Im Reiseführer steht:
„MOTORRAD: Bali auf einem Motorrad zu erkunden erscheint praktisch und preiswert (5-8 Euro/Tag [Anm. d. Verfassers: Wir zahlen 3,23 Euro, yes! Und Benzin sind teure 35 cent pro Liter.] ist aber nicht unbedingt zu empfehlen [Anm. d. Verfassers: Unsinn!], denn aufgrund der hohen Verkehrsdichte und des Fahrstils der Einheimischen [Anm. d. Verfassers: Kann man sich schnell dran gewöhnen, einfach mithupen.] besteht enorme Unfallgefahr. Verlangt wird ein internationaler Führerschein Klasse eins bzw. A oder eine nur für Bali gültige temporäre Fahrberechtigung, die man vor Ort erwerben kann.“
Ja, wir dachten wir sparen uns die 12 Euro für den internationalen Führerschein. Den wollte 2010 auch keiner sehen. Es fing tatsächlich so entspannt an wie erwartet: Wir mussten beim Leihen der Moppeds überhaupt gar keine Dokumente vorzeigen, nur eine kurze Frage „You have driver license, yes, ok.“ Aber dann, dann kam der verhängnisvolle Trip nach Bukit, auf dem wir unfreiwillig eine gültige temporäre Fahrberechtigung vor Ort erwarben…An der Straße pfeifen eine Handvoll Polizisten die Touristen auf Moppeds und in Mietwägen aus dem Verkehr. Auch uns winkt man nach links an den Straßenrand. Da denke ich schon ’scheiße, was jetzt?‘. Der Polizist in neongelber Warnweste, schweren schwarzen Stiefeln und mit autoritärer Sheriffkappe fragt nach der driver’s license. Wir kramen in unseren Rucksäcken, klauben angespannt den deutschen Führerschein aus dem Bündel der hunderttausenden von Rupiah. „International?“ fragt er und tippt auf eine schlechte Kopie eines internationalen Exemplars eines australischen Führerscheins. Ich probiere es mit „They said we did not need an international one. The national is enough, we were told.“ Keine Chance. Bitte mit in die Polizeistation kommen. Na wunderbar. Der Polizist trillert uns den Weg über die Straße frei und wir betreten hinter ihm die polisi Station, zwei Grüppchen stehen im Raum, zwei englische Mädels mit einem anderen Officer und ein Pärchen alleine, das sich leise aber sichtbar angespannt unterhält. Unser Polizist führt uns durch einen schmalen Gang, biegt rechts ab, vorbei an einer Zelle mit Gitterstäben und bleibt kurz darauf stehen. Wieder kramt er die schlechte Kopie des internationalen Führerscheins raus, senkt seine Stimme und sagt irgendetwas von „internasional“. Dabei tippt er auf Zahlen mit vielen Nullen in einer Tabelle. „You pay here, tree hundred tausend, ok, no problem, ok“. Ich versuche zu fragen was passiert, wenn wir wieder kontrolliert werden. Und ob wir nicht beide 300.000 zusammen zahlen können. Er schüttelt den Kopf, zeigt auf uns beide und wiederholt „tree hundred tausend“. Wir zählen zähneknirschend drei rötliche Scheine ab (ca. 20 Euro, das ist hier wirklich viel) und drücken sie ihm in die Hand, die sofort in seine hintere linke Hosentasche wandern. Na Bravo, viel Spaß damit! Aber wir mucken nicht weiter auf, der Gang vorbei an der Gefängniszelle war sicher ein psychologischer Schachzug…Wenigstens kritzelt er uns irgendwas auf ein blaues Papier, das sollen wir bei der nächsten Kontrolle zeigen. Tzz, der nächste Polizist wird sich sicher nicht durch einen Zettel vom Extraverdienst abbringen lassen. Aber wie gesagt, was sollen wir tun. Wenigstens sind wir nicht die einzigen Touristen, die hier abgezogen werden. Sonst wäre der kurze Besuch auf der Station noch unheimlicher gewesen. Unser Polizist pfeift uns immerhin wieder die Straße frei, als wir wieder auf die andere Seite wechseln, um die Moppeds zu besteigen. Adios, hoffentlich nicht bis bald!
So sieht also Hilflosigkeit angesichts von offensichtlicher Korruption aus. Hoffentlich kauft er davon etwas Sinnvolles für seine Kinder. Auf der anderen Seite war er natürlich irgendwie auch im Recht: Wir hatten schließlich wirklich keine internationale Fahrerlaubnis…wie auch immer. Auf diese unglückliche Zusammenkunft hin mussten wir, erstens, Geld abheben und, zweitens, einen Kaffee trinken gehen. Ein Glück gibt es Cafe Moka mittlerweile auch auf Bukit. Danach sah der Tag gar nicht mal schlecht aus. Und auch die folgenden Tage und Daytrips von Kuta aus verlaufen ohne weitere Zwischenfälle, nur das normale balinesische Chaos: Hupender Verkehr, ein paar Affen rasen durch den Wald, Katzen koten Kaffeebohnen aus und Shoppingwahn bricht aus. Wir bewegen uns im ständigen Echo von „transport transport, yes“, „massage massage“, „sarong, nooo pipty tausend, I go bankruut“ und „watches watches, you want watches“, dahinter das Knattern von Motoren und Gamelanklänge. Original Balisoundtrack. Tanah Lot, Ubud, Canggu, nice ricefields, Outlets, Cafe Moka (täglich!). Wir moppetieren fröhlich weiter. Die Fahrerlaubnis für eine Woche haben wir ja in der Tasche.
Am Ende des Tages: Die Wäsche gewaschen und gebügelt, Kante auf Kante gelegt und praktikabel eingeschweißt. Bei der Wäscherei gegenüber umgerechnet für 2 Euro erledigt. Der kleine Luxus des Indourlaubers. Man steht am Anfang zwar etwas beschämt daneben, weil jede dreckige Unterhose vor den eigenen Augen vom Wäschefachmann gezählt wird, damit auch nix verloren geht, aber das gehört eben dazu. Wir überlegen, ob wir nicht bleiben und Karriere machen könnten. Als Surfguides sind wir wohl zu schlecht, aber folgende Jobs stehen zur Auswahl: Professionelle Büglerin, professionelle Fegerin oder vielleicht könnten wir noch lernen Opfergabenkörbchen zu flechten und die dann in Zwanzigerpacks verkaufen. So eine Art ‚Instant-Opfergabe‘ für die beschäftigte balinesische Hausfrau…























