Kurse zum Wind

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Montag, den 25.08.2013

Es gibt keine andere Möglichkeit als die eine, am Meer zu leben. Hier ist ein anderes Aufwachen. Die Gewissheit, dass dort draußen die Wellen in ihrem sandigen Bett rollen, lässt mich wiederum mühelos aus meinem Bett rollen. Weil die Weite den Blick ruft und der Sand meine Zehen spüren will. Ich ziehe meinen Kuschelpulli über, stecke einen Schein in die Tasche und einen Einkaufsbeutel für Brötchen. Dann trete ich hinaus in den herbstlich goldene Morgen und atme die kühle Seeluft. Der Tag ist noch rein, keine Touristenscharen bevölkern die Standmeile. Beinahe könnt man glauben, dass das Dünengras hier natürlich wächst und die Möwen sich tagein tagaus als einzige Lebewesen am Ufer tummeln. Doch die Armee der Strandkörbe verrät, dass es sich um eine vorläufige Stille handelt, die nur den frühen Stunden und den senil oder sehnsuchtsvoll Bettflüchtigen vorbehalten ist. Gegen halb neun zieht Seenebel auf, milchige Schwaden ziehen über die Promenade. Das Meer ist schon nicht mehr auszumachen. Ich warte, dass die Black Pearl sich majestätisch aus dem Nebelmeer erhebt und eine piratige Orchestermusik erklingt. So beginnt der erste traumverlorene Morgen an der Ostsee. Gefolgt von ereignisreichen sechs Tagen. Denn heute beginnt er: der Ernst des Segelns.

„Fertig machen zum KENTERN…äh, ENTERN, nein scheiße, zum WENDEN meine ich!“ und dann machen wir doch eine Halse und werden fast vom ruckartig herüberschwingenden Baum erschlagen. So könnte man vielleicht gleich noch ein „MENSCH über Board“ (dank der feministischen Bemühungen legt man inzwischen Wert darauf diesen allbekannten Ausruf geschlechtlich neutral zu halten…) Manöver dranhängen wenn es einen von Bord schmeißt. Tut es aber nicht, deshalb wird doch mit Boje geübt. Dann legen wir mal ans Schlauchboot an, und wieder ab, schmeißen bei mäßig starkem Wind Gummibärchen von Sonnendeck zu Sonnendeck und schippern gelassen in die Bucht hinaus, wo wir dachten, es wehe ein anderer Wind, aber er haucht auch hier draußen ziemlich müde in die Segel. Nur gelegentlich fangen wir eine Böe ein, nehmen Fahrt auf und schieben ein bisschen spaßige Schräglage. Dieser Müßiggang tut allerdings ganz gut. Der erste Tag war so wellig und windig, und wir so ahnungslos und überfordert mit der Koordination von Pinne und Großschot, dass wir uns in all der Verkrampfung den Oberschenkelmuskelkater unseres Lebens eingefangen haben. In die Knie gehen ist dieser Tage eine Utopie. Schmerzen wie nach keinem Marathon.

Oh Gott, ich liege im Bett und es schwankt! Die blau-violett geblühmte Bettdecke bis zur Nasenspitze hochgezogen starre ich an das Lattenrost des Hochbettes über mir und versuche einen Punkt zu fixieren. Dann schließe ich die Augen und das macht alles nur schlimmer, gefühlt kippe ich geradewegs kopfüber nach hinten. Die kleinen Mitbringsel des Segelkurses. Also knote ich noch ne Runde im Bett Palstek und co. zur Ablenkung.

Wir waren eine gute Truppe, die Woche hat sich mehr als gelohnt. Am Montag noch keine Ahnung von nix und Freitags segeln wir schon ganz selbstbewusst auf unseren Jollen hinaus, wenden, halsen, kreuzen, retten Bojen und klauen in rasantem Halbwindkurs die der Anderen. Und vor allem bestehen alle 10 von uns die „Prüfung“, Segelgrundschein ahoi! Statt „Ameisenscheiße“ gibts dann noch ein Gruppenfoto mit gegrinstem „Pinnenausleger“ und dann gehen wir wieder unserer Wege. Franzi und ich für unseren Teil nach Timmendorf, wo wir noch zwei Tage bei der Beachvolleyball DM mitfiebern. Sweet as, beste Woche!

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