Erinnerungs-Momentaufnahme im Kopf,  und am besten als Untertitel noch ein Zitat von Henry David Thoreau. Auf dem Weg halten wir an der „Country Kitchen“, einem kleinen Restaurant an der Straße und platzen bald aus allen Nähten, denn die Bedienung mit Hasenohren a la Hugh Heffner serviert stereotypisch amerikanische Portionen. Im leichten Fresskoma, mit Reste Doggybag für Alex – Gastgeschenk – auf dem Rücksitz geht es weiter, tiefer in die Wälder, weiter weg von NYC. Zweieinhalb Stunden, dann parken wir auf der engen Auffahrt vor einem kleinen hellblauen Holzhaus mit großem Garten. Die Luft ist frisch, aber die Sonne scheint und macht Lust auf einen ausgedehnten Spaziergang. Den machen wir dann auch, inklusive Schneeballschlacht im Unterholz. Irgendwann landen wir in einem spärlich bevölkerten Örtchen i einer Bar, die eigentlich noch gar nicht eröffnet wurde. Aber Joe, der Barbesitzer (keine Ahnung wie der wirklich hieß, aber wir nennen ihn aus literarisch-ästhetischen Gründen mal so) winkt uns zurück und wir dürfen die ersten Gäste spielen. Wir kriegen nicht nur ein Bier und vor allem jede Menge Stories von Joe und seinem Bruder zu hören. Nebenbei dudelt die digitale Jukebox. Der Laden ist und wird großartig. Und unsere Bild wird an der Wand hängen, das verspricht Joe, weil wir die ersten hier waren. Auf dem Rückweg finden wir eine alte Scheune, die Graffiti und das Licht der untergehenden Sonne auf und in sich trägt. Was für eine Kombination. Wir entdecken und erforschen, klettern und springen und tasten uns vorsichtig über morsche Holzplanken. Wir sind mitten im Wald. Hier ist sonst niemand. Gut, dass wir so viele sind. Alleine könnte dieser Ort ziemlich unheimlich sein. Aber so ist er einfach nur magisch. Der Abend endet mit Pizza am Kamin und einem zweiten Barbesuch im nahegelegenen Städtchen Red Hook.

Am Sonntag gehen wir Laufen, genehmigen uns ein ausgiebiges Frühstück und machen uns auf zu einer Ausstellung im Bard College (http://www.bard.edu/). Danach schauen wir uns noch ein bisschen den Campus an und fahren hinaus, um den Poet’s Walk zu laufen. Bis hinunter zum Hudson River. Wir spazieren über weite Wiesen und ich frage mich, warum das Ding Dichterweg heißt und ob gleich Thoreau doch noch aus irgendeinem Gebüsch gestürzt kommt. Oder zumindest ein Schauspieler mit Gedichten auf den Lippen. Come on, America – wo ist deine Entertainment Ader? Aber nein, es bleibt ruhig und beschaulich und der Wind weht durch das Gras und die Sonne kommt hervor und vielleicht, vielleicht ist das die Poesie dieser Szenerie. Ben hingegen entdeckt seine kindliche Seele und rollt den nächsten Hügel hinunter bis seine Jacke nicht mehr grün, sondern braun vom Match des letzten Regens ist. Eine alte Eisenbahnbrücke erregt schließlich unser aller Aufmerksamkeit und wir klettern hinunter, zu den Schienen und zum Fluss. Werfen Steine, finden rostige Nägel, tollen auf den Gleisen herum. Das lassen wir dann aber doch lieber, als sich ein Zug ankündigt und wir geschwind hinter die Böschung springen. Rückweg. Dann ist es irgendwie auch schon wieder Zeit zum Aufbruch. Wir verabschieden Alex, fahren ein Stück, finden fürs Abendessen wieder ein sehr amerikanisches Resto – bald kann ich dann auch kein junk food mehr lecker finden – und fahren dem Big Apple entgegen. Mit herrlich leichtem Herzen. Ein geniales Wochenende!

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B2B – Bronx to Brooklyn

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Erstens war ich noch nie in der Bronx und zweitens lange nicht im Zoo. Und irgendwie ist es zwar ganz schön frostig an diesem Sonntag, aber wir sind entschlossen einen Sonntagsausflug zu machen. In den bekannten Zoo der Bronx. Jeff und ich kommen aus Brooklyn, Matti sammeln wir schon auf halber Strecke gen Norden in Harlem auf.  Dass wir uns den Allerwertesten abfrieren werden ist ziemlich schnell klar. Schon auf dem Weg zum Eingangstor weht uns ein schneidender Wind entgegen und unter meine zu kurze Sommerjacke. Meine Nase ist jetzt schon knallrot. Aber wir sind trotzdem vorfreudig gestimmt. Nach den ersten paar Metern flattern wir dann auch erstmal ins House of Birds, vor allem weil es dort nach tropischen Temperaturen riecht. Die Vögel sind eher Nebensache, wir streifen an Glasfronten vorbei, überfliegen (…) die Schilder und beschließen „No reading!“ zu unserem heutigen Motto zu machen. Nur gucken, keine tiefsinnigeren Bildungsansprüche an diesem Tag.

Auf Vögel folgt das übliche Getier: gefleckte Raubkatzen, paarungswillige Affen (von einer Gruppe begeistert analysierender Kinder beobachtet, deren Eltern sich hingegen entgeistert an den Kopf fassen), Flamingos (rosafarbenes Gefieder, weil Farbstoffe in ihrem Futter enthalten sind – das mussten wir kurz lesen!), Wildviecher , Reptilien, knutschende Bären. Und das Highlight: Das Mouse House. Wie süß! Nach ein paar Stunden spürt dann niemand von uns mehr seine Zehen und wir suchen den nächsten Ausgang. Im Sommer muss dieser Zoo ein Traum sein, wenn die Picknickdecke nicht mehr am Gras festfriert (gefühlt).

Zurück steigt Matti nicht in Harlem aus, denn wir sind noch zum Pizzaessen eingeladen. In der hauseigenen Pizzaria von Mike, dem Hausmeister des Goethe Instituts. Für diese Einladung nehmen wir einige Streckenkilometer Subway auf uns – der Laden liegt fast bei Coney Island. Aber das lohnt sich! Die Eggplant-Parmigiana Pizza ist grandios, genauso die Knobibrötchen und überhaupt ist eigentlich alles delicious. Außerdem ist die Atmosphäre so entspannt und gelassen wie man es sich nur für einen Sonntag Abend nach einem kalten Zooausflug wünschen kann. Schade nur, dass wir noch wieder zurückfahren müssen. Danke Mike!

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Frühlingsgefühle

Die Sonne scheint in New York heute morgen.
Zeit, an den Sommer zu denken, die Gedanken hinunter, herüber an den Atlantik zu lenken. Schonmal gedanklich das Wippen des Schreibtischstuhls in das Schaukeln der Hängematte zu verwandeln, wieder Seekiefernduft und Neopren zu atmen. Dünen zu erklimmen. Um dahinter das Meer zu finden.

https://www.youtube.com/watch?v=wTvwBGKlU8o&feature=player_embedded

Team Fridolin

„Hier ist der Start, dort  ist das Ziel. Dazwischen musst du laufen.“ (Emil Zatopek)

Bevor einer fragt: Fridolin ist die Katze eines ehemaligen Mitarbeiters. Warum die in die Geschichte eingegangen ist und ihr Name jetzt auf Team-Tshirts gedruckt wird, don’t ask me. Jedenfalls habe ich den kompletten Freitag Nachmittag damit verbracht, den Balkon mit Sprühfarbe zu verwüsten. Damit ich am Samstag wie Grace, Thomas und Hannah auch im Team Tshirt auflaufen kann. Ein Shirt professionell zu bedrucken, das lassen sich die New Yorker mit $45 aufwärts nämlich teuer bezahlen. Dann doch lieber DIY. Die letzten Tage hat sich der New Yorker Himmel nicht gerade farbenprächtig gezeigt und das gipfelte dann am Freitag in einem grandios ekelhaften Mix aus Schnee und Regen. Demnach war die kreative Bastelsession in Gammelklamotten ganz passend angesiedelt. Als das Mistwetter allerdings abends immer noch anhielt kamen mir leichte Zweifel an der makellosen Wettervorhersage für Samstag, die blauen Himmel und Sonnenschein versprach.

Aber tatsächlich, um 6:15 Uhr heute morgen fiel kein Schnee, es ging die Sonne. Auf! Und ich lief los. Auf der Brooklyn Bridge kitschiger Weise der Sonne entgegen. So ganz ohne Touristenströme zu dieser frühen Stunde. Die Flatbush Avenue hinunter, durch Brooklyn bis zum Prospect Park. Startschuss für den Lauf war um neun, ein 5k‘ race einmal rund um den Park. Mit dem Team Fridolin und Jeff. Vorbei an verschneiten Wiesen, im Einklang mit weißen Atemwolken von der Morgenfrische. Später dann eher Dampfwolken, weil die Sonne höher und der Kurs (an)gestiegen war. Nach einer guten halben Stunde war schon wieder alles passé und wir waren bereit für Frühstück, self-made bei Grace. Zünftig amerikanisch mit to-go Kaffee, Omlette, bacon und doughnuts. Inklusive Musik vom Plattenspieler und in der Gesellschaft von Katze Cleopatra und Hund Scarlett. Ein nicht ganz gewöhnlicher Morgen in Brooklyn, eine ungewöhnlich schöne Art den Tag zu beginnen. Um den Kreis zu schließen setzten Thomas und Hannah mich vor einer Brücke auch wieder ab, diesmal die Manhattan Bridge. Die bietet auch am Tag, wenn die Brooklyn Bridge schon lange von sonnenhungrigen Touristenströmen eingenommen ist, noch jede Menge Platz zum Laufen. Downtown Manhattan queren, durch Menschenmengen in Chinatown, hinüber an den Hudson. Und dann hoch, gen Norden, zurück in die Upper West Side. Und dann erstmal duschen.

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Straßenstreifzüge

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…und ein link zum Blog der Frankfurter Buchmesse. Ich durfte ein bisschen was über das Festival Neue Literatur zum Besten geben:

http://blog.buchmesse.de/2013/02/25/deutsche-autoren/

a lifelong quest

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„It can never be wrong to start with the ocean. To head off to the mountain. Getting lost in nature. Experience is the least thing you get. and this is all that counts. How it opens the heart if a wave crashes on the surface, a surfer speeds along the face of the wave. If the width of a mountain panorama manifests itself in front of your eyes  and how the freedom works its way into your chest. A lifelong quest. For a life that you want and have to live. That quest is going to follow you. There is not much these days that lasts for a long time. Things have become so flexible, changable. But this feeling is going to last. Forever. And I am going to deal with it my whole life. The question is if this is a burden or a blessing.“

(unknown)

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Leif Randt in einem Interview mit Zeit-Online zur Frage: Was ist denn junge deutsche Literatur?

„Oft Beziehungsgeschichten, die in jungen, akademischen Milieus stattfinden, in Großstädten, in WG-Küchen, in denen die Morgensonne in einem bestimmten Winkel hereinfällt, während der Kaffee gekocht wird. Und es gibt ziemlich abgründige Emotionen, die oft mit der Familie zu tun haben. Man ist sehr medienerfahren, die Figuren haben viele Serien und Filme gesehen, es herrscht eine Grundabgeklärtheit. Die Konflikte sind unausgesprochen und schweben. Die Dinge werden nicht beim Namen genannt, sondern durch die genaue Beschreibung der Sonne auf dem Küchentisch ausgedrückt. Das kann oft ganz schlimm sein. Manchmal aber auch gut.“

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2011-05/interview-leif-randt-prosanova

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EBM – The Espresso Book Machine

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Keine Höllenmaschine, eine Himmelsmaschine. Ein Traum für jeden self-publishing Enthusiasten. Die Espresso Book Machine. Ich habe versprochen zu berichten. Im unabhängigen Buchladen McNally Jackson in Soho, fünf Minuten von unserem Office entfernt, steht also so eine EBM. Zunächst hat das (leider) nichts mit Kaffee zu tun – den gibt es im McNally Café nebenan. Aber dafür druckt und bindet diese Maschine in Rekordzeit Bücher. Richtige, professionell aussehende Bücher. Das bedeutet jeder kann ein entsprechend formatiertes PDF (es gibt einen DIY formatting guide der alles erklärt) an den Buchladen schicken, die füttern die Maschine mit den Daten und dann geht es los. Die EBM ist im Prinzip nur zum Binden des Buches da. Ein ganz normaler Drucker druckt die Seiteninhalte (schwarz weiß), ein zweiter Drucker druckt den Bucheinband (ggf. farbig vorne und hinten) und alle Seiten werden dann automatisch in die EBM weitergereicht. Die kennt das gewollte Format, stutzt alles zurecht, bindet und spuckt dann schlussendlich das fertige Buch aus. Der ganze Vorgang dauert nicht länger als 5-10 Minuten. Mindestanzahl der Seiten sind 40, maximale Anzahl 800 Seiten. Für ein 100 Seiten Buch sind es ca. $10, die der „Autor“ zahlen muss. Aber McNally bietet auch noch sämtliche Servicepakete an, beispielsweise proof reading, die Präsentation des Buches im Geschäft, online placement, Kontakt zu Lektoren etc. Das kostet dann zwar extra, aber insgesamt ist das Ganze nicht unbezahlbar.

Eigentlich wurde die EBM für print-on-demand entwickelt, sprich um Bücher zu drucken, die so im Buchhandel nicht oder kaum verfügbar sind. So können zB freigegebene GoogleBooks gedruckt werden. Dieses print-on-demand macht allerdings nur noch 5% der Maschinennutzung aus, 95% der gedruckten Manuskripte sind self-publishing Werke. Es ist hier in den USA um einiges normaler als beispielsweise in Deutschland, sich nicht an einen Verlag zu wenden, sondern sein selbstverfasstes Manuskript im Selbstverlag rauszubringen. Dafür ist die Unterstützung von McNally und der EBM großartig, weil man es zumindest schonmal zu einer Präsenz im Buchladen geschafft hat.

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EBM locations

Ich musste dann sofort mal rausfinden, wo es überall diese EBMs gibt. An dieser Karte sieht man, dass es erstens noch nicht viele gibt und dass doch ein erhebliches Ungleichgewicht bzgl des Vorhandenseins von EBM zwischen den USA und Europa existiert. Kulturell kaum verwunderlich – mal wieder ein Ausdruck des ‚American-Dream-Do-It-Yourself‘ Gedankens schätze ich. Sogar Alaska hat eine EBM, in Deutschland geht da hingegen gar nichts. Ich hätte gedacht, dass es wenigstens eine Maschine irgendwo gibt. Neuseeland hat auch keine. Zwei Locations, die unbedingt aufholen müssen… Dafür müsste man vielleicht das self-publishing in Deutschland ein bisschen pushen und eine geschickte Geschäftsidee entwickeln…es scheint, als wäre man damit tatsächlich noch eine Art Pionier, was ja heutzutage meistens unmöglich ist – etwas zu machen, was noch (fast) kein Anderer getan hat. Bedauerlicherweise sind die EBMs nicht gerade günstig. Immer an irgendwelche Druck-, Wartungs- und Nutzungsverträge gebunden. Mit dem start-up Finger schnipsen ist da wohl nciht so einfach. Und dann wird natürlich jede Menge Kritik laut, nämlich dass dann zunehmend der letzte Mist gedruckt werden kann, Druckereien, Verlage und Versandtunternehmen werden überflüssig etc etc.

Trotzdem, irgendwie ist das Ding genial. Man kann auch einen Blog binden lassen…vielleicht  kommen die NY Beiträge ja in ein Buch, da muss ich mal ein ernstes Wörtchen mit McNally reden. Un einen Espresso drüber trinken.

Vorsätze

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„Franz war erfreut, diese Bekanntschaft gemacht zu haben. Er äußerte seine Verwunderung, daß Rudolph in so früher Jugend schon von der Welt so viel gesehn habe. »Das muß Euch nicht erstaunen«, sagte jener, »mein unruhiger Geist treibt mich immer umher, und wenn ich eine Weile still in meiner Heimat gesessen habe, muß ich wieder reisen, wenn ich nicht krank werden will. Wenn ich auf der Reise bin, geschieht es mir wohl, daß ich mich nach meinem Hause sehne, und mir vornehme, nie wieder in der Ferne herumzustreifen; indessen dauern dergleichen Vorsätze niemals lange, ich darf nur von fremden Ländern hören oder lesen, gleich ist die alte Lust in mir wieder aufgewacht. So bin ich auch schon Spanien durchstreift, ich habe Valencia und das wundersame Granada gesehn, mit seinem herrlichen Schlosse, den fremden, seltsamen Sitten und Trachten, ich habe die Luft der elysischen Gefilde von Malaga eingeatmet, und kenne den Manserrate mit seinen Klöstern und grünbewachsenen Klippen.“

(aus Ludwig Tiecks Franz Sternbalds Wanderungen, Kap.16)

MJ Day

Manche Tage ziehen einfach vorbei, grau und belanglos und dann ist ein Tag wie der andere. Von manchen Tagen aber erwartet man nichts….und bekommt alles. This day will go down in history as Marc Jacobs Day. Zumindest in Goethe und GBO Kreisen.

Ich habe verpennt, dabei wollte ich endlich mal wieder disziplinierter trainieren. Das regelmäßige Lauftraining hat in den letzten zwei Wochen durch SF und das Festival ziemlich gelitten. Um 7.30 schnüre ich also hastig die Laufschuhe, wenigstens eine halbe Stunde. Aber es ist denkbar unentspannt mit der Zeit im Nacken durch den Park zu hasten. Trotzdem fühle ich mich etwas wacher als ich in den B Train steige um zur Arbeit zu fahren. Und irgendwie bin ich tatsächlich früher dran als sonst. Effizienz und Zeitdruck arbeiten gut zusammen. Hätte ich auch noch länger laufen….ach egal. Im Büro kündigt unsere Direktorin Riky an, dass wir am Montag von einer Gruppe chinesischer Publishing Professional Besuch bekommen. Und wir interkulturell Kompetenten (Riky hat im übrigen auch Kuwi in Passau studiert) wollen den Besuchern natürlich etwas bieten. Ich fliege also aus mit dem Ziel Chinatown, das eh gleich bei uns um die Ecke beginnt. Mission: Chinesischen Tee, chinesische Cookies und Fortune Cookies (für uns!) kaufen. Die Sonne kommt raus und ich habe so gar nichts dagegen noch ein bisschen draußen herumzulaufen, anstatt mich gleich an den Schreibtisch zu pflanzen.

Chinatown ist immer einen Ausflug wert. People watching. Und Tiere. Vor mir öffnet ein Lastwagen seine Türen und ich blicke auf zukünftige Mittag- und Abendessen: Schweine hängen von der Decke des Transporters. Uh, vielleicht geh ich doch mal zu dem Vegetarian food festival, das dieses Wochenende in NY stattfindet. An der nächsten Ecke finde ich Glückskekse, stolpere danach in einen chaotischen Supermarkt und wieder über Tiere. Diesmal seafood, aber noch lebendig. Scheren zwicken, Fühler zucken, eine Frau steht vor einem Bündel länglicher Muscheln und betatscht immer wieder ruckartig das hervorquellende helle Fleisch. Ganz überzeugt von der Frische scheint sie nicht zu sein. Ich brauche ungefähr eine halbe Stunde bis ich mich endlich für ein paar Kekse und Cracker entschieden habe. Dieses Angebot überfordert mich. Und hier spricht außerdem kaum jemand Englisch. Da kann ich noch so oft fragen, was Chinesen denn kekstechnisch am ehesten zum Frühstück essen – ratlose Blicke und unverständliche Worte. Ich lächle einfach nur, thank you.

(Hier käme jetzt der Part, in dem ich euch über meine neueste Entdeckung berichte. Denn nach Chinatown musste ich noch in einen Buchladen, um einen Besichtigungstermin für die Chinesen zu besprechen. Aber diese Entdeckung verdient einen eigene Runde auf dem Blogmopped, heißt: es gibt einen separaten Beitrag zum Buchdruck der etwas anderen Art. Großartige Sache, diese Espresso Book Machine. Stay tuned!)

Als ich zurück ins Office komme herrscht eine ungewöhnliche Stille. Kaum jemand hämmert in die Tastatur, niemand telefoniert, überhaupt ist alles wie ausgestorben. Nur ein paar vereinzelte Plätze sind noch besetzt. Und auf meinem Schreibtisch liegt ein schwarz-weiß gestreiftes Armband. Die Empfangsdame schlurft an mir vorbei und weil ich anscheinend etwas verwirrt dreinblicke sagt sie nur: „Go down to 10th floor. Sample sale at Marc Jacobs.“ Marc Jacobs nimmt bei uns im Gebäude so vier bis sechs Stockwerke ein und die Mitarbeiter blockieren ständig den Fahrstuhl, weil sie zwischen den floors hin und her stöckeln(!). Ich lade die gelben Chinatowntüten ab, tüdel mir das Armband um und mache mich auf die rund 10 minütige Reise, um einen Stock tiefer zu kommen. Ab hier endet die Zeitwahrnehmung. Als ich eintrete steckt das halbe Goethe Institut und GBO bis zum Hals in Designerklamotten, wühlt auf Bargaintischen herum, trägt Kleiderbügel von A nach B. Inmitten von gefühlt 200 anderen eifrigen Shoppern. Die Raumtemperatur beträgt circa 40 Grad und animalische Instinkte blitzen aus dem ein oder anderen Auge hervor, zeichnen sich durch so manchen aggressiven und hektischen Handgriff ab. Meins! Das Beste finden! Alles so günstig! Schnell! Lass das bloß hängen, das hatte ich gerade ausgesucht!

Wir verbringen mehr als 2 Stunden im Kaufrausch. Nichts kostet hier mehr als $15. Normalerweise gibt es bei MJ wohl nicht mal einen Schnürsenkel für diesen Betrag. An Arbeit denkt in diesem Moment niemand mehr. Da man hier unerklärlicher Weise nur mit Checks zahlen kann und kaum einer von uns sowas besitzt, kommt kurz Panik auf. Wie sollen wir die ganzen Schätzchen bezahlen? In der Not aber hält man zusammenhalten: Dustin rettet uns. Wir dürfen mit seinem Check bezahlen. Also alles auf eine Rechnung. Die Endsumme ist $660 und das Endergebnis ein gigantischer Stapel Klamotten. Es dauert eine Weile bis man uns an der Kasse abgefertigt hat. Aber das macht nichts. Wir diskutieren über eine Geschäftsidee: Edle Klamotten weit unter dem Normalpreis anbieten, keine Spiegel und keine Anprobemöglichkeiten anbieten. Diese drei Komponenten und voilà, die Leute kaufen wie blöd. Nur sind wir uns noch nicht sicher, wie wir uns eine MJ ähnliche Reputation beschaffen können. Egal, wir sind glücklich. Im Büro geht das Geschnatter weiter, Sachen werden verglichen. Man bestätigt sich gegenseitig wie schön alles aussieht und dass das aber nun wirklich ein Schnäppchen war. Danke Marc Jacobs, du hast uns den Tag im Büro ungemein erträglich gemacht.

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More Festival Snap Shots

2722©gudrun_olthoffVIP reception am Donnerstag, mit Prof Friedrich Ulfers, den Sponsor des FU Preises und Dr Christoph Bartmann, Direktor des Goethe Institutes NYC IMG_3979Martini Time im Superfine in Brooklyn… ich mag diese Oliven nicht. Aber sieht halt gut aus…grace bentje brittany IMG_3989Wir haben da echt ne nette Truppe fuer das Festival gefunden. Lustige Abende, vor allem wenn Drinks gesponsort werden:) IMG_3997 P1050625Book store „PowerHouse Arena“ in Brooklyn, DUMBO (down under Manhattan Bridge overpass) area. Lesung zum Thema „Closed Circuits: Shrunken Dystopias“.P1050640Literary Brunch im Deutschen Haus, NY University P1050635zwischen den Hochhaeusern hat sich die NYU ein paar nette Haeuschen gesichert P1050637Waren schon ein paar Leute da. Es gab Essen umsonst…P1050639Brittany und Grace vom GBO IMG_4059 1903_10151370291484221_1433021994_n 13007_10151370316004221_1533581662_n 387553_10151370286049221_133720880_n„sleeping picture“…after-dinner-fun nach der Lesung419234_10151370286879221_1393959774_n IMG_4062Autorin Ulrike Ulrich, „fern bleiben“ und Grace vom GBO P1050689 P1050653 P1050659 Buchhandlung McNally Jackson in Soho am Sonntag Abend. Lesung zum Thema „Breaking Away: Contemporary Travelogues“ P1050664„Geschickte“ Platzierung der Weinbar in der Buchhandlung McNally Jackson, Soho – direkt vor den Selbsthilfebuechern…P1050668Dustin und Riky vom Goethe Office und GBO P1050680Autor Leif Randt, „Schimmernder Dunst ueber CobyCounty“ (Buchtipp!!!) P1050684 image(c) John Harris image-1(c) John Harris image-3(c) John Harris image-4(c) John Harris 544354_10151370312674221_621125697_n

Nachtzug nach Lissabon

„Vergeh dich ruhig, vergeh dich an dir selbst und tu dir Gewalt an, meine Seele; doch später wirst du nicht mehr Zeit haben, dich zu achten und zu respektieren. Denn ein Leben nur, ein einziges, hat jeder. Es aber ist für dich fast abgelaufen, und du hast in ihm keine Rücksicht auf dich selbst genommen, sondern hast getan, als ginge es bei deinem Glück um die anderen Seelen … Diejenigen aber, die die Regungen der eigenen Seele nicht aufmerksam verfolgen, sind zwangsläufig unglücklich.”

(Marc Aurel, Nachtzug nach Lissabon von Pascal Mercier)

Nachtzug nach Lissabon gehört zu den Büchern, bei denen man Angst hat, wenn sie in einen Film verwandelt werden. Enttäuschung ist quasi vorprogrammiert. Gregorius, Prado, Coimbra, die portugiesischen Worte – sie hören nicht auf zu wandern. Vier Jahre ist es her, dass ich es das erste Mal gelesen habe. Aber dieses Buch bleibt. Nachtzug nach Lissabon ist wie eine Sammlung an Zitaten. Und jetzt kommt es in die Kinos. 7. März 2013 ist Stichtag. Ich bin skeptisch, aber überrascht: Der Trailer ist verdammt vielversprechend. Das Hörbuch zum Buch ist wirklich wirklich gut, fast besser als das Buch selbst. Vielleicht macht das ein bisschen Hoffnung, dass der Film auch etwas kann.

Und wenn wir schon bei Trailern und philosophischen Gedanken sind: Check out this blog and the videos in it. So inspiring. An awesome way to live one’s life, I guess…

http://ontheroadwithrayson.tumblr.com/

Festival Neue Literatur

Nach langer Vorbereitung wurde am Donnerstag Abend endlich das Festival Neue Literatur mit einer großen reception im Goethe Institut eröffnet. Sechs deutschsprachige Autoren und zwei US Autoren werden das ganze Wochenende über in Brooklyn und Manhattan Lesungen abhalten und an Diskussionen teilnehmen. Wir haben ordentlich zu tun. Aber bisher läuft alles wie geschmiert. Die erste Veranstaltung am Freitag an der Columbia University, eine Interviewrunde mit Literaturstudenten, war ein voller (im wahrsten Sinne des Wortes) Erfolg. Und dazu wirklich inspirierend. Das Catering ist erstklassig: Wir werden mit Häppchen abgespeist und mit Wein abgefüllt – könnte schlimmer sein. Am Samstag geht es weiter mit einer Lesung und Diskussion zu Dystopien in der Literatur, Sonntag folgt ein literarischer Brunch und danach eine Lesung zu Modern Travelogues. Ein paar Bilder vom Empfang gibt es schon. Weitere folgen nach dem Wochenende.

http://festivalneueliteratur.org/

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Wir haben es in The New Yorker geschafft, das macht schon was her!
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The Left Coast

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Zugegeben, das Blogmopped hat in der letzten Zeit ein bisschen gestottert. Es ist nicht so, dass es zu wenig Sprit hatte. Eher ein mittlere bis große Überdosis an Zündstoff, die verdaut werden musste. Kleine Explosion im emotionalen Tank. Während der letzten Woche schien sich die Welt doppelt so schnell zu drehen und gleichzeitig im absoluten Stillstand zu verharren. Ideen blitzen im Geist, aber Eindrücke erdrücken wenn sie in Scharen kommen. Ich konnte noch nicht schreiben, ich musste erstmal nur staunen und erleben und vielleicht auch ein bisschen Abstand gewinnen. Langsam bekomme ich aber Schiss vor meinem persönlichen Himalaya an konfusen Notizen, die sich auf den Seiten meines Tagebuches stapeln. Keine Angst, spurlos geht hier gar nichts vorbei. Ich brauchte nur etwas, um alles Erlebte in lesbarer Form auf das Mopped zu schnallen. Aber jetzt ist es höchste Zeit Ordnung ins Chaos der vergangenen Tage zu bringen.

Wie beschreibt man Perfektion ohne dass man in Kitsch und Floskeln abdriftet? Mit welchen Worten füllt man Zeilen, damit ein Text so lebendig wird wie das Erlebte? Ich zermatere mir den Kopf, wie ich von den fünf Tagen San Francisco authentisch berichten kann. Akzeptiert den Kitsch, wenn er euch über den Weg läuft. Es geht nicht anders. Voilà:

Es gibt Orte, die erinnern einen daran wer und wie man ist, vielleicht daran wer man mal war und vor allem wer man sein will. Eine unserer Autorinnen des Literaturfestivals hat hinten auf ihrem Buch dieses Zitat stehen. „Wir vergessen unsere Träume. Aber unsere Träume vergessen uns nicht.“ San Francisco hat sich von hinten angeschlichen und mir ohne Vorwarnung einen Lebensentwurf vor die Füße geknallt, der immer da war. Der mir lediglich in diesen letzten Wintermonaten gedanklich irgendwie abhanden gekommen ist. Mit Pauken und Trompeten, Sonnenschein und Meer ist die Stadt in die alltäglich gewordene Seele einmarschiert und flutet seitdem durch alle Gedanken und Gefühle.

SAN FRANCISCO. Eine Stadt, die bis vor einer Woche auf meiner persönlichen Weltkarte noch einen ziemlich weißen Fleck darstellte. Keine Bilder, keine Gerüche und Erlebnisse, keine Sehnsüchte, die ich mit diesem Ort verband. San Francisco war nicht mehr als ein Name für mich, blass, bis auf ein paar Schwärmereien von Freunden und die persönlich belanglose Assoziation der weltbekannten Brücke. Ich glaubte insgeheim nicht mal daran, dass mich eine Stadt in Amerika wirklich begeistern könnte. Da haben wir es wieder: keine Erwartungen. Beste Voraussetzung für eine RIESENüberraschung.

JetBlue Airways ist nicht Ryanair. Ich habe im Flieger sogar mehr Beinfreiheit als in der Holzklasse bei Lufthansa oder einem anderen Nicht-billig-Flieger. Daumen hoch für supersize seats der Amis. Sieben Uhr dreißig am Morgen und ich, überhaupt gänzlich ohne Schlaf diese Nacht, will gerade meinen iPod einstöpseln und noch vor dem Start eindämmern, da flötet eine helle Stimme in den Lautsprecher der Kabine „Happy Valentine’s Day guys „. Die Stewardess hat sich in den Kopf gesetzt, Liebe zu versprühen. „Do you feel the love? If not yet, we will make you feel it!“ Der Steward grinst sich einen und legt ein kleines Tänzchen hin. Kurz nach der Landung begrüßt man uns mit einem „Welcome to LOVELY San Francisco“. Ha, indeed: San Francisco. Ich trete aus dem Terminal und kann jetzt schon nicht mehr aufhören zu grinsen. People wear short sleeves, ahhh, how awesome is that! I get the feeling that I am much more the California-type-of-person than a New Yorker. Wie gut, dass ich den Backpack genommen habe, back to travelling. Ich spüre das Reisefieber aufwallen und halte meine blasse Winternase in die kalifornische Februarsonne. Hier ist Zeit, hier ist Wärme und ganz in der Nähe auch irgendwo das Meer.

San Francisco erinnert mich an eine Reihe von Orten, die ich in den letzten Jahren kennengelernt habe. Es scheint mir wie eine gelungene Mischung aus Sydney, Wellington, Nelson, Raglan und den Kanaren. Die Stadt schmiegt sich in die Natur, so ganz anders als das verglaste und betonierte New York. Mit seinen Hügeln und schroffen Klippen, Stränden und Coastal Trails, Palmen und südlichen Bäumen und Blumen. Und natürlich dem Pazifik. Das Geschrei von Möwen, gehisste Segel der Schiffe in der Bucht. Hier ist alles sandfarben. Der sunrise und sunset verwandelt die Szenerie täglich zweimal in ein Märchen. Da ist wieder der Kitsch. Aber ganz ehrlich, wenn ihr die Golden Gate Bridge, die Bay und den Coastal Trail in einem solchen Licht sehen würdet, dann kann man gar nicht genug Schmalz auflegen, um den Anblick zu beschreiben. Die ganze Zeit kommt es mir vor, als bekäme ich nonstop eine aufputschenden Droge eingeflöst. Ich kann einfach nicht aufhören in mich rein und aus mir raus zu grinsen.

Nach einem Strandlauf ziehe ich die Schuhe aus und dippe mit meinen weißen Füßen vorsichtig in die kleine beruhigend schwappende Uferwelle. Huh. Ich tänzel einige Male vor und zurück bis ich länger in dem kühlen Wasser stehen bleiben kann. Weiter draußen in der Bucht ziehen hartgesottene Triathleten ihre Bahnen im Morgenlicht. Das Wasser ist so seicht und alles um mich herum noch so still. Nur die Vögel sind da. Man hört sie hier und auch das macht einen Unterschied. Es flattert Freiheit, zwitschert Exotik. Westcoast – „left coast“ – du bist so schön. Barfuß wandere ich langsam zurück zum Hostel. Über den Strand, dann auf dem Asphalt. Und spüre wie das raue Pflaster meinen Füßen den Sommer einhaucht. Ich komme mir vor wie ein buddhistischer Mönch in seiner Achtsamkeitsmeditation – ich bin so unglaublich entspannt und hier und hier und einfach nur hier. So viel Glück hat sich seit langer Zeit nicht aufgehäuft. Und dabei ist es erst 8 Uhr morgens.  Ein Waschbaer kreuzt meinen Weg. Er dreht kurz den Kopf, huscht den Hügel hinauf und dreht sich oben nochmal mit einem leicht vorwurfsvollen Blick zu mir um: Ich störe die Ruhe vor dem (Touristenan)Sturm. Ich wandere den Municipal Pier hinunter und lehne mich am Ende gegen die Mauer. Die Bay in Licht und Schatten, der Sommermorgen mit leichter Brise streicht über meine Arme. Unter mir im Wasser krault ein Schwimmer. Als er beim Richtungswechsel aufschaut grinst er mir zu, hebt den Daumen und ruft schnaufend und etwas zu laut (weil er Ohrstöpsel trägt) „Hey, good morning. It’s quite chilly in here“.  Ich grinse, natürlich. „Good job“ , aber ich bin mir nicht sicher, ob er das hört. Schon nimmt er den Rythmus wieder auf und entfernt sich Richtung Strand. Ich halte meine nicht mehr ganz so winterweiße Nase in die Sonnenstrahlen. Tatsächlich habe ich im Spiegel schon ein bisschen Farbe auf den Wangenknochen entdeckt. Sweet! Gedanken kreisen, ob man hier nicht tatsächlich leben könnte. Wie viel Lebensentwurf zeichnet man selbst? Wie viel Freiraum braucht das Leben, um die besten Geschichten zu schreiben und wann greift man ein, um selbst zu schreiben?

Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag – Sonne. Und Unterwegssein. Ein unendlicher stream of conciousness. Wir frühstücken in einem Straßencafé, sitzen draußen und können die Wärme auf dem Gesicht kaum aushalten. Luxusprobleme. Sehen Chinatown, Fisherman’s Wharf, schlendern die World’s Crookedest Street an einem lauen Sommerabend hinunter. Auf den Cable Car Schienen balanciert man über das ratternde Seil, Straßengebirge erklimmen, um vom baumbewachsenen Hügel bei Nacht die Lichter der Stadt zu erblicken. Wir werden zum geheimen Pizzagourmet in einer Seitenstraße des Ocean Beach, entdecken Surfshops und sprechen mit Locals, die einem davon abraten in der Schweinegrütze von Brandung surfen zu gehen. Aber man solle doch nach Santa Cruz weiterfahren, da gebe es definierte Wellen und Perioden von bis zu 30 Sekunden. Ein antiker Käfer am Straßenrand, Preis $2000, lässt mich kurz tagträumen, dann aber doch lieber Rückzug in die windgewogenen Dünen. Als die Sonne tiefer sinkt und der Wind kühler wird verlassen wir den Strand. Ein Bier in der Surferbar an der Ecke, die vom Abendlicht durchflutet wird. Viel eher eine Szene aus einem kalifornischen Surffilm als die Wirklichkeit. Vielleicht wahr, vielleicht Traum. Und vielleicht auch mal wirklich beides vereint. Selbst der graue Himmel am Montag kann das Licht nicht wirklich trüben. Abreisetage müssen grau sein. Die Book Bay, eine kleine second-hand-Buchhandlung auf dem alten Militärgelände Fort Mason bietet Wolkenschutz. Und schwerwiegendes Handgepäck. Man kann ja nicht ohne Buch gehen.

Wie bunt San Francisco in meiner mind map geworden ist kann ich immer noch nicht glauben. Jemand hat den ganzen verdammten Malkasten, inklusive Buntstifte, Filzstifte, Wachsmalstifte und sämtlicher Glitzerstiftvariationen über mir ausgekippt. Man lebt Jahre vor sich hin und dieser Platz existiert die ganze Zeit. Ein bisschen unheimlich, wie viele solcher Plätze man nie kennenlernen wird. Ich beschließe es andersherum zu sehen: wie viele solcher Orte einen noch von hinten, vorne oder von der Seite anspringen werden. Wann wir uns wo und wie wiederfinden und für welchen Lebenslauf, -weg und -entwurf wir uns entscheiden, wenn so etwas wie diese Stadt einfach plötzlich unerwartet um die Ecke schaut und freundlich einladend winkt. Da soll noch mal einer sagen, das Leben wäre auch nur ansatzweise berechenbar. Kaum planbar. Eher sonderbar, ganz sicher aber wunderbar.

Ich warte am Flughafen. Mein Hoch flacht etwas ab. Sadness kicks in. Ich will nicht zurück. Habe ich erwähnt, dass ich amerikanische Flughafentoiletten hasse? Nicht nur, dass die Kabinen eher aus Schlitzen statt Wänden bestehen. Vor allem verstehe ich die Leute nicht, die sich bei zwanzig verfügbaren Kabinen genau in meine Nachbarkabine drängen. Und dann noch nicht mal vorauspreschen, sondern in peinlicher Stille abwarten. Es ist ein stiller Kampf, ein Lauschwettbewerb.  Bis einer den Anfang macht oder das Papier zu knittern und knistern und reißen beginnt oder eventuell sogar kapituliert und gleich die Klospülung rauschen lässt. Das ist mir zu viel fremde Intimität. Das Örtchen der Stille ist passé, hmpf…ich geh im Flugzeug. Das hat dann über eine Stunde Verspätung. Aber eigentlich ist mir das egal. Ich bin froh, wenn ich noch länger westcoast Boden unter den Füßen habe. Und morgen früh muss ich eh direkt mit dem Backpack ins Büro marschieren. Bei dem Gedanken grinse ich dann doch wieder. Was für ein Trip.

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SHIT happens…

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Fisherman’s Wharf Hostel – perfekte Lage, direkt am Wasser
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Gemeinsamer Sonntagsausflug: Hunde an Bord
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Pupsi, was machst du in einer Galerie in San Francisco??

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Ich bin sowas von weg und sowas von hier…

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Ohne Worte, viel kann ich (noch) nicht schreiben. Nur: Das alles hier ist ein Traum, da bin ich mir sicher. Ich habe gerade Zeit ein paar Bilder hochzuladen, waehrend ich mir das spaete Hostelfruehstueck, Bagel und Kaffee, zwischen die Kiemen schiebe. Ungeduldig. Ich muss da wieder raus. Bin heute morgen schon drei Stunden am Wasser unterwegs gewesen. Never miss the sunrise in a place like this. Diese Stadt, liebe Leute, ist der Wahnsinn. Sorry, New York, aber du kannst echt einpacken. Mein Herz, meine Seele UND mein Verstand haben die Westcoast entdeckt.

Ich berichte ausfuehrlicher, wenn meine Fuesse mich nicht mehr tragen moegen. Aber bis dahin setze die Sonnenbrille auf den Kopf, streife ein kurzes(!!) Tshirt ueber und nehme die Beine in die Hand. Und bin auf und davon, Huegel  zu erklimmen und Straende zu erwandern. Und Flipflops zu kaufen.

Country, Theater, Bier und die Biege machen

Moin moin, kann man schon sagen. Die Uhr oben rechts auf dem Desktop zeigt 0:32 Uhr. Ich gähne und blicke mich im Zimmer um: Ein einziges Chaos. Der Backpack liegt halb gepackt auf dem Boden, viel zu viele Klamotten. Wie immer. Ich würde jetzt sehr sehr gerne schlafen gehen, aber das ist für heute Nacht nicht eingeplant. Warum? Erzähle ich später. Erst gibt es ein kleines update der vergangenen Tage:

Nachdem wir Nemo also offensichtlich unbeschadet überstanden hatten und auf den sonnigen Samstag auch noch ein überaus schöner Sonntag folgte, endete das Wochenende mit einem Konzert. The Choir Diary, eine vierköpfige Countryband, versorgte uns mit erstklassiger Countrymusik in einem stylischen Westernsaloon in Brooklyn. Die vier sind wirklich großartig.

Gestern morgen wurde unser Büro von Harmonie durchflutet…diese zwei Herren trainierten ihren gleichmütigen Geist auf dem Nachbardach. Das gute Karma zog praktisch durchs offene Fenster zu uns herein. Herrlich. Vielleicht sollte ich doch wieder anfangen zu meditieren. Über den Dächern von NY hat das auch wirklich Stil.

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Inzwischen bin ich übrigens ein richtiger Ami geworden: Ich habe drei Jobs. (Kleiner Witz am Rande, von unserem Englisch Tutor Milosevic: Bill Gates in a public speech: „We have created a lot of jobs in the past“. A man in the front row shouts: „I know Bill, I have got three!“) Neben dem Praktikum im GBO gehe ich also gelegentlich Babysitten bei einer deutschen Familie und gerade habe ich drei Abende im Theater ‚Usher‘ gespielt. Also nicht den Sänger imitiert oder so, sondern  ganz schlicht Karten abgerissen und alte Leute in ihre Sessel platziert. Für das Stück einer österreichischen Schauspielerin, Mercedes Echerer, die zur Zeit eine Woche hier gastiert. Ziemlich lustig und ziemlich gut gespielt…wie man das eben so macht, wenn man in einem EInmannstück 32 Rollen inkl. verschiedenster Dialekte verkörpert. Respekt!
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Ach ja, und dann ist Anton plötzlich in New York aufgekreuzt. Da sagen wir mal wieder „Danke, Facebook“. Ohne den virtuellen Schuppen wären wir nämlich niemals zum beer tasting gekommen. Eindeutiger Favorit: Purple Haze aus Louisiana. Aber das Brooklyn Lager (‚Lychee Bier‘) kann auch was. Dunkles Ale kann dagegen garnüscht.
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image_1360740391032573Organische Drogen….Whole Foods sagt, wenn man eine Kapsel mit dem ersten Drink einnimmt, dann gibts am nächsten morgen keine Kopfschmerzen. Ich war in der Tat sehr fit heute. Da muss ganz viel Placebo Wirkstoff drinnen stecken.

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Es ist 1:37 Uhr. Wenn diese Bettdecke mich nur nicht so anlächeln würde. Aber jetzt noch eine Stunde zu schlafen macht die Müdigkeit eher schlimmer. Ich gehe besser Duschen. Der A train fährt um 3:30 Uhr zum Kennedy Airport. Um 7:30 geht mein Flieger. East to West. Am Montag ist Feiertag  und Donnerstag/Freitag ist diese Woche mal frei. Urlaubstage ausnutzen, d.h. es ist Zeit für eine kleine, inneramerikanische Reise. SAN FRANCISCO, CALIFORNIA. Adieu, ich verkrümel mich in die Sonne.

SCHNE(E)MO

New York ist keine Stadt für alte Leute. Und kein Ort für Leute ohne wasserfeste Schuhe. Liebe Omas, wenn ihr das hier lest (und seht), dann dürft ihr euch nie wieder über den Straßenräumdienst in Deutschland beschweren. Hier wird nämlich maximal für die Autos Schnee geräumt. Fußgänger müssen sehen wie sie zurecht kommen. Bei Ampelübergängen gibt es folgende Optionen: Mit Anlauf über eine Schneemauer springen oder durch ausladende Seen mit oft verheerendem Tiefgang schwimmen. Oder gleich beides. P1040847

Ein Blizzard ist also über uns hinweggefegt. Kleine Wetterlektion von Wikipedia: „Der Blizzard ist ein starker Schneesturm, der hauptsächlich in Nordamerika auftritt. Ein Blizzard entsteht infolge eines kräftigen Kaltlufteinbruchs aus Richtung der Polarregionen. Dabei dringt die polare Kaltluft in Tiefdruckgebieten bis weit nach Süden vor, da auf dem nordamerikanischen Kontinent keine in Ost-West-Richtung verlaufenden Gebirge existieren.

Ein nordamerikanischer Blizzard definiert sich über folgende Erscheinungen:

  • Temperaturen von −6 Grad Celsius oder tiefer
  • hohe Windgeschwindigkeiten ab Windstärke 7 Bft
  • große Mengen an Schnee mit Sichtweite von weniger als 400 Metern
  • Dauer von über drei Stunden“

Letzte Nacht hat der Wind gewütet und jede Menge Schnee in den streets und avenues verteilt. Schon beachtlich was da runtergekommen ist. Nach Notstand hat sich das alles aber nicht angefühlt und heute morgen schien malerisch, entgegen aller Erwartungen, eine wunderbare Wintersonne von einem klaren blauen Himmel. Perfekt für einen WInterspaziergang. Das hat sich so ungefähr die gesamte Bevölkerung New Yorks gedacht und direkt mal den Central Park mit erhobenen Schlitten und Langlaufskiern erobert. Da bot sich wieder das Ufer des Hudson an. Inzwischen habe ich das Gefühl, dass der Park dort noch ein Geheimtipp ist. P1040848 P1040851 P1040852 P1040853 P1040858 P1040860 P1040861 P1040863 P1040867 P1040869 P1040871
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Das Puppy Window. Erste Euphorie…“oh sind die süüüüüß“…


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…zweite Überlegung und mal nachgedacht, Tierhaltung und so…. „Die Armen, bäh:(“

Schnee und Sonne tragen immer Skiurlaubserinnerungen in sich. Uns war nach Hütte zu Mute und dann zeigte die Uhr (das Handy) schon Kaffee und Kuchen Zeit. Das einzig Richtige in diesem Moment: Auf zur Landbrot Bakery, um mit Apfelstrudel den Tag ausklingen zu lassen. Herrlichst.P1040872 P1040873 P1040874

Blizzzzzzard warning…

Apocalypse im Anmarsch? Snowpocalypse, wie Matti aus dem Büro es nennt. Hier oben pfeift und windet es um den 11. Stock. Die Häuser in der Ferne versinken in einer dicken Nebelsuppe. Mit geschlossenen Augen verändert sich die Szenerie, hocke ich am Fenster einer reetgedeckten Kate, um die der Nordwind peitscht und Dünengras statt Straßenschilder biegt. Kleiner Sehnsuchtsanfall der nordischen Seele. Ist es vermessen zu sagen, dass ich gerade lieber auf einer Insel in Nordfriesland wäre als hier? Wenigstens stürmt es. Ein bisschen mehr Natur als sonst. Noch ist es Eisregen, der gegen die Scheiben prasselt. Eigentlich ganz gemütlich hier drinnen. Wir fantasieren von einem Wochenende im Büro: Ein Sofa ist da, eine Decke hat Grace in der Schublade, Kaffee, Musikanlage, die Bibliothek mit Büchern und DVDs – zur Not ließe sich der Sturm auch hier aussitzen. Und das vielleicht gar nicht mal so schlecht. Aber bevor es soweit kommt das wir einschneien, sprich das Auswärtige Amt ein Machtwort: Wir schließen auf Grund des Wetters um 14:30 Uhr. Gut, wenn das quasi als Befehl von oben kommt, da kann man nix machen. Dabei ist Freitag und wir wären alle so gerne bis 17 Uhr geblieben…

C.U.S.T.O.M.I.Z.E.D.

Ich bin ja nicht so für Materialismus. Und auch nicht shoppingfanatisch oder so. Bisher habe ich mich mehr als zurückgehalten, den Klamottenläden eine ziemlich frostige Schulter gezeigt. Nur leider habe ich kürzlich entdeckt, dass ich mit einer anderen subway Linie um einiges schneller zur Arbeit komme. Und da hat sich auch der Fußweg von der Bahn zum Büro geändert. Bentschie läuft jetzt immer schön den Broadway entlang. Vorbei an Hollister (pff, da ist und bleibt die Schulter eisigst), Zara, Billabong, Urban Outfitters, ja, auch an Victoria’s Secret. Da kann es gar nicht beim Windowshopping bleiben. Und dann war da dieses kleine, bescheidene Schaufenster mit ca. 200 Paar Chucks fein säuberlich aufgestapelt: Converse. Ich wollte wirklich nur mal kurz reinschauen, aber DIE. DIESE SCHUHE WAREN PERFEKT. Oder?

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Und DIE, DIE sind customized. Das kann man in dem store nämlich machen. Sich sein eigenes Muster aussuchen und es draufdrucken lassen. Customizing. Den eigenen Bedürfnissen anpassen. Und ich hatte ein sehr großes Bedürfnis, oh ja! Und jetzt warten wir auf den Sommer. Zumindest auf Tage ohne Schneematsch. Wunderbar. Wunderbest.

Wenn ich schon dabei bin: Hier sind noch ein paar Bilder vom Wochenende. Ich wusste nicht, dass hier Blumenkohl auf der Straße wächst. Da darf dann auch wirklich kein Hund sich drauf, drunter, wo-auch-immer erleichtern. „Please curb your dog“ steht vor jedem kleinen Gärtchen.

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(Ich glaube es ist nicht wirklich Blumenkohl…nur für die Leichtgläubigen unter euch;))

Und dann war ich noch in Europa, gefühlt. In den hohen Hallen einer riesigen Kathedrale. Um genau zu sein in der Cathedral Church of Saint John the Divine in the City and Diocese of New York. Wikipedia sagt:

„Mit 11.240 m² Grundfläche, einem Volumen von 476.350 m³ und einer Länge von 183,2 m ist sie die größte anglikanische Kirche und nach dem Petersdom und der Basilika Notre-Dame de la Paix die drittgrößte christliche Kirche der Welt.“

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Unbedingt Liken auf facebook. Verspricht himmlischen traffic für die Facebookpräsenz. Falls nicht: Sünde und Fegefeuer! Vielleicht gibt es aber die Beichtapp, dann passt alles. Und Beichte ist in der Anglikanischen Kirche auch gar nicht soooo entscheidend: „Alle dürfen; keiner muss; einige sollten.“ Danke, das hat mir auch gerade Wikipedia geflüstert.
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Eine Erinnerung an 9/11, die mir zwar einerseits gefiel, die andererseits aber auch ziemlich unheimlich wirkte.
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Samstag Abend gab es ein bisschen JAZZ in Brooklyn auf die Ohren. Sehr entspannt, in einer netten Location.

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Whole Foods

Sonntag Mittag. Lunchtime.

Ich sitze im Whole Foods Market, einem Supermarkt der Extraklasse. Zum Vergleich: Alnatura ist dem gar nicht so unähnlich, aber Whole Foods ist eben Amerikanisch, also größer! Vor allem aber ökologisch bis auf die letzte Karotte. Hier drinnen schreit alles „Nimm mich – Ich bin bio, öko, organic, sustainable“. Die Wände sind grün, die Tische in der seating area aus „River-Recovered Heart-Pine“ Holz, natürlich! Schilder erinnern an die Recyclingaktivitäten, an composting, clean energy und overnight energy savings. Natürlich gibt es eine „Whole Food Foundation“, eine „green mission“ und den slogan „Whole People – Whole Planet – Whole Food“. Eigentlich ist man schon wirklich ein guter Mensch, wenn man nur hier isst und einkauft. So schlimm ist das alles gar nicht mit dem Planeten und wir tun ja auch schon ganz schön viel. Auch für unsere eigenen Körper – „Victory comes with Vitamins“. Sündenerlass erfolgt mit der Rechnung quasi sofort. Man fühlt sich einfach gut und suhlt sich im eigenen Gutmenschsein. Amen! So oder so ähnlich muss sich die Geschäftsführung die psychologische Reaktion der Kunden vorstellen…

Neben des „normalen“ Einkaufsgeschehens im Untergeschoss, gibt es ausladende Buffettische (Antipasti, Salat, Veggie, Fleisch etc etc) , von denen man das Essen selbst zusammenstellen kann. Auch stehen hier Köche hinter Theken, die einem das Qualityfood direkt verpacken oder aufwärmen. Alles hochwertigst! Whole Foods ist dadurch ziemlich beliebt als breakfast, lunch oder dinner option. Fast wie ein Restaurant. Sieben Tage die Woche, 8 bis 23 Uhr geöffnet. Der Laden ist immer voll, besonders am Wochenende. Familien, einzelne Einkäufer, angehende Autoren (?…so viele Leute schreiben hier etwas, schauen vertäumt oder nachdenklich in die Luft, schreiben wieder…), lernende Studenten – sie alle lassen sich hier für fünf Minuten bis Stunden nieder. An jedem zweiten Tisch wird eifrig in die Tasten des Laptops getippt, an jedem(!) Tisch dann und wann die empfindsame Oberfläche eines Smartphones, iPads oder e-readers gestreichelt. Außerdem ist der Laden für meetups (meet-up.com) ein sehr beliebter Treffpunkt. So saß ich letztes Mal neben einer Gruppe durchschnittlich 60jähriger Amerikaner, die sich zu einem Poetry Meetup trafen und ihre selbstverfassten Gedichte diskutieren.

Zurück zum Essen. Ich habe heute eine Mischung aus Cranberry Couscous, italienischem Gemüse und Fleisch, Thunfischsalat mit Äpfeln und Cashewkernen. Nehme ich eine hässliche grüne, aber wiederverwendbare Schüssel statt eines Pappbehälters für mein Essen, werden mir 15 cent vom Preis abgezogen. Würde das jeder machen, mahnt eine Tafel,  produzierten die USA viel weniger Müll. Ich frage mich kurz, wie Whole Foods dann noch Recycling bewerben könnte und beschließe, dass die braune Pappschachtel auch nicht so schlecht sein kann. Immerhin ist die nicht aus Plastik und mir viel sympathischer als der grüne Hundenapf. Dafür esse ich ja am nachhaltigen Tisch, dessen Holz MINDESTENS 200 Jahre alt ist und irgendwann aus einem Fluss gefischt wurde. Als ich sitze verkündet ein Plakat vor meiner Nase, dass Spargel das Gemüse des Monats ist.  „For the love of vegetables“. Yey! Dann guten Appetit.

Fazit: Auch wenn diese stark betonte, doch irgendwie künstlich wirkende Nachhaltigkeit leicht überwältigend auf meinen hungrigen Magen wirkt: nett ist es hier schon. Und lecker. Und ideal zum people watching und außerdem funktioniert das kostenlose wifi tadellos!

http://wholefoodsmarket.com/whole-foods-market?utm_referrer=

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Buchtipp

Ich beginne damit, die Bücher der Festival Neue Literatur Autoren zu lesen. #1 ist durch. Ulrike Ulrich ist eine der Autorinnen, die Ende Februar zum Festival nach NY kommen. fern bleiben kann ich allen empfehlen, die noch nicht völlig genervt sind von der Diskussion um die Generation der 20 bis 30, sagen wir vielleicht 35jährigen. Die sich noch Gedanken machen mögen und müssen wohin es geht, gehen soll, gehen kann und gehen wird.

Lo fährt mit dem Zug durch Europa und darüber hinaus, man denkt an den klassischen Backpacker. Losfahren, wenig duschen, frei sein (wollen), interessante Leute treffen. Ist auch ein bisschen so.  Allerdings hatte Lo, bevor sie losgefahren ist, einen richtigen Job. Sie ist keine desorientierte Studentin mehr. Wenn dann schon eher Typ Aussteigerin. Und sie leidet auch nicht an knapper Kasse. Das eigentlich Neue an der ganzen Sache ist: Sie steig immer nur um, nie wirklich aus. Das stresst irgendwie, aber genau darum geht es: Eine gewisse Getriebenheit. Erstmal noch nicht anzukommen. Sich nicht festzulegen. Sich nicht zu entscheiden, sondern immer auf der Suche zu sein. Nach irgendetwas, das sich richtig anfühlt. „Strenggenommen war ja auch Aschenputtel schon als Kind im falschen Film. Es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Das ist so ein Satz, der ihr immer wieder in den Kopf kommt, zusammen mit der Frage, was ein Leben im Richtigen sein könnte. Ihr kommt das Leben immer richtiger vor, je fremder sie sich fühlt. Und sie ist sich nicht sicher, ob es daran liegt, dass sie sich im Falschen bewegt, oder daran, dass sie selbst nur in der Bewegung und nur vor dem Hintergrund des Fremden wahrnehmen kann“. Ulrich schreibt gedankenvoll, nah am Leser. Lo erkundet Seelenlandschaften, fährt emotional Achterbahn und ist dabei dem eigenen Ich oft ganz nah. Immer wieder Gedanken, die man selbst schon gedacht, Beobachtungen, die man selbst schon getätigt hat. Alltagsphilosophisch. Darum liest es sich so schnell und leicht und schön. Lest mal was!

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Aber auch Benedict Wells „Becks letzter Sommer“ nicht vergessen. Das ist noch schöner!!

Still waiting on the world to change

Wenn ich im Office zwischen der Amerikanischen und der Deutschen Tastatur hin und her switche (weil ich ab und zu mal ä,ö und ü brauche), dann ändern sich auch ein paar Buchstaben. Da wird NY dann ganz schnell mal zu NZ. Und deshalb machen wir jetzt mit New Zealand weiter….

Das Internet vergisst nicht. Nie. Was man nicht alles so wiederfindet in dem alten Datenhaufen. Blogs aus alten Zeiten. Ich hätte nie gedacht, dass die noch funktionieren. Neuseeland ist immerhin mehr als 4 Jahre her. Linas Blog funktioniert sogar noch einwandfrei. Bei mir schwächeln die Bilder, aber die Texte sind noch frisch und knackig wie eh und je. Großartig. Und seltsam zu lesen. Hat zwar nicht so viel mit NY zu tun, aber! Viel Spaß beim Stöbern in der Vergangenheit, verliert euch nicht darin! Sie hängt immer ein bisschen hinten dran, die Gute. Alte. Zeit.

http://blogs.statravel.de/bentschie/blog

http://blogs.statravel.de/linajo/albums

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„Geduld ist das Vertrauen,

dass alles kommt, wenn die Zeit dafür reif ist.“

Nach 8 Monaten Neuseeland und 5 Monaten der Verwahrlosung (…) bekommt dieser Blog wieder eine Aufgabe (tja, irgendwie hatte ich mir wohl Berichterstattung aus Passau vorgenommen)…sweet as!

Gerne würde ich behaupten, der Grund sei eine erneute Reise. Doch dieses Mal liegt das andere Ende der Welt nur ca. 750km weiter südlich von Hamburg City. Eine eigene Kultur gibt es hier dennoch….

Hier? Das ist Passau. Die Stadt in der äußersten Ecke Bayerns. 250km bis Prag, 180km bis München.

Eine Zwischenstation auf der Suche nach dem „endless summer“, um schnell ein paar kulturell-kapitalistisch geprägte ECTS Punkte einzusammeln, die Alpen zu erklimmen, den Geist aufzurütteln und irgendwann „well educated“ mit einem Bachelor im Gepäck wieder in die weite Welt aufzubrechen.

„Warum überquerte das Huhn die Straße?

– Um dorthin zu gehen, wohin noch kein Huhn gegangen war!“

Gehabet euch wohl…and keep me up-dated what life’s like out there!

Bentschie

….hm, und dieser „Abschluss“ meines Blogs macht mich stutzig. Ist irgendwie unheimlich. Diese Worte sind so simpel, aber zwischen ihnen und mir hier klafft…ewas. Ein anderes ich, eine ganze Welt. Dazwischen türmt sich ein Etwas, das Studium heißt. Das Reisen und Menschen und alle Arten von Erlebnissen beinhaltet. Ein ganzer Lebensabschnitt. Drei verdammte Jahre. Und diese Worte stehen sich so naiv die Beine in den Bauch, dass es einem fast schlecht wird. Das ist irgendwie brutal, weil dieser Text dort ist und ich hier und dazwischen eine riesige Fläche mit Bergen und Tälern und Meeren und Wäldern liegen sollte, aber in dem Moment des Lesens wird das alles ganz brutal zusammengestaucht serviert: Bon appetit, deine letzten drei Jahre.

Meet me in Montauk

-M-O-N-T-A-U-K

Der Name dieses Ortes hat mir seit einer kleinen Ewigkeit im Kopf herumgespukt. Irgendwann habe ich ganz willkürlich den Roman aus dem Bücherregal zu Hause gezogen. Absolute Begeisterung vorzugeben wäre Heuchelei. Ich mochte ihn nicht besonders. Nur ein paar wenige Stellen habe ich angestrichen, ein paar gute Gedanken finden sich meistens irgendwo zwischen den Zeilen.  Jedenfalls habe ich Montauk sofort googlemapsen (Anneke, das ist für dich) müssen und weiß seitdem, dass es der so ziemlich letzte Ort auf Long Island ist. Circa 3 Stunden Autofahrt von NY entfernt – bei amerikanischer Geschwindigkeitsbegrenzung zumindest. Dann kam dazu, dass dieser Film – „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ – teilweise dort spielt. „Meet me in Montauk“, ein hängengebliebenes Zitat. Dieses Bett mitten am Strand, mit Jim Carey und daneben Kate Winslet mit blau-pink-orangefarbenen Haaren. Abgedreht. Und natürlich die Suche nach den Surfspots nicht zu vergessen. „Ditch Plaines“ bei Montauk ist dabei nicht wegzudenken. Zahlreiche Point Breaks reihen sich am Ende der Insel aneinander.

Wie es der Zufall so will habe ich also mit meinen Mitbewohnern Ron und Anna vor eineinhalb Wochen gemütlich auf der Couch gesessen. Wir sind aufs Surfen gekommen und Ron erzählt von seinem Freund John, der verrückt nach Wellen und Boards ist. Und hey, eigenlich könnten wir den mal besuchen, der wohnt in MONTAUK. Ihr könnt euch mein Gesicht vorstellen….

– Ja, wie, seriously or what?

 – Sure!

Was wir von einem Wochenendausflug halten würden…

– To Montauk? I’ve always wanted to go!

 – So, let’s do it!

– Let’s do it!

Und so sitzen wir Sonntag früh im Auto Richtung Montauk: Ron, George (ein weiterer Freund von Ron), Anna und ich. Ein Roadtrip der Sonne entgegen, mit HERRlichem Jazz Musik Talk vorne und glücklichen StrickFRÄULEINS hinten auf der Rückbank.

Montauk. Es riecht nach Kaminfeuer. Geräuchert, nach Holz und Meer. Das Donnern der Brandung dringt bis ins Haus. Ich muss an Jackett’s Island, Neuseeland denken. Wieder bin ich in einem Haus am Strand gelandet. Bei Unterkünften scheint mir das Glück wirklich hold zu sein. Ich schicke zum Dank eine Opfergabe aus mentalen Heringen und Muscheln an Neptun. Und an John, der uns dieses mehr als nette Häuschen zur Verfügung stellt. Überall liegt hier Surfzeug herum – Boards, mindestens 10 Stück, Wetsuits in allen erdenklichen Millimeterstärken. Einen Busch vor der Tür schmücken Neoprenschuhe, die wie Weihnachtsbaumkugeln auf die Zweige gesteckt sind. Surfbücher und -guides bevölkern ein Regal im Erdgeschoss, ein Indoboard auf der Terrasse wartet darauf, dass ich ihm meine Balance schenke. Wir erkunden das Haus, ich schwappe über vor Begeisterung. Da ist noch ein Schuppen im Garten, noch mehr Boards. John und Liz machen währenddessen Salmonburger, aber Anna und ich schnappen uns nur einen Café. Wie kommt man hier zum Strand? Mit unseren Tassen machen wir uns auf den Weg, es sei nur ein kurzer Weg sagt John. Drei Minuten. Keine Zeit zu verlieren, wir müssen Meer sehen.

Die Grundstücke hier draußen werden von einem hohen Baumgestrüpp eingerahmt, das alle Geräusche zu dämpfen scheint. Absolutes Kontrastprogramm zu dem konstanten Geplärre der Stadt. Nur die Wellen machen Lärm, aber das zählt nicht, die gehören zur (Geräusch)Kulisse. Die Szenerie wirkt, als hätte sie schon jemand mit Fotoshop bearbeitet. Schon einen Filter darübergelegt sagt Anna, im fachmännischen Fotojargon. Ich habe mir auch einen Filter übergelegt. Der filtert nur noch frische Luft und Algenduft und all das was uns umgibt. Alles andere wird ausgesiebt. Ein langer Strandspaziergang. Das Kliff – „Bluff“ wie sie es hier nennen – die Wellen, viel Weißwasser. Treibholz, Strandgut, diese Farben! Sandfarbene Strandfarben. Mit Dünengras und Muscheln und dem endlosen Himmel ohne Wolken mit viel Sonne. Wir filmen und fotografieren und rollen im Sand. Ich bin froh, dass Wintersaison ist. Außer ein paar Hundebesitzern und einer Reiterin begegnet uns niemand. Dabei soll hier im Sommer die Hölle los sein.

Als wir zurückkommen ist das Buffet schon aufgebaut. Taccos, Guacamole, Salsa. Football is on. Vor uns, eher vor George, John und Ron, liegen 6 Stunden Sport (…). Zwei Halbfinals zum Superbowl sind zu bestreiten. Da braucht man Sitzfleisch!! We watch the games, Anna and I knit our scarfs. The fire is burning and the sun disappears behind the dunes, behind the trees…..Manchmal macht das Glück wirklich Haufen. Uns geht es einfach nur gut. Und so kürt Anna das Motto dieses Trips mit einem entspannt seufzenden: Could be worse!, als wir bräsig auf dem Sofa liegen.

Nach zwei Stunden Kaminräucherei, Essen und der Ladung Frischluft von vorhin wanke ich in mein Zimmer. Die Schläfrigkeit im Arm. Bei offenem Fenster liege ich im Bett, die Decke bis unter die Nase gezogen. Meeresluft weht herein, kühl und frisch. Es ist schon dunkel geworden, ganz dunkel hier draußen. Die Sterne und der Wind. Und ich liege einfach nur da, atme und dämmere davon, in einen unglaublich erholsamen Schlaf.

– Sorry guys, guess I fell asleep…

– Heyyy, roommate*, there you are…get something to eat!

(*  „roommate“ ist mein neuer Spitzname. So hat Ron mich getauft, weil er laut Anna am Anfang nie meinen Namen aussprechen konnte. Als ich noch ein Skypekontakt aus Deutschland war. jetzt macht er das aber schon ganz gut. Aber „Hey roommate, what’s up?“ beim Nachhausekommen zu hören gefällt mir eigentlich auch ganz gut. Vielleicht sollte ich das bei Starbucks versuchen…)

Das zweite Spiel beginnt in ein paar Minuten. Die Herren der Schöpfung sind noch immer Feuer und Flamme. Annas Wolle ist inzwischen aufgebraucht, Ron trägt schon seinen neuen Schal. Ich stricke weiter. Zwischendurch immer wieder auf den Balkon, frischlüften. Wir beobachten die Sterne beim Wandern gen Westen. Der große Wagen hängt hier merkwürdig auf der Seite, Orion steht am Anfang genau über uns. Ein letztes Glas Wein. Der Superbowl hat seine Teams und wir verkriechen uns in unsere Betten.

Auch als ich aufwache ist es still. Bis auf ein gelegentliches Schnarchen aus dem oberen Stockwerk. (George und John, die beide aus dem Musikbusiness kommen, schmieden später beim Frühstück Pläne wie sie Rons nächtliches Sägen für einen Remix verwerten könnten. Anna bezweifelt, dass man den Ton und dessen Lautstärke bei einer Aufnahme überhaupt originalgetreu wiedergeben könnte.) Brrr, schnell raus aus dem Bett und wieder rein in warme Klamotten. Laufschuhe an, GoPro auf den Kopf und los. Ich trabe los in Richtung Strand, biege rechts ab und nehme den Trampelpfad, der sich oben auf dem Kliff die Küste entlangwindet. Das Meer hat heute seinen gutmütigen Charakter aufgelegt. Bei der morgendlichen Windstille brechen nur ein paar kleine Wellen dicht am Ufer. Glasklar und definiert im glänzenden Licht der Morgensonne. Heidewitzka, was für ein Kitsch. Und wieder ist niemand unterwegs. Nur die üblichen Verdächtigen: Hunde und ihre Anhängsel. Wie immer. Ich laufe jetzt am Strand, drehe irgendwann um und falle rechtzeitig an den Frühstückstisch, wo John mir kaum das ich sitze schon eine Waffel mit Sirup auf den Teller gleiten lässt.

Heute ist übrigens Feiertag, deswegen können wir getrost auch noch den Montag in Montauk verbringen. Und so fliegen wir aus einen Ausflug zum berühmten Leuchtturm an der Spitze der Insel zu machen. Eine seltsame Truppe, finden Anna und ich, auch als wir uns später zu Hause die Fotos anschauen. Aber sehr gelungen, gut gewürfelt. Ein echter Kniffel.

Gegen drei müssen wir uns loseisen vom Paradies. Wortwörtlich. Es ist ziemlich kalt geworden. Und grau. Es fängt leicht an zu schneien. Als wir eine gute halbe Stunde auf dem Highway unterwegs sind wird der leichte Schnee zu dichtem Gestöber. Verrückter Szenenwechsel von gestern auf heute. In der Stadt ist dann wieder gar nix mehr weiß. Nur laut und hoch und geschäftig und irgendwie so gar nicht wie in Montauk.

Montauk ist also nicht mehr nur ein Buchtitel, ein Ort im Film oder ein Surfspot. Montauk hat in diesen Tagen ein Gesicht bekommen und mein Kopf oder Herz oder beides einen Sehnsuchtsfleck mehr.

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…das Video folgt noch. WIr müssen noch schneiden!!

Getting started…

Ich hab da was vom Anfang gefunden…:)

Das war ein erster Versuch. Ab jetzt kann ich also auch eigene (nicht nur von youtube) Videos auf den Blog laden. Bentschie und das Blogmopped haben dazu ein kleines Upgrade unternommen, weil wir auf weiterhin gute Zusammenarbeit hoffen. Dabei ist auch die wunderbar unkomplizierte Domain http://www.blogmopped.com für uns entstanden (statt des Rattenschwanzes blogmopped.wordpress.com oder .de). Jaja, ist schon fancy dieser virtuelle Aufstieg, wenn auch nicht ganz kostenlos. Das ist wie im wahren Leben…

Wir melden uns demnächst vielleicht schon mit mehr Videomaterial zurück, denn Montauk, Long Island steht auf dem Plan für das lange Wochenende (Montag ist Feiertag in Amerika, Martin Luther King feiert Wiegenfest). WG Ausflug an den Strand. Ahoi !