Eastcoast Roadtrip mit Karo – Tag 1

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Sonntag, 31.03.2013

Eine Weile nicht am Steuer gesessen zu haben macht einen ja doch etwas nervös, wenns dann wieder mal so weit ist. Autofahren. Und das in Amiland, wo man von rechts und links überholt… Meine Stimmung schwankt  zwischen Aufregung, Nervosität und Vorfreude, als Karo und ich uns an diesem Ostersonntag zum JFK Car rental aufmachten. Unseren Mietwagen abholen, der uns sechs Tage lang durch den Osten der USA kutschieren soll. Das wird der ungeplanteste Trip aller Zeiten Wir hatten null Muße irgendetwas zu organisieren. Gedanke über die Route haben wir uns kurz heute Vormittag beim Frühstück via google maps und ungefähren Distanzeinschätzungen gemacht. Kein Plan von nix, aber viel Lust auf Roadtrip-Abenteuer. Wir werden sehen, ob das gut geht. Oder vielleicht sogar besser wird. Keine Erwartungen und so. Immerhin haben wir jetzt eine ungefähre Route im Kopf: Von New York Richtung Süden, vorbei an Washington DC, nach Charleston, dann Savannah und schließlich Florida, St. Augustine Beach als südlichsten Punkt. Je nachdem wie viel Zeit uns danach bleibt werden wir uns gen Westen nach Tallahassee aufmachen und von dort den Rückweg Richtung Norden durch die Appalachian Mountains antreten. Die Abholung läuft wie geschmiert, wir adoptieren einen weißen Chevrolet. Ziemlich neu das Ding. Aber wir haben die Selbstbeteiligung im Schadensfall auf 0 reduziert – ein bisschen deutsche Sicherheit sitzt uns halt doch noch in den Knochen, trotz der amerikanischen Roadtrip-Freiheits-Träume. Aus Brooklyn raus schaffen wir es ganz gut. Dann macht aber das Navi komische Sachen, oder vielleicht haben wir auch zu vertieft dem Country Song im Radio gelauscht, jedenfalls verpassen wir eine Abzweigung und finden uns, du Schande, auf der Manhattan Bridge wieder. Dabei war das erste Ziel: Manhattan mit dem Auto meiden. Jetzt sind wir drin. Mitten drin. Und zwar so richtig. Im fettesten Stau. In den chaotischsten Straßen. Wir brauchen 2 Stunden bis wir den Stadtteil von Ost nach West durchquert haben, so langsam geht es voran – wenn überhaupt. Wir schnecken durch mein Büroviertel in Soho, niemals hätte ich mir träumen lassen, dass ich hier mal im Auto vorbeifahre. Whatever, das hat lange gedauert, aber jetzt können wir wenigstens behaupten uns im Manhattenverkehrswahnsinn behauptet zu haben. Check! Durch den Holland Tunnel entkommen wir den Massen.  Grau in grau verabschiedet uns NYC, neblig und regnerisch empfängt uns New Jersey. Bald fahren wir im Dunkeln.  Hat ja jetzt etwas länger gedauert… aber wir sind guten Mutes. Wir haben zwar eine Navi-Else, kaufen aber noch eine Papierkarte an der ersten  Tankstelle. Das macht mehr Spaß und man kriegt einen besseren Überblick. Für diesen Abend ist Washington DC Anfahrtspunkt. Beziehungsweise irgendein Rastplatz vor, hinter, bei Washington. Die letzten Meilen sind ein kleiner Kampf, wir sind echt müde. Irgendwann gegen kurz nach zwölf finden wir eine rest area am Highway, die recht belebt aussieht. Hier werden wir unser Nachtlager aufschlagen. Ein paar Umbaumaßnahmen im Auto und schon haben wir eine eigentlich ganz passabel aussehende Liegefläche geschaffen. Na dann mal ab in die Federn, Schlafsäcke. Und hoffen, dass keine Polizei an die Scheibe klopft – oder sonst wer.

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Wer hat an der Uhr gedreht?

D.R.E.I. Drei Monate. So lange habe ich es in letzter Zeit selten irgendwo ausgehalten. Ich fange gar nicht erst an, mich über die Zeit zu wundern. Sie verstreicht, natürlich! Und ich habe, naiv wie ich war, zu Anfang geglaubt sie würde hier in New York endlich kriechen statt rennen. Pustekuchen. PusteBLUME. Eis schmilzt, Frühling kommt. Ist Anfang, ist Ende und wieder Anfang und so weiter. Unglaublich aber wahr: Last day at work. 72 Spring Street ist ab heute keine tägliche Anlaufstelle mehr. Time to say goodbye. Thank you guys, I will terribly miss you!!!

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Visitors

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Welcome to New York. KARO und ELLI sind hier. Verrückt. Hier prallen gerade zwei Welten aufeinander. Sehr seltsam. Wunderbar seltsam. „Surreal but nice“, wie Elli treffend aus Notting Hill zitiert. Und dann treffen wir auch noch zufällig zwei Kuwistudentinnen aus Passau auf der Staten Island Ferry. Die sind auch überall… Nach ersten Shoppinganfällen am Broadway gab es für Karo und Elli den perfekten Einstand im Big Apple: Einen wunderbar kitschigen Sonnenuntergang, den wir mit einem spontanen Sprung auf die Staten Island Ferry besiegelten. Sonnenuntergang hin, Mondaufgang und erleuchtete Skyline her, sprich return trip. Der Besuch der beiden und der ferryride liessen mich spontan Parallelen ziehen. Mich daran denken, dass Passau und Manhattan sich in der Tat ein bisschen gleichen. Die (Orts)Spitze, die zwei Flüsse (und die somit inhärente Verwirrung vieler Touristen, an welchem der beiden Ufer man sich denn nun befände). Statt Donau und Inn, Hudson River und East River. Weird. Whatever. Eigentlich kann man den Vergleich auch lassen. War nur so ein Gedanke.

Am Abend mit schweren Beinen zurück nach Brooklyn: Unser Wohnzimmer wird zum Bettenlager, die Heizung ballert auf Hochtouren. Sauna, aber sehr gemütlich. Es gibt Chips, fruchtiges Bier und später noch Peanutbutter-Jam Sandwich. „So American!“. Während wir die Beine hochlegen und unser Bier süffeln, veranstalten Theresa und Jeff eine kleine Bandprobe. Es gibt nichts besseres als Gitarrenklänen und Teresas Stimme vom Sofa aus zu lauschen. Morgen ist Konzert angesagt. Morgen ist außerdem mein letzter Arbeitstag, da muss noch ein Brownie gebacken werden. Nach Singen, Backen und Bier ist uns so warm, dass wir uns nach frischer Nachtluft sehnen. Und es ist Vollmond. Wir schnüren die Laufschuhe und traben über den Asphalt, durch nächtlich leere Straßen. Spingen über Müllsäcke auf Gehwegen und heulen den Mond an. Bis wir Fort Greene erreichen, einen schlossähnlichen Park auf einem kleinen Hügel in Brooklyn. In dessen Mitte eine majestätische weiße Säule vom Mondlicht angestrahlt wird. Ahwooooooo! Ein Hund tollt herum, wir rennen, Stufen hinauf und hinunter, Handstand am Stadtrand.

Der weitere Plan? Morgen Abend also The Choir Diary Konzert in Greenpoint, Brooklyn. Freitag und Samstag Shopping, Sightseeing und co. Und Ostersonntag muss Elli schon wieder in der Flieger, während Karo und ich ein Auto gemietet haben und uns auf einen sechstägigen Roadtrip in Richtung Süden aufmachen. Wohin uns der WInd trägt oder der Highway? Unser Motto heisst bisher noch Spontanität. In wärmere Gefilde hoffentlich, vielleicht sogar die 1000 Meilen bis nach Florida. Mal sehen wie sehr wir unser Sitzfleisch strapazieren können und was uns auf der Strecke noch so über den Weg läuft. Vielleicht landen wir auch in Nashville bei den Country Singers, lassen uns in Virginia Beach an der Küste nieder oder bleiben schon gleich in Washington D.C. hängen. Wer weiß, mal wieder alles offen. Und gerade ist das sehr sehr gut so.

Und ich, ich habe danach dann auch noch ein bisschen mehr Zeit als erwartet. Zehn Tage habe ich drangehängt. Keine Ewigkeit, aber immerhin. Ich kann jetzt einfach noch nicht gehen – dieses Fleckchen Erde ist gerade zu perfekt!

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Wortlos

Meine Kommunikation: Eine Katastrophe, I know! Aber es gibt immer Gründe. Gute Gründe, seid beruhigt. Da schreiben stagniert, greifen wir auf Bilder zurück. For now. Das ist keine Lösung, überbrückt aber das Warten. Auf Worte. Die kommen wollen, da sind. Nur durch Finger und Gedanken gebunden, die keine Zeit finden und abschweifen. Das Mopped wird überholt, aber es wird wieder fahren. I promise.

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Upstate New York

Bei dem Video waren wir schon fast am Ende des Wochenendes angelangt und die Herren fast um ihren Verstand gekommen. Das müssen die dichten Wälder des Nordens verursacht haben, der Schock des Verlustes der Zivilisation. Was war geschehen:

Wir nehmen den Highway gen Norden, durch Queens, die Bronx. Zu fünft in Teresas Van, Matti, Ben, Katie, Jeff und ich. Auf dem Weg nach Upstate New York, nach Red Hook, um Alex zu besuchen. Ein kurzer Wochenendtrip. In unseren Köpfen spukt der Gedanke an frühlingshafte Wanderungen in romantischen Wäldern, an knisternde Kaminfeuer und beschauliche Ruhe in ländlicher Umgebung. Fast eine Stunde dauert es bis uns der Großstadtdschungel aus seinen Klauen entlässt, bis die Landschaft sich zu verändern beginnt. Sich das Land hügelig und dicht bewaldet neben der Straße erstreckte  und wir geradewegs in die Natur hinein zu rollen scheinen. Auf dem Highway den gelb leuchtenden Mittelstreifen entlang gleiten, der sich wie in einem Instagram bearbeiteten Foto irgendwie nostalgisch harmonisch schön mit dem blauen Himmel, den weißen Wolken und dem Grau des Asphalts mischt.  Klick, Erinnerungs-Momentaufnahme im Kopf,  und am besten als Untertitel noch ein Zitat von Henry David Thoreau. Auf dem Weg halten wir an der „Country Kitchen“, einem kleinen Restaurant an der Straße und platzen bald aus allen Nähten, denn die Bedienung mit Hasenohren a la Hugh Heffner serviert stereotypisch amerikanische Portionen. Im leichten Fresskoma, mit Reste Doggybag für Alex – Gastgeschenk – auf dem Rücksitz geht es weiter, tiefer in die Wälder, weiter weg von NYC. Zweieinhalb Stunden, dann parken wir auf der engen Auffahrt vor einem kleinen hellblauen Holzhaus mit großem Garten. Die Luft ist frisch, aber die Sonne scheint und macht Lust auf einen ausgedehnten Spaziergang. Den machen wir dann auch, inklusive Schneeballschlacht im Unterholz. Irgendwann landen wir in einem spärlich bevölkerten Örtchen i einer Bar, die eigentlich noch gar nicht eröffnet wurde. Aber Joe, der Barbesitzer (keine Ahnung wie der wirklich hieß, aber wir nennen ihn aus literarisch-ästhetischen Gründen mal so) winkt uns zurück und wir dürfen die ersten Gäste spielen. Wir kriegen nicht nur ein Bier und vor allem jede Menge Stories von Joe und seinem Bruder zu hören. Nebenbei dudelt die digitale Jukebox. Der Laden ist und wird großartig. Und unsere Bild wird an der Wand hängen, das verspricht Joe, weil wir die ersten hier waren. Auf dem Rückweg finden wir eine alte Scheune, die Graffiti und das Licht der untergehenden Sonne auf und in sich trägt. Was für eine Kombination. Wir entdecken und erforschen, klettern und springen und tasten uns vorsichtig über morsche Holzplanken. Wir sind mitten im Wald. Hier ist sonst niemand. Gut, dass wir so viele sind. Alleine könnte dieser Ort ziemlich unheimlich sein. Aber so ist er einfach nur magisch. Der Abend endet mit Pizza am Kamin und einem zweiten Barbesuch im nahegelegenen Städtchen Red Hook.

Am Sonntag gehen wir Laufen, genehmigen uns ein ausgiebiges Frühstück und machen uns auf zu einer Ausstellung im Bard College (http://www.bard.edu/). Danach schauen wir uns noch ein bisschen den Campus an und fahren hinaus, um den Poet’s Walk zu laufen. Bis hinunter zum Hudson River. Wir spazieren über weite Wiesen und ich frage mich, warum das Ding Dichterweg heißt und ob gleich Thoreau doch noch aus irgendeinem Gebüsch gestürzt kommt. Oder zumindest ein Schauspieler mit Gedichten auf den Lippen. Come on, America – wo ist deine Entertainment Ader? Aber nein, es bleibt ruhig und beschaulich und der Wind weht durch das Gras und die Sonne kommt hervor und vielleicht, vielleicht ist das die Poesie dieser Szenerie. Ben hingegen entdeckt seine kindliche Seele und rollt den nächsten Hügel hinunter bis seine Jacke nicht mehr grün, sondern braun vom Match des letzten Regens ist. Eine alte Eisenbahnbrücke erregt schließlich unser aller Aufmerksamkeit und wir klettern hinunter, zu den Schienen und zum Fluss. Werfen Steine, finden rostige Nägel, tollen auf den Gleisen herum. Das lassen wir dann aber doch lieber, als sich ein Zug ankündigt und wir geschwind hinter die Böschung springen. Rückweg. Dann ist es irgendwie auch schon wieder Zeit zum Aufbruch. Wir verabschieden Alex, fahren ein Stück, finden fürs Abendessen wieder ein sehr amerikanisches Resto – bald kann ich dann auch kein junk food mehr lecker finden – und fahren dem Big Apple entgegen. Mit herrlich leichtem Herzen. Ein geniales Wochenende!

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B2B – Bronx to Brooklyn

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Erstens war ich noch nie in der Bronx und zweitens lange nicht im Zoo. Und irgendwie ist es zwar ganz schön frostig an diesem Sonntag, aber wir sind entschlossen einen Sonntagsausflug zu machen. In den bekannten Zoo der Bronx. Jeff und ich kommen aus Brooklyn, Matti sammeln wir schon auf halber Strecke gen Norden in Harlem auf.  Dass wir uns den Allerwertesten abfrieren werden ist ziemlich schnell klar. Schon auf dem Weg zum Eingangstor weht uns ein schneidender Wind entgegen und unter meine zu kurze Sommerjacke. Meine Nase ist jetzt schon knallrot. Aber wir sind trotzdem vorfreudig gestimmt. Nach den ersten paar Metern flattern wir dann auch erstmal ins House of Birds, vor allem weil es dort nach tropischen Temperaturen riecht. Die Vögel sind eher Nebensache, wir streifen an Glasfronten vorbei, überfliegen (…) die Schilder und beschließen „No reading!“ zu unserem heutigen Motto zu machen. Nur gucken, keine tiefsinnigeren Bildungsansprüche an diesem Tag.

Auf Vögel folgt das übliche Getier: gefleckte Raubkatzen, paarungswillige Affen (von einer Gruppe begeistert analysierender Kinder beobachtet, deren Eltern sich hingegen entgeistert an den Kopf fassen), Flamingos (rosafarbenes Gefieder, weil Farbstoffe in ihrem Futter enthalten sind – das mussten wir kurz lesen!), Wildviecher , Reptilien, knutschende Bären. Und das Highlight: Das Mouse House. Wie süß! Nach ein paar Stunden spürt dann niemand von uns mehr seine Zehen und wir suchen den nächsten Ausgang. Im Sommer muss dieser Zoo ein Traum sein, wenn die Picknickdecke nicht mehr am Gras festfriert (gefühlt).

Zurück steigt Matti nicht in Harlem aus, denn wir sind noch zum Pizzaessen eingeladen. In der hauseigenen Pizzaria von Mike, dem Hausmeister des Goethe Instituts. Für diese Einladung nehmen wir einige Streckenkilometer Subway auf uns – der Laden liegt fast bei Coney Island. Aber das lohnt sich! Die Eggplant-Parmigiana Pizza ist grandios, genauso die Knobibrötchen und überhaupt ist eigentlich alles delicious. Außerdem ist die Atmosphäre so entspannt und gelassen wie man es sich nur für einen Sonntag Abend nach einem kalten Zooausflug wünschen kann. Schade nur, dass wir noch wieder zurückfahren müssen. Danke Mike!

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Frühlingsgefühle

Die Sonne scheint in New York heute morgen.
Zeit, an den Sommer zu denken, die Gedanken hinunter, herüber an den Atlantik zu lenken. Schonmal gedanklich das Wippen des Schreibtischstuhls in das Schaukeln der Hängematte zu verwandeln, wieder Seekiefernduft und Neopren zu atmen. Dünen zu erklimmen. Um dahinter das Meer zu finden.

https://www.youtube.com/watch?v=wTvwBGKlU8o&feature=player_embedded

Team Fridolin

„Hier ist der Start, dort  ist das Ziel. Dazwischen musst du laufen.“ (Emil Zatopek)

Bevor einer fragt: Fridolin ist die Katze eines ehemaligen Mitarbeiters. Warum die in die Geschichte eingegangen ist und ihr Name jetzt auf Team-Tshirts gedruckt wird, don’t ask me. Jedenfalls habe ich den kompletten Freitag Nachmittag damit verbracht, den Balkon mit Sprühfarbe zu verwüsten. Damit ich am Samstag wie Grace, Thomas und Hannah auch im Team Tshirt auflaufen kann. Ein Shirt professionell zu bedrucken, das lassen sich die New Yorker mit $45 aufwärts nämlich teuer bezahlen. Dann doch lieber DIY. Die letzten Tage hat sich der New Yorker Himmel nicht gerade farbenprächtig gezeigt und das gipfelte dann am Freitag in einem grandios ekelhaften Mix aus Schnee und Regen. Demnach war die kreative Bastelsession in Gammelklamotten ganz passend angesiedelt. Als das Mistwetter allerdings abends immer noch anhielt kamen mir leichte Zweifel an der makellosen Wettervorhersage für Samstag, die blauen Himmel und Sonnenschein versprach.

Aber tatsächlich, um 6:15 Uhr heute morgen fiel kein Schnee, es ging die Sonne. Auf! Und ich lief los. Auf der Brooklyn Bridge kitschiger Weise der Sonne entgegen. So ganz ohne Touristenströme zu dieser frühen Stunde. Die Flatbush Avenue hinunter, durch Brooklyn bis zum Prospect Park. Startschuss für den Lauf war um neun, ein 5k‘ race einmal rund um den Park. Mit dem Team Fridolin und Jeff. Vorbei an verschneiten Wiesen, im Einklang mit weißen Atemwolken von der Morgenfrische. Später dann eher Dampfwolken, weil die Sonne höher und der Kurs (an)gestiegen war. Nach einer guten halben Stunde war schon wieder alles passé und wir waren bereit für Frühstück, self-made bei Grace. Zünftig amerikanisch mit to-go Kaffee, Omlette, bacon und doughnuts. Inklusive Musik vom Plattenspieler und in der Gesellschaft von Katze Cleopatra und Hund Scarlett. Ein nicht ganz gewöhnlicher Morgen in Brooklyn, eine ungewöhnlich schöne Art den Tag zu beginnen. Um den Kreis zu schließen setzten Thomas und Hannah mich vor einer Brücke auch wieder ab, diesmal die Manhattan Bridge. Die bietet auch am Tag, wenn die Brooklyn Bridge schon lange von sonnenhungrigen Touristenströmen eingenommen ist, noch jede Menge Platz zum Laufen. Downtown Manhattan queren, durch Menschenmengen in Chinatown, hinüber an den Hudson. Und dann hoch, gen Norden, zurück in die Upper West Side. Und dann erstmal duschen.

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Straßenstreifzüge

P1050870Starting the office day in a green and healthy way: Green smoothies from the deli around the corner. So good!P1050844Japanese stereotypes wandering Soho P1050848 P1050852Our office entrance, 72 Spring street P1050855 P1050857 P1050859 P1050860 P1050861! ! !  P1050862 P1050866 P1050868 P1050869

…und ein link zum Blog der Frankfurter Buchmesse. Ich durfte ein bisschen was über das Festival Neue Literatur zum Besten geben:

http://blog.buchmesse.de/2013/02/25/deutsche-autoren/

a lifelong quest

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„It can never be wrong to start with the ocean. To head off to the mountain. Getting lost in nature. Experience is the least thing you get. and this is all that counts. How it opens the heart if a wave crashes on the surface, a surfer speeds along the face of the wave. If the width of a mountain panorama manifests itself in front of your eyes  and how the freedom works its way into your chest. A lifelong quest. For a life that you want and have to live. That quest is going to follow you. There is not much these days that lasts for a long time. Things have become so flexible, changable. But this feeling is going to last. Forever. And I am going to deal with it my whole life. The question is if this is a burden or a blessing.“

(unknown)

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Leif Randt in einem Interview mit Zeit-Online zur Frage: Was ist denn junge deutsche Literatur?

„Oft Beziehungsgeschichten, die in jungen, akademischen Milieus stattfinden, in Großstädten, in WG-Küchen, in denen die Morgensonne in einem bestimmten Winkel hereinfällt, während der Kaffee gekocht wird. Und es gibt ziemlich abgründige Emotionen, die oft mit der Familie zu tun haben. Man ist sehr medienerfahren, die Figuren haben viele Serien und Filme gesehen, es herrscht eine Grundabgeklärtheit. Die Konflikte sind unausgesprochen und schweben. Die Dinge werden nicht beim Namen genannt, sondern durch die genaue Beschreibung der Sonne auf dem Küchentisch ausgedrückt. Das kann oft ganz schlimm sein. Manchmal aber auch gut.“

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2011-05/interview-leif-randt-prosanova

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EBM – The Espresso Book Machine

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Keine Höllenmaschine, eine Himmelsmaschine. Ein Traum für jeden self-publishing Enthusiasten. Die Espresso Book Machine. Ich habe versprochen zu berichten. Im unabhängigen Buchladen McNally Jackson in Soho, fünf Minuten von unserem Office entfernt, steht also so eine EBM. Zunächst hat das (leider) nichts mit Kaffee zu tun – den gibt es im McNally Café nebenan. Aber dafür druckt und bindet diese Maschine in Rekordzeit Bücher. Richtige, professionell aussehende Bücher. Das bedeutet jeder kann ein entsprechend formatiertes PDF (es gibt einen DIY formatting guide der alles erklärt) an den Buchladen schicken, die füttern die Maschine mit den Daten und dann geht es los. Die EBM ist im Prinzip nur zum Binden des Buches da. Ein ganz normaler Drucker druckt die Seiteninhalte (schwarz weiß), ein zweiter Drucker druckt den Bucheinband (ggf. farbig vorne und hinten) und alle Seiten werden dann automatisch in die EBM weitergereicht. Die kennt das gewollte Format, stutzt alles zurecht, bindet und spuckt dann schlussendlich das fertige Buch aus. Der ganze Vorgang dauert nicht länger als 5-10 Minuten. Mindestanzahl der Seiten sind 40, maximale Anzahl 800 Seiten. Für ein 100 Seiten Buch sind es ca. $10, die der „Autor“ zahlen muss. Aber McNally bietet auch noch sämtliche Servicepakete an, beispielsweise proof reading, die Präsentation des Buches im Geschäft, online placement, Kontakt zu Lektoren etc. Das kostet dann zwar extra, aber insgesamt ist das Ganze nicht unbezahlbar.

Eigentlich wurde die EBM für print-on-demand entwickelt, sprich um Bücher zu drucken, die so im Buchhandel nicht oder kaum verfügbar sind. So können zB freigegebene GoogleBooks gedruckt werden. Dieses print-on-demand macht allerdings nur noch 5% der Maschinennutzung aus, 95% der gedruckten Manuskripte sind self-publishing Werke. Es ist hier in den USA um einiges normaler als beispielsweise in Deutschland, sich nicht an einen Verlag zu wenden, sondern sein selbstverfasstes Manuskript im Selbstverlag rauszubringen. Dafür ist die Unterstützung von McNally und der EBM großartig, weil man es zumindest schonmal zu einer Präsenz im Buchladen geschafft hat.

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EBM locations

Ich musste dann sofort mal rausfinden, wo es überall diese EBMs gibt. An dieser Karte sieht man, dass es erstens noch nicht viele gibt und dass doch ein erhebliches Ungleichgewicht bzgl des Vorhandenseins von EBM zwischen den USA und Europa existiert. Kulturell kaum verwunderlich – mal wieder ein Ausdruck des ‚American-Dream-Do-It-Yourself‘ Gedankens schätze ich. Sogar Alaska hat eine EBM, in Deutschland geht da hingegen gar nichts. Ich hätte gedacht, dass es wenigstens eine Maschine irgendwo gibt. Neuseeland hat auch keine. Zwei Locations, die unbedingt aufholen müssen… Dafür müsste man vielleicht das self-publishing in Deutschland ein bisschen pushen und eine geschickte Geschäftsidee entwickeln…es scheint, als wäre man damit tatsächlich noch eine Art Pionier, was ja heutzutage meistens unmöglich ist – etwas zu machen, was noch (fast) kein Anderer getan hat. Bedauerlicherweise sind die EBMs nicht gerade günstig. Immer an irgendwelche Druck-, Wartungs- und Nutzungsverträge gebunden. Mit dem start-up Finger schnipsen ist da wohl nciht so einfach. Und dann wird natürlich jede Menge Kritik laut, nämlich dass dann zunehmend der letzte Mist gedruckt werden kann, Druckereien, Verlage und Versandtunternehmen werden überflüssig etc etc.

Trotzdem, irgendwie ist das Ding genial. Man kann auch einen Blog binden lassen…vielleicht  kommen die NY Beiträge ja in ein Buch, da muss ich mal ein ernstes Wörtchen mit McNally reden. Un einen Espresso drüber trinken.

Vorsätze

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„Franz war erfreut, diese Bekanntschaft gemacht zu haben. Er äußerte seine Verwunderung, daß Rudolph in so früher Jugend schon von der Welt so viel gesehn habe. »Das muß Euch nicht erstaunen«, sagte jener, »mein unruhiger Geist treibt mich immer umher, und wenn ich eine Weile still in meiner Heimat gesessen habe, muß ich wieder reisen, wenn ich nicht krank werden will. Wenn ich auf der Reise bin, geschieht es mir wohl, daß ich mich nach meinem Hause sehne, und mir vornehme, nie wieder in der Ferne herumzustreifen; indessen dauern dergleichen Vorsätze niemals lange, ich darf nur von fremden Ländern hören oder lesen, gleich ist die alte Lust in mir wieder aufgewacht. So bin ich auch schon Spanien durchstreift, ich habe Valencia und das wundersame Granada gesehn, mit seinem herrlichen Schlosse, den fremden, seltsamen Sitten und Trachten, ich habe die Luft der elysischen Gefilde von Malaga eingeatmet, und kenne den Manserrate mit seinen Klöstern und grünbewachsenen Klippen.“

(aus Ludwig Tiecks Franz Sternbalds Wanderungen, Kap.16)

MJ Day

Manche Tage ziehen einfach vorbei, grau und belanglos und dann ist ein Tag wie der andere. Von manchen Tagen aber erwartet man nichts….und bekommt alles. This day will go down in history as Marc Jacobs Day. Zumindest in Goethe und GBO Kreisen.

Ich habe verpennt, dabei wollte ich endlich mal wieder disziplinierter trainieren. Das regelmäßige Lauftraining hat in den letzten zwei Wochen durch SF und das Festival ziemlich gelitten. Um 7.30 schnüre ich also hastig die Laufschuhe, wenigstens eine halbe Stunde. Aber es ist denkbar unentspannt mit der Zeit im Nacken durch den Park zu hasten. Trotzdem fühle ich mich etwas wacher als ich in den B Train steige um zur Arbeit zu fahren. Und irgendwie bin ich tatsächlich früher dran als sonst. Effizienz und Zeitdruck arbeiten gut zusammen. Hätte ich auch noch länger laufen….ach egal. Im Büro kündigt unsere Direktorin Riky an, dass wir am Montag von einer Gruppe chinesischer Publishing Professional Besuch bekommen. Und wir interkulturell Kompetenten (Riky hat im übrigen auch Kuwi in Passau studiert) wollen den Besuchern natürlich etwas bieten. Ich fliege also aus mit dem Ziel Chinatown, das eh gleich bei uns um die Ecke beginnt. Mission: Chinesischen Tee, chinesische Cookies und Fortune Cookies (für uns!) kaufen. Die Sonne kommt raus und ich habe so gar nichts dagegen noch ein bisschen draußen herumzulaufen, anstatt mich gleich an den Schreibtisch zu pflanzen.

Chinatown ist immer einen Ausflug wert. People watching. Und Tiere. Vor mir öffnet ein Lastwagen seine Türen und ich blicke auf zukünftige Mittag- und Abendessen: Schweine hängen von der Decke des Transporters. Uh, vielleicht geh ich doch mal zu dem Vegetarian food festival, das dieses Wochenende in NY stattfindet. An der nächsten Ecke finde ich Glückskekse, stolpere danach in einen chaotischen Supermarkt und wieder über Tiere. Diesmal seafood, aber noch lebendig. Scheren zwicken, Fühler zucken, eine Frau steht vor einem Bündel länglicher Muscheln und betatscht immer wieder ruckartig das hervorquellende helle Fleisch. Ganz überzeugt von der Frische scheint sie nicht zu sein. Ich brauche ungefähr eine halbe Stunde bis ich mich endlich für ein paar Kekse und Cracker entschieden habe. Dieses Angebot überfordert mich. Und hier spricht außerdem kaum jemand Englisch. Da kann ich noch so oft fragen, was Chinesen denn kekstechnisch am ehesten zum Frühstück essen – ratlose Blicke und unverständliche Worte. Ich lächle einfach nur, thank you.

(Hier käme jetzt der Part, in dem ich euch über meine neueste Entdeckung berichte. Denn nach Chinatown musste ich noch in einen Buchladen, um einen Besichtigungstermin für die Chinesen zu besprechen. Aber diese Entdeckung verdient einen eigene Runde auf dem Blogmopped, heißt: es gibt einen separaten Beitrag zum Buchdruck der etwas anderen Art. Großartige Sache, diese Espresso Book Machine. Stay tuned!)

Als ich zurück ins Office komme herrscht eine ungewöhnliche Stille. Kaum jemand hämmert in die Tastatur, niemand telefoniert, überhaupt ist alles wie ausgestorben. Nur ein paar vereinzelte Plätze sind noch besetzt. Und auf meinem Schreibtisch liegt ein schwarz-weiß gestreiftes Armband. Die Empfangsdame schlurft an mir vorbei und weil ich anscheinend etwas verwirrt dreinblicke sagt sie nur: „Go down to 10th floor. Sample sale at Marc Jacobs.“ Marc Jacobs nimmt bei uns im Gebäude so vier bis sechs Stockwerke ein und die Mitarbeiter blockieren ständig den Fahrstuhl, weil sie zwischen den floors hin und her stöckeln(!). Ich lade die gelben Chinatowntüten ab, tüdel mir das Armband um und mache mich auf die rund 10 minütige Reise, um einen Stock tiefer zu kommen. Ab hier endet die Zeitwahrnehmung. Als ich eintrete steckt das halbe Goethe Institut und GBO bis zum Hals in Designerklamotten, wühlt auf Bargaintischen herum, trägt Kleiderbügel von A nach B. Inmitten von gefühlt 200 anderen eifrigen Shoppern. Die Raumtemperatur beträgt circa 40 Grad und animalische Instinkte blitzen aus dem ein oder anderen Auge hervor, zeichnen sich durch so manchen aggressiven und hektischen Handgriff ab. Meins! Das Beste finden! Alles so günstig! Schnell! Lass das bloß hängen, das hatte ich gerade ausgesucht!

Wir verbringen mehr als 2 Stunden im Kaufrausch. Nichts kostet hier mehr als $15. Normalerweise gibt es bei MJ wohl nicht mal einen Schnürsenkel für diesen Betrag. An Arbeit denkt in diesem Moment niemand mehr. Da man hier unerklärlicher Weise nur mit Checks zahlen kann und kaum einer von uns sowas besitzt, kommt kurz Panik auf. Wie sollen wir die ganzen Schätzchen bezahlen? In der Not aber hält man zusammenhalten: Dustin rettet uns. Wir dürfen mit seinem Check bezahlen. Also alles auf eine Rechnung. Die Endsumme ist $660 und das Endergebnis ein gigantischer Stapel Klamotten. Es dauert eine Weile bis man uns an der Kasse abgefertigt hat. Aber das macht nichts. Wir diskutieren über eine Geschäftsidee: Edle Klamotten weit unter dem Normalpreis anbieten, keine Spiegel und keine Anprobemöglichkeiten anbieten. Diese drei Komponenten und voilà, die Leute kaufen wie blöd. Nur sind wir uns noch nicht sicher, wie wir uns eine MJ ähnliche Reputation beschaffen können. Egal, wir sind glücklich. Im Büro geht das Geschnatter weiter, Sachen werden verglichen. Man bestätigt sich gegenseitig wie schön alles aussieht und dass das aber nun wirklich ein Schnäppchen war. Danke Marc Jacobs, du hast uns den Tag im Büro ungemein erträglich gemacht.

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