|54° 35′ N , 9° 59′: Ostwind|

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Wir setzen keine Segel, wenn der Wind aus Ost in die See mit selbem Namen schwatzt. Keine Drachen steigen aus unseren Händen gen Himmel. Und doch ziehen wir uns das Seehundfell über die Ohren, ein Brett, eine Leash – puristisch. Feierabenteuerisch berauscht den Kopf ins salzige Nass getaucht, Windwellen  kreuzen quer und rollen. Und inmitten dieses Chaos gluckernde Glückskinder, die Haarsträhnen aus Gesichtern streifen und der nächsten Woge nacheifern. Mittendrin hinausgerissen, im Meer ist nie Alltag – und doch so nah, nur ein kurzer Ausflug aus dem Montag Nachmittag.

|kitchen aid|

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Neulich ließ mir jemand einen Zeitungsartikel zukommen. Dieser Jemand aus der nahen Verwandtschaft wollte sich entweder lustig machen oder war neidisch, oder vielleicht beides. Laut des Artikels jedenfalls ist die Küche das neue Statussymbol der Deutschen. Vor allem der gerade erwachsengewordenen Generation, oder noch im Werden begriffen, jedenfalls die so um die Dreißig. Abendeinladungen seien, so die Überschrift, keine „ausgelassenen Feste“ mehr, die jungen Leute heute treffen sich „in stylischen Wohnküchen und kochen bis zum Umfallen“. Ich fühlte mich ertappt, als hätte jemand die vergangenen Wochen während des Umzugs in unsere Küche geluschert und Stück für Stück die Edelstücke einziehen sehen – die Miele Waschmaschine und Geschirrspülmaschine, die La Pavoni Espressomaschine und ein empire-rotes Dreigestirn aus Artisan Küchenmaschine, Artisan Standmixer und Multifunktionstoaster, natürlich, von Kitchen Aid. Mir sind ausgedehnte Kochsessions mit Edelprodukten durchaus nicht unbekannt, die „Kochtöpfe von Le Creuset“ (dabei sind die von Staub doch viel schöner, wegen der zarteren Griffe) kein lifestyle Märchen. Gerade vorgestern wurde das „selbstgemachte Bio-Pesto im teuren Standmixer zubereitet“. Manchmal ein bisschen ‚drüber‘, mag sein. Die ausrangierten Kochtöpfe von Oma hätten es sicher auch noch getan, ein stumpfes Messer macht zwar keinen Spaß, aber immerhin stirbt auch keiner daran. Und einen Rührdiener brauche ich eigentlich auch nicht. Zumal ich mir als Studentin sehr schlecht vorkomme so ‚unstudentisch‘ edel zu residieren. Ich kümmere mich immerhin um den Kräutergarten! Trotzdem, was soll man lügen – es ist einfach schön, schmeckt und tut der Seele gut. Die Living at Home würde sich bei uns im Küchenstudio mit hellem Pitch Pine Holzboden wie zu Hause fühlen. So eine Kücheninsel, das wäre es ja noch, die ist immerhin laut Artikel „der Porsche in der Welt der Küchen“. Wir arbeiten dran. Bis dahin: hashtag foodporn, hashtag Markensau, hashtag richtig geil, hashtag Lääkaa!

PS: Den Artikel gibt es leider nicht online und mir wurde noch keine „Quelle“ mitgeteilt.

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