54° 20′ N , 10° 8′ O

IMG_4590„Wasser ist das Kieler Element. Mit der Förde ist das Meer direkt in der Stadt. Kreischende Möwen und die Typhone der Kreuzfahrtschiffe sind weithin zu hören. Das maritime Flair bietet ganz Besonderes: Sie können mit einem Fischbrötchen in der Hand an der Kiellinie sitzen, Strandspaziergänge unternehmen, auf der Förde segeln, in der Ostsee schwimmen, den Schiffen im Nord-Ostsee-Kanal zum Abschied winken und noch viel, viel mehr.“

…Grußworte der Stadt Kiel zum Studienstart

Zweieinhalb Wochen. Bei IKEA Randgebiete des Wahnsinns erkundet, NORDBY und BORGSJÖ gefunden. Nass bis auf die Knochen geworden und Gewitter getrotzt – beim ersten Urban Workout, Treppen erklommen, Koordinationsleitern bezwungen, Mauern liegegestützt, Wände getreten und Brücken gesprintet. Atemlos durchgeatmet bei Sommergrasgeruch im Unterarmstütz. Kieler Luxus sind Strandtrips wie Kurzurlaube. Einfach mal kurz Meer sehen. Stand in Gummistiefeln in der müde schwappenden Uferwelle von Strande. Ein Optikurs vor Schilksee, Wenden und Halsen und ich versuchte mich an September zu erinnern. Im kleinen Supermarkt an der Strandpromenade zwei alte Herren im Gespräch, lachend: „Mensch, Fiete, wen hast du denn gestern Abend erschossen, das knallte so!“ Am Leuchtturm Bülk vorbei auf Steilküste blicken und in Schilksee Fischbrötchen bei Schiffstaufen genießen. Uni überfordert noch. Der hektische Dozent aus Detroit formt mit Daumen und Zeigefinger einen Ring, hält das selbstgebastelte Sprachrohr vor den Mund und spricht über alte Traditionen aus Schleswig-Holstein. Die Professorin für Literaturtheorie „therrorisiert“ mein Verständnis und meine sprachästhetische Wahrnehmung des Englischen. Sie hats ja drauf, inhaltlich; sprachlich vor allem aber den deutschen Akzent. Und sonst so? Hirnverschlingende Linguistiksprache gibt sich mit idiomatic and figurative language, mit schemes and tropes die Klinke in die Hand. Kein Problem, ganz nebenbei noch vier mal zwanzig Seiten lesen! Und verstehen!! Die Fremdwortschlacht ist eröffnet, Hermeneutik mit Heuristik, Humanistik ist auch am Start, während Modernism und Post-Modernism sich schon die Köpfe einschlagen und Derrida, Foucault, Freud und de Saussure im Nebenzimmer weiter fachsimpeln. Hirn hoffnungslos hin – Alliteration! Lieber Hirn durchpusten. Ostwind am Falkensteiner Strand, macht SUP noch kibbeliger als wackelig, aber auch osterfroh eierfrei. Vom Eise befreit aber noch frisch, die Ostsee. Nadelstiche im Gesicht, aufwärmender Cappuccino und Lachsbagel beim Elefant am Strand. Mit Matti Steine schleppen, größer als seine Hand. Und Strandkorb-Ritterburgen verteidigen. Das Geschrei der Möwen dringt, wie durch das Schiffsdeck in die Kajüte, durch das Dachfenster der Bibliothek. Regen tröpfelt zart und Wind saust um die Gebäude der Leibnizstraße. Große graue Wolkentürme grollen, schieben und rollen sich durch den aprilgelaunten Himmel. Wieder Gummistiefelwetter. Aber Nespresso wärmt von innen. Und da ist sie auch schon wieder, die Sonne. Rennradeln wir ihr entgegen, wieder mal kurz Meer sehen.

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