Nachsaison. Die Nacht in Baden-Baden. Das Haus im Wald. Der Fremde in der Nacht. Der letzte Sommer. Johann Sebastian Bach auf Rügen. Die Reise nach Süden.
Meine Sommerlektüre: Kurzgeschichten von B. Schlink.
„Kennen Sie die Küste nördlich von San Francisco? Manchmal felsig und rauh, dann wieder sandig und sanft, der Pazifik abweisender und unerbittlicher als jedes andere Meer, die zum Meer abfallenden Berge morgens nebelverhangen und dann, in der Mittags- und Abendsonne, mit ihrem trockenen braunen Gras golden leuchtend – es ist, als würde die Welt in ihrer Schönheit jeden Tag neu erschaffen. Mein Haus lag am Hang, so weit unterhalb der Straße, dass ich den Verkehr nicht hörte, und so nahe am Meer, dass mich sein Rauschen vom Morgen bis zum Abend begleitete, nicht laut und bedrohlich, sondern leise und versöhnlich. Ah, und die Sonnenuntergänge! Besonders mochte ich die in Rot und Rosa, Gemälde von verschwenderischer Farbenpracht. Aber berührt haben mich ebenso die verhaltenen, bei denen die Sonne blass in den Dunst über dem meer eintaucht und spurlos verschwindet.“ Er lachte leise, ein bisschen ironisch, ein bisschen verlegen. „Ich bin ins Schwärmen gekommen? Ja, das bin ich wohl. Ich könnte noch viel mehr schwärmen: von der kräftigen, salzigen Luft und den Gewittern und den Regenbogen über dem Meer und dem Wein.“
(Der Fremde in der Nacht, S. 151)
