Schicksal nahm seinen Lauf

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Ich war immer schon der Überzeugung, dass es sowas wie eine Vorausbestimmung gibt. Das ist um Gottes (…) Willen, um hier gleich mal einen disclaimer anzubringen, keine religiöse Ansicht. Aber der Gedanke, dass alles im Leben aus einem bestimmten Grund geschieht, da scheint manchmal wirklich etwas dran zu sein. Wie Kierkegaard sagte „Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben muss man es aber vorwärts“. Da ziehen sich die Schicksalsfäden durch unsere Stunden und Tage und manchmal Jahre, immer unsichtbar und scheinbar willkürlich gewoben. Bis du dich irgendwann umdrehst und ein perfektes Netz sehen kannst und alle Kreuzungen und Abzweigungen und (Un)Geschehnisse plötzlich Sinn machen. In meinem Fall stehe ich nicht vor einem Netz, sondern in unserem Wohnzimmer. Ich starre ungläubig in die Augen der Freiheitsstatue, die seelenruhig an der Wand neben dem Fenster hängt. Mit Fackel und grünem Umhang und im Hintergrund erstreckt sich New York.

Ich fasse es nicht: Wie lange hängt die denn da schon? „So zehn Jahre vielleicht“ kriege ich als Antwort. Verrückt. Natürlich kenne ich das Bild, es ist nicht so, als hätte ich sie noch nie da hängen sehen. Aber mir war dennoch nicht BEWUSST, dass wir eine Freiheitsstatue im Wohnzimmer hängen haben. Die Luttis sowieso, als irgendwie unamerikanischste Familie überhaupt. Und jetzt, da New York, Manhattan , Brooklyn, der Hudson, Lady Liberty nicht mehr bloß nichtssagende Namen für mich sind und ich dieses Bild tatsächlich wahrnehme, frage ich mich, ob da mehr dahinter steckt. Ein jahrelanger Wink mit dem Schicksal oder so. Ja, vielleicht hat mir das Bild über die Jahre des unschuldigen Betrachtens hinweg insgeheim zugeflüstert „2013 wirst du einige Zeit in New York verbringen und die Staaten werden sich so schnell nicht wieder loslassen“. Das klingt schon ein bisschen psycho, das gebe ich zu. Alles was ich sagen will ist, dass das Leben manchmal ganz schön unheimlich sein kann. Wenn es in der Retrospektive plötzlich alles völlig klar zu sein scheint. Und dann schaut man wieder ganz anders auf die Dinge, die so um einen passieren. Ich in meinem Fall schaue misstrauisch auf diese Frau in unserem Wohnzimmer. Und gerade habe ich entdeckt, dass auch in meinem Zimmer noch ein kleiner Dämon ihrer selbst haust (s.u.).Verschwörung! Also jetzt ist alles klar, hier ist alles vorausbestimmt. New York war wahrscheinlich seit Jahren klar wie Kloßbrühe und ich hab nix davon gewusst.

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