EBM – The Espresso Book Machine

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Keine Höllenmaschine, eine Himmelsmaschine. Ein Traum für jeden self-publishing Enthusiasten. Die Espresso Book Machine. Ich habe versprochen zu berichten. Im unabhängigen Buchladen McNally Jackson in Soho, fünf Minuten von unserem Office entfernt, steht also so eine EBM. Zunächst hat das (leider) nichts mit Kaffee zu tun – den gibt es im McNally Café nebenan. Aber dafür druckt und bindet diese Maschine in Rekordzeit Bücher. Richtige, professionell aussehende Bücher. Das bedeutet jeder kann ein entsprechend formatiertes PDF (es gibt einen DIY formatting guide der alles erklärt) an den Buchladen schicken, die füttern die Maschine mit den Daten und dann geht es los. Die EBM ist im Prinzip nur zum Binden des Buches da. Ein ganz normaler Drucker druckt die Seiteninhalte (schwarz weiß), ein zweiter Drucker druckt den Bucheinband (ggf. farbig vorne und hinten) und alle Seiten werden dann automatisch in die EBM weitergereicht. Die kennt das gewollte Format, stutzt alles zurecht, bindet und spuckt dann schlussendlich das fertige Buch aus. Der ganze Vorgang dauert nicht länger als 5-10 Minuten. Mindestanzahl der Seiten sind 40, maximale Anzahl 800 Seiten. Für ein 100 Seiten Buch sind es ca. $10, die der „Autor“ zahlen muss. Aber McNally bietet auch noch sämtliche Servicepakete an, beispielsweise proof reading, die Präsentation des Buches im Geschäft, online placement, Kontakt zu Lektoren etc. Das kostet dann zwar extra, aber insgesamt ist das Ganze nicht unbezahlbar.

Eigentlich wurde die EBM für print-on-demand entwickelt, sprich um Bücher zu drucken, die so im Buchhandel nicht oder kaum verfügbar sind. So können zB freigegebene GoogleBooks gedruckt werden. Dieses print-on-demand macht allerdings nur noch 5% der Maschinennutzung aus, 95% der gedruckten Manuskripte sind self-publishing Werke. Es ist hier in den USA um einiges normaler als beispielsweise in Deutschland, sich nicht an einen Verlag zu wenden, sondern sein selbstverfasstes Manuskript im Selbstverlag rauszubringen. Dafür ist die Unterstützung von McNally und der EBM großartig, weil man es zumindest schonmal zu einer Präsenz im Buchladen geschafft hat.

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EBM locations

Ich musste dann sofort mal rausfinden, wo es überall diese EBMs gibt. An dieser Karte sieht man, dass es erstens noch nicht viele gibt und dass doch ein erhebliches Ungleichgewicht bzgl des Vorhandenseins von EBM zwischen den USA und Europa existiert. Kulturell kaum verwunderlich – mal wieder ein Ausdruck des ‚American-Dream-Do-It-Yourself‘ Gedankens schätze ich. Sogar Alaska hat eine EBM, in Deutschland geht da hingegen gar nichts. Ich hätte gedacht, dass es wenigstens eine Maschine irgendwo gibt. Neuseeland hat auch keine. Zwei Locations, die unbedingt aufholen müssen… Dafür müsste man vielleicht das self-publishing in Deutschland ein bisschen pushen und eine geschickte Geschäftsidee entwickeln…es scheint, als wäre man damit tatsächlich noch eine Art Pionier, was ja heutzutage meistens unmöglich ist – etwas zu machen, was noch (fast) kein Anderer getan hat. Bedauerlicherweise sind die EBMs nicht gerade günstig. Immer an irgendwelche Druck-, Wartungs- und Nutzungsverträge gebunden. Mit dem start-up Finger schnipsen ist da wohl nciht so einfach. Und dann wird natürlich jede Menge Kritik laut, nämlich dass dann zunehmend der letzte Mist gedruckt werden kann, Druckereien, Verlage und Versandtunternehmen werden überflüssig etc etc.

Trotzdem, irgendwie ist das Ding genial. Man kann auch einen Blog binden lassen…vielleicht  kommen die NY Beiträge ja in ein Buch, da muss ich mal ein ernstes Wörtchen mit McNally reden. Un einen Espresso drüber trinken.

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