Schicksal nahm seinen Lauf

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Ich war immer schon der Überzeugung, dass es sowas wie eine Vorausbestimmung gibt. Das ist um Gottes (…) Willen, um hier gleich mal einen disclaimer anzubringen, keine religiöse Ansicht. Aber der Gedanke, dass alles im Leben aus einem bestimmten Grund geschieht, da scheint manchmal wirklich etwas dran zu sein. Wie Kierkegaard sagte „Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben muss man es aber vorwärts“. Da ziehen sich die Schicksalsfäden durch unsere Stunden und Tage und manchmal Jahre, immer unsichtbar und scheinbar willkürlich gewoben. Bis du dich irgendwann umdrehst und ein perfektes Netz sehen kannst und alle Kreuzungen und Abzweigungen und (Un)Geschehnisse plötzlich Sinn machen. In meinem Fall stehe ich nicht vor einem Netz, sondern in unserem Wohnzimmer. Ich starre ungläubig in die Augen der Freiheitsstatue, die seelenruhig an der Wand neben dem Fenster hängt. Mit Fackel und grünem Umhang und im Hintergrund erstreckt sich New York.

Ich fasse es nicht: Wie lange hängt die denn da schon? „So zehn Jahre vielleicht“ kriege ich als Antwort. Verrückt. Natürlich kenne ich das Bild, es ist nicht so, als hätte ich sie noch nie da hängen sehen. Aber mir war dennoch nicht BEWUSST, dass wir eine Freiheitsstatue im Wohnzimmer hängen haben. Die Luttis sowieso, als irgendwie unamerikanischste Familie überhaupt. Und jetzt, da New York, Manhattan , Brooklyn, der Hudson, Lady Liberty nicht mehr bloß nichtssagende Namen für mich sind und ich dieses Bild tatsächlich wahrnehme, frage ich mich, ob da mehr dahinter steckt. Ein jahrelanger Wink mit dem Schicksal oder so. Ja, vielleicht hat mir das Bild über die Jahre des unschuldigen Betrachtens hinweg insgeheim zugeflüstert „2013 wirst du einige Zeit in New York verbringen und die Staaten werden sich so schnell nicht wieder loslassen“. Das klingt schon ein bisschen psycho, das gebe ich zu. Alles was ich sagen will ist, dass das Leben manchmal ganz schön unheimlich sein kann. Wenn es in der Retrospektive plötzlich alles völlig klar zu sein scheint. Und dann schaut man wieder ganz anders auf die Dinge, die so um einen passieren. Ich in meinem Fall schaue misstrauisch auf diese Frau in unserem Wohnzimmer. Und gerade habe ich entdeckt, dass auch in meinem Zimmer noch ein kleiner Dämon ihrer selbst haust (s.u.).Verschwörung! Also jetzt ist alles klar, hier ist alles vorausbestimmt. New York war wahrscheinlich seit Jahren klar wie Kloßbrühe und ich hab nix davon gewusst.

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Keine Gnade für die Wade

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…Und auch für sonst kein Körperteil. Dieser Marathon war brutal. Schmerzhaft. Haruki Murakamis Mantra stand wieder auf meiner Startnummer, ein Ritual seit 2011. „Pain is inevitable. Suffering is optional.“ Wenn das so ist, dann habe ich in diesem Jahr das Leiden gewählt. Es zumindest nicht, meditativ oder sonst wie, ausblenden können. Bis zur Halbmarathondistanz lief es sich dabei noch ganz gut, fast unerwartet locker. Aber dann.

Enthusiasmus am Start, die Sonne strahlt an diesem Morgen vom Hamburger Himmel und lässt die bunten Scharen an Läufern in ihren neonfarbenen Funktionsklamotten noch mehr leuchten. Wir tauchten ein, in den Pulk des Startblocks. Saugen Vorfreude und ein bisschen Angstschweiß auf, freudig-nervöses Kribbeln in der dynamischen Menge. Ernste und lachende Gesichter, Konversation und Konzentration. Hier und da Clowns und Könige, Hamburger Wasserträger und andere Kostümläufer, wie jedes Jahr. Und auch die ein oder andere laufende Colgate Zahnpasta oder ein Sebamed Duschgel – Werbung läuft immer und überall. Neun Uhr, Startschuss. Wir brauchen 13 Minuten, um die Startlinie zu passieren. Alles läuft, alles ist im Fluss. Bald am Fluss. Ich sehe seit fast vier Monaten endlich die Kräne und die Elbe wieder. Auf der Elbchaussee läuft vor mir einer mit roten Kompressionssocken, die bis zur Kniekehle hinaufreichen. Auf beiden Waden prankt ein schwarzer Anker, darüber HH für Hamburg und darunter steht „No regrets!“. Die will ich auch!

Nach 25km geht dann nur noch wenig. Die Kilometerschilder scheinen unendlich weit auseinander zu stehen, vielleicht haben die sich vertan und Meilen statt km gemessen. Ich lutsche an einem Stück Banane, Beschäftigungstherapie. Schwere Beine und inneres Aufbegehren – absolut keine Lust mehr. Ich führe Diskussionen, leiste Überzeugungsarbeit, schenke jedem aufschreienden Körperteil meine Aufmerksamkeit – und versucht es dann wieder zu ignorieren. 15km vor dem Ziel stirbt mein iPod. Ich denke kurz darüber nach, ob das jetzt ein Zeichen ist und ich auch, vielleicht nicht gleich sterben, aber aufgeben soll. Jenseits der 30km sind meine Muskeln so verhärtet, dass mir mein Laufen ohnehin wie Schritttempo vorkommt. Ich nehme jede Getränkestation mit. Die Sonne brennt, weiße Salzkruste im Gesicht. Wasser! Am Ende auch Cola. Das Zeug schmeckt in diesen Sekunden wie…Cola eben, aber ganz besonders gut und unglaublich intensiv. Geschmacksnerven sind so viel sensibler bei extremer Anstrengung. Da kann auch ich mal langsam essen und trinken.

Die letzten 8km sind reine Tortur. Ich habe ja nie erwartet, dass der Lauf entspannt wird. Aber in der Vorstellung können Dinge immer nur begrenzt schlimm werden. Und in diesem Moment pisst es mich an, von mir selbst dieses buddhistisch gelassene Gequatsche zu hören, dass es doch nur noch 8 km sind und dass das doch klar war und dass ich es einfach so sehen soll, dass ich jetzt eh keine andere Möglichkeit habe als es durchzuziehen und dass ich doch einfach laufen soll, ohne so viel nachzudenken. Ah!

Ich denke weiter nach, aber über etwas anderes. Lenke mich ab. Was macht die Atmosphäre des Marathons so einmalig? Das Besondere ist, glaube ich, der kollektive Frohmut der Masse, welcher Fremde zu – wenn nicht unbedingt gleich Freunden, wenigstens zu – Gleichgesinnten werden lässt. Keine Aggression (außer gelegentlich bei den Läufern…), keine Konkurrenz. Und wenn die Deutschen die Distanz verlieren, wenn Fremde einem zujubeln, die Hand schütteln, auf den Rücken klopfen oder einfach nur Augenkontakt aufnehmen, halten und dabei ganz ehrlich lächeln. Nicht, dass die (Nord)Deutschen sonst arm an Emotionen wären, aber Gefühle zu haben und sie auszudrücken sind zwei sehr unterschiedliche Geschichten. Beim Marathon jedenfalls lässt man auch bei den Fischköppen endlich mal Luft ab und der Freude und Begeisterung, dem Mitgefühl und der Ehrfurcht freien Lauf. Hier und da entstehen Konversationen zwischen Unbekannten, die sich heute ganz aufgeschlossen gegenüberstehen.

Soviel zum positiven Kontrastprogramm zu meiner läuferischen Verfassung: Denn ich bin aggressiv. Geladen. 3km vor dem Ziel, am Ufer der Außenalster. Eigentlich eine wunderschöne neue Streckenführung, wir umgehen den fiesen Anstieg der Rothenbaumchaussee. Aber ich habe endgültig genug und Krämpfe in den Beinen. Ich werde jetzt gehen und fauche mein Gewissen an um Himmels Willen die Klappe zu halten. Die Zeit ist mir auch absolut schnuppe, dann eben über 4 Stunden. Ich bleibe stehen und beginne vorsichtig meine Wade zu dehnen. Da tippt mir einer von hinten auf die Schulter. „Nee, also du kannst jetzt echt nicht stehen bleiben. Du warst jetzt 15km immer vor mir und hast mich gezogen. Jetzt bring ich dich wenn es sein muss ins Ziel.“ Ich bin ein bisschen überrumpelt, ein bisschen gerührt und eigentlich will ich nicht, aber ich fange wieder an zu laufen. Keiner von uns beiden hat die Lust und Kraft zu reden, aber wir laufen stumm verbunden nebeneinander her. Vereint im Schmerz und dem Unwillen der letzten Kilometer und doch im Wissen, dass wir uns gerade deshalb gegenseitig retten: Hier bleibt keiner stehen, wenn der andere weiterläuft. Und irgendwie erreiche ich dann schließlich die Zielgerade auf der Karolinenstraße, mit dem roten Teppich und dem großen weißen aufgeblasenen Siegertor. Ich spüre nur ein einziges Gefühl: Erleichterung! Dass es vorbei ist und ich nicht aussteigen musste. Der Blick auf meine Uhr verrät, dass ich doch noch knapp unter vier Stunden geblieben bin. Ich grinse und gestehe mir ein, dass ich bei 4 schon ein bisschen enttäuscht gewesen wäre. Umso besser. Karo treffe ich später an der Startbeutelausgabe. Wir haben es beide geschafft. Sind beide unglaublich fertig, aber unglaublich glücklich. Und nach einem Bier und einer Dusche treffen wir draußen unsere Eltern, die treuesten Fans vom Straßenrand. Hamburg Marathon 2013, check!

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Blaue Linien

 

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Die Reeperbahn ist Teil der Strecke, wie immer. Durchs Rotlichtviertel bei Tageslicht. Aber wir gehen nicht auf den Strich, wir laufen. Entlang der blauen Streifen, die sich seit Dienstag wieder durch Hamburg ziehen wie Indizien einer Schnitzeljagt wirken. 15.000 Schatzsucher werden Sonntag beim Hamburg Marathon ihre Beine strapazieren, Knie und Rücken und Bänder aller Art riskieren. Um das Adrenalin, den Kick zu spüren. Mit Glückshormonen um sich zu schmeißen – in Erwartung des runner’s high. Möglichst lange locker dahin traben, die Gedanken beschäftigen und die Aussicht an der Elbchaussee und der Außenalster genießen, bis spätestens in Ohlsdorf der Mann mit dem Hammer sich zu Wort meldet und irgendwo hinter dem nächsten Getränkestand auftaucht. Wir werden sehen. Bis dahin gilt es dem Körper Ruhe zu geben (zum Beispiel Erkältungen loswerden, so unnütz aber auch!), mit Dehnung Wunder bewirken und Kohlehydrate futtern. Damit am Ende niemand zu einem sagt (wortwörtliches Zitat – vorhin bei der Startnummernausgabe in der Karolinenstraße, Zieleinlauf, aufgeschnappt –  eines kleinen Jungens auf dem Rad, hinter seinem Vater fahrend): „Ah, ich weiß was die hier machen. Die bauen das Ende auf. Das kenn ich hier. Das ist doch da wo es dir letztes Mal so schlecht ging, wo du so ganz weiß um den Mund warst.“ Also dann, lasst uns laufen!

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Moin moin Hamburg

Man identifiziert sich mit Heimat ja vor allem auch kulinarisch. Mit Papa gleich nach der Ankunft in Hamburg ein Franzbrötchen bei Luise gegessen. Hallo Fuhlsbüttel, wieder hast du dich so gar nicht verändert. Alle grünt und blüht und ist endlich warm. Gut, dass ich nicht eher gekommen bin. Dann gibts auch gleich noch eine nachträgliche Geburtstagstorte auf der Terrasse. Erste Euphorie, erste Bilder zeigen, erste Freunde wiedersehen. Jetzt sitze ich allerdings hier im Wohnzimmer und versuche mit dem Krabbensalatbrötchen auch meine Verwirrung hinunterzuschlucken. Ich bin irgendwie wieder hier. Oder auch noch nicht ganz. So gar nicht eigentlich. Trotz des Boston Dramas ist die Reise problemlos verlaufen. Langwierige Sicherheitskontrollen am Airport, aber die sind ja auch sonst nichts Neues. In Hamburg rollt kein einziges Gepäckband, Stille in den Flughafengebäuden. Was für ein Provinzflughafen. Mein Rucksack hat den Umstieg London-Hamburg nicht geschafft. Hat sich noch bis zum Mittag in England rumgetrieben, wurde dann aber persönlich von BA zu uns nach Hause eskortiert. Ansonsten ist hier schon wieder viel zu viel los und ich bin noch etwas zu müde und etwas zu erkältet. Die to do liste wächst, über den Kopf, und der muss daneben vor allem erstmal mit sich klarkommen. Gedanken drehen hier östlich des Atlantiks wieder schneller und Fragen bitten um Antworten.

Gebloggt wird weiter, stay tuned. Ist ja nicht so, dass das Leben vorbei wäre. Meine Tastatur ist gerade erst warmgetippt. Sonntag steht der Hamburg Marathon an, bald geht es nach Frankreich ins Camp, vielleicht gibt es im Juni amerikanischen Besuch und Berlinabenteuer und im Juli steht Hüttenarbeit in Österreich auf dem Programm. Riecht nach einem reichhaltigen Blogsommer. Ich spiele dann auch mal ab jetzt ein bisschen mit meinem iphone (yey!) herum. Endlich kann ich auch „coole“ Instagram Bilder posten.

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Bye Bye New York

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Als ich die letzten paar Socken in meinen Rucksack stopfe kriege ich zum dritten Mal heute einen kleinen Wutanfall. Dieses ganze Zeug, warum schleppt man so viel mit sich herum? Und das jedes Mal, auf jeder Reise, bei jedem Aufbruch. Immer die selben Gedanken. Dann fallen mir die Laufschuhe ein, die noch vorne neben der Tür stehen. Und auf der schwarzen IKEA Kommode thront noch meine Kulturtasche. Ich kapituliere, höre auf am zum zerreißen gespannten Reißverschluss meines Backpacks zu zerren und lasse mich rückwärts auf die weiße Bettdecke fallen. Da liegen wir, mein Rucksack und ich und  starren an die Decke. Alles ist unwirklich, weil dreieinhalb Monate niemals hier und jetzt und heute vorbei sein können. Es gibt nichts Absurderes als die Vorstellung, dass ich in viereinhalb Stunden im Flieger sitze. Die Zeit, die Zeit…sie sitzt in der Ecke, neben meinen aussortierten Klamotten und Büchern, und lacht sich ins Fäustchen. Ich wünsche mir meine zeigerlose Wanduhr, damit ihr das Lachen und gleichzeitig das Rennen vergeht. Weder vorwärts noch rückwärts drehende Zeiger soll sie haben, weil sie sich doch immer mit Vergangenheit und Zukunft verbündet. Dabei war ich in den letzten Wochen so gut darin im Moment zu leben. Aber unsere modernen Uhren – iPhones und Handys und Laptops – haben ja doch nur noch digitale Ziffern im Display. Wie könnte man da einfach die Zeiger abnehmen? Irgendwie kriege ich doch alles in den Rucksack, der sicherlich massives Übergewicht hat. Nicht so schlimm allerdings wie mein kleiner Handgepäckskoffer, der an die 15 Bücher in sich birgt. Wenn den jemand wiegt, dann gute Nacht.

Weder als wir das Haus verlassen und durch die Classon Ave, Gates und Franklin Ave laufen, noch als wir am Bahnsteig auf den A train Richtung Howard Beach/JFK warten, als wir in den Airtrain zum Terminal 7 steigen und schließlich am check in meinen (zum Glück nur 21 kg schweren) Backpack abgeben – es fühlt sich nicht wie ein Abschied an. Als würde ich nur mal eben wieder auf einen kurzen, diesmal Air- statt Roadtrip, aufbrechen. Was ich hier gelernt habe? Vor allem Gastfreundschaft und einen Umgang miteinander, der herzlicher und respektvoller kaum sein könnte. Eine Unkompliziertheit, die ich selten vorher erfahren habe. Und wie wichtig und wunderbar Freundschaften sind, die neuen und die alten. Wie man in dieser riesigen Stadt so viele tolle, kreative, aufgeschlossene, hilfsbereite und glückliche Menschen kennenlernen kann, ich muss einen sehr wohlwollenden Schicksalsengel auf meiner Schulter sitzen gehabt haben. Abschied buchstabiert sich hier genauso schwierig wie goodbye. Aber wir haben uns auf ein Ende geeinigt, das „for now“ im Kleingedruckten stehen hat. Jedem Ende wohnt ein Anfang inne. Damit nehme ich meinen Gürtel ab, ziehe meine Schuhe aus und hieve mein Handgepäck,  für dessen Gewicht sich dann doch niemand interessiert, auf das Band des security scans. Goodbye New York City, for now!

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Kulturelle Prägung

Das letzte Wochenende in NYC war von zwei kulturellen Erfahrungen geprägt. Baseball und Skulpturen.

YANKEE STADIUM, Bronx

Freitag Abend stand ein Yankee’s Spiel auf dem Plan. Vor allem Linda, Matti und ich waren ultra gespannt und irgendwie war auch alles wie im Fernsehen als wir da oben auf der höchsten Tribüne standen und über das Stadion blickten. Nur: Das Wetter war nicht ganz so filmreif. Und machte uns dann im Endeffekt auch ein bisschen einen Strich durch die Rechnung. Trotz heißer Schokolade, warmen Chicken Fingers und großen Plastiktüten als Regen- und Windschutz war die Kälte und Nässe dann doch irgendwann übermächtig und wir machten uns knapp vor der Hälfte aus dem Staub. Brrrrr, so kalt!

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STORM KING

Und obwohl sich meine Zeit in NYC mit raschen Schritten dem Ende näherte, mussten wir diesen Sonntag der Stadt nochmal den Rücken kehren. Um der Verschmelzung von Kunst und Natur zu fröhnen, uns dem Kulturellen hingeben. Eine Stunde nördlich von NYC besteht seit den 70ern ein Kunstzentrum, dass  sich auf einem weit ausgedehnten Waldgebiet erstreckt. Skulpturen von groß bis klein in freier Wildbahn. Und wir durften quasi lustwandeln und staunen und frei assoziieren, was uns zum Beispiel ein oranges Metallgestell in Tamponform  sagen möchte. Fast vier Stunden erwanderten wir Wald und Wiese, mit kleinen Abstechern zum Fluss und Ruhepausen auf der Picknickdecke und im Parkcafé. Sehr entspannend und dabei auch noch kulturell wertvoll.

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„The Storm King Art Center in Mountainville, New York is an open air museum which has extended the concept of a „sculpture garden“ to become a „sculpture landscape.“ Founded in 1960 by Ralph E. Ogden as a museum for Hudson Valley painters, it soon expanded into a major sculpture venue with the acquisition of works from the estate of sculptor David Smith.The site is approximately 500 acres (2.0 km2) of meadow and woodland located about an hour north of Manhattan.“ (Wikipedia), http://www.stormking.org/

Auf Roadtrip folgt Boattrip

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So nutzt man connections aus, die man in San Francisco geknüpft hat. Da kündigt sich der heißeste Tag des Jahres an und schon flattert die Möglichkeit zu einem kleinen Harbour Cruise ins Haus, so haben wir das gerne. Matti, den ich aus dem Goethe Institut kenne, war sofort Feuer und Flamme und demnach saßen wir um 17.45 bei Björn von NY Media Boat auf einem alten Militärschlauchboot und schipperten (manchmal auch ein bisschen schneller!) hinaus, Richtung East River und dann zur Freiheitsstatue. Die neidvollen Blicke der Touris auf den großen Booten waren gewiss. Wir VIPs! Bei Chips und Popcorn warten auf den Sonnenuntergang, bis die Silhouette Manhattans in Gold getaucht vor uns lag. Ein (touristisches) Träumchen zum nahenden Ende dieses New York Abenteuers. Perfekt.

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http://nymediaboat.com/

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Bentschie’s Birthday BBQ in a Brooklyn Backyard – so sah es aus am 7.4.2013. Gebührend gefeiert und doch wunderbar unspektakulär, mit reichhaltigem BBQ, kleinem Feuer, Frühlingstemperaturen und ein bisschen Bandmusik. Und vor allem mit so so lieben Leuten. Merci beaucoup, besser hätte der Geburtstag gar nicht werden können.

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Eastcoast Roadtrip mit Karo – Tag 7

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Eigentlich gibt es gar keinen Tag 7 mehr. Wir sind nachts schon nach NY zurückgekommen. Haben beschlossen, dass es sich nicht lohnt nochmal unsere Betten zu bauen. Und dann im übelsten Stau zu stehen, wenn wir am Tag durch Manhattan durch müssen. Demnach haben wir es mit Hilfe von viel Cafe und jeder Menge Snacks noch in der Nacht von Freitag auf Samstag nach NY zurück geschafft. Um half fünf konnten wir in richtige Betten sinken. War anstrengend, hat sich aber gelohnt.

Besser hätte diese Woche gar nicht verlaufen können. Wir sind verzaubert, wie großartig alles gelaufen ist. Nur der car drop off am Samstag rief leichte Aggressivität in Karo und mir hervor, wir waren uns sicher NYC in diesem Moment zu hassen. Ätzender Verkehr. Wir sind eindeutig wieder in städtischen Gefilden. Eine Ewigkeit im Stau gestanden, bei schönstem Wetter. Und dabei ganz dringend mal auf die Toilette müssen. Keine gute Kombi. Aber wir haben uns um Gleichmut bemüht und ihn schließlich wiedergefunden. Denn keiner hatte bei der Mietstation etwas zu meckern. Ratzfatz Auto weg und wir konnten entspannt, erleichtert mit der Bahn zurückfahren. ENDE GUT, ALLES GUT. Nur die Natur geht uns etwas ab. Da aber in NY gerade der Sommer ausbricht – Dienstag erwarten uns 26°C – werden wir u s gleich mal in die zahlreichen Parks begeben und alles grün einsaugen, das sich schon blicken lässt.

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Noch eine kurze Zusammenfassung der Reise. Der Roadtrip in Zahlen sozusagen:

Gesamtdistanz: 2567 Meilen (4131 km)

Benzinkosten: $ 265 (Can you believe it?!)

Autokosten (Miete, Navi, Versicherung): knapp 430 Euro (quasi gleichzeitig Übernachtungskosten)

Staaten durchquert: 11 (New York, New Jersey, Delaware, Maryland, Virginia, North Carolina, South Carolina, Georgia, Florida, West Virginia, Pennsylvania)

Eastcoast Roadtrip mit Karo – Tag 6

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Freitag, den 05.04.2013

Wir erwachen an diesem Freitagmorgen und sind überraschender Weise nicht erfroren. So kalt wie erwartet war die Nacht nicht. Der erste Blick nach draußen lässt uns mit gemischten Gefühlen in den Tag starten, es ist ziemlich grau am Horizont. WIr bemerken, dass wir unsere Laufschuhe im Kofferraum vergessen haben – die sind noch nass vom Strandlauf vorgestern. Verdammt. Jetzt wissen wir auch was die (wahre) Quelle des Fischgeruchs war…Im luxuriösen Toilettenhäuschen der Raststätte trocknen wir also unsere besten Freunde unter dem Handtrockner, damit sie uns später in den Bergen trockene Dienste leisten können. Dann brechen wir auf nach Asheville, eine kleine Stadt in den Appalachian Mountains, die ohnehin nur noch 20 Minuten entfernt liegt. Dort kaufen wir ein bisschen Vorrat ein – die ultimative ALDI experience, da mussten wir natürlich hin – wir wissen ja nicht wie viel Zivilisation uns in den nächsten Stunden über den Weg läuft. Wir fahren weiter Richtung Blue Ridge Parkway, einer scenic route, die man uns empfohlen hat. Das Wetter wird leider eher schlechter als besser. Dichte Nebelsuppe umgibt uns, als wir eine ziemlich eng gewundene Serpentinenstraße hoch und wieder hinunter kriechen. Wir fahren ein Weile, lassen die Aussichtspunkte links (rechts) liegen, man sieht eh nix. Landen schließlich irgendwie auf einer gravel road, die sich 15 Meilen durch Wald und noch mehr Wald schlängelt. Wir fragen uns, wie robust unsere Reifen eigentlich sind und wo zum Teufel wir hier rauskommen… Aber dann: Wenn Engel reisen freut sich das Wetter, hat unsere Grundschullehrerin schon immer gesagt. Die Sonne bricht gen Mittag durch die Wolken und plötzlich ist kein Weiß mehr am Himmel zu sehen. Der Himmel ist blau, so blau. Wir erreichen unsere erste Wanderroute: Der Weg zu den Linville Falls. Springen freudig aus dem Auto und verschaffen unseren Beinen die Bewegung, die sie schmerzlich herbeigesehnt haben. DIe ganze Natur hier erinnert mich an die canadischen Rockies. Eine kleine Stadt namens Blowing Rock, in die wir später kommen, erinnert mich an Jasper und Banff. Wie passend, dass wir uns in den Blue Ridge Mountains bewegen und auf das Shenandoah Valley zufahren. Sang doch John Denver schon in einem sehr bekannten Song von diesen Plätzen. Wir fühlen uns am richtigen Ort und ein bisschen wie im Märchen. Wir rollen weiter, fahren in den idyllischen Abend hinein. Assoziationen reißen nicht ab. Auf canadische Wildniss folgt Bayerisches Voralpenland, diese malerische Abendsonne, die grünen weiten Wiesen.Später parken wir vor McDoof und trotzen dem Drive In mit einem (Aldi) Dinner deluxe  im Auto. Wir haben noch einige km vor uns. Mal sehen, wie weit wir es heute Abend noch schaffen. Morgen um 15 Uhr muss das Auto wieder in NY sein.

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Zu diesem Bild: Karo kommentiert unsere tägliche Suche nach WiFi „Man ey, wir sind ganz schön internetabhängig“. Tja, wat soll man machen, ist halt heutzutage so.

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Eastcoast Roadtrip mit Karo – Tag 5

Donnerstag, den 04.04.2013

Wenn ein Ort mit einer Farbe assoziiert werden würde, dann wäre Tallahassee in unseren Köpfen nun für immer grün. Lush green. Tropisch, warm, geradezu schwül durch die hohe  Luftfeuchtigkeit, präsentiert sich die Stadt im Westen Floridas. Spanisches Moos hängt von den Bäumen, Palmen überall, Tarzan könnte jederzeit an einer Liane vorbei schwingen. Wir fahren an weitläufigen Grundstücken vorbei, tollende Squirrels springen in den Bäumen und auf der Straße herum (wir könnten eventuell eins überrollt haben, wozu man uns vor Ort gratulierte – die sind wohl eine ziemliche Plage hier, bunte Vögel singen, Grillen zirpen. Hier fangen wir uns auch unsere ersten Mückenstiche des Jahres ein, hurra! Bei Joe und Sue kriegen wir ein leckeres Frühstück, dann wird die Karte rausgeholt und wir überlegen auf welchem Highway wir später gen Norden fahren, Richtung Apalachian Mountains.  Dann nimmt Adam uns mit auf eine Tour durch Tallahassee, später packen wir zusammen, sagen goodbye und können uns eigentlich kaum trennen. Bevor wir Tallahassee verlassen machen wir einen „kurzen“ Shoppingausflug in einen sportladen – Karo wollte eigentlich nur Chucks kaufen (hier sind die nämlich wirklich billiger, nicht wie in NYC). Naja, jetzt sind wir um ein paar Sportklamotten reicher. Dann noch schnell in den Supermarkt, key lime pie müssen wir noch mitnehmen, eine Spezialität Floridas. Picknick auf dem Parkplatz in der Sonne, warmer Asphalt verbreitet noch mehr Sommerstimmung. Hochsommer. Die Luft ist ziemlich drückend. Riecht fast nach Gewitter. Mal sehen, vielleicht kriegen wir doch noch einen für diese Gegend eigentlich obligatorischen thunder storm mit.  Vom weiteren Tag gibt es nicht viel zu berichten. Wir müssen ein paar hundert km abreißen, damit wir es bis abends nach Asheville, North Carolina schaffen. Je weiter wir nach Norden kommen, desto schlechter wird das Wetter und desto schneller fällt das Thermometer, bis wir irgendwann nur noch bei ca. 3°Celsius haben. Wir fahren und fahren. 8 Stunden. Dann finden wir eine rest area ca 12 Meilen von Asheville entfernt. Es ist wirklich scheiße kalt geworden. Und wir immer noch in Flipflops. Heute bauen wir unsere Betten besonders schnell, ziehen in Erwartung einer sehr kalten Nacht mehrere Schichten und Socken an. Na dann, „gute“ Nacht.

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Eastcoast Roadtrip mit Karo – Tag 4

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Mittwoch, den 03.04.2013

Es wird nicht langweilig, auch wenn es morgens  bisher immer ähnlich aussieht. Die Sonne scheint wieder als wir aufwachen. Kurze Morgenwäsche im Starbucks und runter zum Strand. St. Augustine Beach, Florida. Wir kurven ein bisschen ratlos herum. Hier ist alles zugepflastert mit Hotels. Rasen wie mit der Nagelschere geschnitten, Rasensprenger verrichten monoton ihr Werk. Die Gebäudekomplexe sind gar nicht mal so schön. Wir sind uns einig: Die Gegend um Charleston hatte definitiv mehr Charme. Trotzdem können wir nicht meckern: Wir finden doch noch einen Parkplatz dicht am Strand, hüpfen barfuss auf den sommerwarmen Asphalt. Es ist 8 Uhr und schon ziemlich warm, schwüler als bisher. Es sind Gewitter angesagt, aber noch ist der Himmel blau. Der Strand ist unendlich breit und noch unendlich viel länger. Oystercatcher und kleine weiße Vögel tummeln sich an der Wasserkante. Wir laufen, mit etwas steifen Knochen von der vergangenen Nacht. Die Beine sind noch nicht ganz wach. Dann findet Karo endlich ihren Aligator. Beweis:

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Uns tropft der Schweiß aus allen Poren, ich laufe das erste Mal nur im Bikinioberteil. Immer wieder der kritisch prüfende Blick zur Seite, auf den Oberarm. Ist da schon ein Abdruck zu sehen? Ein bisschen Bräune wollen wir schon mitnehmen. Damit das auch wirklich was wird mit dem Teint, gammeln wir nach dem Lauf noch eine halbe Stunde faul am Strand herum. Aber hilft ja alles nix: Wir stinken und müssen nach Wasser suchen. Unsere heutige Waschgelegenheit ist wieder eine öffentliche Dusche hinter den Dünen, umziehen können wir uns im Badhaus daneben. Klappt doch alles. Und voila, wir sind wieder frisch. Und das für lau. Frühstück wird heute gleich zum Mittagessen. Und weil wir am Meer sind gibt es Fisch und Salat (wir hätten auch Aligatoren Schwanz bestellen können, schließlich sind wir jetzt im „Gator Country“). Als die Teller vor uns stehen, sind wir uns sofort einig, dass wir solche „mediterrane“ Kost doch wirklich lieber mögen als das ganze junk food. Wir Europäer. Glücklich kauen wir auf unseren Salatblättern (Kanickelfutter, wie Oma sagen würde), dazu gibt es geröstete Pecannüsse, Cranberries, Rosinen, Gorgonzola und Mangodressing. Und auf diesem grünen Bett thront bei mir ein weißes Telapia Fischfilet, bei Karo rosafarbene Shrimps. Dazu streift uns eine seichte Meeresbrise um die Nase. Hach…On the road again. Keith Urban und Joe Nichols tönen aus dem Radio und bringen uns wieder in Roadtrip Stimmung. Mir fällt auf, dass ein ziemlich hoher Prozentanteil meiner iPod Musik von Leuten bekommen habe, die anscheinend von amerikanischen Radiosendern inspiriert wurden. Danke Annie, Julius, Josh. Dank euch kann ich lauthals mitsingen. Zur Verdauung des Fisches brauchen wir Kaffee und machen eine neue Erfahrung mit dem Starbucks drive-through. Genial: Geht schneller und man muss keine Namen angeben. Wieder ein Hamburg Süd Truck. Ich will kurzzeitig aufspringen, aber dann kommt mir in den Sinn, dass ich wahrscheinlich eher als das entsprechende Schiff wieder in HH sein werden. Lieber noch ein bisschen amerikanischen Lifestyle leben bis es wieder nordisch wird. Weiter gehts, diesmal in eine andere Himmelsrichtung. Erst ein Stück zurück nach Norden, dann machen wir die Biege nach Westen: Auf nach Tallahassee. Auf Wiedersehen Küste, hallo Country. Ich trage wieder meinen Hut, wir fühlen uns nach Cowboystiefeln und halten Ausschau nach Flea Markets am Straßenrand. Dann zerplatzen die ersten Regentropfen auf unserer Scheibe. Dunkle Wolken hängen über dem Highway. Das Grau des Himmels und die immer grüner werdende Vegetation. Farbenspiel. Durch die Lüftung strömt Sommerregenluft, nasses Gras und warmer Asphalt.  Wir drehen das Radio auf. Glück prasselt mit dem Regen. Karo trommelt auf dem Lenkrad, meine Zehen wippen auf dem Amaturenbrett, Dolly Parton singt Jolene,  „your voice is soft like summer rain“. Dann kann diese Stimme gar nicht mehr so zart sein. Ich dachte als Hamburger sei man ne Menge Schietwetter gewöhnt, aber Regen in Florida ist eine Nummer größer. Platzregen wortwörtlich, halleluja! Wir sehen kaum noch etwas, der Scheibenwischer überschlägt sich fast, wir können ihn keuchen hören.Um 16.30 Uhr kommen wir in Tallahassee an, heute Nacht dürfen wir uns bei Jeff’s Eltern einquartieren. Uns erwartet der pure Luxus. Bestes Essen (selbstgefangener Fisch, gartenfrischer Salat, frisch gebackener Pecannuss Kuchen), warme Duschen und weiche Betten. Womit haben wir so viel Gastfreundschaft verdient? Sue zeigt uns das Haus, Joe führt uns in seine Werkstatt, wo er Möbel anfertigt. Das halbe Haus haben sie selbst gestaltet. Wir sind fasziniert, so viel DIY ist großartig. Später holt Adam uns ab, wir lernen noch ein paar andere Leute kennen. Können noch immer nicht glauben, wie warm wir aufgenommen werden. In einer Bar sitzen wir und lernen vor allem eine Menge über College Sport Teams. Gegen ein Uhr nachts fallen wir totmüde, aber überglücklich auf echte Matratzen und kriechen unter richtige warme Decken und schlafen wirklich wirklich gut. Thank you so much!!

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Eastcoast Roadtrip mit Karo – Tag 3

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Dienstag, den 02.04.2013

„Ey, der Typ macht sich über meine Unterhose lustig“ ruft Karo mit einem Café in der Hand und deutet durch die Fensterscheibe der kleinen Bäckerei spielerisch empört auf einen Mann, der gerade grinsend unser Auto passiert. Unsere Sachen hängen zum trocknen, in die Fensterscheibe eingeklemmt, an der Autotür. Während wir in einem schnuckeligen Café sitzen und, surprise,  Kaffee, Bagel und irgendwie auch WiFi, also fb Nachrichten, frühstücken. Es ist halb elf und wir sind großartiger Laune. Und schon seit 3,5 Stunden auf den Beinen.

Wofür braucht man eigentlich Hotelbetten? Morgens im Auto aufzuwachen bringt einen dazu, ziemlich effektiv im Aufstehen zu werden. Man erwacht mit dem ersten Licht, zieht die obersten Klamotten aus dem Rucksack, zieht sich an,  dann wird noch alles umgeklappt und los gehts. Demnach fanden wir uns heute morgen um 7 Uhr schon auf dem Weg zum Folly Beach, einem Strand kurz hinter Charleston, South Carolina. Was uns da erwartete, das könnt ihr euch auf den Fotos anschauen. Schon wieder so ein absolut lebenswertes Fleckchen Erde. Während unseres Strandlaufs begegnet uns kaum eine Menschenseele. Kurzer sehnsüchtiger Surfcheck: Es brandet zu schwach, aber die Wellen brechen perfekt. Absolut definiert und sie laufen und laufen, für einen Beachbreak ziemlich gut. Noch steht kein Wind auf dem Wasser. Magische Morgenstunden. Nach dem Lauf spielen wir Yogis, verbiegen und dehnen uns am Strand. Alles glänzt und wir strahlen mit dem Morgenlicht im Einklang, OM! Die Strandduschen am öffentlichen Parkplatz sind saukalt, aber die einzige Möglichkeit für zwei Autoreisende mal wieder gut zu riechen.  Und danach fühlen wir uns so frisch, so frei und so so wach.

Weiter gehts Richtung Savannah. Ich habe mich  darauf verlegt, die Blogeinträge auf dem Beifahrersitz zu schreiben. Gleichzeitig ist der Laptop via Kabel ins autoradio eingestöpselt und wir haben die ganze Palette der 3567 Songs zur Auswahl. Das ist jetzt ein richtiger Roadtrip. Obwohl wir zwischendurch immer mal wieder auf das Radio ausweichen, weil es hier so unglaublich gute radio stations gibt. Aber erstmal versetzt uns good old Jack Johnson in Sommerlaune. Die Landschaft erinnert mich inzwischen an die Landstraße im Hinterland der französischen Atlantikküste im Spätsommer. Lange zweispurige Straßen, rechts und links Pinien oder Seekiefern, zumindest nadelige Vegetation. Braun und grün als dominate Farben, die Sonne lässt alles trocken, aber wunderbar nach Sommer aussehen. Und duften. Die Wärme schmeckt nach kurzen Klamotten und Barfußlaufen. My feet on the dashboard. Aus gegebenem Anlass hören wir Passenger Seat, Death Cab for Cutie.  „With my feet on the dash, the world doesn’t matter“. Auf der Straße haben wir schon zwei Hamburg Süd Container gespottet. Und Karo entdeckt ihre biologische Ader auf diesem Trip. Seit die Landschaft südlicher wird und rechts und links immer mehr Flussarme und Seen auftauchen, ist sie auf der Suche nach Krokodilen. Und dann kommen auch so Kommentare wie „Hm, meinst du im Turtle Creek gibt es Schildkröten?“ Wunderbar! Savannah nennt sich selbst „Schönste Stadt der USA“. Wir nehmen uns 1,5 Stunden um diese selbsternannte Perle im Bundesstaat Georgia zu erkunden.  Nett und warm ist es, aber naja, wir wollen es nicht übertreiben mit dem Lob.  Passt schon. Während wir Stunde um Stunde mit unseren durschschnittlich 60 mph dahin cruisen, arbeiten wir Karo eine thematisch passende Spinningstunde  mit dem Titel „Durch den Osten der USA“ aus. Mit den passenden  Liedern, die uns auf der Fahrt durch die Ohren und ans Herz gehen. Klopfen die Rythmen auf die Beine, treten im Geiste die Pedalen des im Stehen rasenden Rades. Geht das?  Wo ist der Beat? Genial, das geht total ab!  Die Meilen fliegen dahin, wir kratzen an der 1000 Meilen Marke. Und haben erst zweimal tanken müssen, $85 insgesamt bisher. Nice! Kurzes Abendessen in einer legendären Restaurantkette der Südstaaten, „Sonny’s BBQ Restaurant“. Unser Fleischbedarf für eine Woche ist gedeckt, riesige Portionen. Gut, dass wir schon gelernt haben zu teilen (vielleicht ist das die Moral von der Geschichte der riesigen Portionen in Amerika: Wir sollen teilen. Nur diesen Wink bisher keiner so richtig verstanden.) Whatever, das Essen war lecker! Wir überqueren die Grenze des Sunshine State um 18.30. Florida, check! Durchqueren  die erste Stadt, Jacksonville, an der Ostküste, die wir meiden können, so der Insidertipp. Apropos: Zu unserer Staaten Liste fügen wir hiermit Georgia und Florida hinzu. Das macht insgesamt 9 bisher (für mich sogar 10, ich war ja schon in California). Unsere geographische Kompetenz hat sich, was die USA angeht, schon eindeutig verbessert, da sind wir uns einig! Ein geplatzter Reifen geht übrigens NICHT auf unsere Konto, jedoch auf das eines Lasters genau vor uns. Glück gehabt, dass niemand links neben uns fuhr. Sonst wäre das mit dem Ausweichen schwierig geworden. Kurzer Adrenalinstoß im unschuldig anmutenden, Abendlicht.  Und weiter zu unserem heutigen Zielort: St. Augustine Beach, Florida, an der Atlantikküste. Morgen gibts es dann hoffentlich wieder Strand zu sehen. Jetzt müssen wir inmitten der ganzen Hotels in diesem Ferienort erstmal ein Abgeschiedenes Plätzchen finden, um unser Autozelt aufzuschlagen. Gute Nacht vom Parkplatz vorm Starbucks.

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Eastcoast Roadtrip mit Karo – Tag 2

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Montag, 01.04.2013

Die Sonne scheint als wir erwachen.  Ein golden-lila Morgen, noch frisch, crisp air. But beautiful! Die Scheiben unseres Chryslers sind nicht nur beschlagen, eher tropfnass. Wir schreiben den 1. April in das Kondenswasser. Es riecht nach Frühling als wir fröstelnd, aber bestens gelaunt zum Klohäuschen der rest area dackeln. Die erste Nacht im Auto war gar nicht mal so unbequem. Nur kalt. Aber wahrscheinlich werden wir von Tag zu Tag, Nacht zu Nacht besser. Gegen 7.30 Uhr rollen wir weiter auf dem Highway gen Süden, nächstes Ziel Charleston, ca. 600km weiter südlich an der Ostküste. Das Thermometer im Auto liegt schon bei 50°Fahrenheit. So sicher sind wir uns mit der Umrechnung in Celsius auch nicht, aber alles jenseits der 50 hört sich vielversprechend an. Die Straße entspricht nun mehr und mehr unseren Vorstellungen von einem amerikanischen Highway: Ziemlich viel Nichts. Bäume und Asphalt und der blaue Himmel. Genau das, was wir nach den Tagen in der Stadt und dem Manhattanstau gestern brauchen. Schilder am Straßenrand kündigen alle paar Meilen Essgelegenheiten an. Eine reichhaltige Auswahl: McDonals, Wendy’s, Burgerking, ‚Chick-fil-A‘ etc. Wir entscheiden uns frühstückstechnisch für das ‚Waffle House‘. Good choice!  Karo stellt fest: Die Anzahl von Menschen in rosa Plüschanzüge nimmt zu und generell werden die Gestalten massiger. Mein Gott, wir müssen wirklich in Amerika sein. Ein Roadtrip durch die (Oststaaten der) USA, das müssen wir uns immer wieder ins Gedächtnis rufen. Die Sonne strahlt weiter, wir sind mittlerweile bei 73°F angelangt und tauschen lange gegen kurze Ärmel. Musik versüßt die Highway experience (Annie, ich habe Rascal Flatts aus vollem Herzen und voller Kehle mitgesungen!) und mein Magen kribbelt jedes Mal, wenn in den Countrysongs der 94.7 radio station die Ortsnamen und Staaten auftauchen, auf dessen Grund und Boden unsere Räder gerade rollen. By the way, wir durchqueren einen Staat nach dem anderen. Bisher haben wir auf unserem Konto: New York, New Jersey, Delaware, Maryland, Virginia, North Carolina und South Carolina. In einem kleinen Ort namens Wilmington finden wir einen Fleamarket, Trödelmarkt, und gehen im Paradies stöbern. Diese Möbel sind der Wahnsinn. Wenn wir nur etwas mit nach Hause nehmen könnte. Alte Schränke, schönste Kommoden und antike Teesets, dazwischen Spiegel in rustikalen Rahmen und jede Menge Krimskrams, der das Herz erfreut. Unsere Ausbeute: Ein Cowboyhut, eine alte Schallplatte, drei Garderobenhaken und für den guten Zweck – und einen glücklichen Magen – eine Packung Girlsscouts Peanutbutter-Chocolate Cookies. Mit Randy Travis geht es weiter on the road. Karo lehrt mich den Tempomat zu nutzen und die ganze Fahrerei wird noch ne Runde chilliger. Es geht weiter, vorbei an hölzernen Dorfkirchen (es gibt vor jeder Kirche ein Straßenschild, dass auf die ‚Church‘ hinweist…), die eifrig die Osterbotschaft „He is risen“ auf  großen Plakaten verkünden. Stars und Stripes in fast jedem Vorgarten sind keine Besonderheit, hier und da rollen gelbe Schulbusse und Monstertrucks an uns vorbei. Ja, ja, wir müssen wirklich in Amerika sein. Verrückt. Die Straße führt uns schließlich an die Küste, das Örtchen Garden City Beach überrascht uns mit seiner Wärme und einem langen Strand. Da der kurze Hosen Kauf unerfolgreich bleibt, müssen wir eben gleich alle Hüllen fallen lassen: Ab in den Bikini und noch ein Stündchen die Zehen im Sand vergraben. Und ein paar Yogaübungen am Strand zu machen, oh ja! Wir sind gerade mal wieder richtig frei. Und die Abendsonne taucht die Szenerie dazu in ein wunderbar kitschig-güldenes Licht. Ommmmm. Als es dunkelt fahren wir weiter Richtung Charleston. Noch immer ungläubig, dass wir gestern noch Schals und Winterjacken trugen und heute schon am Strand lümmeln. Wunderbar. Jetzt liege ich im Auto, irgendwo kurz hinter Charleston. Wir haben auf einem Mallparkplatz geparkt und hoffen, dass uns hier niemand verscheucht. Aber bisher ist alles ruhig. Genialer Weise hat der Laden gegenüber WiFi herumschwirren und da habe ich mich ganz frech mal eingeladen, das Internet zu benutzen. Sehr praktisch. Also gut, ich begebe mich auf meine Thermarestmatte, in den Schlafsack und krieche halb in den Kofferraum. Eine richtige Höhle, unser Chevrolet. Gute Nacht.

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