|| bikepacking winter edition ||

 

Wildwechsel. Auf dem Fahrrad. Das hatte ich noch nie. Von links springt plötzlich ein Rudel Rehe (laut Jägersprache -online-Lexikon bezeichnet man eine Gruppe Rehe auch als Rudel, wenn das der Wolf wüsste) auf die Fahrbahn. Hektisch, eher schon panisch, steuern sie in raumgreifenden Sprüngen auf den Knick der anderen Straßenseite zu, um dann dahinter über das Feld zu verschwinden. Eine kurze Begegnung, die mir völlig aus der Welt zu sein scheint. Dabei ist nichts mehr IN der Welt als ein Rudel Rehe auf einem nebligen Feld irgendwo in Schleswig-Holstein. Lovin‘ it. Mehr  davon.

Ich sauge die Stille des Samstagmorgens auf während ich zyklisch-monoton vor mich hintrete und stelle einmal wieder fest, dass ich in meinem Leben zu viele Sonnenaufgänge verpasse. Frühes Aufstehen wird unterschätzt. Warum nicht häufiger so?

Der Anfang war dunkel und nass, viel Wasser auf der Straße als ich um 7:15 Uhr aus Kiel raus via Gaarden fahre. Zum Glück habe ich halbherzig recherchiert, der Wetterbericht meines iPhones war mir genau genug, da war bloß eine Wolke abgebildet. Hätte ich den Regenradar verfolgt, vermutlich wäre ich doch auf das Auto umgestiegen. Irgendwo bei 40km habe ich ein kleines Tief, meine Beine sind locker, aber mein Kopf ist müde und schwer. Solange bis das erste Schild mit einer konkreten Kilometerangabe kommt: Oldenburg i.H. 17km. Ab dort geht es streckenverlaufsmäßig weiter geradeaus, emotional aber bergauf. In diesem Hoch erreiche ich mein Ziel. Kiel – Oldenburg. Dann duschen und Frühstückspause mit Freunde-Klönschnack. Dann wieder aufs Rad, retour: Oldenburg – Kiel. Die Rücktour verläuft erstaunlich locker, die Beine laufen mechanisch, aber rund. Nur ab und zu überkommt mich ein kleiner Panikschub, dass meine Reifen dem Wintersplit zum Opfer fallen und ich steuere konzentriert zwischen den Steinchen hin und her. Auf die letzten 20km gibts noch ein Motivations-Nutellabrot aus der Packtasche. Langsam schwindet das Licht, das heißt: Licht an, die letzte halbe Stunde trete ich im Dunkeln bis vor die Haustür.

Geschafft. 136 km. 2 x 68. Keine Heldentat, bei Weitem kein long-distance ride, aber ich fühle mich heroinisch (und auch wie auf Droge), weil ausgepowert und zufrieden und mit mir und der Welt im Reinen. Mikroabenteuerliebe. Für mehr Makroabenteuer: http://theadventuresyndicate.com/emily-chappell

#fearlessfemalecyclist #keinegnadefuerdiewade #guttritt

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