Nach zwei Semestern auf der Turnfläche sind sie löchrig geworden. Schläppchen nennt man sie im Fachjargon, Turnschläppchen. Sie haben Schweiß von Anstrengung und Aufregung aufgesogen, wurden an- und ausgezogen. Seit Anfang Dezember 2017 fünf bis sechs Mal die Woche. Wir huldigten dem Gerätturnen wie einer Religion, die Turnhalle war unsere Kirche und wir pilgerten in diese heiligen Hallen wie fromme Leistungssportler. Donnerstag, der 08. Februar und ich habe keine Erleuchtung erlangt, aber Erleichterung errungen. Mich durchgerungen, die Turnprüfung, die gefürchtete, bestanden. BESTANDEN. Den Stufenbarren erklommen, beim Sprung das Pferd hinter mir gelassen, den Schwebebalken ausbalanciert und den Boden bezwungen. Bewegungen, die ich meinem Körper vor einem Jahr nicht zugetraut hätte, dahingeturnt, in kürgleich-choreografischen Bahnen. Und obwohl er dabei wohl nicht elfengleich aussah, dieser ballsportdressierte Körper, so sehe ich mich in meinem Innersten doch elegant über den Schwungboden schweben. Man lasse mir die Illusion der Eleganz. Mit gespitzten Füßen in Turnschläppchen darf man sich wie eine Ballerina fühlen. Einmal im Leben. Die Schläppchen werden mich daran erinnern, wenn ich sie nach Dekaden in meinem Schrank wiederfinde.
