MJ Day

Manche Tage ziehen einfach vorbei, grau und belanglos und dann ist ein Tag wie der andere. Von manchen Tagen aber erwartet man nichts….und bekommt alles. This day will go down in history as Marc Jacobs Day. Zumindest in Goethe und GBO Kreisen.

Ich habe verpennt, dabei wollte ich endlich mal wieder disziplinierter trainieren. Das regelmäßige Lauftraining hat in den letzten zwei Wochen durch SF und das Festival ziemlich gelitten. Um 7.30 schnüre ich also hastig die Laufschuhe, wenigstens eine halbe Stunde. Aber es ist denkbar unentspannt mit der Zeit im Nacken durch den Park zu hasten. Trotzdem fühle ich mich etwas wacher als ich in den B Train steige um zur Arbeit zu fahren. Und irgendwie bin ich tatsächlich früher dran als sonst. Effizienz und Zeitdruck arbeiten gut zusammen. Hätte ich auch noch länger laufen….ach egal. Im Büro kündigt unsere Direktorin Riky an, dass wir am Montag von einer Gruppe chinesischer Publishing Professional Besuch bekommen. Und wir interkulturell Kompetenten (Riky hat im übrigen auch Kuwi in Passau studiert) wollen den Besuchern natürlich etwas bieten. Ich fliege also aus mit dem Ziel Chinatown, das eh gleich bei uns um die Ecke beginnt. Mission: Chinesischen Tee, chinesische Cookies und Fortune Cookies (für uns!) kaufen. Die Sonne kommt raus und ich habe so gar nichts dagegen noch ein bisschen draußen herumzulaufen, anstatt mich gleich an den Schreibtisch zu pflanzen.

Chinatown ist immer einen Ausflug wert. People watching. Und Tiere. Vor mir öffnet ein Lastwagen seine Türen und ich blicke auf zukünftige Mittag- und Abendessen: Schweine hängen von der Decke des Transporters. Uh, vielleicht geh ich doch mal zu dem Vegetarian food festival, das dieses Wochenende in NY stattfindet. An der nächsten Ecke finde ich Glückskekse, stolpere danach in einen chaotischen Supermarkt und wieder über Tiere. Diesmal seafood, aber noch lebendig. Scheren zwicken, Fühler zucken, eine Frau steht vor einem Bündel länglicher Muscheln und betatscht immer wieder ruckartig das hervorquellende helle Fleisch. Ganz überzeugt von der Frische scheint sie nicht zu sein. Ich brauche ungefähr eine halbe Stunde bis ich mich endlich für ein paar Kekse und Cracker entschieden habe. Dieses Angebot überfordert mich. Und hier spricht außerdem kaum jemand Englisch. Da kann ich noch so oft fragen, was Chinesen denn kekstechnisch am ehesten zum Frühstück essen – ratlose Blicke und unverständliche Worte. Ich lächle einfach nur, thank you.

(Hier käme jetzt der Part, in dem ich euch über meine neueste Entdeckung berichte. Denn nach Chinatown musste ich noch in einen Buchladen, um einen Besichtigungstermin für die Chinesen zu besprechen. Aber diese Entdeckung verdient einen eigene Runde auf dem Blogmopped, heißt: es gibt einen separaten Beitrag zum Buchdruck der etwas anderen Art. Großartige Sache, diese Espresso Book Machine. Stay tuned!)

Als ich zurück ins Office komme herrscht eine ungewöhnliche Stille. Kaum jemand hämmert in die Tastatur, niemand telefoniert, überhaupt ist alles wie ausgestorben. Nur ein paar vereinzelte Plätze sind noch besetzt. Und auf meinem Schreibtisch liegt ein schwarz-weiß gestreiftes Armband. Die Empfangsdame schlurft an mir vorbei und weil ich anscheinend etwas verwirrt dreinblicke sagt sie nur: „Go down to 10th floor. Sample sale at Marc Jacobs.“ Marc Jacobs nimmt bei uns im Gebäude so vier bis sechs Stockwerke ein und die Mitarbeiter blockieren ständig den Fahrstuhl, weil sie zwischen den floors hin und her stöckeln(!). Ich lade die gelben Chinatowntüten ab, tüdel mir das Armband um und mache mich auf die rund 10 minütige Reise, um einen Stock tiefer zu kommen. Ab hier endet die Zeitwahrnehmung. Als ich eintrete steckt das halbe Goethe Institut und GBO bis zum Hals in Designerklamotten, wühlt auf Bargaintischen herum, trägt Kleiderbügel von A nach B. Inmitten von gefühlt 200 anderen eifrigen Shoppern. Die Raumtemperatur beträgt circa 40 Grad und animalische Instinkte blitzen aus dem ein oder anderen Auge hervor, zeichnen sich durch so manchen aggressiven und hektischen Handgriff ab. Meins! Das Beste finden! Alles so günstig! Schnell! Lass das bloß hängen, das hatte ich gerade ausgesucht!

Wir verbringen mehr als 2 Stunden im Kaufrausch. Nichts kostet hier mehr als $15. Normalerweise gibt es bei MJ wohl nicht mal einen Schnürsenkel für diesen Betrag. An Arbeit denkt in diesem Moment niemand mehr. Da man hier unerklärlicher Weise nur mit Checks zahlen kann und kaum einer von uns sowas besitzt, kommt kurz Panik auf. Wie sollen wir die ganzen Schätzchen bezahlen? In der Not aber hält man zusammenhalten: Dustin rettet uns. Wir dürfen mit seinem Check bezahlen. Also alles auf eine Rechnung. Die Endsumme ist $660 und das Endergebnis ein gigantischer Stapel Klamotten. Es dauert eine Weile bis man uns an der Kasse abgefertigt hat. Aber das macht nichts. Wir diskutieren über eine Geschäftsidee: Edle Klamotten weit unter dem Normalpreis anbieten, keine Spiegel und keine Anprobemöglichkeiten anbieten. Diese drei Komponenten und voilà, die Leute kaufen wie blöd. Nur sind wir uns noch nicht sicher, wie wir uns eine MJ ähnliche Reputation beschaffen können. Egal, wir sind glücklich. Im Büro geht das Geschnatter weiter, Sachen werden verglichen. Man bestätigt sich gegenseitig wie schön alles aussieht und dass das aber nun wirklich ein Schnäppchen war. Danke Marc Jacobs, du hast uns den Tag im Büro ungemein erträglich gemacht.

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