Es geht immer um Fußball. Und Fußball geht immer. Besonders für die Völkerverständigung. Wir haben große Töne gespuckt, Brasilien Fußballnation und Deutschland Weltmeister, aber im Grunde war klar, dass die Balinesen uns in Grund und Boden spielen würden. Auf Sand und Stein und barfuß ganz klar im Heimvorteil. Trotzdem: Challenge accepted. Gäste also gegen den Brown Sugar Staff.
Das Eu/Bra Team (so genannt, da der Kader aus einem gebürtigen Brasilianer und sonst aus Österreichern/Schweizern/Deutschen bestand…gliedern wir die Schweiz zu diesem zwecke mal in die EU ein) fand sich selbstverständlich als erstes und pünktlich am Strand ein. Es wurden gerade Linien für ein Spielfeld gezogen und die Steine am Boden in mühsamer Kleinarbeit aus dem Feld entfernt. Von den verspätet und erst nach und nach eintreffenden Balinesen („Bali time, slowly slowly, relääääx.“ Jam karet. Gummizeit.) wurde das prompt für lächerlich erklärt und die westliche Geradlinigkeit nach Local Recht sofort wieder verbogen – Feldbegrenzungen: zur einen Seite das Meer, zur anderen Seite der tiefe dunkle Vulkansand. Zwei Tore mit Ästen gesteckt und die Steine ignoriert. Fußball Bali Style. Anpfiff.
2×20 Minuten
Die Füße bohren sich in den Sand, Zeh stößt auf Stein auf Ball auf andere Gliedmaßen. Sand klebt auf Schweiß, läuft und tropft. Schon nach den ersten Sprints muss ich kurz stehenbleiben. Stütze keuchend meine Hände auf die Knie, japse mit verzerrtem Gesicht nach der feuchtwarmen Luft und folge dem Ball nur noch mit den Augen. Während Agus mit dem Ball davontänzelt, um das nächste Tor für das balinesische Wet Dream Team zu erzielen. Alle Erwartungen bestätigt, trotz kreativer Mädchen-Tshirt-hoch und Festhaltemethoden, scheitern wir gnadenlos. Verlieren das Spiel, aber niemals das Lächeln. Denn hinter uns geht die Sonne unter, die Palmwedel schwingen in leichtem Abendwind und vom Landesinneren her zieht ein Duft von Räucherstäbchen herüber. Abgekämpft und glücklich klatschen wir uns ab und wandern langsam durch den noch warmen Sand die paar Meter zurück ins Camp. Nur ein Fischer, der sein Netz vom Strand ausgeworfen hat, beobachtet uns. Es gibt gerade ganz sicher keinen schöneren Ort auf der Welt. Und keine passendere Zusammenkunft von Menschen als die unsere.
Knapp 900.000 ist unsere Niederlage schließlich wert. Glücklicherweise Rupiah. Unsere Verlust ist allerdings auch unser Gewinn, denn in Spirituosen wird bezahlt. Und mittrinken ist natürlich genauso wertvoll im Sinne der interkulturellen Kommunikation und Verständigung. Whiskey und Gin werden aufgetischt. Aber erst am kommenden Abend. Denn nach dem Spiel humpeln selbst die Balinesen ein bisschen, es zwickt den ein oder anderen in der Wade und im Rücken und die Zehen sind reichlich überdehnt. Alt wird an diesem Abend im Camp niemand mehr und so ergeben wir uns der Erschöpfung und um kurz nach neun herrscht in den Bungalows friedliche Stille. Nur die Brandung donnert noch dumpf auf den Strand und der Mond scheint voll über dem Meer, den Feldern und den Hütten von Medewi.
Thanks to our Brazilian friend Nando for providing the pictures!!













