Bei dem Video waren wir schon fast am Ende des Wochenendes angelangt und die Herren fast um ihren Verstand gekommen. Das müssen die dichten Wälder des Nordens verursacht haben, der Schock des Verlustes der Zivilisation. Was war geschehen:
Wir nehmen den Highway gen Norden, durch Queens, die Bronx. Zu fünft in Teresas Van, Matti, Ben, Katie, Jeff und ich. Auf dem Weg nach Upstate New York, nach Red Hook, um Alex zu besuchen. Ein kurzer Wochenendtrip. In unseren Köpfen spukt der Gedanke an frühlingshafte Wanderungen in romantischen Wäldern, an knisternde Kaminfeuer und beschauliche Ruhe in ländlicher Umgebung. Fast eine Stunde dauert es bis uns der Großstadtdschungel aus seinen Klauen entlässt, bis die Landschaft sich zu verändern beginnt. Sich das Land hügelig und dicht bewaldet neben der Straße erstreckte und wir geradewegs in die Natur hinein zu rollen scheinen. Auf dem Highway den gelb leuchtenden Mittelstreifen entlang gleiten, der sich wie in einem Instagram bearbeiteten Foto irgendwie nostalgisch harmonisch schön mit dem blauen Himmel, den weißen Wolken und dem Grau des Asphalts mischt. Klick, Erinnerungs-Momentaufnahme im Kopf, und am besten als Untertitel noch ein Zitat von Henry David Thoreau. Auf dem Weg halten wir an der „Country Kitchen“, einem kleinen Restaurant an der Straße und platzen bald aus allen Nähten, denn die Bedienung mit Hasenohren a la Hugh Heffner serviert stereotypisch amerikanische Portionen. Im leichten Fresskoma, mit Reste Doggybag für Alex – Gastgeschenk – auf dem Rücksitz geht es weiter, tiefer in die Wälder, weiter weg von NYC. Zweieinhalb Stunden, dann parken wir auf der engen Auffahrt vor einem kleinen hellblauen Holzhaus mit großem Garten. Die Luft ist frisch, aber die Sonne scheint und macht Lust auf einen ausgedehnten Spaziergang. Den machen wir dann auch, inklusive Schneeballschlacht im Unterholz. Irgendwann landen wir in einem spärlich bevölkerten Örtchen i einer Bar, die eigentlich noch gar nicht eröffnet wurde. Aber Joe, der Barbesitzer (keine Ahnung wie der wirklich hieß, aber wir nennen ihn aus literarisch-ästhetischen Gründen mal so) winkt uns zurück und wir dürfen die ersten Gäste spielen. Wir kriegen nicht nur ein Bier und vor allem jede Menge Stories von Joe und seinem Bruder zu hören. Nebenbei dudelt die digitale Jukebox. Der Laden ist und wird großartig. Und unsere Bild wird an der Wand hängen, das verspricht Joe, weil wir die ersten hier waren. Auf dem Rückweg finden wir eine alte Scheune, die Graffiti und das Licht der untergehenden Sonne auf und in sich trägt. Was für eine Kombination. Wir entdecken und erforschen, klettern und springen und tasten uns vorsichtig über morsche Holzplanken. Wir sind mitten im Wald. Hier ist sonst niemand. Gut, dass wir so viele sind. Alleine könnte dieser Ort ziemlich unheimlich sein. Aber so ist er einfach nur magisch. Der Abend endet mit Pizza am Kamin und einem zweiten Barbesuch im nahegelegenen Städtchen Red Hook.
Am Sonntag gehen wir Laufen, genehmigen uns ein ausgiebiges Frühstück und machen uns auf zu einer Ausstellung im Bard College (http://www.bard.edu/). Danach schauen wir uns noch ein bisschen den Campus an und fahren hinaus, um den Poet’s Walk zu laufen. Bis hinunter zum Hudson River. Wir spazieren über weite Wiesen und ich frage mich, warum das Ding Dichterweg heißt und ob gleich Thoreau doch noch aus irgendeinem Gebüsch gestürzt kommt. Oder zumindest ein Schauspieler mit Gedichten auf den Lippen. Come on, America – wo ist deine Entertainment Ader? Aber nein, es bleibt ruhig und beschaulich und der Wind weht durch das Gras und die Sonne kommt hervor und vielleicht, vielleicht ist das die Poesie dieser Szenerie. Ben hingegen entdeckt seine kindliche Seele und rollt den nächsten Hügel hinunter bis seine Jacke nicht mehr grün, sondern braun vom Match des letzten Regens ist. Eine alte Eisenbahnbrücke erregt schließlich unser aller Aufmerksamkeit und wir klettern hinunter, zu den Schienen und zum Fluss. Werfen Steine, finden rostige Nägel, tollen auf den Gleisen herum. Das lassen wir dann aber doch lieber, als sich ein Zug ankündigt und wir geschwind hinter die Böschung springen. Rückweg. Dann ist es irgendwie auch schon wieder Zeit zum Aufbruch. Wir verabschieden Alex, fahren ein Stück, finden fürs Abendessen wieder ein sehr amerikanisches Resto – bald kann ich dann auch kein junk food mehr lecker finden – und fahren dem Big Apple entgegen. Mit herrlich leichtem Herzen. Ein geniales Wochenende!










































