Das Camp steht

Eine Woche im Wald geackert. Etliche Nägel, Kabelbinder und Schaufeln Erde stecken jetzt in diesem Waldabschnitt. Das Camp steht. Die deutsche Wellenreiterkolonie hat sich, wie jeden Sommer, dieses Fleckchen Frankreich  zurückerobert. Dafür sprechen in jedem Fall die Gartenzwerge im sandigen Zeltvorgarten. Die Woche war, sagen wir, durchwachsen. Sonne und Wolken und Regen und Wind. Leider wenig Surf, denn die Bedingungen ließen zu wünschen übrig und Hand aufs Herz: So sehr zog es uns bei den aktuellen Temperaturen und nach dem schweren Tagewerk dann auch wirklich nicht ins kühle Nass. Da macht man sich lieber utopische Gedanken. Surfponchos sehen aus wie Mönchskutten, wir eröffnen ein Kloster, eine Community im Wald! Einer von uns studiert Zukunftsforschung und nachdem wir hören was uns möglicherweise alles so blüht, sind wir entschlossener denn je auf Kursteilnehmer dieses Jahr zu verzichten und auf den feinsäuberlich gehakten Zeltplätze doch wirklich lieber Selbstversorgergemüse anzubauen. Einige sind schon so praktisch in Terrassenform angelegt, dass wir auch über ein balinesisches Reisbauern-Bewässerungssystem nachdenken. Es folgen Diskussionen über Coke Zero und Zuckerersatzstoffe, zu minutengenauen Regenvorhersagen und über amerikanische Waffengesetze.

Dazwischen schleppen wir Zelte, stechen Heringe in staubigen Boden, spannen neonfarbene Schnüre. Alles krabbelt und kribbelt und ich habe das Gefühl ich werde hier entgültig – durch Schocktherapie – meine Spinnenphobie los.Tekla ist überall. Weiter Unkraut jeten, Planen legen, Finnen an Boards schrauben und Leashes befestigen, an Regentagen verstaubtes Geschirr in Massen spülen, Erde in Schubkarren schaufeln, Erde von Schubkarren in Erdlöcher schaufeln, Tische zusammenbauen, Strom anschließen etc etc. Langsam lässt sich ein Camp erkennen. Es ist irgendwie etwas Besonderes mal von Anfang an dabei zu sein, jedes Detail der Entstehung mitzubekommen. All das aufzubauen, was hier dann bis Ende September stehen wird. Zelte aufzustellen, in denen hunderte von Kursteilnehmer schlafen werden. Noch ist hier alles so friedlich, bis auf ein anderes Surfcamp und ein paar vereinzelte Camper sind kaum Menschen zu sehen und zu hören. Donnerstag. Es ist schweinekalt und regnet Bindfäden. Ekelhaft. Die Uhr hängt mittlerweile im Küchenzelt und wir können mitverfolgen, wie das Thermometer fällt. Wir trinken Café mit Averna-Schuss, Wärme von innen fördern! Geschickte Schlafsack-Einwicklungs-Taktiken sind jetzt gefragt. Alle, die an eine Wärmflasche und Gummistiefel gedacht haben, werden beneidet. Samstag verpassen wir der Zeltstadt den letzten Schliff und gehen abends tatsächlich nochmal ins Wasser. Einmal das Shorebreak Adrenalin hochgefahren, sonst ging da gar nicht viel. Zum Glück sind alles Boards und Knochen heil geblieben, das hat ganz schön auf den Strand gehämmert. Und die Vorhersage wird nicht kleiner, na Mahlzeit! Morgen treffen hier die Kursteilnehmer ein und dann geht die Saison wirklich los. Hoffentlich haben die ein dickes Fell und keine Karibikbilder im Kopf, willkommen am Atlantik im Mai !

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