Bilder: R. Humann
Wir werden mehr und mehr zu Wasseraffen,
Lassen die Landratte hinter uns.
Und bleiben doch lieber trocken,
wenn El Cotillo mal wieder close out bricht:
Wasser auf Wasser, Sand auf Sand.
Vulkankegel im ersten Licht des Tages erklimmen,
während das letzte Licht der Nacht noch glänzt,
den North Shore in seiner rauen Weite erfassen,
die Dünen vor Corralejo überblicken,
Los Lobos im Meer baden sehen
und ganz Lanzarote blinzelt und blinkt herüber.
Gartenpoesie geschrieben,
Gitarrenklänge –
schüchtern gezupft, vorsichtig angeschlagen,
dringen durch die Villa,
sanfte Ruhe
stimmungsvoll entspannt.
Auf dem Asphalt von Lajares,
Ausgestreckt auf Bauch und Rücken
Die Wärme aufnehmen,
Im Boden versinken ohne Scham.
Die Perspektive ändern und in den Himmel schauen,
Die Dinge mal von unten betrachten.
Cappuccino von der Französischen Bäckerei,
Törtchenpause in Lajares,
Aufgereiht glücklich auf dem Bürgersteig
Sitzend in Sonnenfarben,
Wie in einem instagram Moment,
Das sommerblonde Haar salzgeblichen im Wind verweht.
Glück in Treibholzfarben,
Blättert weiße Farbe vom alten Holztisch.
Die Echse zwischen Lavageröll,
Springt und rennt federleicht,
Wo ich mir die Füße aufschneide,
Sonnt sich in der Hitze,
Wir halten die Nase in den Wind,
Am North Shore,
an der 27.
Die Schlechtwetterfront aussitzen.
Am Meer im Sturm liegen,
Gehalten von den Böen,
Peitschen Regen und Sand um die Wette.
In die Palmenwedel,
deren Wipfel im Wind wackeln wie wuschelige Surfermatten.
Weißwasser schäumt,
Gischt zerstreut sich an Vulkangestein.
Wir zerstreuen uns in Gedanken.
Und Mittagsschlafträumen.
Vor einem Jahr auch dem Winter entflohen,
New York – San Francisco
statt
Hamburg – Fuerte
Nur kurz abgewandert, kurz zurückgedacht
und dann wieder hier,
Ohne Zeitgefühl,
Nur Ebbe und Flut,
Tag und Nacht.
„Es bedeutet zwar eine Erleichterung, das Leben zu entdecken, das man am liebsten leben will, aber man bekommt auch Angst, wenn man die Bedürfnisse der Seele erkennt – wie soll man sie dann noch verleugnen können?“
(D. Duane, SURF)
Cluesokonzert und Barfußbeat
Geben den Takt an,
In einem Orchester aus Sonnenstrahlen und Palmwedeln,
Steinwüste und Küstenlinie.
Erste warme Brise,
Die der winterbleichen Blässe schmeichelt
Und sie erröten lässt,
Bis ein dunkler Teint sich
Wie Sommersprossen auf die Nase legt.
Der Duft von Neopren und Sonnencreme
Vermischt sich zu einer Symphonie,
Einer Ahnung von Sommer,
Vom guten Leben.
Und Surfwachs zieht bald tropfend
Eine Spur der Sehnsucht durch den Sand,
Wieder Wellen rauschen sehen,
Dünen wandern hören.
Rocky Point und Janis,
El Burro oder Glassbeach,
Flagbeach, eher selten.
North Shore sowieso,
Über die Dirt Road rattern, klappern, scheppern
Nach Majanicho, Maryland, zur 27.
Hierro, La Derecha, Bubbles –
lieber nur gucken.
Und dann das Kliff von Cotillo,
An der Steilküste kracht die Brandung,
Gegen den ausgespülten Fels.
Die Szenerie menschenleer,
Wie Cornwall und Bretagne,
Dunst über der Weite,
Tiefblaues Meer.
Ich bin auf 180. Stundenkilometer. Mit Ina Müller über die Autobahn. Endlich ist das Leben mal wie im Film, stimmungsvoll vertont. Musik und Geschwindigkeit feiern eine Party mit meinen Endorphinen. Ina und ich. Wir singen lauthals – über das Alter, die Liebe, Schuhe und Kindheitserinnerungen. „Ich weiß doch jetzt schon wie es weitergeht, Du bist mein nächstes Déjà vu.“ Ein Nordlicht in Perfektion, ohne den Anspruch daran. „Ich kann und will nicht perfekt sein“. Ich sehe sie mit ihrer Authentizität tanzen, reise mit der rauen Stimme so voll von Sympathie gen Horizont. Ich würde sie überall hinfahren, wenn sie nur nicht aufhört, die Welt noch schöner zu singen. Die Texte wie ein Zucken mit der Schulter, wie ein „so what“, ein „oh well“, seufzend lächelnd dem Schicksal auf die Schulter geklopft, kommt halt alles wie es kommt. Von Hamburg nach Bielefeld nach Stralsund nach Kiel. Drei Tage spread the word für die International Ocean Film Tour – Straßen, Geschäfte, Vereine, Unis, Museen undsoweiter. Die innere Landkarte wieder ein bisschen bunter gemalt, viel gesehen, viel gehört und viel gesprochen.
Und Kiel, ach Kiel.
Würde ich heulen vor Vorfreude,
könnten meine Tränen direkt in die Brandung der Hafenmauer tropfen.
Ein Meer aus Glück,
Bald gleich vor der Haustür.
Schwappt Welle über Schwelle,
Quasi.
Kann Seetang riechen,
Leinen schlagen hören im Wind,
Die Stenaline Riesen im Vorgarten,
Ihr Tuten wie ein Aufruf zu großen Abenteuern.
Und die Möwen, immer wieder die Möwen.
Wann hat sich mein Süden (wieder) in den Norden verwandelt?
Die Liebe zur Küste gefunden,
Auch wenn noch immer zwei Seelen in meiner Brust herumlungern,
Es lohnt sich immer auf den Berg zu gehen,
Aber ich hoffe der Norden geht mir nie mehr aus dem Kopf.
Dem Herz.
Choice is freedom, but not when it’s constantly for its own sake.
By archiving everything, we think that we can store it, but time is not data. It cannot be stored.
Not just is the digital now far from the present, but it’s in direct competition with it, and this is because not just am I absent from it, but so are you. Not just are we absent from it, but so is everyone else. And therein lies its greatest convenience and horror. I can order foreign language books in the middle of the night, shop for Parisian macarons, and leave video messages that get picked up later. At all times, I can operate at a different rhythm and pace from you, while I sustain the illusion that I’m tapped into you in real time.
The digital world cannibalizes time, and in doing so, I want to suggest that what it threatens is the completeness of ourselves. It threatens the flow of love. But we don’t need to let it. We can choose otherwise. We’ve seen again and again just how creative technology can be, and in our lives and in our actions, we can choose those solutions and those innovations and those moments that restore the flow of time instead of fragmenting it. We can slow down and we can tune in to the ebb and flow of time. We can choose to take time back.