Eastcoast Roadtrip mit Karo – Tag 2

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Montag, 01.04.2013

Die Sonne scheint als wir erwachen.  Ein golden-lila Morgen, noch frisch, crisp air. But beautiful! Die Scheiben unseres Chryslers sind nicht nur beschlagen, eher tropfnass. Wir schreiben den 1. April in das Kondenswasser. Es riecht nach Frühling als wir fröstelnd, aber bestens gelaunt zum Klohäuschen der rest area dackeln. Die erste Nacht im Auto war gar nicht mal so unbequem. Nur kalt. Aber wahrscheinlich werden wir von Tag zu Tag, Nacht zu Nacht besser. Gegen 7.30 Uhr rollen wir weiter auf dem Highway gen Süden, nächstes Ziel Charleston, ca. 600km weiter südlich an der Ostküste. Das Thermometer im Auto liegt schon bei 50°Fahrenheit. So sicher sind wir uns mit der Umrechnung in Celsius auch nicht, aber alles jenseits der 50 hört sich vielversprechend an. Die Straße entspricht nun mehr und mehr unseren Vorstellungen von einem amerikanischen Highway: Ziemlich viel Nichts. Bäume und Asphalt und der blaue Himmel. Genau das, was wir nach den Tagen in der Stadt und dem Manhattanstau gestern brauchen. Schilder am Straßenrand kündigen alle paar Meilen Essgelegenheiten an. Eine reichhaltige Auswahl: McDonals, Wendy’s, Burgerking, ‚Chick-fil-A‘ etc. Wir entscheiden uns frühstückstechnisch für das ‚Waffle House‘. Good choice!  Karo stellt fest: Die Anzahl von Menschen in rosa Plüschanzüge nimmt zu und generell werden die Gestalten massiger. Mein Gott, wir müssen wirklich in Amerika sein. Ein Roadtrip durch die (Oststaaten der) USA, das müssen wir uns immer wieder ins Gedächtnis rufen. Die Sonne strahlt weiter, wir sind mittlerweile bei 73°F angelangt und tauschen lange gegen kurze Ärmel. Musik versüßt die Highway experience (Annie, ich habe Rascal Flatts aus vollem Herzen und voller Kehle mitgesungen!) und mein Magen kribbelt jedes Mal, wenn in den Countrysongs der 94.7 radio station die Ortsnamen und Staaten auftauchen, auf dessen Grund und Boden unsere Räder gerade rollen. By the way, wir durchqueren einen Staat nach dem anderen. Bisher haben wir auf unserem Konto: New York, New Jersey, Delaware, Maryland, Virginia, North Carolina und South Carolina. In einem kleinen Ort namens Wilmington finden wir einen Fleamarket, Trödelmarkt, und gehen im Paradies stöbern. Diese Möbel sind der Wahnsinn. Wenn wir nur etwas mit nach Hause nehmen könnte. Alte Schränke, schönste Kommoden und antike Teesets, dazwischen Spiegel in rustikalen Rahmen und jede Menge Krimskrams, der das Herz erfreut. Unsere Ausbeute: Ein Cowboyhut, eine alte Schallplatte, drei Garderobenhaken und für den guten Zweck – und einen glücklichen Magen – eine Packung Girlsscouts Peanutbutter-Chocolate Cookies. Mit Randy Travis geht es weiter on the road. Karo lehrt mich den Tempomat zu nutzen und die ganze Fahrerei wird noch ne Runde chilliger. Es geht weiter, vorbei an hölzernen Dorfkirchen (es gibt vor jeder Kirche ein Straßenschild, dass auf die ‚Church‘ hinweist…), die eifrig die Osterbotschaft „He is risen“ auf  großen Plakaten verkünden. Stars und Stripes in fast jedem Vorgarten sind keine Besonderheit, hier und da rollen gelbe Schulbusse und Monstertrucks an uns vorbei. Ja, ja, wir müssen wirklich in Amerika sein. Verrückt. Die Straße führt uns schließlich an die Küste, das Örtchen Garden City Beach überrascht uns mit seiner Wärme und einem langen Strand. Da der kurze Hosen Kauf unerfolgreich bleibt, müssen wir eben gleich alle Hüllen fallen lassen: Ab in den Bikini und noch ein Stündchen die Zehen im Sand vergraben. Und ein paar Yogaübungen am Strand zu machen, oh ja! Wir sind gerade mal wieder richtig frei. Und die Abendsonne taucht die Szenerie dazu in ein wunderbar kitschig-güldenes Licht. Ommmmm. Als es dunkelt fahren wir weiter Richtung Charleston. Noch immer ungläubig, dass wir gestern noch Schals und Winterjacken trugen und heute schon am Strand lümmeln. Wunderbar. Jetzt liege ich im Auto, irgendwo kurz hinter Charleston. Wir haben auf einem Mallparkplatz geparkt und hoffen, dass uns hier niemand verscheucht. Aber bisher ist alles ruhig. Genialer Weise hat der Laden gegenüber WiFi herumschwirren und da habe ich mich ganz frech mal eingeladen, das Internet zu benutzen. Sehr praktisch. Also gut, ich begebe mich auf meine Thermarestmatte, in den Schlafsack und krieche halb in den Kofferraum. Eine richtige Höhle, unser Chevrolet. Gute Nacht.

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