Müdigkeit und Hitze – kein gutes Duo. Deshalb habe ich die eintägige Stippvisite in Nashville heute noch erheblich weiter verkürzt. Um 9:30 Uhr rollte der Greyhound in Nashville ein. Nach vier Stunden war für mich schon wieder Ende Gelände, Stadtbummel bei 38 Grad ist heißer als ein Höllenbesuch. Ursprünglich hatte ich geplant einige Tage in der Stadt zu verbringen, um dem Country Vibe so richtig auf die Rhythmen zu fühlen. Aber dann wirkte das plötzlich vor ein paar Tagen doch nicht mehr so attraktiv: teure Unterkünfte, heiße Tage, alleine Bars besuchen und überhaupt Stadt statt Natur. Nö, keine Lust. Der Bus war schon gebucht, ich habe einfach einen Flieger drangehängt: Nashville – Los Angeles. Trotzdem, ein tag in der Stadt der Country Größen sollte drin sein.
Nun, ich kann nicht behaupten die Leuchtschriften im Dunkeln gesehen, das Nachtleben erkundet und die wirkliche Szene der Stadt erlebt zu haben, aber ein bisschen reingeschnuppert habe ich dennoch. In der selbsternannten Music City dringen nämlich auch schon am Vormittag aus den Honky Tonk Kneipen Gitarrensounds und Mundharmonikaharmonien. Die Bars tragen Namen wie Tin Pan Alley oder Legends Corner. Sie sind hier alle schon aufgetreten, Johnny Cash, Dolly Parton bis hin zu Taylor Swift. In Tin Pan Alley (übrigens nach einer Strasse in New York benannt, in der sich Musikproduzenten ansiedelten) bestelle ich eine Sprite – ein Eimer von Getränk! – und lausche bekannten Melodien. Der junge Sänger auf der Bühne hat einen Südstaatenakzent auf den Lippen und covert die alten und neuen Stars, bei „Ring of Fire“ könnte auch Johnny auf dem Stuhl sitzen, der Junge ist gut! Die Stadt kommt auch im Falle des Merchandising ihrem Ruf nach. Es reiht sich ein Cowboystiefel Laden an den nächsten, ein Hard Rock Cafe ist selbstverständlich vertreten, genauso wie die Restaurants, die vorwiegend southern food anbieten. Ich starte in den Tag mit knusprigem Bacon, Rührei und einer weißen, mehligen Gravy Sauce, für die ich mich allerdings so gar nicht begeistern kann. Auf den Straßen laufen Mädels in knappen Jeansshorts und Cowgirlboots, die beides lieber nicht tragen sollten, und solche, die man sich in dem Outfit direkt auf dem rotierenden Bullen vorstellen kann. Touristen bevölkern die Straßen, sie sind alle nur wegen der Musik gekommen. Nashville wird schon nicht ohne Grund auch „Nashvegas“ genannt. Ein absolut monothematischer Besuchermagnet, diese Country Musik. Ich habe es live gesehen, das reicht mir für heute und den bunten Fleck auf der mind map.
Und dann noch ein bisschen Heimathafengefühle, wie schön!
15 Stunden, so lange darf ich es mir am Flughafen in Nashville gemütlich machen. Mein Flieger nach LA geht morgen früh um 5:30 Uhr. Ein erster Hoffnungsschimmer als ich die Abflughalle betrete: Teppichboden! Außerdem nicht schockgefrostet, sondern angenehm temperiert. Auch hier liegt noch Country Musik in der Luft, eine junge Frau namens Cory sitzt am Klavier und singt melancholisch schöne Lieder von verflossener Liebe und alkoholexzessen, country eben. Ich höre ihr eine Weile zu, dann widme ich mich den vernachlässigten Pflichten: Ich leite meine lange Wartezeit mit einer notwenigen Körperhygiene in den öffentlichen Toiletten ein, sprich: Zähne putzen und Füße waschen. Dabei schaut mich die facility managerin nicht sehr begeistert an, ich störe eindeutig ihre Putzroutine…
Los Angeles also. Kleine Planänderung meines mentalen Reisekonstruktes. Ab morgen hänge ich Deutschland dann neun Stunden hinterher. Ich fliege zurück, vor allem zurück an die Küste, damit ich nach den Sonnenaufgängen an der Ostküste endlich die Sonne wieder im Meer versinken sehe. Ein rundes Ding. Ein ewiger Kreis. Hakuna Matata.
BECAUSE THESE THINGS JUST KEEP HAPPENING WHEN YOU TRAVEL….was war geschehen? Folgende Situation: ich sitze seit 2 Stunden am Flughafen von Nashville, fegt ein heftiges Gewitter über das Gelände hinweg, ein Blitz legt für 3 Sekunden die Elektrizität des Flughafens lahm. Stromausfall, power out. Ich denke mir nichts dabei, mein Flug geht ohnehin erst morgen früh, ich verziehe mich in eine Ecke der Abflughalle, schlafe, gammle, lese und so weiter. 19 Uhr, langweilig, Hunger! Mit einem überteuerten Starbucksbagel (Flughäfen sind Tankstellen, Wucher!) lasse ich mich an einem Tisch neben drei Amis nieder. Wie das so läuft, wir kommen locker ins Gespräch. Der Typ fragt mich, ob mein Flug auch gecancelt wurde. Ich winke ab, ich habe noch ewig Zeit, aber gecancelt? Wegen des Stromausfalls? Er nickt, über Denver wollten sie nach Los Angeles fliegen. Aha, voila, das ist ja auch meine Destination! So redet man weiter und weiter und es stellt sich raus, dass die drei in Santa Barbara leben, also um die Ecke von LA nur schöner. Und ganz dicht am Channel islands National Park!! Bevor sie losziehen, um die Nacht bei Verwandten (statt wie ich am Flughafen) zu verbringen, habe ich das hier auf dem Tisch. Melde dich, wenn du in der Gegend bist!, sagt Gary. Einfach nur genial, mal wieder sprachlos…

