LAY DAY. Heute machen wir nichts. Am Wasser liegen. Lesen. Essen. Bräunen. Nur eine kleine Wanderung am Morgen, hinauf zum Leuchtturm des Stadtteils Muleta. Wir entdecken, dass es dort oben eine niedliche kleine Bleibe für Wanderer gibt, das Refugi de Muleta. Unser Wilcampingplatz auf den Klippen ist allerdeings eigentlich nicht zu schlagen. Sowas von illegal und richtig gemütlich war es auch nicht, aber die Aussicht ist der Wahnsinn! Wir bummeln nachmittags durch das Hafenstädtchen und beschließen, dass wir für die Nacht noch weiterfahren wollen. Ein Bus bringt uns via Soller nach Valdemossa, ein romantisches Bergdorf mit Künstlerqualitäten. Schon Chopin hat sich hier zeitweilig niedergelassen und komponiert. George Sand hat geschrieben. Das fällt mir ein, dass ‚Ein Winter auf Mallorca‘ schon lange in meinem Regal steht und wartet gelesen zu werden.
Ronja übersteht die Busfahrt so mäßig. Irgendwann kommt sie matt wieder hinter einem Gebüsch hervor und möchte in diesem Moment wirklich nie wieder in so ein Gefährt einsteigen. Die Serpentinen waren tatsächlich brutal, der Busfahrer im Bremsen und Anfahren selten unsensibel. Ich kaufe Salzstangen und Cola, Erstversorgung für gebeutelte Bustouristinnen. Es wird langsam dunkler und wir müssen uns überlegen, wo wir schlafen wollen. Auf der Karte führt hinter der Bushaltestelle ein Weg ins Grüne. Wir laufen los, erst asphaltierte gassen mit Steinmauern, dann Gestrüpp, drehen wieder um, nehmen eine andere abzweigung, der Weg wird zu einem Trail, steigt an und führt uns in bewaldete Gefilde. Links Bäume, rechts trockene Weide hinter einer Steinmauer. Irgendwoher nimmt mein Körper an diesem Abend einen ganzen Batzen Energie und ich sprinte vor, um uns ein Plätzchen zu suchen. Wieder finde ich, wie schon bei Lluc, eine Moosplattform. Wir errichten unser Zelt. Als wir gerade fertig sind stehen zwei junge Leute vor uns, ein Pärchen aus Skandinavien. Sie schauen uns ein bisschen verwirrt an – das war doch ihr Platz. Ihre Rucksäcke liegen versteckt hinter Steinen, sie waren nur kurz in die Stadt hinabgestiegen. Wir verrücken also unser Zelt und teilen uns die Plattform. Mittlerweile ist es stockdunkel. Ronja kocht noch ein bisschen Brühe im Licht der Stirnlampe. Um uns herum nur Schwärze und Waldgeräusche. Wieder mal ein ganz anderer Schlafplatz. Wieder mal ganz nahm am Busen der Natur. unvorstellbar, dass morgen schon der letzte Tag anbricht.


















