There she goes

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REKORDFAHRT

„Es wird eine der coolsten Seereisen“

31.12.2012 Johannes Erdmann

Während sich die Einwohner von New York auf die große Silvestersause am Times Square vorbereiten, an dem sich etwa eine Million Menschen zum großen Ball Drop versammeln werden, ist die „Maserati“-Crew um Giovanni Soldini heute um 16.45 Uhr (10.45 Uhr Ortszeit) über die Startlinie vor dem Battery Park an der Südspitze Manhattans gesegelt. Der neunköpfigen Crew aus Italienern, einem Chinesen, einem Spanier, einem Amerikaner und dem deutschen Boris Herrmann steht eine kontrasträr ruhige Nacht bevor. Herrmann sagte der YACHT kurz vor dem Start: „Silvester und Party fallen für uns komplett aus. Ich bin schon froh, wenn wir die ersten Tage nicht an Deck einfrieren. Leider ist dies ja kein IMOCA Open 60 mit Cabrio-Cockpit und Autopilot, sondern ein offener Volvo 70. Wir sagen auf französisch ‚punition‘ (dt. ‚Strafarbeit‘, d. Red.). Das ist es, was wir in den ersten Tagen in der Kälte der nördlichen Gefilde erwarten.“

Mehr als einen Monat hatte „Maserati“ in Manhattan gelegen und auf ein perfektes Wetterfenster für den Rekordversuch gewartet. Nun endlich bekam Soldini das grüne Licht für den Start. Ziel ist es, den im Jahr 1848 aufgestellten Rekord für die Reise von New York nach San Francisco so weit wie möglich zu unterbieten. Damals war in Kalifornien Gold gefunden worden und so begaben sich die großen Segelschiffe auf schnelle Fahrt rund Südamerika. Die „Flying Cloud“ schaffte die Strecke in 89 Tagen und acht Stunden. Eine Bestzeit, die mehr als 130 Jahre nicht gebrochen wurde.

Mitte der 80er Jahre gab es dann einige Versuche, die jedoch keinen Erfolg brachten. Schließlich schrieb der Manhattan Sailing Club den „Clipper Challenge Cup“ für die Strecke aus. Im Jahr 1988/89 brach die „Thursdays Child“ den Rekord mit 80 Tagen und 20 Stunden. 1994 setzte Isabelle Autessier die Marke auf 62 Tage und fünf Stunden, bis Ives Parlier im Jahr 1998 die Zeit nochmals aus fantastische 57 Tage und drei Stunden reduzieren konnte. Sein Rekord mit „Aquitaine Innovations“ ist bis heute ungeschlagen.

„Am 31. Dezember loszufahren erinnert mich irgendwie dunkel an ein längeres Rennen mit meinem amerikanischen Buddy Ryan Breymaier“, sagt Boris Herrmann im Interview kurz vor dem Start. Vor genau zwei Jahren war der Oldenburger mit dem Amerikaner an Bord des IMOCA Open 60 „Neutrogena“ zum Barcelona World Race gestartet. Das Rennen beendeten die beiden nach genau 100 Tagen und auf dem fünften Platz. Für diesen Rekordversuch sind sie nun wieder als Crew vereint. „Im Moment ist jegliches vergangene aber kein großes Gesprächsthema“, sagt er weiter, „wir haben etliche Seemeilen und unser geliebtes Kap Horn vor uns. Hoffentlich schaffen wir es schnell bis dorthin und gern auch bis zum Ziel.“ 50 Tage sind sein Tipp. „40 wären ultra spektakulär, das kann ich mir im Moment aber noch nicht vorstellen, dafür müsste wirklich alles perfekt laufen. Eine Zeit gerade etwas unter dem Rekord von Parlier, dann wäre der Soll schon erfüllt.“

Für Herrmann, der bereits zwei Weltumsegelungen unter Regattabedingungen im Kielwasser hat, ist diese Rekordfahrt rund Südamerika ein großes, neues Abenteuer. „Ich bin sehr aufgeregt“, sagt er kurz vor dem Leinenloswerfen. „Komisch, denn beim letzten Rekord mit ‚Maserati‘ von Cadiz zu den Bahamas war ich völlig cool, zu cool vielleicht. Nun haben wir mehr als eine halbe Weltumseglung mit einer ziemlich verrückten Mannschaft vor uns.“ Doch „verrück“ ist vollkommen positiv gemeint, denn man muss wohl ein wenig verrückt sein, um solch ein Abenteuer mitzumachen. „Ich bin mir sicher, dass es eine der coolsten Seereisen wird, die ich jemals unternehmen werde“, sagt Herrmann, „Jedenfalls hat es noch nie so eine schillernde Truppe auf so ein brutales Rennschiff geschafft. Wir treten aber nicht an, um den Vogel abzuschießen, sondern ernsthaft diesen Rekord anzugreifen, den man nicht unterschätzen darf.“

Weitere Infos und Berichterstattung auf maserati.soldini.itborisherrmannracing.com – und natürlich auf YACHT-online.

Quelle: http://www.yacht.de/sport/news/es-wird-eine-der-coolsten-seereisen/a76825.html

 

Bloody freezing…

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Gemeinsam gefroren. Ich kann mich bloß nicht aufplustern…

Ahoi und Farewell

NY zeigt sich maritim. Pünktlich zum Jahresende steht ein Segeltörn ins Haus. Es geht von NYC nach San Francisco. Nicht, dass ich mitfahren würde, aber vor 4 Jahren haben Lina und ich ein Mitglied der Besatzung in Wellington, Neuseeland getroffen. Damals war Boris Herrmann mit seinem Co-Skipper im Rennen einer Regatta, die rund um die Welt führte. Morgen startet das Maserati Boot mit einer 8-köpfigen Besatzung aus der North Cove Marina, westl. Manhattan. Einen ausführlicheren Bericht findet ihr unten.

 

SET OFF IS DUE TOMORROW!

30 dec 2012

Maserati ready to challenge the New York-San Francisco record. Maserati’s departure towards San Francisco is expected tomorrow, on Monday 31st December, around 18pm (Italy time). Giovanni and Maserati’s team are expected to sail 13225 miles by Cape Horn in less than 57 days, 3 hours and 2 minuts (record by Yves Parlier with Aquitaine Innovations).

Boris Herrmann – navigator of Maserati – explains the weather conditions: “We are ready. Everything is prepared to leave tomorrow. Even the inside stacking is sorted and optimized for the upcoming weather: Everything movable in the boat has been stored to the starboard side and aft to help the boats’ righting moment with the expected winds from starboard in the next couple of days. In fact we expect strong westerly winds till the 3rd of january which makes this is a great moment for us to start the big “Gold-Route” – record around America. We plan to start tomorrow (monday) in the morning local time. Once we pass the famous “Ambrose Light Buoy”, the official record start line, it will be 6 pm in Europe.
We will be steering a general course of around 110 degrees – heading southeast – pushed along downwind in 30 to 35 knots and some increasing sea state. What a great way of welcoming 2013! Fingers crossed we wont have ice and snow for the start.
2nd of January we can expect to sail 150 or 200 miles north of Bermuda and getting rolled over by a strong cold front later that same day. At this point we will likely see some gusts up to 40 knots and wave heights up to 5,5 meters. After 3 days of power reaching we will be approaching a high pressure zone with diminishing winds. Already much warmer conditions by then will make forget the coldness of the north.
If everything goes to plan and we make it through the transition zone of the high pressure quickly, we will catch he trade winds at the end of day 5 and pick up speed again this time in much more pleasant conditions.
If the scenario sticks together we will be already close to the equator by day nine: The trade winds are well established and far north. All depends on how we get through the high pressure transition on the 4th/5th january and how we get through the doldrums…”.

Quelle: http://maserati.soldini.it/domani-si-parte/?lang=en

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Optimaler lässt sich kaum auf den Start warten – Liegestelle in der North Cove Marina mit Blick auf die Freiheitsstatue.

Segelrouten

 

NEW YORK – SAN FRANCISCO

The 13225 nautical miles that separate New York from San Francisco via Cape Horn, are an historic route, widely travelled by clippers that were involved in the gold rush starting from the second half of 1800.
The best result of the time was set in 1854 by Flying Cloud, exceptional vessel from the Boston shipyards, that reached San Francisco in 89 days and 21 hours, a record that stood for more than 130 years.
After several attempts by many boats, the 60-foot Thursday’s Child of Warren Luhrs arrived in San Francisco after 80 days and 20 hours in 1989. In 1994, Isabelle Autissier aboard Ecureuil Poitou took 62 days and 5 hours. Then, in 1998, Yves Parlier on board Aquitaine Innovations has dropped to 57 days, 3 hours, 2 minutes. This is the reference record for Giovanni Soldini and his crew who will try to beat it aboard the VOR70 Maserati, from the second half of December 2012.
The overall record in the multihull category belongs to Lionel Lemonchois that made the journey in 43 days and 38 minutes aboard trimaran Gitana 13 in 2008.

http://maserati.soldini.it/cartografia/?lang=en

Misty Lady, sunny Lady

29-12-2012

Vormittags fing es plötzlich an zu schneien. Ist wohl der erste wirkliche Schnee für NY in diesem Jahr. Nachmittags ging das dann allerdings in Regen und Nebel über. Ziemlich ungemütlich zwar, aber praktisch für einen Spaziergang entlang des Hudson Rivers – keine Menschenseele unterwegs. Und Wolkenkratzer, die nicht nur an Wolken kratzen, sondern sich in ihnen verhüllen, haben ihren ganz eigenen Charme. Glücklicherweise gibt es an jeder Ecke Starbucks, wo Aufwärmen gar kein Problem darstellt – höchstens für den Kontostand. Ein Cappuccino bei dem Laden kostet hier immerhin auch noch stolze 3 Euro.

Es gibt hier ne Menge cooler Dachterrassen. Ist leider nicht so die passende Jahreszeit, aber Ideen haben die New Yorker. Und über den Dächern ist die Freiheit zwar auch nicht grenzenlos, aber das bisschen Extraraum kann man künstlerisch bis funktional nutzen. Die Ex- und aktuelle S13 kann sich da mal ein Beispiel nehmen. YES, we can.

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Verdammt, die sind aber auch wirklich genau hier um die Ecke! Da kann ich dann auch nix dafür…
P1040214 P1040215 P1040217Averna gibts auch hier – ein Glück!


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Konkurrenz um den Status der Statue?!


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30-12-2012

Heute sah es schon wieder ganz anders aus. Sonnig und klar, aber ziemlich frostig. Vor allem der Wind, der durch die Häuserschluchten pfeift ist brutal. Beim Joggen am Hudson waäre ich heute früh fast weggepustet worden. Das Eis auf den Wegen war auch nicht ohne. Und trotz des Laufens war ich nachher so durchgefroren, dass ich mich das erste Mal richtig über die non-stop auf Hochtouren laufende Heizung in der Wohnung gefreut habe. Trotz der Kälte aber ein genialer Tag für Spaziergänge durch die Stadt.


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Gebührendes Abendessen als Abschluss einen langen Tages. Und dann noch Tatort per ARDmediathek. Gute Nacht in die Nacht, die bei euch schon lange ist und hier noch wird.

Lichter

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Ich glaube, ich bin da.

New York nachts um 01:00. Ich habe endlich den Rucksack abgeworfen und liege in einer Wohnung im 12. Stock, 86. Straße auf einer schmeichelhaft weichen Matratze. Allerdings wäre gerade selbst der härteste Knochen von Isomatte gemütlich. Ich bin müde – die Reise war lang. Hamburg-London-JFK New York. Sie haben mich reingelassen, die Kontrollfreaks. Alles gut. Nur eine kurze Verirrung in der Subway eben, falscher Zug, zu weit gefahren. Bisschen unheimlich. Aber Yellow Cab ist was für Anfänger.

Die Heizung pustet trockene Luft in den Raum. Abschalten kann man hier gar nichts. Lassen wir also die kühle Nachtluft durchs Fenster säuseln. Und mit ihr all die anderen Geräusche einer neuen Stadt. Die Dächer sehen genauso aus wie in den Filmen. Und vor einem meiner Fenster steigt im zickzack eine rostige Feuerleiter nach oben. Das Bekannte Unbekannte. Dank Hollywood. Im Osten kann man durch die Hochhäuser Wasser sehen, und Bäume. Central Park. Aber vor allem sind da Lichter. Überall. Nächte in New York gefallen mir jetzt schon. Und obwohl die Stadt nie schläft gehe ich schlafen. Vielleicht liegt morgen früh schon Schnee.

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Unfertig Ready To Go

Eben noch heulten im Bunkerballsaal Feldstraße die Sirenen auf, reimten und redeten Poeten sich um Kopf und Kragen, brachte Michel Abdollahi seinen Whiskey mit tiefen Blicken ins Glas um die Ecke. Hamburgs härteste Arena, Bunker Slam. Geistreich wunderbar, wie passend für einen abendlichen Abschied. Für den letzten Abend in der schönsten Stadt. Farewell, Hamburg meine Perle!

Ich warte darauf, dass mein Rucksack sich von selbst packt und ich schlafen gehe. Bis mein Wecker mich morgen früh mit den Worten: „Guten Morgen, es ist Zeit den Kontinent zu wechseln!“ leichtfüßig aus dem Bett springen lässt. Und ich noch alle Zeit der Welt habe bis nachmittags der Flieger in Richtung Vereinigte Staaten von Amerika abhebt…Träumchen!

Stattdessen lege ich eine Nachtschicht ein. Kein Ponyhof, kein selbstpackender Rucksack. Und wenig Schlaf ist auch mit von der Partie. Sie verstehen sich gut, die letzte Sekunde und das Chaos. Seelenverwandtschaft. Aber wie soll man auch ausgeschlafen im Flugzeug ein Auge zukriegen. Morgen also. Wieder losziehen. Über Los ziehen. Hoffentlich. Allerdings wohl eher Scheine ausgeben als einziehen. Drei Monate New York könnten in jeder Hinsicht spannend werden. Lassen wir uns überraschen.

Auf jenem diesem meinem blogmopped (zur Info für alle Nichteingeweihten: „mopped“ ist so wie „schlumpfen“, nur halt für Subjektive, nicht für Verben – kann für jeglichen Gegenstand verwendet werden. Vor allem aber oft in Kombination mit einem Wort, das schon auf den beschriebenen Gegenstand hindeutet, beispielsweise „Marmeladenmopped“ = Marmeladenglas, oder aber wenn der passende Ausdruck für einen Gegenstand gerade nicht ganz vorne auf der Zunge liegt, Dinge die man sonst ugs auch als „Ding“ oder „Pinökel“ beschreiben würde, wie „Gib mir mal das,..äh…das (Schreib-) Mopped da rüber“…. ) gibt es dann und wann Neuigkeiten aus der Stadt auf der anderen Seite des großen Teiches. NEW YORK. Soll ja nett sein.

Ich sag heute nochmal ganz nordisch tschüss und moin moin ihr Land- und Wasserratten, bevor sich demnächst wahrscheinlich die Anglizismen tricky in mein blogmopped sneaken…

Also, haltet die Ohren steif Matrosen! Ich segle nicht, ich fliege. Und das wird die Zeit auch tun. Was sind schon drei Monate? Immerhin drei Monate! We will see, we will see. Ich melde mich von Übersee. Machts gut, bis bald. AHOI. Schreibt Bentschie, die noch immer nicht auf gepackten Koffern sitzt.

DCIM100GOPRO

New York – Die Surfer aus der atemlosen Stadt

20.06.2011 ·  Morgan Collett importiert das Lebensgefühl der Westküste und die ewige Jagd nach der perfekten Welle in die Stadt der Ambition: Sein „Saturdays“ ist der einzige Surfer-Shop in New York. Strand und Wellen gibt es auch hier genug.

Von CLAUS BIERSCHNEIDER, NEW YORK

surf© CLAUS BIERSCHNEIDER

Morgan Collett ist mit Leib und Seele Surfer, doch um diese Uhrzeit wünscht er sich jedes Mal wieder, er hätte sich einen bequemeren Sport ausgesucht. Es ist Viertel vor fünf in Manhattan, und die Stadt, die angeblich niemals schläft, macht zumindest ein kurzes Nickerchen. Auf dem Broadway kann man mit dem Fahrrad Schlangenlinien fahren, außer den Müllwagen und den ersten Zeitungslastern ist kein Auto weit und breit zu sehen. Sogar die gelben Taxis haben Feierabend gemacht.

Morgan ist vor zwei Stunden nach Hause gekommen, er hat bis um halb drei in der Bar des Thompson-Hotels aufgelegt. Jetzt steht er im Kellerraum seines Geschäfts in der Crosby Street auf der Lower East Side und wachst sein Brett, als sein Partner Josh zur Tür hereinkommt und auf seinem MacBook ein letztes Mal die Wellen- und Windverhältnisse entlang der Küste von New Jersey checkt. Morgan und Josh sind die Inhaber von „Saturdays“, dem einzigen Surf-Shop von New York. Beide kommen von der Westküste, Josh aus Seattle, wo man am Freitagnachmittag zum Snowboarden in die Berge fährt, und Morgan aus Südkalifornien, wo Surfen im Sportunterricht Pflichtfach ist und manche Banker in der Mittagspause in die Shorts steigen, um ein paar Wellen zu reiten. Und beide wollten auf diesen Lebensstil nicht verzichten, als sie nach New York kamen. Sie wollten beweisen, dass man auch hier anders leben kann, als sich nur bei der Hatz nach Geld und Erfolg aufzureiben, wollten den freien Lebensstil der ewigen Jagd nach der perfekten Welle in die Stadt der Ambition und der Atemlosigkeit importieren.

Und warum auch nicht. Strand und Wellen gibt es in New York genügend. Nur eine halbe Stunde mit der U-Bahn entfernt, noch auf dem Stadtgebiet, liegt neben dem Kennedy-Flughafen die Halbinsel Far Rockaway. Die Leute, die dort in den Plattenbauten am zehn Kilometer langen Strand leben, surfen schon seit Jahrzehnten. Gleich dahinter fängt Long Island an mit 300 Kilometern Küstenlinie. Am äußersten Zipfel der Insel, in Montauk, schwellen zur Orkansaison im Herbst die Wellen bis zu vier Meter hoch. Und in Richtung Süden schwappt der Atlantik bis hinunter nach Atlantic City auf feinsten weißen Sand. Nach Sandy Hook, dem nördlichsten Strand von Jersey, kann man vom Südzipfel Manhattans aus sogar mit der Fähre fahren.

surf© CLAUS BIERSCHNEIDERAuch an der Ostküste gibt es Wellen: Morgan Collett in Aktion
Jeder will nur noch eine Welle reiten – und noch eine

Rund um das „Saturdays“ hat sich eine kleine Surfer-Community gebildet, die tagsüber den efeuüberwucherten Hinterhof des Ladens im Szene-Viertel SoHo bevölkert und gemeinsam rausfährt, sobald der Wind und die Wellen günstig sind. So wie heute früh. Es ist nicht einmal halb sechs, als die Kolonne von drei Autos die Mautstation am Ausgang des Holland Tunnel in New Jersey passiert, die Dachgepäckträger mit Boards voll gestapelt. Als es um Viertel nach sechs dämmert, sieht die Welt schon viel freundlicher aus. Der „Saturdays“-Konvoi biegt auf den Parkplatz von Monmouth Beach ein; acht müde Gestalten schlurfen an die Strandpromenade, lehnen sich an das Geländer und blinzeln durch dunkle Sonnenbrillen in die aufgehende Sonne, deren Strahlen fröhlich über das Wasser tanzen.

„Auf geht’s, Jungs, Surfen macht Spaß“, sagt Morgan nach zehn Minuten des stummen, meditativen Wellenstudiums, nicht zuletzt, um sich selbst dazu zu motivieren, in das zwölf Grad kalte Meer zu springen, in vier Millimeter dicken Neoprenanzügen. Eine Viertelstunde später kommt Morgan mit einem breiten Grinsen und seinem Board unter dem Arm von ganz weit außen den Strand hinuntergelaufen. Er ist gerade eine Drei-Meter-Welle geritten, bis er Sand unter dem Kiel hatte, und hat dabei den „salzigen Jungs aus Jersey“, wie er die Homeboys von hier nennt, gezeigt, was die New Yorker Wellenreiter so draufhaben. Drei Mal hat er das Brett dabei gegen die Wellenrichtung gewendet, ist mit seinem kleinen, wendigen Board senkrecht über den Kamm in die Luft geschossen und nach einem Snowboard-artigen Dreher wieder präzise im Wellentunnel gelandet. Zwei Stunden und ein gutes Dutzend Wellen später fällt Morgan ein, dass in Manhattan ein Geschäft auf ihn wartet. Mit größter Mühe sammelt er Josh und die anderen ein, die bei ihm im Laden arbeiten. Jeder will nur noch eine Welle reiten. Und noch eine. Und noch eine.

Hochbetrieb im „Saturdays“

Um halb elf erscheint das alles nur noch wie ein Traum. Joshs Kombi steht im dichten Verkehr der völlig verstopften Canal Street. Taxifahrer hupen, Fahrradkuriere drängeln sich zwischen Stoßstangen hindurch und fluchen, Polizisten blasen verzweifelt in ihre Trillerpfeifen. Josh und Morgan bearbeiten beide hektisch ihre Blackberrys, machen Termine, ärgern sich mit Nähereien für ihre T-Shirts in Hongkong und mit Fotografen herum, die ihre Herbstkollektion schießen sollen.

Als sie in der Crosby Street ankommen, ist bereits Hochbetrieb im „Saturdays“. Das Bürovolk aus dem Viertel steht an der Espressobar Schlange und wühlt nebenbei durch die Strandmode, die den rustikalen Raum mit seinen rohen Backsteinwänden füllt. Schließlich steht der Sommer vor der Tür. Als Josh und Morgan ihre Bretter und die Taschen mit den Surfklamotten in das Büro im Keller pfeffern, um sich an die Arbeit zu machen, rieselt ein Häuflein Sand aus New Jersey auf den Waschbetonboden. „Morgen früh Rockaway?“, fragt Josh seinen Kumpel. Morgan nickt, blinzelt ihm zu. Morgen früh Rockaway, was sonst?

Quelle: F.A.S.

Es interessiert mich nicht…

Es interessiert mich nicht, was du beruflich machst.

Ich möchte wissen, wonach du dich sehnst

und ob du es wagst, davon zu träumen,

deines Herzens Sehnsucht zu stillen.

 

Es interessiert mich nicht, wie alt du bist,

ich möchte wissen, ob du es riskieren wirst,

wie ein Narr zu wirken,

um der Liebe willen, um deiner Träume willen,

für das Abenteuer des Lebens.

 

Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen.

Ich möchte wissen, ob du das Zentrum deines eigenen Kummers berührt hast, ob du durch des Lebens Verrat geöffnet worden bist oder ob du dich verhärtet und verschlossen hast aus Angst vor weiterem Schmerz.

Ich möchte wissen, ob du Schmerz aushalten kannst,

meinen oder deinen eigenen, ohne ihn verstecken, verkleinern oder heilen zu wollen.

Ich möchte wissen, ob du Freude erleben kannst,

meine oder deine eigene:

ob du mit Wildheit tanzen kannst und dich von Ekstase auffüllen lässt bis in die Finger- und Fußspitzen, ohne uns zu ermahnen vorsichtig oder realistisch zu sein oder uns an die Beschränkungen des Mensch-Seins zu erinnern.

Es ist mir egal, ob die Geschichte, die du mir erzählst, wahr ist.

Ich möchte wissen, od du jemand Anderen enttäuschen kannst,

um dir selbst treu zu bleiben;

ob du die Anschuldigung des Verrats ertragen kannst,

ohne deine eigene Seele zu verraten.

Ich möchte wissen, ob du treu sein kannst und damit vertrauenswürdig.

Ich möchte wissen, ob du die Schönheit sehen kannst,

selbst wenn sie nicht jeden Tag hübsch anzuschauen ist,

und ob du den Ursprung deines Lebens aus ihrer Gegenwart entnehmen kannst.

Ich möchte wissen, ob du mit Misserfolgen leben kannst,

deinen oder meinen,

und dennoch am Ufer eines Sees stehend dem silbernen Mond zurufen kannst: „Hurra!“

 

Es interssiert mich nicht, wo du lebst oder wieviel Geld du hast.

Ich möchte wissen, ob du nach der Nacht der Trauer und Verzweiflung aufstehen kannst, erschöpft und zerschlagen,

und für dich sorgen kannst, wie es nötig ist.

 

Es ist mir egal, wer du bist oder wie du hierher gekommen bist,

ich möchte wissen, ob du mit mir inmitten des Feuers stehen wirst,

ohne zurück zu zucken.

 

Es ist mir gleich, wo oder was und bei wem du studiert hast.

Ich möchte wissen, ob du mit dir alleine sein kannst,

und ob du deine Gesellschaft in den leeren Momenten wirklich magst.

 

(Oriah Mountain Dreamer, Indian Elder)

Fragen an einen Freund

FRAGEN AN EINEN FREUND

• An welchem Tag meines Lebens wärst du gerne dabei gewesen?

• Was war dein erster Eindruck von mir?

• Welche Mutprobe täte mir gut?

• Sind wir in 20 Jahren noch Freunde?

• Was könnte dazu führen, dass wir es nicht mehr sind?

• Welche Sorge mache ich mir umsonst?

• Soll ich dir sagen, wenn dein Partner dich betrügt?

• Welche Eigenschaft hatte ich vor zehn Jahren noch nicht?

• Welches meiner Talente unterschätze ich?

• Was soll ich mir für 100 Euro einmal leisten?

• Habe ich Mundgeruch?

• Was besitze ich, was du gerne hättest?

• Welches Problem zwischen uns hast du dich nie getraut anzusprechen?

• Bis wann in der Nacht würdest du mich anrufen?

• Spontan: Ein Tisch, an dem wir zusammensaßen, und worüber wir sprachen?

• Was ist/wäre schwierig daran, mein Kind zu sein?

• Was ist/wäre schwierig daran, mein Partner zu sein?

• Welcher Satz von mir klingt dir noch in den Ohren?

• Welchen Satz möchtest du von mir nicht mehr hören?

• Wann war ich dir unsympathisch?

• Über wen rede ich viel zu schlecht?

• Welche Facette fehlt meinem Stil?

• Was findest du nur bei mir?

• Wie heißt der Ort, aus dem ich komme?

• Ein Moment, in dem du etwas von mir gelernt hast?

• In welches Abenteuer sollte ich mich an einem Freitagabend mal stürzen?

• Wofür schäme ich mich zu Unrecht?

• Was sollte ich jeden Tag fünf Minuten lang tun?

• Worauf eine Woche verzichten?

• Würdest du mit mir auf eine Berghütte fahren?

• Wenn ja: wann?

• Welche meiner Eigenschaften würdest du in meiner Grabrede erwähnen?

• Welche lieber nicht?

(aus: ZEITmagazin 26.01.2012)