Abstieg zu neuen Ufern

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Samstag, den 03.08.2013

Ich sitze schweißnass in einem asiatischen Imbiss am Münchener Hauptbahnhof und will zurück auf meinen Berg. Kühlen Gebirgswind um die Nase streifen fühlen ist besser, als jede vor Frittierfett triefende Imbissabluft in den Nacken geblasen zu bekommen. Es ist so unglaublich schwül überall. Aber eigentlich bin ich ganz froh mal wieder unten zu sein. Seit knapp drei Tage bin ich wieder in der Zivilisaion. Am Donnerstag Morgen vom Berg abgestiegen, mit Bus und Bus und Bahn durchs Ötztal geschlängelt, um dann in München Linschi erschöpft in die Arme zu sinken – Hitzeschlag! Wir überleben nur, weil der Eisbach uns die Füße kühlt und ein Frozen Joghurt unseren Kopf. Und dann sitzen wir da, schauen den Surfern am Eisbach zu und wissen, dass wir neue Zeiten wie die alten brauchen. Oder so ähnlich zumindest. Das besiegelt ein zünftiger karamellisierter Kaiserschmarrn in unserem Lieblingsbrauhaus, Schnupperpuppenehrenwort.

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Jetzt löffle ich meine malaysische Reisnudelsuppe, neben mir blüht eine künstliche Orchidee, an der Decke dreht der Ventilator nutzlose Kreise. Es kommt mir vor, als könne das Gewimmel in der Bahnhofshalle ebenso das geschäftige Treiben in den Straßen einer indonesischen Großstadt sein. Die Reisnudeln schmecken nach Fernweh, mit jedem gekauten Korianderblatt steigt die Reiselust und das Kopfkarussell gerät wieder in Fahrt, meine Gedanken gleiten hinüber zu Tempelanlagen und Palmenhainen. Vielleicht doch kurzfristig STAtravel zu Rate ziehen. Last Minute hatte ich auch noch nie. Dann schreckt mich eine schroffe bayerische Durchsage aus dem Tagtraum. Mein Zug geht um 12.39 Uhr. In ein paar Stunden bin ich also zurück, in Hamburg. Dann ist das Bergabenteuer tatsächlich vorbei. Die Perle ruft und ich empfinde Vorfreude, keine Frage. Aber den Wasserfall und die Berggipfel nun wieder gegen gelbes Klinkersteinpanorama tauschen zu müssen ist schon schade – da werde ich direkt wieder ein wenig rück-sehnüchtig und frage mich, ob es wohl gerade stressig ist auf 2400m und wen der nächste tötliche Warum-musst-du-jetzt-gerade-Kaiserschmarrn-bestellen-Blick von Nina trifft. Viel Arbeit auf dem Berg, aber schön wars – gute sechs Wochen! Und ein bisschen Ötztaler Dialekt habe ich auch gelernt, öha!

Oh Gott (Öha!), jetzt hat der Asiate hinter dem Tresen ordentlich Knoblauch in die Pfanne gehauen. Wir schmoren gemeinsam. Die Luft flimmert, ich kann hier wirklich nicht mehr atmen. Raus! Ich lasse den letzten matschigen Haufen Reisnudeln in ihrer Suppe schwimmen und schnalle mir das Monster von Rucksack auf den feuchten Rücken. Vor der Abfahrt muss ich mich noch mit diversen kühlen Getränken eindecken. Wer weiß, was die DB wieder für klimatische Überraschungen bereit hält. Also dann, wir sehen uns in Hamburg, ihr Fischköppe!

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