Die Raben von Edinburgh

Der Nebel lügt nicht, wenn er mir wabernd zuflüstert, ich sei an diesem Nachmittag der einzige Mensch am Arthur’s Seat. Es ist ein Glück, dass die meisten Menschen sich bei schlechtem Wetter in ihren Wohnungen verkriechen. Touristen ins Museum gehen oder Cafés abklappern. Das Weiß hängt dicht und schwer, alles verstummt. Numbs the city. Im Holyrood Park leuchten nur ab und zu matte Autoscheinwerfer durch die Nebelwand, ansonsten ist es, als sei die Stadt gar nicht mehr da. Der Nebel legt das Hier und Jetzt frei. Alles andere eine Illusion, ausgeweisst. Mein eigener Radius. Das Nichts aus der Unendlichen Geschichte. Aber dieser Nebel ist still und friedlich. Ich steige hinauf, zwischen den Felsen. Und bin alleine, mit den Raben von Edinburgh.

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Der Abend vergeht mit Pfannkuchen und ergeht sich in philosophisch-politischen Diskussionen, über Werte und Nachhaltigkeit, die EINE Wahrheit und den grenzenlosen Wandel, die Bundestagswahl und griechische Theoretiker, den EQ und IQ und überhaupt. Man hört von großen Namen, Hannah Arendt ist zu Gast, Habermas und Aristoteles und einige andere große Denker geben sich die Ehre in unserem redseligen, sicher amateurhaftem aber angeregtem und sicher zu Weilen auch etwas gereiztem Quartett. Man endet standesgemäß bei schottischen und britischen Ales in der CLOISTERS BAR gegenüber, wo intellektuelle Aufregungung alkoholisch entspanntem Sozialgeplänkel weicht. Den herrlichen Banalitäten des Lebens eben.

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